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„Islam“ heißt „Unterwerfung“

Bild: Wikimedia, Public domainDer 7. Oktober ist der Jahrestag der Seeschlacht von Lepanto im Jahr 1571. Diese Seeschlacht, die mit an die 40 000 Toten bis heute als die verlustreichste Seeschlacht der Kriegsgeschichte gilt, beendete auf Dauer die Seexpansion des Sultanats und minderte vorübergehend auch den Druck der zur Eroberung Europas eingetretenen osmanischen Invasionsheere. Der kaum zu erhoffende Sieg der „Heiligen Liga“, bei dem 12 000 auf türkischen Schiffen eingesetzte christliche Galeerensklaven befreit werden konnten, gab den Anstoß zur Stiftung des Rosenkranzfestes. Der fromme Sinn unserer Vorfahren erkannte in dem glücklichen Ausgang der Schlacht ein Zeichen für das direkte Eingreifen der Gottesmutter.

Den Anstoß dazu, daß die bis dahin vielfach zerstrittene und recht unheilig agierende Heilige Liga bei Lepanto die offene Konfrontation mit der osmanischen Flotte suchte, war der Fall der zyprischen Stadt Famagusta am vorhergehenden 1. August. Nach langer Belagerung hatten zu diesem Tag die letzten Verteidiger ihre Stadt den mohamedanischen Angreifern übergeben, nachdem diese ihnen freien Abzug zugesichert hatten. Am 2. August brachen die Erober den Vertrag, alle Männer in der Stadt wurden bestialisch getötet, die Frauen in die Sklaverei verschleppt. Die Kirchen und große Teile der Stadt wurden in Brand gesteckt, die Kathedrale des Heiligen Nikolaus - im 13. Jahrhundert im Stil der französischen Gotik erbaut - wurde zur Moschee gemacht - sie heißt heute Lala Mustafa Pascha Camii. Das Minarett auf dem Nordturm kennzeichnet bis zum heutigen Tag die einzige kulturelle Zutat der Sieger.

Nur die absolute Geschichtsvergessenheit der Gegenwart kann dazu verleiten, in den Greueltaten des Islamischen Staates in den vergangenen Jahren ein unerklärliches Phänomen zu sehen, das selbstverständlich nichts mit dem wahren Wesen dieser friedliebenden Religion zu tun habe. Das Wort „Islam“ bezeichnet nicht den Frieden schlechthin, sondern die Friedhofsruhe, die dann eintritt, wenn alle Gegener Allahs unterworfen sind. Viele Moscheen, die in den vergangenen Jahren im ehedem christlichen Europa errichtet wurden, tragen den Namen Fatih-Moschee - sie sind dem Erober von Konstantinopel und anderen Feldherren des Feuer-und-Schwert-Propheten gewidmet.

Zukünftige Historiker werden sich auch der Frage stellen müssen, wieviel vielleicht das 2. Vatikanische Konzil zu dieser Geschichtsvergessenheit beigetragen hat (oder von ihr getragen worden ist). Zwar erkennen auch die Anhänger des Propheten „einen einzigen Gott“ an - doch dieser ferne, kalte und in jedem Sinne un-menschliche Diktator-Gott hat nichts gemein mit dem liebenden Schöpfer des Himmels und der Erde, der im übergroßen Reichtum seines einen Wesens im eingeborenen Sohn Mensch unter Menschen geworden ist, um ihnen den Weg zur Rückkehr in die Einheit des himmlischen Friedens zu ermöglichen.

