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Allerseelen

Andachtsbild An Allerseelen gedenkt die Kirche und gedenken viele Gläubige ihrer verstorbenen Angehörigen, die als „büßende Kirche“ darauf warten, von den ihren Seelen anhaftenden irdischen Schlacken, die sie an der Anschauung Gottes hindern, gereinigt zu werden. Die Tradition hat für diesen Ort der Reinigung im Anschluß an verschiedene Schriftstellen (KKK 1031) den Begriff des „Fegefeuers“ gefunden – den man nicht wörtlich verstehen muß, um doch seine Realität zu begreifen. Unter dem Einfluss populärer Allerlösungsvorstellungen ist diese Realität allerdings in den letzten Jahrzehnten vielerorts aus dem Bewußtsein geschwunden. Selbst im kirchlichen Bereich wird das „Seelenamt“ so die offizielle Bezeichnung für das, was die Tradition Totenmesse oder Requiem nannte, oft als „Auferstehungsamt“ bezeichnet.

Das Fegefeuer wird schlichtweg übersprungen, und die „armen Seelen“ und damit ein Dritt-Teil des Baus der Kirche geraten aus dem Blickfeld.
Nicht ganz unbeteiligt daran dürfte auch die Gestaltung der Messtexte zum Allerseelentag sein, die ein Musterbeispiel für die Verflachung der Liturgie im Geist der Didaktik darstellt.

Zugegeben, in der einen übrig gebliebenen Messe zum Tage ist noch alles drin, was „wirklich wichtig“ ist: In der Lesung der Rückgriff auf das 2. Buch der Makkabäer, der Zeugnis gibt von der historisch späten Erkenntnis des Weiterlebens der persönlichen Seele: Die ausgeführte Form dieses Glaubens bei Paulus im 1. Brief an die Tessalonicher; und schließlich der Bericht des Evangeliums über die Auferweckung des Lazarus samt den Worten Jesu: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben.“

Doch schon das Tagesgebet ist Ausdruck bedenklicher Verflachung:

Allmächtiger Gott, wir glauben und bekennen, dass du deinen Sohn als Ersten von den Toten auferweckt hast. Stärke unsere Hoffnung, dass du auch unsere Brüder und Schwestern auferwecken wirst zum ewigen Leben.

Das ist weit entfernt von der klaren Aussage inm Tagesgebet der 1. Messe der Überlieferung:

Gott, Schöpfer und Erlöser aller Gläubigen, schenke den Seelen Deiner Diener und Dienerinnen Nachlaß aller Sünden, damit sie die stets ersehnte Verzeihung durch fromme Fürbitten erlangen.

Und im Tractus:

Befreie o Herr, die Seelen aller verstorbenen Gläubigen von jeder Fessel der Schuld. Deine Gnade komme ihnen zu Hilfe, auf daß sie entrinnen dem Rachegerichte. Laß sie genießen des ewigen Lichtes Glückseligkeit.

Ganz weggefallen ist durch die „Reform“ die ergreifende Sequenz des Dies Irae, die seit vielen Jahrhunderten Ausdruck des Glaubens der Kirche von den letzten Dingen ist und diesen Glauben im Bewußtsein der Menschen geprägt und befestigt hat.  

Es ist eben gerade pastoral gesehen völlig unzureichend, in dürren Worten einmal und an – betrachtet man die Realität des Gottesdienstbesuches – entlegener Stelle, das Richtige zu sagen. Man muß es auch auf die richtige Weise sagen, und das heißt im Zusammenhang mit der Liturgie immer auch: In einer Weise, die dem Drama des in der heiligen Messe gefeierten Erlösungsopfers spürbar und fühlbar gerecht wird. Und das immer wieder.

Der Rückblick auf die drei Tage der Allerheiligenvigil, des Allerheiligenfestes und des Allerseelengedenkens führt zu einem niederschmetternden Befund. Das Bewußtsein von der Dreigliedrigkeit der Kirche in streitender, büßender und triumphierender Kirche ist so gut wie verloren gegangen. Von der Lehre der Heiligen der Vergangenheit wollen sich starke Kräfte in der Kirche immer nachdrücklicher „emanzipieren“, und das Bewußtsein dafür, mit den nicht ganz so heilig dahingegangenen Vorfahren, Verwandten und Freunden weiterhin in einer geheimnisvollen Heilsökonomie verbunden zu sein, ist fast ganz geschwunden. Die „anthropologische Wende“ hält den Blick fest aufs Diesseitige gerichtet. Das Gebet für die „armen Seelen“ erscheint so nur noch als Aberglaube, den die nächste Stufe der Aufklärung restlos beseitigen wird.

