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Hl. Erzengel Michael, hilf uns im Kampfe

Bild: ArchivNach dem überlieferten Kalender gedenkt die Kirche heute des hl. Erzengels Michael, dessen Kirche auf dem Monte Gargano an einem 29. September eingeweiht worden war. Selten war sein Fest, unsere Bitte um seine, um Gottes, Hilfe, so aktuell wie in diesem Jahr: Die Welt wird an den Rand eines Atomkrieges getrieben. In der Kirche führen Irrlehrer das große Wort - auf Bischofssitzen, auf Lehrstühlen und selbst am Stuhl des hl. Petrus. In den Gesellschaften des ehemals so stolz auf seine Aufklärung verweisenden Westens ist das geistige Leben von Wahnsinn befallen, die Dämonen schleichen nicht mehr im Dunkeln, sondern tanzen, von den Mächtigen dazu eingeladen und vielem Volk bejubelt, im hellen Tageslich auf den Tischen. 

Heiliger Erzengel Michael,
verteidige uns im Kampfe;
gegen die Bosheit und die Nachstellungen
des Teufels, sei unser Schutz.
'Gott gebiete ihm', so bitten wir flehentlich;
du aber, Fürst der himmlischen Heerscharen,
stoße den Satan und die anderen bösen Geister,
die in der Welt umherschleichen,
um die Seelen zu verderben,
durch die Kraft Gottes in die Hölle.

Zum Festtag selbst haben wir bereits in den vergangenen Jahren mehrfach geschrieben – zur Überlieferung über sein mächtiges Handeln 2016, dann 2018 über den Erzengel selbst und 2019 über die Geschichte seines Festes. Im letzten Jahr hat sich P. Kwasniewski ausführlich mit der Stellung der hl. Engel in der traditionellen römischen Liturgie und deren Herabstufung in der Liturgiereform beschäftigt: Angels: Fellow Worshipers in the Liturgy of Heaven. In diesem Jahr wollen wir noch einmal  selten gebrauchten Vollform des Gebetes zum hl. Erzengel wiedergeben, wie sie von Papst Leo XIII in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts verfaßt worden ist und heute wieder bedrückende Aktualität erlangt. Den Text der Langfassung entnehmen wir dem Artikel von Paul Badde Überaus durchtriebene Feinde erfüllen die Kirche mit Bitterkeit aus kath.net 2012, dort finden sich auch wenig bekannte Einzelheiten über die nicht völlig bekannten Umstände der Entstehung des Gebetes. Doch hier jetzt die Vollform des Gebetes von Papst Leo XIII.:

Heiliger Erzengel Michael, Du ruhmreicher Fürst der himmlischen Heerscharen, verteidige uns in diesem schlimmen Krieg, den wir gegen Mächte und Gewalten, gegen die Beherrscher der Welt der Finsternis und gegen die bösen Geister in den Himmelshöhen führen müssen. Komme den Menschen zu Hilfe, die Gott nach seinem Bild und Gleichnis gemacht, unsterblich erschaffen, und aus der Tyrannei des Teufels um einen teuren Preis erkauft hat.

Kämpfe - vereint mit dem Heer der seligen Engel – heute wieder so die Schlachten des Herrn, wie Du einst gegen Luzifer, den Anführer des teuflischen Stolzes und seine abtrünnigen Engel gekämpft hast! Denn sie siegten nicht! Ihre Stätte ward nicht mehr gefunden im Himmel. Hinab gestürzt wurde stattdessen der grausame Drache, die alte Schlange, die Teufel und Satan genannt wird und der die ganze Welt verführt. Er wurde vom Himmel hinabgeworfen auf die Erde, und mit ihm all seine Engel.

Doch sieh! Der Urfeind hat sich wieder erhoben. Der Menschenmörder hat wieder Mut gefasst. Als Engel des Lichts verwandelt und getarnt schweift er mit einer Vielzahl böser Geister in Raubzügen auf der Erde umher, um hier den Namen Gottes und seines Gesalbten auszumerzen und sich der Seelen zu bemächtigen, die für die Krone ewigen Ruhms bestimmt waren, um sie umzubringen und dem ewigen Untergang zu weihen. Wie Abwasser gießt der feindselige Drache das Gift seiner Bosheit auf Menschen, deren Geist und Herzen er verführt verdorben hat: Den Geist der Lüge, der Ehrfurchtslosigkeit und Gotteslästerung; den todbringenden Hauch der Ausschweifung und aller Laster und Gemeinheit.