Es lohnt sich, immer wieder auf die wenig erleuchteten zehn phrasenhaften Zeilen in der pastoralen Handreichung „Nostra Aetate“ zu schauen, die von einer zur Kapitulation vor der Welt entschlossenen Zeitgeisttheologie zum Superdogma gemacht werden: 

Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslim, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat. Sie mühen sich, auch seinen verborgenen Ratschlüssen sich mit ganzer Seele zu unterwerfen, so wie Abraham sich Gott unterworfen hat, auf den der islamische Glaube sich gerne beruft. Jesus, den sie allerdings nicht als Gott anerkennen, verehren sie doch als Propheten, und sie ehren seine jungfräuliche Mutter Maria, die sie bisweilen auch in Frömmigkeit anrufen. Überdies erwarten sie den Tag des Gerichtes, an dem Gott alle Menschen auferweckt und ihnen vergilt. Deshalb legen sie Wert auf sittliche Lebenshaltung und verehren Gott besonders durch Gebet, Almosen und Fasten.

Da es jedoch im Lauf der Jahrhunderte zu manchen Zwistigkeiten und Feindschaften zwischen Christen und Muslim kam, ermahnt die Heilige Synode alle, das Vergangene beiseite zu lassen, sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen und gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen.

Fern sei es uns, der Synode zu widersprechen und nur auf das Vergangene zu schauen. Der Blick auf die Gegenwart ist völlig ausreichend, um zu erkennen, daß diese Vergangenheit bei weitem nicht vergangen ist, sondern sich anschickt, unsere Zukunft zu werden.

Zum „Nationalfeiertag“

Bild: Eigene AufnahmeDie liturgischen Formen der Kirche haben Wurzeln, die weit in die Vergangenheit zurückreichen, ins Alte Testament und noch davor. Sich vor der Gottheit und ihrer Repräsentanz – lebendig oder als Statue – klein zu machen, zu Boden zu werfen, niederzuknien, ist als menschlicher Reflex nachgerade in den Instinkten verankert. Altäre auf Stufen zu erhöhen oder auf natürlichen, oft auch künstlichen Bergen zu errichten, ist schon für Abraham Erbe aus unvordenklicher Vergangenheit. Bereits Moses wusste, daß man den Ort Gottes nicht in den Schuhen der „alltäglichen Lebenswelt“ betritt, und ganze Bücher des alten Testaments enthalten wenig mehr als die penible Beschreibung der Gewänder und Gerätschaften, ihrer Farben und Materialien, die Priester und Leviten verwenden mussten, wenn sie zum Gottesdienst erschienen.

Die Kirche, kaum aus dem Elend der Verfolgungszeit entlassen, hat zu Teilen dieses jüdische Erbe aufgenommen und zu anderen Teilen um inzwischen in anderen Kulturen entstandene „säkulare“ Formen der Verehrung erweitert: Die dem Priester und damit Christus vorangetragenen Kerzen und der Gebrauch des Weihrauchs sind unmittelbar aus dem kaiserlichen Zeremoniell des byzantinischen Hofes übernommen. Das war bei weitem keine unzulässige Vermischung weltlicher und geistiger Sphären, denn weltliche Herrschaft war immer und überall auf der ganzen Welt nur denkbar als Widerspiegelung göttlicher Macht. Die Herrscher des Zweistromlandes und Ägyptens waren Priesterkönige oder Gottkönige, aber auch die Menschenopfer fordernden Inka-Herrscher. Der chinesische Kaiser verwaltete das „Mandat des Himmels“, und wenn sein japanischer Kollege nicht im Frühjahr nach dem Befehl der Lichtgöttin das erste Reisfeld bestellte, war im Herbst keine Ernte zu erhoffen. Die Vergöttlichung römischer Kaiser war nicht nur Cäsarenwahn, sondern – wenn auch pervertierter – Ausdruck des Wissens, daß alle Herrschaft „von oben gegeben“ (Joh 19) ist.