Aber an Halloween gehören die Straßen den Zombies, Ogern und Horrorclowns – das ist der Fortschritt.

Allerheiligen

In der Nachtwache am Vorabend des Allerheiligenfestes haben sich die Angehörigen der Streitenden Kirche in dieser Welt auf die Feier des Festes vorbereitet, das ihnen das Ziel all ihrer Mühen und Kämpfe vor Augen stellt: Die große Gemeinschaft aller, die diesen Kampf erfolgreich geführt haben und Von Gott in die Einheit seines ewigen Lebens aufgenommen worden sind. Diese Gemeinschaft wird zu Recht als die Thriumphierende Kirche bezeihnet. Sie hat mit Christus und in dessen Auferstehung den Tod und den Teufel überwunden.

Die Feier dieser Einheit muß mehr sein als ein sentimentaler Blick „über die Wolken“. Die Gemeinschaft der Heiligen, die wir im Glaubensbekenntnis verkünden, ist nicht nur ein Familienfest aler Menschen guten Willens. Sie beruht auf der Einheit all derer, die mit Christus den Guten Kampf gekämpft haben – bis hin zum Martyrium, wo es sein mußte. Sie ist undenkbar ohne die völlige Übereinstimmung im Glauben, so wie ihn Christus seiner Kirche anvertraut und diese ihn in ihrer Lehre bis auf den heutigen Tag überliefert und unter allen Völkern der Erde verbreitet hat.

Das heißt aber auch, daß jeder Versuch, aus dieser Lehre Elemente herauszulösen, die vielleicht heute zum Martyrium in blutiger oder – wir sind ja zivilisiert – unblutiger Form führen könnten, bedeutet, diese Einheit aufzukündigen. Wo in der Kirche – genauer gesagt, an ihren ausfasernden Rändern – die Lehre im Widerspruch zu den Aposteln, im Streit gegen die Kirchenlehrer, in der Ablehnung des heiligen Thomas oder in der „Überwindung“ der Pastoral des Pfarrers von Ars interpretiert, gelehrt und praktiziert wird, wird die Gemeinschaft der Heiligen aufgekündigt.

Das gilt auch da, wo in diesen Tagen mit großen Gesten ökumenische Einheit aller Christen oder gar der drei „abrahamitischen Religionen“ insgesamt proklamiert wird. Die Gemeinschaft der Heiligen ist ein Angebot für Alle. Zu ihr gehören seit alters her die Sünderin Maria Magdalena, der Räuber und Wegelagerer Dismas, der römische Soldat Longinus aus dem Exekutionskommando Jesu und der rasende Christenverfolger Saulus – nachdem sie sich dem Anruf der Gnade geöffnet, Abbitte geleistet und sich in Wort und Tat bekehrt hatten. Ohne diese Umkehr bleibt der Zugang zur Gemeinschaft der Heiligen verschlossen.

Der Blick in den Himmel

Chor von St. Denis, Bild: wikimediaNach Inhalt und Umfang ein Schwerpunkt der aktuellen UVK-Ausgabe ist Peter Stephans „Schönheit als Aufstieg zu Gott – die Bedeutung der Kunst in der Theologie Joseph Ratzingers/Bendikt XVI. Auch dieser Beitrag des Potsdamer Kunsthistorikers ist die Wiedergabe eines Vortrags auf der 18. Liturgischen Tagung im Frühjahr; er ist mit zahlreichen s/w-Abbildungen und 4 Farbseiten illustriert.

In der Darstellung der Gedanken Ratzingers, die etwa die erste Hälfte des Beitrags ausmacht, stützt sich Stephan im wesentlichen auf die Ausführungen des späteren Papstes im „Geist der Liturgie“ und in „Ein neues Lied für den Herrn – Christusglaube und Liturgie in der Gegenwart“. Er findet darin nicht nur den von Ratzinger explizit ausgesprochenen „musikalischen Imperativ“ für den Gottesdienst, sondern auch Hinweise auf einen architektonischen und bildkünstlerischen Imperativ – enthalten doch alttestamentliche Schriften wie Exodus und Könige eine Fülle von Vorschriften zur künstlerischen Gestaltung des Gotteshauses. Das Christentum hat auf dieser Grundlage dann den ganzen Reichtum der von der Kunst erschlossenen Formenwelt aufgenommen und transformiert. Für den Bau der Kirche beschreibt Stephan das dann so:

Vor dem Hintergrund der von Benedikt thematisierten conversio ad Dominum kann nun der Kunsthistoriker die meisten typologischen und ikonographischen Besonderheiten des christlichen Kirchenbaus als Stationen eines Weges zu Gott erklären. Die Fassaden mit ihren großen Portalen erinnern an Stadttore, durch die der Mensch von der irdischen in die himmlische Welt tritt. Das Mittelschiff führt wie die gleichfalls von Kolonnaden gesäumten Prozessionsstraßen römischer Städte vom Stadttor zur Palastaula bzw. zu einem Triumphbogen. Apsis und Chor vergegenwärtigen den himmlischen Thronsaal. Das Apsisbild zeigt mit der Majestas Domini den im Jenseits wartenden Christus. Der Hochaltar schließlich ist die Pforte zum Paradies. Oder, um zu Benedikt zurückzukehren: Er markiert den „Übergang von der Welt zu Gott, den Christus eröffnet hat`. Er ist der „Ort des aufgerissenen Himmels" der den Kirchenraum nicht ab-, sondern aufschließt - „in die ewige Liturgie hinein".

Es liegt nahe, an dieser Stelle in eine Auseinandersetzung mit dem so ganz anders gearteten Architektur- und Liturgieverständnis der aktuellen Mode einzutreten. Das erfolgt dann auch, aber nicht als Polemik, sondern in Form einer Darstellung der Entwicklung höchst unterschiedlicher Verständnisse vom Wesen des Bildes in der Kirche des Ostens und der des Westens, die dort schließlich zu einer „Erblindung des Geistes“ geführt hat. In den Worten Ratzingers:

So überschreitet unsere Bilderwelt das sinnlich Erscheinende nicht mehr, und die Flut der Bilder, die uns umgeben, bedeutet zugleich das Ende des Bildes: Über das Fotografierbare hinaus ist nichts zu sehen.

Damit ist der aktuelle Nullpunkt, an dem sich Liturgie und religiöse Kunst der Gegenwart befinden, zutreffend beschrieben. Er bildet den Hintergrund, vor dem Stephan dann im zweiten Teil seines Artikels den Gedankengang von der Schönheit als Mittel und Weg des Aufstiegs zu Gott nachzeichnet: Über die Proportionenlehre des griechischen Altertums zur metaphysischen Symbolik der mittelalterlichen Kathedrale, in der jedes architektonische Element „in seiner Form, seinen Maßen, seinem Standort und seiner Bestimmung im Voraus entworfen“ ist, um sich so zu einem stimmigen und harmonischen Abbild der guten Schöpfung zusammenzufügen. Dann zur Renaissance, in der die „Invention“ des menschlichen Geistes als schöpferisches Element hinzutritt, und schließlich zum Barock, in dessen von Theologen entworfenen „Conceptus“ der Kirchenbau als eine zu Stein und Bild gewordene Predigt zum idealen Medien der Glaubenspropaganda wird.

Als Schöpfer des Universums ist Er der eigentliche Urheber jeder Invention und schöpferischen Idee. Er ist das Urbild: des Menschen, den Gott als Sein Abbild geschaffen hat, aber auch all dessen, was der Mensch in der Nachahmung Gottes auf Christus hin erschafft. Deutlich wird dies nicht nur an den eben behandelten Kirchen in Limburg, Freiburg, Straßburg, Lüttich oder Rom. Jeder Sakralbau von der Spätantike bis zur Aufklärung enthält Hinweise auf Christus als das Urbild der Schöpfung. Um nur einige besonders prominente Beispiele zu nennen: Die als Thronsaal gestaltete Apsis in St. Paul vor den Mauern zu Rom vergegenwärtigt den himmlischen König, der am Ende der Zeiten die Welt neu erschaffen wird (Offb 21, 5; Abb. 1); die Kuppel der Hagia Sophia ist eine Manifestation der Göttlichen Weisheit, die sich in Gestalt des Himmelsgewölbes ihr Haus gebaut hat (Spr 9, 1; Abb. 33); die ein Stadttor paraphrasierende Fassade von Saint-Denis erinnert an den Herrscher der Gottesstadt, der unter den Menschen Wohnung genommen hat.