Die überaus durchtriebenen Feinde erfüllen die Kirche, die Braut des unbefleckten Lammes, mit Galle und Bitterkeit und berauschen sie mit Wermut. Ihre frevlerischen Hände haben sie an die heiligsten Schätze gelegt. Selbst am heiligen Ort, wo der Sitz des heiligen Petrus und der Lehrstuhl der Wahrheit zur Erleuchtung der Völker errichtet ist, haben sie den Thron ihrer abscheulichen Gottlosigkeit aufgestellt, voller Heimtücke, damit, nachdem der Hirt geschlagen ist, sie auch die Herde zerstreuen können.

Erhebe Dich also, unbesiegbarer Fürst und stehe dem Gottesvolk gegen den Ansturm der bösen Geister bei! Gib Du ihm den Sieg! Die heilige Kirche verehrt Dich als ihren Hüter und Beschützer. Du bist ihr Ruhm, weil Du sie gegen die bösen Mächte der Erde und Unterwelt verteidigst. Dir hat der Herr die Seelen der Menschen anvertraut, um sie in die himmlische Glückseligkeit zu geleiten.

Bitte inständig den Gott des Friedens, Er möge den Satan unter unseren Füßen zermalmen, damit er die Menschen nicht länger gefangen halten und der Kirche schaden könne! Bringe Du unsere Bitten vor das Angesicht des Allerhöchsten, lass sie zur Aussöhnung mit der Gnade und dem Erbarmen des Herrn kommen, während Du den Drachen ergreifst, die alte Schlange, die der Teufel und der Satan ist, und ihn gefesselt in den Abgrund stürzt und bindest, damit er die Völker nicht mehr verführe.

Amen.

Kompliment für „Maria 1.0“

Bild: http://kirchenrundgang.antonprock.at/schlange.htmMit einem offenen Brief hat sich Dorothea Schmidt von „Maria 1.0“ gegen die Anmaßung der progressistischen Kräfte beim Synodalen Weg gewandt, die Dokumente der Versammlung auf „genderegerechte“ Sprache zu trimmen. In ihrem Schreiben, das die Tagespost unter heutigem Datum veröffentlicht, schreibt sie u.A., diese Sprech- und Schreibweise sei keine respektvolle Ausdrucksweise, sondern „ein Kniefall vor einer machtförmigen Ideologie und die de-facto Anerkennung ihrer totalitären Ansprüche“. Dabei handele es sich um eine „willkürliche Veränderung“ der deutschen Sprache durch „unterschiedlichste Sonderzeichen, Weglassungen, Anfügungen und grammatikalische Totalausfälle“, die keiner inneren Logik folgten, „sondern nur der sich täglich ändernden Willkür von Aktivisten entspringt“.

Darüber hinaus schreibt sie, es sei „elitär, undemokratisch und übergriffig“, wenn sich „eine selbsternannte Avantgarde-Partei innerhalb der Gemeinschaft aller Katholiken“ das Mandat anmaße, im Namen einer selbst definierten „Geschlechtergerechtigkeit“ Volkserziehung zu betreiben und dafür sogar die Sprache zu waschen. Denn „Die gewachsene Muttersprache eines ganzen Kulturraumes gehört Ihnen nicht!“ Zusätzlich verweist Schmidt auf die Meinungsumfragen mehrerer unterschiedlicher Auftraggeber, die belegen, dass der Großteil der Bevölkerung Gendersprache ablehne. „Mir ist nicht bekannt, dass eine Umfrage unter Katholiken existiert, oder durch die Bischofskonferenz oder das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken in Auftrag gegeben worden wäre, die ein überraschendes und dringendes Begehren dokumentiert, ,Gender-Sprache‘ im katholischen Kontext zu verwenden – im Gegenteil, Sie würden für Ihre unerwünschte Volksbelehrung eine schallende demographische Ohrfeige bekommen.“

Nun ja - diese Ohfeige hat sie den Vertreterinnen und Vertretern der menschenfeindlichen Genderei mit ihrem mutigen Auftritt jetzt stellvertretend erteilt. Die Genderista und Wokiban müssen sich nun dazu verhalten - also klar bekennen, daß Argumente sie nicht interessieren, oder zugeben, daß sie nur auf die Macht von wie auch immer zusammenmanipulierten Gremienmehrheiten bauen - so wie einst die Bolschewiki in ihrer Räterepublik. Wünschenswert wäre, wenn öfter die wenigen noch übriggebliebenen katholischen Vertreter in pseudo-katholischen Gremien den Mut fänden, den Verderbern von Glauben und Sitte, Sprache und Kultur so offensiv entgegen zu treten.