Die Könige des Mittelalters, auch die übelsten Gestalten unter ihnen, regierten ausnahmslos „von Gottes Gnaden“ - und ihr Hofzeremoniell machte nun seinerseits Anleihen bei der Liturgie der Kirche. Das Krönungsgewand des römisch-deutschen Kaisers war die mit der Albe getragene Dalmatik eines Diakons, dazu die vor der Brust gekreuzte Stola und der Chormantel – so letztmalig angelegt von Franz II. im Jahre des Unheils 1792. Wenn der römisch-deutsche Kaiser sich im Mittelalter zu Weihnachten in Rom aufhielt, kam es ihm zu, in der Papstmesse das Evangelium zu verlesen; er amtierte tatsächlich als Diakon Eine Anekdote aus der hohen Zeit des französischen Absolutismus berichtet von einer Debatte am Hof des Sonnenkönigs, ob die Hofgesellschaft sich beim Hochamt vor dem König oder vor dem Altar zu verneigen habe. Die schließlich gefundene Lösung war von salomonischer Eleganz: Die Höflinge verneigen sich vor dem König, und der König verneigt sich vor dem Altar und gibt so mit der eigenen auch die Ehrerbietung des Hofstaats an den König der Könige weiter.

Selbst die überaus säkularen und aufgeklärten preussischen Könige des nachnapoleonischen 19. Jahrhunderts verspürten nicht den Drang, sich dem „common sense“ zu widersetzen: Im Mausoleum Friedrich Wilhelms III, gest. 1840 und seiner Gattin Louise zeigt ein Apsisbild, wie die verstorbenen Majestäten vor dem Thron Christi niederknien, um ihm die verliehenen Kronen zurückzugeben.

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St. Michael, verteidige uns im Kampfe

Gemälde von Jaime Huguet, Wikimedia, Public DomainZu den Merkwürdigkeiten der modernen liturgischen Entwicklung gehört es, daß die hochgelehrten Litugie-Ingenieure der Bugnini-Schule bestimmte Züge der kirchlichen Tradition just zu dem Zeitpunkt aufgeben und „abschaffen“, an dem die entsprechenden Gegenstände in der Gesellschaft besonderes Interesse hervorrufen. Das gilt für die Gregorianik, die seit ihrer Entfernung aus der Liturgie zu einem nicht immer glücklichen Themen- und Formenspender der Populärmusik geworden ist, und das gilt für die Engel, die mächtigen Geister der „unsichtbaren Welt“, an die zu glauben wir doch im Credo bezeugen. Sie haben die Christenheit als Patrone von Nationen, Helfer in Notlagen, Schutzengel aller Menschen seit zweitausend Jahren begleitet. Heute gelten sie der Theologie bestenfalls als Randthema und führen als Exponenten einer neuen „Engelreligion“ eine eher kitschige Existenz auf Grabsteinen oder in Esoterik-Läden, wo sie meist vergesellschaftet mit Halbedelsteinen, Tarotkarten und ähnlichem Klimbim auftreten. 

Das am kommenden Dienstag, dem 2. Oktober, gefeierte Schutzengelfest ist zum Gedenktag herabgestuft und wird von den Liturgieerklärern der Erzabtei Beuron mit spitzen Fingern angefasst:

Der Glaube an Engel, d. h. mächtige Geistwesen, die in der Welt Gottes und der Menschen eine Rolle spielen, wird schon in der Heiligen Schrift ausgesprochen, wenn auch nicht eigentlich geklärt. Im Alten Testament ist der „Engel Gottes“ (Engel Jahwes) der hilfreiche Bote Gottes ... Im Neuen Testament spielen die Engel eine Rolle im Leben Jesu und der Urkirche. Es gibt dämonische, satanische Mächte, und es gibt auch die guten Engel, die den Menschen helfen, sie führen und beschützen.

Die Feiertage der drei namentlich bekannten Erzengel Gabriel, Rafael und Michael sind zu einem gemeinsamen Fest am 29. September zusammengefasst, an das in einigen Gemeinden auch noch erinnert wird, in vielen anderen aber nicht mehr. Dabei gehörte das Fest des Erzengels Michael, das ursprünglich heute gefeiert wurde, weit über tausend Jahre lang zu den prägenden Festen des Kirchenjahres. In ganz Europa markierte der Michaelstag, der vielfach am Abschluß der Erntezeit lag, einen Tag der Rechnungslegung, an dem Zinsen und Steuern gezahlt und fällige Leistungen abgerechnet wurden. Heute würde man vom Ende und Neuanfang des Fiskaljahres sprechen. In England noch stärker als auf dem Kontinent war der Michaelstag (=Michaelmas) zusammen mit Martinmas, Candlemas (=Lichtmess) und natürlich Christmas einer der Knotenpunkte im kirchlichen und ebenso im weltlichen Jahresablauf.

