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Kerzenweihe zu Mariä Lichtmeß

Fra Angelico, 1440Spätestens am 40. Tage nach der Geburt, so wollte es das jüdische Gesetz, war der Erstgeborene jeder Familie dem Herrn zu weihen. Oft wurde die entsprechende Feier mit der nach jeder Entbindung vorgeschriebenen rituellen „Reinigung“ der Mutter verbunden – so weit in die jüdische Vorgeschichte zurück reicht das Fest Mariä Lichtmess, das seit den frühesten Zeiten am 40. Tag nach der Geburt Jesu begangen wird. Im Bericht des Evangelisten Lukas über die Weihezeremonie des Jesusknaben im Tempel ist die Episode vom greisen Simeon überliefert, der in der Hoffnung lebte, noch vor seinem Tode den kommenden Messias zu sehen, und der, vom hl. Geist erfüllt, in dem Sohn Mariens den künftigen Messias erkannte: Das Heil vor dem Angesicht aller Völker und Licht zur Erleuchtung der Heiden. Von dieser Zeile im Dankeslied Simeons her lag es nahe, an diesem Tag auch die Kerzen zu weihen, die – neben noch funzeligeren und üblerriechenden Öllampen – noch auf fast 2000 Jahre die einzigen Spender von Licht in der dunklen Tages- und Jahreszeit waren.

In diesem Kerzen traf das Symbol für das neu in die Welt gekommene Licht und der Gebrauchsgegenstand größter Bedeutung für den Alltag der Menschen auf glückliche Weise zusammen – entsprechend feierlich war die Liturgie ausgestaltet. In fünf Orationen und einer feierlichen Lichterprozession wurde – zweifellos auch in katechetischer Absicht – eine kleine Theologie vom „Licht der Erlösung“ entfaltet. In dieser ebenso feierlichen wie umfangreichen Gestaltung geht, wenn man dem Bericht der Pilgerin Egeria vertrauen kann, die Feier der „Lichtmess“ bis in das 4. Jahrhundert zurück.

Die erste Oration wendet sich an Gott als den Schöpfer aller Dinge, auf dessen Wirken auch die Fähigkeit des Menschen zurückgeht, Gegenstände aus der Schöpfung zu seinem Gebrauch zu bearbeiten:

Gott, Du hast alles aus Nichts erschaffen; nach Deiner Anordnung auch haben die Bienen Blumensäfte zum Wachs für Kerzen bereitet.

Die zweite Oration blickt auf den Beginn des irdischen Lebens Jesu als den Beginn des Erlösungswerks:

Allmächtiger ewiger Gott, Du hast Deinen Eingeborenen in Deinem heiligen Tempel am heutigen Tage den Armen des hl. Simeon dargeboten, darum flehen wir demütig zu Deiner Güte, diese Kerzen … wollest Du segnen und weihen und sie mit dem Licht himmlischen Segens anzünden.

Die dritte Oration spricht dann Christus an als den göttlichen Erlöser der Menschheit aus der Dunkelheit der Erbsünde:

Herr Jesus Christus, Du wahres Licht, der Du jeden Menschen erleuchtest, der in diese Welt kommt, Gieße Deinen Segen aus über diese Kerzen und weihe sie durch das Licht Deiner Gnade.

Die Vierte als die kürzeste in der Reihe soll hier ganz zitiert werden, nicht zuletzt auch deshalb, weil sie im Rückgriff auf das alte Testament eines der zahllosen „liturgischen“ Gebote anspricht, die der Herr selbst zum Dienst an seinem Altar erlassen hat:

Allmächtiger ewiger Gott, Du hast Durch Deinen Diener Moses befohlen, für die Lampen, die stets vor Deinem Angesichte brennen sollen, das reinste Öl zu bereiten; gieße huldvoll die Gnade Deines Segens + über diese Kerzen aus, damit sie uns äußerlich so das Licht spenden, daß zugleich innerlich durch Deine Gnade das Licht Deines Geistes in unseren Herzen nie erlösche.