Noch eine Stimme der Vernunft...

...findet ungewohnten Platz auf katholisch.de: Der Politologe Mariano Barbato warnt vor zerstörerischen Kraft der Übertragung demokratististischer Strukturen auf die Kirche und dem dazu konzipierten Plan einer freiwilligen Selbstbindung von Klerikern an Gremienentschidungen.

Einfacher Priester am Papstaltalter?

Bild: Wikimedia, Matthias Kabel, CC BY-SA 3.0Seit längerem meidet Papst Franziskus die Zelebration am seit Jahrhunderten den Päpsten vorbehaltenen zentralen Altar der Peterskirche über der confessio mit dem Petrusgrab – oft einfach als „der Papstaltar“ bezeichnet. Für bestimmte feierliche Anlässe, bei denen er eigentlich selbst hätte zelebrieren sollen oder können, hat Franziskus in den vergangenen Monaten mehrfach Kardinäle dazu beauftragt, an diesem Altar quasi in seiner Vertretung zu zelebrieren – das mag mit Hinsicht auf seinen angeschlagenen Gesundheitszustand durchaus angehen.

Am 2. Oktober soll dort nun „ein einfacher Priester“, wie es heißt, dort zelebrieren: Hw. Fabio Rosini, ein ehemaliger Musiker, heute beliebter Jugendprediger und Berufungsdirektor der römischen Diözese, der dem neokatechumenalen Weg angehört. Alle Priester, die das wünschen, sind zur Konzelebration eingeladen. Diese Zelebration des einfachen Priesters am Papstaltar, die sich übrigens auf das Motu Proprio Peculiare Ius Pauls VI. von 1966 stützen kann, seitdem aber so gut wie nie vorkam, hat bei vielen der Tradition zugeneigten Katholiken Irritationen ausgelöst und Kritik hervorgerufen – auf katholisches.info ist sogar von einer „Trivialisierung des Confessio-Altars, (die) als schwerwiegende Entsakralisierung kritisiert wird“ die Rede.

Dem ist zu widersprechen, zumindest teilweise. Vor dem Altar und beim Messopfer gibt es keine „einfachen Priester“. Jeder Zelebrant steht dort „in persona Christi“, und die Farbe des Scheitelkäppchens – deren Bedeutung Franziskus selbst vermutlich stark überschätzt – tut hier nicht das geringste zur Sache. „Einfache Priester“ gibt es nicht, von daher kann von „Entsakralisierung“ keine Rede sein. Der Vorwurf der Trivialisierung ist weniger entschieden von der Hand zu weisen – ein Priester, der sich zum „oder ein anderes geeignetes Lied“ an der Stelle des Gloria mit einem flotten Riff auf der Gitarre selbst begleiten wollte – was wir bei einem beliebten Jugendprediger nicht ausschließen können – würde sich zweifellos einer Trivialisierung schuldig machen, aber freilich nicht des Altars, sondern des dort zu vergegenwärtigen Erlösungsopfers Christi. Und das gälte wiederum für jeden Altar.

Also alles in Ordnung? Nicht im Geringsten. Das beabsichtigte Verfahren fügt sich nahtlos ein in die unaufhörliche Reihe von Gesten und Signalen, mit denen Franziskus die Aura des Sakralen im Gottesdienst der Kirche (und um das Amt des Nachfolgers Petri) abbaut oder sogar ins Lächerliche zieht. Originell ist der Argentinier damit nicht nur in rechtlicher Hinsicht keinesfalls: Die Geschichte der Liturgiereform und die Formen des Novus Ordo in Missale und Praxis enthalten zahllose derartige Signale. Der Sache selbst – im konkreten Fall dem Altar über der Confessio oder dem Wert der hl. Messe – können sie nicht wirklich etwas anhaben. Aber sie beeinträchtigen schwer die Fähigkeit der Menschen, die Sache und deren Wert wahrzunehmen – alles zerfließt in einem grauen Nebel der Gleichgültigkeit. Geschädigt und verhöhnt werden dadurch die Gläubigen, aber auch die Priester selbst, denen es erschwert wird, das übersinnliche Wesen von Zeremonien und Orten mit ihren bescheidenen menschlichen Sinnen zu begreifen.