Im überlieferten Missale hat das „Fest der Einweihung der Kirche des hl. Erzengels Michael“ am 29. September den hochfestlichen Rang eines Duplex 1. Klasse, das wurde 1962 zu „1. Klasse“ vereinfacht und ist im neuen Kalendarium ein gewöhnliches Fest.

Unverändert blieb 1962 die Festbeschreibung im Beuroner Schott:

„Der hl. Michael ist der Fürst der himmlsichen Heerscharen: Als Anführer der guten Engel bestand er den Kampf gegen Luzifer und seinen Anhang. Er war zum Beschützer des auserwählten Volkes bestellt (Dan. 10,13 u. 12.1)und wird auch vom Gottesvolk des neuen Bundes als mächtiger Schirmherr, besonders als ritterlicher Schutzpatron Deutschlands, verehrt. Die heilige Kirche ruft ihn namentlich in den Kämpfen mit den Feinden Christi an; er ist Führer und Vorbild der Streiter Christi.Seinem Schutz sind auch die scheidenden Seelen anvertraut. Der Name des Erzengels bedeutet: „Wer ist wie Gott?“ Sein Fest möge uns zum Eifer für Gottes Sache, zum tapferen Kriegsdienst für Gott anfeuern.

Die Verehrung des hl. Erzengels Michael ist in der Kirche uralt.Schon Kaiser Konstantin der Große erbaute ihm zu Ehren beim Vorgebirge Hestiä am Bosporus eine Kirche. Das heutige Fest war ursprünglich der Jahrestag der Weihe der St. Michaelskirche an der Via Salaria in Rom.“

Davon ist heute übriggeblieben:

Das biblische Wort für Engel bedeutet „Bote“: nach Hebr 1,14 sind die Engel Geister, die im Dienst Gottes stehen und die er denen zu Hilfe schickt, die gerettet werden sollen. Im Alten Testament werden die Engel auch als „Heilige“ oder als „Söhne Gottes“ bezeichnet. Unter ihnen werden die Kerubim und die Serafim (Einzahl: Kerub und Seraf) besonders hervorgehoben. Einzelne werden mit Namen genannt: Michael („Wer ist wie Gott?“). Gabriel („Kraft Gottes“ oder „Held Gottes“), Rafael („Gott heilt“).

Dafür wird sich heute keiner zur Kirche begeben, und warum und zu wessen Hilfe man da beten sollte, bleibt auch unerfindlich. Leute, sagt's ehrlich: An Engel und so glaubt Ihr doch längst nicht mehr.

Der hl. Evangelist Matthäus

Bild: WikimediaDie Kirche gedenkt heute des Apostels und Evangelisten Matthäus, von dem moderne Bibelwissenschaft wenig mehr zu sagen weiß, als, daß man nichts über ihn wisse und wohl nur das eine über ihn sicher gesagt werden könne: Daß er jedenfalls nicht der Verfasser des nach ihm benannten Evangeliums gewesen sei.

Gähn.

Begeben wir uns also auf verläßlicheren Boden und greifen zur Legenda Aurea des guten Bischofs Jacopo de Voragine, der durchaus Aktuelles über das Martyrium des Heiligen zu berichten weiß. Der habe drei und dreißig Jahre im Lande der Ägypter gelebt, in dieser Zeit auch den König Egippus bekehrt und dessen Tochter Ephigenia zur Oberin eines Hauses frommer Jungfrauen eingesetzt. Doch der Nachfolger des Egippus mit Namen Hirtacus „begehrte Ephigenien zum Weibe und versprach dem Apostel die Hälfte seines Reiches, wenn er sie überrede, ihn zu ehelichen“. Matthäus ließ dem König ausrichten, er möge am kommenden Sonntag zur Kirche kommen, dort werde er auch Ephigenie sehen, und er, der Evangelist, werde predigen.