Die fünfte Oration spricht in einer für die Westkirche eher ungewöhnlichen Ausführlichkeit den Hl. Geist als die Göttliche Person an, die das Erleuchtungs- und Erlösungswerk in der Seele jedes Einzelnen bewirkt:

Vom Lichte des hl. Geistes des hl. Geistes erleuchtet, hat Dich Simeon, der ehrwürdige Greis, erkannt, Dich auf seine Arme genommen und gesegnet. Verleihe gnädig, daß auch wir, von der Gnade desselben heiligen Geistes erleuchtet und belehrt, Dich wahrhaft erkennen und treu lieben.

Es folgt der psalmodierend vorgetragene Gesang des Lobliedes Simeons und dann die Prozession mit Antiphonen und – nach Septuagesima – einer Fürbitte, die auf die ältesten Formen der Liturgie zurückgreifen.

In der reformierten Liturgie ist die ganze Segenszeremonie auf eine Oration von wenigen Zeilen zusammengekürzt, die Kerzenweihe ist vorbei, bevor man richtig bemerkt, daß sie begonnen hat. Der Umstand mit mittelalterlichen Kerzen und Öllämpchen ist überwunden – wir Modernen knipsen einfach das elektrische Licht an.

Die Bekehrung des Saulus

Bild: Wikimedia CommonsDie Kirche begeht am 25. Januar eines der merk-würdigsten Feste ihres Kalenders: Das Gedächtnis der Bekehrung des Saulus, der zum Paulus wurde. Dieses Gedächtnis hat viele Facetten: Die Wendung vom Anführer einer Fanatikermiliz, die unter anderem den Mord am Diakon Stephanus ausgeführt hatte, zu einem der eifrigsten und jedenfalls wortmächtigsten Prediger des jungen Christusglaubens. Den brutalen Eingriff Gottes in ein Menschenleben, den er blendete, betäubte und zu Boden warf – und dann als einen völlig Verwandelten und in die tiefsten Geheimnisse eingeweihten neuen Menschen wieder aufstehen ließ. Völlig verwandelt nicht nur im Inhalt seiner Überzeugungen, sondern auch hinsichtlich der Mittel, mit denen er seine neuen Gewissheiten künftig vertreten sollte. Schließlich der unglaublichen Anspruch an die kleine Gemeinde von Damaskus, den Mann als Bruder aufzunehmen, von dem doch alle wussten, daß er gekommen war, um ihnen das Todesurteil auszustellen.

Da wirkte in der Tat der „Gott der Überraschungen“. Im menschlichen Leben können wir da offensichtlich vor gar nichts sicher sein. Ganz anders freilich in der Lehre – da läßt auch der so überraschend vom Saulus zu Paulus gewandelte Pharisäer nicht den geringsten Zweifel aufkommen. Er kennt und lehrt „allein Jesus Christus, den Gekreuzigten“ (1. Kor. 2), und im Brief an die Galater schreibt er mit klarer Härte:

Ich wundere mich, dass ihr so schnell von dem abfallt, der euch durch Christi Gnade berufen hat, zu einem anderen Evangelium, [wo] es [doch] kein anderes gibt, außer daß es einige gibt, die euch verwirren und die das Evangelium Christi verdrehen wollen. Aber auch wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch ein Evangelium verkündigen würden entgegen dem, was wir euch verkündigt haben - er sei verflucht!

Kirche ist Tradition

Bild: Wikimedia CommonsEcclesiologie im Katechismus Canisii 

Auf den ersten Blick scheint das ein arges Mißverhältnis zu sein: Für die Darlegung der 10 Gebote wendet Petrus Canisius in seinem "mittleren Katechismus" gerade einmal 15 Seiten auf - für die Gebote der Kirche braucht er 25. Bei näherem Hinsehen erklärt sich das: Das Kapitel über die Kirchengebote enthält eine ausführliche Lehre von der Kirche, die begründen soll, daß die Kirche die Vollmacht hat, gültig und verbindlich Gebote zu Gegenständen zu erlassen, die in der hl. Schrift gar nicht oder so nicht behandelt worden sind. Das Hauptargument, das der Heilige zur Begründung dieser Vollmacht der Kirche anführt, ist die Tradition: Was immer, überall und von allen für wahr und verbindlich gehalten worden, von den Hirten verkündet und in Kirchensammlungen bekräftigt worden ist – das hat gleichen Rang wie das, was Christus und seine Apostel gelehrt haben.

