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Komm, heilger Geist...

Am Pfingstsonntag im römischen Pantheon

Daß das Pantheon in Rom, so wie es seine heutige Bezeichnung nahelegt, einst zu Ehren aller Götter erbaut worden sei, ist eher unwahrscheinlich. In den ersten 600 Jahren seiner Geschichte erfüllte es verschiedene, wohl überwiegend weltliche Funktionen. Nachdem der damalige Kaiser in Konstantinopel das Gebäude 608 Papst Bonifaz IV. übereignete und es damit vor dem Zerfall bewahrte, wurde es sogleich zur Kirche umgewidmet. Und da in den unruhigen Zeiten der Besuch der Martyrergräber vor den Stadtmauen oft nur unter großen Gefahren möglich war, ließ Bonifaz wagenladungsweise Gebeine aus den Katakomben in die Kellerräume des Kuppelbaus schaffen, die seitdem den offiziellen Namen Santa Maria ad Martyres führt. Von den Gebeinen der Heiligen, die nicht nur in der Renaissance oft als theoi, d.h. vergöttlichte bezeichnet wurden, zum Heiligtum aller Götter war dann nur ein kurzer Gedankenschritt.

Alljährlich zu Pfingsten werden während des Hochamtes körbeweise Rosenblätter durch das oculus der Kuppel hereingeworfen. Wenn sie dann in Licht und Wind flirrend nach unten sinken, geben sie ein wahrhaft überirdisches Bild wie von feurigen Zungen, in der Realität viel feuriger als auf dem Photo. Im Mittelalter war das Abwerfen der Privileg frommer Bruderschaften, heute übernehmen diesen Dienst Freiwillige der römischen Feuerwehr - auch dann, wenn gerade die Sozialisten den Bürgermeister oder die Kommunisten den zuständigen Präfekten stellen. Diese Tradition, so scheint es, ist in guten Händen.

60 Jahre St. Pius X.

Heute vor 60 Jahren, am 29. Mai 1954, hat Papst Pius XII. seinen vierzig Jahre zuvor verstorbenen Vorgänger Pius X. zur Ehre der Altäre erhoben. Rorate Caeli präsentiert aus diesem Anlass die Ansprache, die Pius XII. nach der Heiligsprechungszeremonie gehalten hat, und verlinkt überdies auf eine Videomontage von Caeremoniale Romanum, die eine Sammlung von Bildern und Filmausschnitten zum Tage enthält.

Caeremoniale Romanum ist ein von dem polnischen Seminaristen Bartolomej Krzych mehrsprachig betriebenes Blog, das eine große Zahl von Text- und Bilddokumenten zum Zeremoniale des päpstlichen Hofes zusammengetragen hat und weiter zusammenträgt. Da fast alle Beiträge zumindest eine Zusammenfassung in Englisch oder Französisch haben, ist der Besuch auch dann höchst empfehlenswert, wenn man kein Polnisch kann.

Zwei Kirchenväter

Das Martyrologium Romanum Papst Gregors XIII. (maßgeblich bis 1962) gedenkt neben zahlreichen anderen Heiligen heute zweier großer Kirchenlehrer: Des. hl. Gregor von Nazianz († 390) und des hl. Hieronymus von Jerusalem († 420).

Zu Nazianz in Kappadokien des (himmlischen) Geburtstages des heiligen Bischofs, Bekenners und Kirchenlehrers Gregor, der wegen seiner einzigartigen Kenntnisse der Heiligen Lehre den Beinamen „der Theologe“ trägt. In der Zeit, als er selbst das Bischofsamt zu Konstantinopel innehatte, stellte er den dort (von den Arianern) zerstörten katholischen Glauben wieder und unterdrückte die Irrlehrer und Widerspenstigen.

Zu Rom der Übertragung des heiligen Priesters, Bekenners und Kirchenlehrers Hieronymus von Bethlehem in Juda zur Basilika der Heiligen Maria bei der Krippe.