Bis zur Aufklärung, so eine von Stephans Kernthesen, waren die verschiedenen Kunstgattungen (Architektur, Bildhauerei, Malerei, Musik) darauf angelegt, die in Christus Mensch gewordenen göttliche Schönheit zu „verleiblichen“, also in gestalteter Materie sichtbar oder hörbar zu machen. Im Gegenzug strebten sie danach, in einem Akt der „Vergeistigung“ über sich selbst hinausweisend den Menschen zur Schönheit Gottes zu führen. Gott war Ursprung und das Ziel alles künstlerischen Schaffens. Architekten, Maler, Bildhauer und Komponisten wurden so zu Mitwirkenden an der göttlichen Schöpfung. Zugleich bildeten sie im Zusammenspiel mit der Liturgie und ihren Riten und Symbole eine Art ‚Gesamtkunstwerk’, innerhalb dessen Gott auf möglichst vielen Ebenen der sinnlichen und geistigen Wahrnehmung vergegenwärtigt wurde.

Ausführlich beschreibt der Verfasser dann den Prozess, in dem die „Aufklärung“ diese Grundwahrheiten verdunkelt und schließlich durch eine neue Selbstbezüglichkeit der Künste und durch die Illusion des Menschen als Schöpfer seiner selbst ersetzt hat. In diesem Prozess hat die Kunst folgerichtig ihre Anschlußfähigkeit an die Liturgie verloren. In der Folge wird eine oberflächliche Schönheit, die sich vom „Wahren und Guten“ löst, zum Kitsch, und ein vorgeblicher Realismus, der keine Metaphysik mehr (an)erkennen kann, zum Mittel irdischer Zwecke. Mit den überall zu besichtigen und allseits bekannten Folgen. Die Liturgie wird dann im besseren Fall zur nüchternen Glaubensverkündung, im schlechteren aber zur in sich abgeschlossenen Selbstvergewisserung einer Gemeinde von Wohlmeinenden.

Daher hat es nichts mit Nostalgie zu tun, wenn in der Kunst ebenso wie in der Liturgie die „Wiedervereinigung“ von dem, was wahr und schön und gut ist, eingeklagt und angestrebt wird. Mit „Summorum Pontificum“ hat Papst Benedikt dazu an einer ganz entscheidenden Stelle die Weichen gestellt.

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„Islam“ heißt „Unterwerfung“

Bild: Wikimedia, Public domainDer 7. Oktober ist der Jahrestag der Seeschlacht von Lepanto im Jahr 1571. Diese Seeschlacht, die mit an die 40 000 Toten bis heute als die verlustreichste Seeschlacht der Kriegsgeschichte gilt, beendete auf Dauer die Seexpansion des Sultanats und minderte vorübergehend auch den Druck der zur Eroberung Europas eingetretenen osmanischen Invasionsheere. Der kaum zu erhoffende Sieg der „Heiligen Liga“, bei dem 12 000 auf türkischen Schiffen eingesetzte christliche Galeerensklaven befreit werden konnten, gab den Anstoß zur Stiftung des Rosenkranzfestes. Der fromme Sinn unserer Vorfahren erkannte in dem glücklichen Ausgang der Schlacht ein Zeichen für das direkte Eingreifen der Gottesmutter.

Den Anstoß dazu, daß die bis dahin vielfach zerstrittene und recht unheilig agierende Heilige Liga bei Lepanto die offene Konfrontation mit der osmanischen Flotte suchte, war der Fall der zyprischen Stadt Famagusta am vorhergehenden 1. August. Nach langer Belagerung hatten zu diesem Tag die letzten Verteidiger ihre Stadt den mohamedanischen Angreifern übergeben, nachdem diese ihnen freien Abzug zugesichert hatten. Am 2. August brachen die Erober den Vertrag, alle Männer in der Stadt wurden bestialisch getötet, die Frauen in die Sklaverei verschleppt. Die Kirchen und große Teile der Stadt wurden in Brand gesteckt, die Kathedrale des Heiligen Nikolaus - im 13. Jahrhundert im Stil der französischen Gotik erbaut - wurde zur Moschee gemacht - sie heißt heute Lala Mustafa Pascha Camii. Das Minarett auf dem Nordturm kennzeichnet bis zum heutigen Tag die einzige kulturelle Zutat der Sieger.