Er zitiert den hl. Augustinus:

Wenn dasjenige, was wir nicht aus der Schrift, sondern aus der Überlieferung beobachten, auf dem ganzen Erdkreise beobachtet wird, so erhellet hieraus, daß es als etwas entweder von den Aposteln selbst, oder von allgemeinen Kirchenversammlungen (deren Ansehen in der Kirche sehr heilsam ist) Empfohlenes oder Eingesetztes gehalten werde.

Selbstverständliche Voraussetzung dafür ist, daß die Verkündigung tatsächlich auf einer ungebrochenen und von den Vätern und Konzilien immer wieder bekräftigten Lehre beruht. Er lehnt jeden Gedanken an irgend ein Abweichen von dieser Tradition oder gar eigenwilligen Neuerungen ab. Ausdrücklich warnt er davor, Mit den Worten des Kirchenvaters Basilius unterstreicht er:

Wenn wir einmal daran gehen, die Satzungen und Gebräuche, die nicht geschrieben sind, als wäre an denselben nicht viel gelegen, zu verwerfen, so werden wir heimlich und allmählig die gewissen Sprüche des Evangeliums selbst umstossen, oder vielmehr die Predigt desselben zu einem eitlen Namen machen.

Zur Bekräftigung dessen führt er eine sehr entschiedene Stelle bei Origines an, den er als „einen berühmten und sehr alten Schriftsteller“ vorstellt:

Ein jeder ist von uns für einen Ketzer zu halten, der da bekennt, daß er zwar an Christus glaube, doch von der Wahrheit des christlichen Glaubens etwas anderes halte, als es der Bestimmung der kirchlichen Überlieferung entspricht.‘ Und an anderer Stelle: ,Das allein ist für die rechte Wahrheit zu halten, was in keinem Stück der kirchlichen Überlieferung entgegen steht.‘

Der Garant dafür, daß die Kirche dieser Überlieferung stets treu bleibt, ist für Petrus Canisius der Papst. Zur Begründung von dessen Rang als dem wahren Notar der Tradition führt er eine ganze Seite lang die verschiedensten Autoritäte an, um dann dann mit einem Zitat aus Irenäus von Lyon zu schließen:

Es ist notwendig, daß die ganze Kirche, das heißt, alle Gläubigen allenthalben mit dieser Kirche (des. hl. Petrus) übereinstimmen wegen ihres mächtigen Vorranges, in welcher allzeit die von den Aposteln kommende Überlieferung sich bei den Gläubigen, sie mögen sein, wo sie wollen, erhalten hat.“

Daß die Kirche von Rom sich eines Tages außerstande sehen könnte, die ihr anvertraute Lehre und Wahrheit in der gebotenen Klarheit zu verkünden, wäre ihm gänzlich undenkbar erschienen. Den 10. Abschnitt im Kapitel von den Geboten der Kirche leitet er mit der Frage ein:

Welches ist nun die Würde und das Ansehen der Kirche?

Dieses nämlich, daß Gott seine Kirche mit vielen und wahrlich außerordentlichen Gaben, Verheißungen , und Wohltaten verherrlicht. Diese schmückt, verteidigt und rettet er allzeit. Diese hat er auch zu seinem Hause gemacht, in welchem alle Kinder Gottes genährt, unterwiesen und geübt werden sollen. Er hat gewollt, daß sie eine Säule sei und Grundfeste der Wahrheit, damit wir an der Lehre derjenigen nicht zweifeln, welche als eine Lehreren, Bewahrerin und Auslegerin der Wahrheit Glauben und unverletzliche Autorität hat. Überdies hat er beschlossen, daß diese Kirche auf den starken Felsen gebaut sei, damit wir gewiß seien, daß sie unbeweglich und unumstößlich fest stehe, und selbst vor den Pforten der Hölle, das ist, von den heftigsten Angriffen der Feinde, nicht überwunden werden könne. Endlich will er, daß sie jene heiligste Stadt sei, auf einem Berg erbaut, die alle sehen nd zu er man leicht kommen könne, damit nicht jemand sie vcelasse, die giftigen Gruben und Winkel der Ketzer aufsuche, und durch jene falschen Stimmen: ;Siehe, hier ist Christus, siehe, dort ist er!‘ betäubt von ihr weiche und sich trenne (…) Dieser Kirche hat er verheißenund treu gesendet und zurückgelassen einen Lehrer, Vorsteher und Regenten, den heiligen Geist, von dem er sagt: ,Er wird euch alles lehren, was ich euch gesagt habe‘.Er wird bei euch bleiben ewiglich. Er wird euch alle Wahrheit lehren, was nämlich zu wissen und zu glauben notwendig ist.“