Der erwartungsfrohe König bekam dann zunächst in der Predigt eine hohes Lob der Ehe zu hören, das ihm überaus gut gefiel – sah er darin doch eine Aufforderung an Ephigenie, in die von ihm gewollte Verbindung einzuwilligen. Doch dann fuhr der Matthäus der frommen Legende fort:

Da nun die Ehe also edel ist, soll sie vor allem Unreinen bewahrt bleiben. Ihr alle wißt: Wenn ein Diener es wagen würde, des Königs Braut zu rauben, der hätte nicht nur des Königs Zorn, sondern auch den Tod verdient, nicht weil er ein Weib nähme, sondern weil er seines Herren Ehe bräche. Das gilt auch für dich, König, denn du weißt, daß Ephigenie des Königs Gemahlin ist und mit dem heiligen Schleier geweiht – wie könntest Du dem die Braut rauben, der größer ist als du?“

Das kam bei dem Machthaber nicht gut an und er stürmte wütend aus der Kirche. Gleich nach der Messe schickte er seine Mordbuben los, und „die schlugen den Heiligen, als er noch vor dem Altar stand und mit ausgebreiteten Armen betete, von hinten mit zwei Schwertstreichen, und so erfüllte er sein Martyrium“.

Wer will, mag in dieser Legende eine Aufnahme der Berichte über das Martyrium des Thomas Becket fast genau hundert Jahre vor der Abfassung der Legenda sehen – Becket hatte sich geweigert, seinem König den Vorzug vor Gottes Gebot zu geben. Oder auch eine Vorausschau auf das Martyrium des Thomas Moore, dem zweihundert Jahre später der Kopf abgehackt wurde, weil er nicht bereit war, den Ehebruch des Königs pastoral zu begleiten.

Was das alles mit dem historischen Evangelisten Matthäus zu tun hat. Ein Blick ins Kapitel 19, 3-9 gibt Auskunft:

Habt ihr nicht gelesen, dass der Schöpfer die Menschen am Anfang als Mann und Frau geschaffen hat und dass er gesagt hat: Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden und die zwei werden ein Fleisch sein? Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen. Da sagten sie zu ihm: Wozu hat dann Mose vorgeschrieben, dass man (der Frau) eine Scheidungsurkunde geben muss, wenn man sich trennen will? Er antwortete: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat Mose euch erlaubt, eure Frauen aus der Ehe zu entlassen. Am Anfang war das nicht so. Ich sage euch: Wer seine Frau entlässt, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, und eine andere heiratet, der begeht Ehebruch.

Darüber, wie das im Einzelnen zu verstehen ist, gibt es eine seit zweitausend Jahren unverändert und unverrückbar gepredigte Lehre der Kirche. Auch die handstreichartige Umgründung des von Papst Johannes-Paul II. errichteten Instituts für Studien zu Ehe und Familie zu einem Thinktank für Amoris Laetitia wird daran nichts ändern können.

Quatembertage im Herbst

Mittwoch, Freitag und Samstag der Woche nach dem Fest Kreuzerhöhung sind im überlieferten Missale die Quatembertage des Herbstes. Der Name „Quatember“ wird am überzeugendsten auf das lateinische „quattor temporum“ zurückgeführt, denn viermal im Jahr hält die Kirche für den größeren Teil einer Woche inne, unterbricht quasi den Ablauf des Kirchenjahres, und macht das Jahr selbst in seiner naturgegebenen Folge der Jahreszeiten zum Gegenstand der Betrachtung und des Dankes an den, der uns Jahr und Zeit geschenkt hat. Dabei verbindet sich die herbstliche Quatember seit alters her mit dem Erntedank - und seit alters her heißt hier: Weit in vorchristliche Zeiten zurückgreifend auf Brauch und Gebot des alten Testaments, aber auch auf die pietas Roms und anderer 'heidnischer' Kulturen..