Nur die absolute Geschichtsvergessenheit der Gegenwart kann dazu verleiten, in den Greueltaten des Islamischen Staates in den vergangenen Jahren ein unerklärliches Phänomen zu sehen, das selbstverständlich nichts mit dem wahren Wesen dieser friedliebenden Religion zu tun habe. Das Wort „Islam“ bezeichnet nicht den Frieden schlechthin, sondern die Friedhofsruhe, die dann eintritt, wenn alle Gegener Allahs unterworfen sind. Viele Moscheen, die in den vergangenen Jahren im ehedem christlichen Europa errichtet wurden, tragen den Namen Fatih-Moschee - sie sind dem Erober von Konstantinopel und anderen Feldherren des Feuer-und-Schwert-Propheten gewidmet.

Zukünftige Historiker werden sich auch der Frage stellen müssen, wieviel vielleicht das 2. Vatikanische Konzil zu dieser Geschichtsvergessenheit beigetragen hat (oder von ihr getragen worden ist). Zwar erkennen auch die Anhänger des Propheten „einen einzigen Gott“ an - doch dieser ferne, kalte und in jedem Sinne un-menschliche Diktator-Gott hat nichts gemein mit dem liebenden Schöpfer des Himmels und der Erde, der im übergroßen Reichtum seines einen Wesens im eingeborenen Sohn Mensch unter Menschen geworden ist, um ihnen den Weg zur Rückkehr in die Einheit des himmlischen Friedens zu ermöglichen.

Es lohnt sich, immer wieder auf die wenig erleuchteten zehn phrasenhaften Zeilen in der pastoralen Handreichung „Nostra Aetate“ zu schauen, die von einer zur Kapitulation vor der Welt entschlossenen Zeitgeisttheologie zum Superdogma gemacht werden: 

Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslim, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat. Sie mühen sich, auch seinen verborgenen Ratschlüssen sich mit ganzer Seele zu unterwerfen, so wie Abraham sich Gott unterworfen hat, auf den der islamische Glaube sich gerne beruft. Jesus, den sie allerdings nicht als Gott anerkennen, verehren sie doch als Propheten, und sie ehren seine jungfräuliche Mutter Maria, die sie bisweilen auch in Frömmigkeit anrufen. Überdies erwarten sie den Tag des Gerichtes, an dem Gott alle Menschen auferweckt und ihnen vergilt. Deshalb legen sie Wert auf sittliche Lebenshaltung und verehren Gott besonders durch Gebet, Almosen und Fasten.

Da es jedoch im Lauf der Jahrhunderte zu manchen Zwistigkeiten und Feindschaften zwischen Christen und Muslim kam, ermahnt die Heilige Synode alle, das Vergangene beiseite zu lassen, sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen und gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen.

Fern sei es uns, der Synode zu widersprechen und nur auf das Vergangene zu schauen. Der Blick auf die Gegenwart ist völlig ausreichend, um zu erkennen, daß diese Vergangenheit bei weitem nicht vergangen ist, sondern sich anschickt, unsere Zukunft zu werden.

Zum „Nationalfeiertag“

Bild: Eigene AufnahmeDie liturgischen Formen der Kirche haben Wurzeln, die weit in die Vergangenheit zurückreichen, ins Alte Testament und noch davor. Sich vor der Gottheit und ihrer Repräsentanz – lebendig oder als Statue – klein zu machen, zu Boden zu werfen, niederzuknien, ist als menschlicher Reflex nachgerade in den Instinkten verankert. Altäre auf Stufen zu erhöhen oder auf natürlichen, oft auch künstlichen Bergen zu errichten, ist schon für Abraham Erbe aus unvordenklicher Vergangenheit. Bereits Moses wusste, daß man den Ort Gottes nicht in den Schuhen der „alltäglichen Lebenswelt“ betritt, und ganze Bücher des alten Testaments enthalten wenig mehr als die penible Beschreibung der Gewänder und Gerätschaften, ihrer Farben und Materialien, die Priester und Leviten verwenden mussten, wenn sie zum Gottesdienst erschienen.