Interrituelle Konzelebration in Presov

Bild: Screenshot aus dem verlinkten VideoWährend seiner Reise in die Slowakei zu Anfang der Woche amtierte Papst Franziskus am Dienstag in Presov als „Vorsteher“ bei einem feierlichen Hochamt in der Liturgie des hl. Chrysostomus nach dem byzantinischen Ritus. Auf die Anführungszeichen bei „Vorsteher“ wird noch zurückzukommen sein. An der Feier auf einer Sportanlage nahmen über 30 000 Angehörige der in Gemeinschaft mit dem römischen Stuhl stehenden griechisch-katholischen Kirche teil, die in der Slowakei etwa 200 000 Mitglieder hat – gegenüber an die 3,5 Millionen römische Katholiken. Eine immerhin über anderthalbstündige Videaufzeichnung der Zeremonien ist auf Youtube abrufbar. Ein größtenteils allerdings nur in Italienisch abgefasstes Missalette für die Messfeiern in Budapest (Novus Ordo) und in Presov (byzantinisch) steht bei Vatican News als PDF zum Download.

Eine Besonderheit an dieser Messfeier – zumindest für Westler mit liturgischen Interessen – liegt darin, daß die Liturgie auf einer für solche Großveranstaltung üblichen Freiluftbühne stattfand und daher ohne die in fast allen Kirchen der Byzantiner obligatorische Ikonostase auskommen mußte: Man konnte also auch einen Blick auf die Riten werfen, die sonst hinter den goldenen Toren verborgen sind – soweit die wenig liturgisch engagierte Bildregie und die Kürzungsschnitte das erlauben. Der Verzicht auf die Ikonostase war übrigens nicht vollständig: Die an den entsprechenden Stellen hoch über den Köpfen der Zelebranten aufgehängten Ikonen des Erlösers und der Gottesmutter und eine gewaltige Kreuzesdarstellung in der Mitte markierten die zentralen ikonographischen Elemente der Bilderwand bzw. Ihre Tore und gaben der Zeremonie zumindest eine Andeutung ihrer räumlichen Struktur.

Der Einzug der Zelebranten bot einen eindrucksvollen optischen Kontrast zwischen den mitzelebrierenden „römischen“ Bischöfen und den traditionell farbenfreudig gehaltenen Gewändern des „griechischen“ Klerus, der übrigens – relativ zur bescheidenen Größe seine Kirche – eine beeindruckende Zahl von Bischöfen und Kronenmitra tragenden Prälaten aufzubieten hatte. Nach dem Einzug nahmen Franziskus und seine Assistenten dann Platz auf einem hinter dem Altar erhöht aufgestellten Thron, während sich um den großen quadratischen Altar dann das heilige Schauspiel der göttlichen Liturgie entfaltete. Zelebrationsrichtung war der liturgische Osten, die Zelebranten standen also, wenn sie am Altar amtierten, „mit dem Rücken zum Volk“ aber Angesicht zu Angesicht nicht nur mit der Kreuzesdarstellung, sondern auch mit dem darunter platzierten Bischof von Rom.

Und hier ist auf die in der Einleitung platzierten Anführungszeichen um den „Vorstand“ bei der Liturgie zurückzukommen.<permalink>

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Franziskus wütet

Bild: Gefunden in http://www.scarrablog.com.au/2018/06/04/pope-francis-the-inevitable/So kennen und lieben wir unseren Papst Franziskus: „Sie müssen das zweite Vatikanum annehmen, und damit basta.“ Das war die kurze und knackige Antwort von Franziskus, als er von südfranzösischen Bischöfen beim Ad-limina Besuch auf das „Traditionalistenproblem“ und sein Motu Proprio „Traditionis Custodes“ angesprochen wurde. Nun zerbrechen sich Theologen uns Historiker seit 60 Jahren den Kopf darüber, was die vielfach unklar und teilweise widersprüchlich formulierten Dokumente dieses 21. Ökumenischen Konzils zu bestimmten Fragen sagen oder nicht sagen wollen – schließlich wollen sie wissen, was sie oder wir als „Lehre des Konzils“ annehmen sollen. Die Frage ist also dringlich – aber anerkannte und verbindliche Antworten darauf gibt es bisher bestenfalls in Ansätzen. Seit dem Abschluß der großen Kirchenversammlung in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts – genauer genommen schon seit seinen ersten Sitzungen, die zur Verabschiedung der Liturgiekonstitution führten – ringen zwei Linien darum, die rechte Auslegung der „Lehre des Konzils“ zu geben.