Nie wäre es ihm in den Sinn gekommen, daß höchste Würdenträger der Kirche eines Tages unter der Bemäntelung als „pastorale Notwendigkeit“ in Zweifel ziehen könnten, was Christus selbst ihnen und uns in jenseits allen Zweifels klaren Worten gesagt hat.

Quatembersamstag im Advent

Der gestrige Donnerstag war, wie alle Donnerstage in den Quatembern, kein eigentlicher Quatembertag. Das hat den sehr einfachen Grund, daß der Donnerstag in der frühen Zeit als zwar nicht liturgiefreier, aber doch als Tag ohne heilige Messe galt – die Quatember sind älter als die reguläre hl. Messe am Donnerstag. Später wurde der Tag mit der gewöhnlichen Tagesmesse belegt. Der heutige Freitag ist dann wieder Quatembertag, allerdings ohne besondere liturgische Auffälligkeiten, außer vielleicht der, daß er in diesem Jahr auf den 16. Dezember fällt: Das ist der Tag, an dem das Martyrologium Romanum der hl. Drei Jünglinge im Feuerofen gedenkt.

Liturgisch eng wird es am morgigen Quatembersamstag, an dem sich Priester und Gemeinde da, wo nur eine hl. Messe gefeiert werden kann entscheiden müssen zwischen der Rorate-Messe der. hl. Gottesmutter oder der so überaus lesungsintensiven Messe vom Samstag in der Winterquatember. Mit dieser Messe verbinden sich weitere Besonderheiten: Sie war Weihemesse, während der in den Kathedralkirchen die Weihen zum Priesteramt und dessen Vorstufen gespendet wurden, und sie fand zumindest in Rom in der Nacht zum Sonntag statt. Deshalb hatte dieser Sonntag lange kein eigenes Messformular – in den alten Messordnungen wird er als „dominica vacat“ geführt.

Die Messe des Quatembersamstages im Advent ist von allen Adventsmessen diejenige, die die Erwartung des Herrn am stärksten zum Ausdruck bringt und am tiefsten in der Tradition des auserwählten Volkes verankert. Gleichzeitig macht die Auswahl aus den Prophetien des Isaias schon von der ersten Lesung an deutlich, daß der Messias zwar aus dem Volk Israel stammt, sein Erlösungswerk jedoch allen Menschen auf der ganzen Erde zugute kommen soll: Alle, die ihm folgen, werden zu den neuen Auserwählten gehören:

Ja, erkennen werden die Ägypter (= Heiden) den Herrn an diesem Tag und ihn Ehren mit Opfern und Gaben. Gelübde werden sie dem Herrn ablegen und Erfüllen. So wird der Herr Ägypten mit Unglück schlagen und dann heilen. Sie werden sich zum Herrn bekehren, und versöhnen wird sich mit ihnen und sie Heilen der Herr unser Gott. (Is. 19)

Auch die zweite Lesung hat die ganze gefallene Schöpfung im Blick:

Freuen wird sich die öde, unwegsame Wüste, und blühen wie eine Lilie. Sie wird sprossen und grünen und frohlocken in Freude und Jubel... Sie werden schauen die Herrlichkeit des Herrn und die Schönheit unseres Gottes. (Is. 35)

Die dritte Lesung spricht dann das Volk Israels direkt an:

Steige auf einen hohen Berg, der du die Freudenbotschaft bringst für Sion, erhebe mit Macht deine Stimme, der du die frohe Botschaft bringst (evangelizas) für Jerusalem: rufe laut und fürchte nichts! Sag den Städten Judas: Seht, da ist euer Gott! Seht Gott der Herr kommt mit Macht, und sein Arm wird herrschen. (Is. 40)

Die 4. Lesung bringt die Perikope aus Isaias, in der der Herr den Heidenkönig Cyros zu seinem Werkzeug erklärt:

Du sollst wissen, daß ich der Herr bin, der dich bei deinem Namen ruft, der Gott Israels. Um meines Knechtes Jakob und um Israels, meines Auserwählten willen, rief ich dich bei deinem Namen, ich habe dich angezogen, noch ehe du mich kanntest. Ich bin der Herr, und keiner sonst ist es. (Is. 45)

Mit der 5. Lesung wendet sich die Liturgie von den Prophezeiungen ab und dem Thema der Priesterweihen zu: Vor der Weihe der Subdiakone wird als Lesung der Abschnitt aus dem Propheten Daniel vorgetragen, der vom Martyrium der drei Jünglinge im Feuerofen berichtet: Ihre Standhaftigkeit soll den nun zu Subdiakonen zu Weihenden und damit in den Klerus aufzunehmenden Männern Vorbild sein. Man kann wohl annehmen, daß der so begründete Vortrag dieser Perikope den Anstoß dafür gab, das Gedenken der Drei in der Zeit der Winterquatember zu feiern.

Die 6. Lesung, die Epistel, zitiert aus dem 2. Brief des hl. Paulus an die Thessalonicher die Passage, in der er die Gläubigen zur Standhaftigkeit in den Bedrängnissen vor der in naher Zukunft erwarteten Wiederkunft des Herrn ermahnt. Damit sind die anschließend zu Diakonen zu weihenden jungen Männer ebenso angesprochen wie der Advent als Vorbereitung auf die zweite Wiederkunft.

Nur durch den Gesang eines Tractus von der Diakonenweihe getrennt erfolgt die Weihe der Priester, daran anschließend als 7. Lesung und Evangelium der feierliche Bericht des hl. Lukas von der Berufung des Vorläufers Johannes. Auch diese Lesung richtet sich damit sowohl an die neu Geweihten, denen sie ihre übernommenen Aufgaben vor Augen stellt, als auch an die ganze Gemeinschaft der Gläubigen:

Bereitet den Weg des Herrn, macht gerade seine Pfade. Jedes Tal soll ausgefüllt und jeder Berg und Hügel abgetragen werden! Was krumm ist, soll gerade, was uneben, soll ebener Weg werden! Und alles Fleisch wird schauen Gottes Heil.

Quatembertage im Advent

Darstellung aus dem 'Klosterneuburger Evangeliar' des 14. Jh.; Bild: WikimediaTraditionell beginnen mit dem Mittwoch nach dem 3. Adventssonntag die Winter-Quatember, die den bevorstehenden Anbruch der astronomischen Winterzeit ankündigen. Die Tradition dieser „besonderen Tage“ zum Wechsel der Jahreszeiten reicht in Rom bis weit in vorchristliche Zeit zurück. Mit dem Aufstieg des Christentums wurden diese Tage zu Zeiten der Buße, des Gebets und der geistlichen Erneuerung veredelt, und sie behielten diesen Charakter bis weit ins 20. Jahrhundert hinein.

Im Zuge der nachkonziliaren Liturgiebrüche wurden die traditonellen Termine aufgegeben bzw. in das Belieben lokaler Bischofskonferenzen gestellt. In Deutschland rückte die Winterquatember in die Woche nach dem ersten Adventssonntag. Irgendeinen sachlichen Grund für diese „Verrückung“ gibt es nicht. Sie erfolgte aus reiner Lust am „alles anders“, und „selbst bestimmen“ – so ist es letztlich nur konsequent, daß der solcherart aus dem kosmischen Bezug gelöste und beliebig gemachte jahrtausendealte Brauch fast vollständig vergessen worden und verlorengegangen ist. Und mit „Buße“ braucht uns Heutigen ja sowieso keiner zu kommen...

In der überlieferten Liturgie sind die Messen der Quatembertage im Advent durch einen außergewöhnlichen Reichtum an Lesungen und Gesängen gekennzeichnet – insbesondere der Quatembersamstag. Während der Mittwoch neben dem Evangelium nur zwei Lesungen hat, sind für diesen Samstag gleich 6 zusätzliche Lesungen vorgesehen. Damit steht dieser Tag hinsichtlich der Lesungszahl gleich an zweiter Stelle hinter dem Karfreitag mit 12 Lesungen. Nach Rupert von Deutz scheinen es auch am Quatembersamstag im Advent ursprünglich 12 gewesen zu sein, von denen allerdings bereits zu seiner Zeit nur noch 6 vorgetragen worden sind. Eine davon bezieht sich auf die traditionell an diesem Tag vorgenommenen Weihen zu den priesterlichen Diensten und Ämtern, fünf auf das nahende Fest der Geburt des Herrn. Auch eine (zusätzliche) Lesung am Mittwoch hat dieses Thema.