Der heutige 9. Mai ist auch nach dem Missale der Festtag des hl. Kirchenlehrers  Gregor; der des hl. Hieronymus ist der 30. September. Das Martyrologium Gregors VIII. verzeichnet übrigens auch einen Gedenktag der Übertragung der Reliquien des hl. Gregor von Nazianz nach Rom in die Peterskirche, der unter dem 11. Juni verzeichnet ist. Seine Gebeine waren im 8. Jahrhundert während der Bilderstürmer-Unruhen in Konstantinopel nach Rom in Sicherheit gebracht worden. Sie wurden 2004 zusammen mit den 1204 von den lateinischen Kreuzfahrern aus Konstantinopel geraubten Überresten des hl. Johannes Chrysostomus von Papst Johannes Paul II. in einer feierlichem Zeremonie dem orthodoxen Patriarchen Bartholomäus I. übergeben, der sie wieder nach Konstantinopel brachte.

Bei der im Zusammenhang mit der Bestattung des hl. Hieronymus genannten Basilika Maria bei der Krippe (Maria ad praesepe) handelt es sich um die heutige Kirche Maria Maggiore bzw. einen Vorgängerbau, wo seit alter Zeit eine Krippenreliquie aufbewahrt wird.

Der Sonntag vom Guten Hirten

Seit unvordenklichen Zeiten wurde am 2. Sonntag nach Ostern das Evangelium vom Guten Hirten (Joh. 10, 11-16) verlesen - wenigstens meint das schon Rupert von Deutz († 4. März 1129) in seiner ausführlichen Darstellung De Divinis Officiis. Und bis in die jüngste Zeit wurde dieser Sonntag denn auch der ‚Sonntag vom guten Hirten‛ genannt.

Dom Gueranger beschreibt im Kirchenjahr (Bd. 8, S. 72ff), das „unsichtbare Band“, das diesen Sonntag in den Wochen zwischen Auferstehung und Himmelfahrt mit gerade dieser Evangelium verbindet: Es ist die Aufnahme des „Weide meine Lämmer, weide meine Schafe“, mit dem Jesus bei Cäsarea-Philippi den Petrus zum Oberhirten der Kirche einsetzt, der - und dessen Nachfolger - ihn vertreten sollen. Er schreibt dazu:

Was bei Cäsarea-Philippi noch Zukunft war, ist am See von Tiberias Gegenwart geworden. Wir sind jetzt in den kletzten Stunden des Verweilens Jesu auf Erden. Der Augenblick ist daher gekommen, wo er seine Verheißung erfüllen und das Reich Gottes gründen muß; er muß demnächst jene versprochene Kirche auf Erden bauen. (...) So ist denn Petrus zum Hirten von demjenigen eingesetzt, der von sich selbst sagte: ‚Ich bin der gute Hirte‛. ... Jetzt mag denn die Kirche ins Leben treten, sie mag ihr Panier aufpflanzen und sich immer weiter und weiter ausdehnen. Simon, der Sohn des Jonas, ist als ihr sichtbares Oberhaupt proclamirt. Ist diese Kirche ein Gebäude? Er ist das Fundament. Ist sie ein Reich? Er besitzt die Schlüssel, d.h. den Scepter. Ist sie eine Hürde? Er ist der Hirte.“

Mit der Einführung der neuen Ordnung 1970 wurde der Sonntag nach dem Weißen Sonntag zum ‚dritten Sonntag der Osterzeit‛. Das Evangelium vom Guten Hirten wurde durch die Perikope vom reichen Fischfang nach der erfolglosen Nacht ersetzt. Allerdings haben die meisten Gemeinschaften der Reformation die traditionelle Lesung nach Johannes 10 beibehalten - für sie und die Katholiken, die das Missale von 1962 verwenden, ist auch heute noch der „Sonntag vom Guten Hirten“.

Heilige Päpste

Von den bislang 79 als Heilige verehrten Päpsten lebten 74 im ersten Jahrtausend, und diese wiederum größtenteils in dessen ersten Jahrhunderten: Als Martyrer, die in den Christenverfolgungen bis zu Julian dem Abtrünnigen umgebracht worden waren, erfüllten die Päpste der ersten drei Jahrhunderte ausnahmslos das damals einzige Kriterium für die Rechnung unter die Zahl der Heiligen. Bei einigen ist tatsächlich das Martyrium das einzige, was man einigermaßen sicher über ihr Leben weiß.