Die eine wurde von Papst Benedikt als die „Hermeneutik von Reform und Kontinuität“ bezeichnet, diese ist nicht nur seiner Ansicht nach die einzig richtige und sie entspricht zweifellos auch der Vorstellung, mit der die übergroße Mehrheit der Konzilsväter den Dokumenten zustimmte – Erzbischof Lefebvre eingeschlossen. Die andere Linie beruht nach Benedikt auf einer Hermeneutik des Bruches – Kontinuität und Tradition bedeuten ihr wenig, „Verheutigung“ ist ihr ebenso umgreifendes wie inhaltlich undefiniertes Oberziel. Auf dem Konzil selbst wurde diese Linie – wenn auch eher in verschleierter Form – hauptsächlich von der kleinen, aber aktiven Minderheit der „Rheinischen Koalition“ vertreten; sie fand begeisterte Resonanz bei den Medien und wurde daher von Benedikt XVI. auch als „Konzil der Medien“ im Gegensatz zum „Konzil der Väter“ angesprochen. Durch die Unterstützung der Medien von außen und der von Papst Pius X. in den Untergrund getriebenen Modernisten innerhalb der Kirche errang diese Linie als „Geist des Konzils“ sehr bald die Deutungshoheit über die Konzilsdokumente. Sie sollten eben nicht nach ihrem Wortlaut gelesen und verstanden werden, sondern nach ihrem Geist – und den hatte Karl Rahner, entschlossen von der Verheutigung in die Zukunft ausschreitend, als den „Anfang eines Anfangs“ beschrieben.

Giuseppe Alberigo und seiner „Schule von Bologna“, in deren Händen die Herausgabe der Konzilstexte lag, spielten eine wesentliche Rolle dabei, diesen Denkansatz in der mitteleuropäischen (Hoch)schulheologie eine monopolartige Stellung zu verschaffen. Fachkollegen wie Joseph Ratzinger, die sich den neuen Dogmen von der Dogmenlosigkeit nicht unterwarfen, wurden erfolgreich marginalisiert. Die Mehrzahl der seit den 70er Jahren ausgebildeten Priester und Bischöfe haben sich dieser Denkrichtung angeschlossen. Sie haben viele Erfolge dabei gehabt, ihre dem säkularen Bewußtsein wohlgefälligen Vorstellungen innerhalb und außerhalb der Kirche zu verbreiten. Die zweite Hälfte des Pontifikats von Johannes Paul II mit Joseph Ratzinger als Präfekt der Glaubenskongregation konnte zwar einige besonders krasse Erscheinungen des dominierenden Modernismus in Lehre und Liturgie zurückdrängen, war aber nicht in der Lage, der Tradition wieder die ihr in der Kirche Christi gebührende Stellung zurückzugeben.

Die Wahl Joseph Ratzingers zum Papst 2005 war ein harter Schlag für die Propagisten des Konzilsgeistes, sie hat ihr Narrativ schwer beschädigt, daß es nur eine Lesart „Des Konzils“ von 1965 gebe und daß sie die autorisierten und bevollmächtigten Verkünder dieser Lesart wären.

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  • Stationskirchen

    Die römischen Stationskirchen

    Kupferstich von Giusepppe Lauro aus dem Jahr 1599

    In der Fastenzeit 2013 haben wir zu jedem Tag die entsprechende Stationskirche kurz vorgestellt. Damit sind zwar alle gegenwärtigen Stationskirchen erfasst, aber nicht alle Tage mit einer Statio, von denen es auch etliche außerhalb der Fastenzeit gibt.

    Bei der Vorstellung der Stationskirchen orientierten wir uns im wesentlichen an „Die Stationskirchen des Missale Romanum“ von Johann Peter Kirch, Freiburg 1926. Zu Ergänzungen haben wir Hartmann Grisar „Das Missale im Licht römischer Stadtgeschichte“, Freiburg 1925, und Anton de Waals „Roma Sacra - Die ewige Stadt“ von 1905 in der Überarbeitung Johann Peter Kirchs von 1925 (Regensburg 1933) herangezogen. Daneben haben wir auch auf Informationen aus Internetquellen zurückgegriffen. Die Illustrationen stammen, soweit nicht anders angegeben, von eigenen Aufnahmen.

    Wie der gegenwertige Nachfolger de Waals und Kirchs als Direktor des römischen Instituts der Görres-Gesellschaft, Prof. Msgr. Stefan Heid, uns mitteilte ist diese älter Literatur insbesondere in Sachen der Datierungen vielfach überholt. Nach seinen Untersuchungen geht die Institution der Stationes nicht wesentlich vor die Zeit Gregors d. Großen zurück. Was natürlich nicht bedeutet, daß die Stationskirchen bzw. deren Vorgängerbauten nicht wesentlich älter sein können.

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