Mit einer Ausnahme sind diese adventlichen Lesungen alle dem Propheten Isaias entnommen – dem großen Künder des kommenden Messias aus der Zeit des 8. Jahrhunderts vor Christi Geburt. Dazu kommt dann am Samstag die Lesung aus der 2. Epistel des hl. Paulus an die Thessalonicher, in der der Apostel die Gemeinde auf die 2. Wiederkunft des Herrn vorbereitet. Zwischen diesen Lesungen erfolgen Psalmengesänge (Graduale) und Fürbitten-ähnliche Orationen, wie am Karfreitag, sie werden auch wie dort mit dem Oremus – flectamus genua – levate eingeleitet.

In der Perikope aus dem 2. Brief an die Thessalonicher geht Paulus noch von der Vorstellung aus, daß die 2. Wiederkunft des Herrn unmittelbar bevorstehe oder doch wenigstens noch zur Lebenszeit der meisten Gemeindemitglieder erfolgen werde. Das ist so nicht eingetroffen – aber die Mahnungen des Apostels scheinen mit jedem seitdem vergangenen Jahrhundert an Bedeutung zuzunehmen:

Lasst euch nicht so schnell aus der Fassung bringen und in Schrecken jagen, wenn in einem prophetischen Wort oder einer Rede oder in einem Brief, der angeblich von uns stammt, behauptet wird, der Tag des Herrn sei schon da. Lasst euch durch niemand und auf keine Weise täuschen! Denn zuerst muss der Abfall von Gott kommen und der Mensch der Gesetzwidrigkeit erscheinen, der Sohn des Verderbens, der Widersacher, der sich über alles, was Gott oder Heiligtum heißt, so sehr erhebt, dass er sich sogar in den Tempel Gottes setzt und sich als Gott ausgibt.

Falsche Götter bringt unsere sich so aufgeklärt dünkende Zeit nun wahrhaft in großer Zahl hervor. Und ähnlich wie einst im römischen Kaiserreich setzt die herrschende Staatsmacht alles daran, ihre Verehrung zu erzwingen.

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  • Stationskirchen

    Die römischen Stationskirchen

    Kupferstich von Giusepppe Lauro aus dem Jahr 1599

    In der Fastenzeit 2013 haben wir zu jedem Tag die entsprechende Stationskirche kurz vorgestellt. Damit sind zwar alle gegenwärtigen Stationskirchen erfasst, aber nicht alle Tage mit einer Statio, von denen es auch etliche außerhalb der Fastenzeit gibt.

    Bei der Vorstellung der Stationskirchen orientierten wir uns im wesentlichen an „Die Stationskirchen des Missale Romanum“ von Johann Peter Kirch, Freiburg 1926. Zu Ergänzungen haben wir Hartmann Grisar „Das Missale im Licht römischer Stadtgeschichte“, Freiburg 1925, und Anton de Waals „Roma Sacra - Die ewige Stadt“ von 1905 in der Überarbeitung Johann Peter Kirchs von 1925 (Regensburg 1933) herangezogen. Daneben haben wir auch auf Informationen aus Internetquellen zurückgegriffen. Die Illustrationen stammen, soweit nicht anders angegeben, von eigenen Aufnahmen.

    Wie der gegenwertige Nachfolger de Waals und Kirchs als Direktor des römischen Instituts der Görres-Gesellschaft, Prof. Msgr. Stefan Heid, uns mitteilte ist diese älter Literatur insbesondere in Sachen der Datierungen vielfach überholt. Nach seinen Untersuchungen geht die Institution der Stationes nicht wesentlich vor die Zeit Gregors d. Großen zurück. Was natürlich nicht bedeutet, daß die Stationskirchen bzw. deren Vorgängerbauten nicht wesentlich älter sein können.

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