Auch die Päpste der Völkerwanderungszeit gelten größtenteils als Heilige - manche von ihnen wohl hauptsächlich deshalb, weil die Bevölkerung der schwer geprüften alten Reichshauptstadt in ihnen immer wieder Stadtoberhäupter fand, die jeweils Schlimmeres abwenden konnten. Letzter in der Reihe der hl. Päpste des ersten Jahrtausends ist der 885 gestorbene Hadrian III. aus dem Hause der Colonna - da waren Kirche und Papsttum schon voll auf dem Weg in die große Krise des Papsttums, das dann im hohen Mittelalter zum Spielball der römischen Adelsfamilien werden sollte.

Auf Hadrian III. folgten bis auf den heutigen Tag dann nur noch Leo IX, ( 1054), Gregor VII. (der von Canossa, 1085), der unglückliche Coelestin V. ( 1294), Pius V. (Umsetzer des Konzils von Trient und Sieger von Lepanto, ( 1572) sowie Pius X. ( 1914).

Im ersten Jahrtausend war die „Heiligerklärung“ nicht nur von Päpsten zumeist durch Akklamation des römischen Volkes oder eines Ortsbischofs erfolgt, nicht selten im Streit gegensätzlicher Interessen zwischen Kaiser, Königen und mächtigen Bischöfen. Das geregelte Verfahren, mit dessen Einführung sich die Zahl heiliggesprochener Päpste so bemerkenswert veringerte, entstand zu Beginn des zweiten Jahrtausends und wurde erst zu Beginn des dritten praktisch außer Gebrauch gesetzt.

Bis dahin dauerte es oft viele Jahrhunderte, bis ein Papst offiziell als Heiliger verehrt wurde. Gregor der Große, 604, wurde 1295 kanonisiert - 7 Jahrhunderte nach seinem Tod. Leo III, der im Jahr 800 Kaiser Karl gekrönt hatte, erst 1673. Pius V. musste „nur“ noch 140 Jahre warten. Mit der Moderne des 20. Jahrhunderts - Pius X. wurde 40 Jahre nach seinem Tode kanonisiert - setzte dann die große Beschleunigung ein, wie wir sie gegenwärtig erleben.

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  • Stationskirchen

    Die römischen Stationskirchen

    Kupferstich von Giusepppe Lauro aus dem Jahr 1599

    In der Fastenzeit 2013 haben wir zu jedem Tag die entsprechende Stationskirche kurz vorgestellt. Damit sind zwar alle gegenwärtigen Stationskirchen erfasst, aber nicht alle Tage mit einer Statio, von denen es auch etliche außerhalb der Fastenzeit gibt.

    Bei der Vorstellung der Stationskirchen orientierten wir uns im wesentlichen an „Die Stationskirchen des Missale Romanum“ von Johann Peter Kirch, Freiburg 1926. Zu Ergänzungen haben wir Hartmann Grisar „Das Missale im Licht römischer Stadtgeschichte“, Freiburg 1925, und Anton de Waals „Roma Sacra - Die ewige Stadt“ von 1905 in der Überarbeitung Johann Peter Kirchs von 1925 (Regensburg 1933) herangezogen. Daneben haben wir auch auf Informationen aus Internetquellen zurückgegriffen. Die Illustrationen stammen, soweit nicht anders angegeben, von eigenen Aufnahmen.

    Wie der gegenwertige Nachfolger de Waals und Kirchs als Direktor des römischen Instituts der Görres-Gesellschaft, Prof. Msgr. Stefan Heid, uns mitteilte ist diese älter Literatur insbesondere in Sachen der Datierungen vielfach überholt. Nach seinen Untersuchungen geht die Institution der Stationes nicht wesentlich vor die Zeit Gregors d. Großen zurück. Was natürlich nicht bedeutet, daß die Stationskirchen bzw. deren Vorgängerbauten nicht wesentlich älter sein können.

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