Die Kirche, kaum aus dem Elend der Verfolgungszeit entlassen, hat zu Teilen dieses jüdische Erbe aufgenommen und zu anderen Teilen um inzwischen in anderen Kulturen entstandene „säkulare“ Formen der Verehrung erweitert: Die dem Priester und damit Christus vorangetragenen Kerzen und der Gebrauch des Weihrauchs sind unmittelbar aus dem kaiserlichen Zeremoniell des byzantinischen Hofes übernommen. Das war bei weitem keine unzulässige Vermischung weltlicher und geistiger Sphären, denn weltliche Herrschaft war immer und überall auf der ganzen Welt nur denkbar als Widerspiegelung göttlicher Macht. Die Herrscher des Zweistromlandes und Ägyptens waren Priesterkönige oder Gottkönige, aber auch die Menschenopfer fordernden Inka-Herrscher. Der chinesische Kaiser verwaltete das „Mandat des Himmels“, und wenn sein japanischer Kollege nicht im Frühjahr nach dem Befehl der Lichtgöttin das erste Reisfeld bestellte, war im Herbst keine Ernte zu erhoffen. Die Vergöttlichung römischer Kaiser war nicht nur Cäsarenwahn, sondern – wenn auch pervertierter – Ausdruck des Wissens, daß alle Herrschaft „von oben gegeben“ (Joh 19) ist.

Die Könige des Mittelalters, auch die übelsten Gestalten unter ihnen, regierten ausnahmslos „von Gottes Gnaden“ - und ihr Hofzeremoniell machte nun seinerseits Anleihen bei der Liturgie der Kirche. Das Krönungsgewand des römisch-deutschen Kaisers war die mit der Albe getragene Dalmatik eines Diakons, dazu die vor der Brust gekreuzte Stola und der Chormantel – so letztmalig angelegt von Franz II. im Jahre des Unheils 1792. Wenn der römisch-deutsche Kaiser sich im Mittelalter zu Weihnachten in Rom aufhielt, kam es ihm zu, in der Papstmesse das Evangelium zu verlesen; er amtierte tatsächlich als Diakon Eine Anekdote aus der hohen Zeit des französischen Absolutismus berichtet von einer Debatte am Hof des Sonnenkönigs, ob die Hofgesellschaft sich beim Hochamt vor dem König oder vor dem Altar zu verneigen habe. Die schließlich gefundene Lösung war von salomonischer Eleganz: Die Höflinge verneigen sich vor dem König, und der König verneigt sich vor dem Altar und gibt so mit der eigenen auch die Ehrerbietung des Hofstaats an den König der Könige weiter.

Selbst die überaus säkularen und aufgeklärten preussischen Könige des nachnapoleonischen 19. Jahrhunderts verspürten nicht den Drang, sich dem „common sense“ zu widersetzen: Im Mausoleum Friedrich Wilhelms III, gest. 1840 und seiner Gattin Louise zeigt ein Apsisbild, wie die verstorbenen Majestäten vor dem Thron Christi niederknien, um ihm die verliehenen Kronen zurückzugeben.

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  • Stationskirchen

    Die römischen Stationskirchen

    Kupferstich von Giusepppe Lauro aus dem Jahr 1599

    In der Fastenzeit 2013 haben wir zu jedem Tag die entsprechende Stationskirche kurz vorgestellt. Damit sind zwar alle gegenwärtigen Stationskirchen erfasst, aber nicht alle Tage mit einer Statio, von denen es auch etliche außerhalb der Fastenzeit gibt.

    Bei der Vorstellung der Stationskirchen orientierten wir uns im wesentlichen an „Die Stationskirchen des Missale Romanum“ von Johann Peter Kirch, Freiburg 1926. Zu Ergänzungen haben wir Hartmann Grisar „Das Missale im Licht römischer Stadtgeschichte“, Freiburg 1925, und Anton de Waals „Roma Sacra - Die ewige Stadt“ von 1905 in der Überarbeitung Johann Peter Kirchs von 1925 (Regensburg 1933) herangezogen. Daneben haben wir auch auf Informationen aus Internetquellen zurückgegriffen. Die Illustrationen stammen, soweit nicht anders angegeben, von eigenen Aufnahmen.

    Wie der gegenwertige Nachfolger de Waals und Kirchs als Direktor des römischen Instituts der Görres-Gesellschaft, Prof. Msgr. Stefan Heid, uns mitteilte ist diese älter Literatur insbesondere in Sachen der Datierungen vielfach überholt. Nach seinen Untersuchungen geht die Institution der Stationes nicht wesentlich vor die Zeit Gregors d. Großen zurück. Was natürlich nicht bedeutet, daß die Stationskirchen bzw. deren Vorgängerbauten nicht wesentlich älter sein können.

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