Mittwoch und Freitag waren schon die Fasttage, deren Einhaltung sich der Pharisäer im Lukasevangelium (18,12) rühmt; das Fasten an diesen Tagen wurde von den frühen Christen lange beibehalten, der Samstag kam später als Vigil vor der allsonntäglichen Auferstehungsfeier dazu. Auch die Markierung der vier Jahreszeiten, wie sie in den meisten Teilen der Welt durch Klima und Landwirtschaft vorgegeben werden, durch besonderes Fasten und Beten geht auf das alte Testament zurück (Hesekiel 8:19). Natur und Übernatur gehen zusammen.

Die Liturgie der herbstlichen Quatembertage, wie sie bis ins Missale von 1962 erhalten geblieben ist, reicht weit in die frühen Zeiten der Kirche zurück und hat einige Formen bewahrt, die an den anderen Tagen verloren gegangen sind. Das deutet darauf hin, daß diese Tage im Bewußtsein des frommen Volkes lange einen ganz besonderen Raum einnahmen. In fünf alttestamentarischen Lesungen an drei Tagen wird die Geschichte des Bundes Gottes mit seinem auserwählten Volk in der Erinnerung an die vom Schöpfer gewährten Wohltaten aus der Natur nachgezeichnet. Der Introitus vom Mittwoch zitiert aus Psalm 80:

Gott unserem Helfer, jauchzet zu, jubelt vor dem Gotte Jakobs. Stimmt an frohe Psalmen und Zither; lasst zum Monatsbeginn die Posaune erschallen. So ist es ja Vorschrift in Israel, so das Gebot des Gottes Jakobs.

So können wir in der  überlieferten Liturgie der Kirche heute noch an diesen drei Tagen im Herbst den Nachhall der Festwochen um das Versöhnungs- und das Laubhüttenfest Israels hören.

„Abgeschafft“ worden sind die Quatembertage nie; ihre Feier wurde - was vielerorts wohl auf das Gleiche hinausläuft - der Fürsorge der nationalen Bischofskonferenzen anvertraut. In Deutschland wurde als Termin die erste Oktoberwoche dafür vorgesehen. Die besonderen Messformalare allerdings fielen dem Stromlinienwahn der Reformer zum Opfer, teils wurden sie ersatzlos gestrichen, teils durch eine allgemeine Messe der Fürbitte ersetzt. Allerdings war  Bedeutung und Einhaltung der Quatember schon vor dem Zeitalter der liturgischen Revolutionen stark zurückggegangen - die Industriegesellschaft hatte für dieses Erbe aus agrarischen Zeiten zunächst keinen Sinn. In Deutschland hat sich nur im Süden die Erinnerung an diese Tag in einigem Umfang erhalten; zumindest in den Bistümern München und Augsburg sind sie im Direktorium fest definiert.

Der seit Jahrzehnten zunehmende Naturkult hat in der Kirche zwar die merkwürdigsten Wucherungen hervorgebracht - zu einer allgemeinen Wiederentdeckung der Quatembertage und der in ihnen ausgedrückten Verklammerung von Heilsgeschichte und Naturabläufen hat er nicht geführt. „Das heilsgeschichtlich orientierte Jahr der Kirche kennt kein Ernte-Dankfest“ schreibt Rupert Berger (wenn man Wikipedia hier trauen kann) im aktuellen Lexikon für Theologie und Kirche - ach ja.

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  • Stationskirchen

    Die römischen Stationskirchen

    Kupferstich von Giusepppe Lauro aus dem Jahr 1599

    In der Fastenzeit 2013 haben wir zu jedem Tag die entsprechende Stationskirche kurz vorgestellt. Damit sind zwar alle gegenwärtigen Stationskirchen erfasst, aber nicht alle Tage mit einer Statio, von denen es auch etliche außerhalb der Fastenzeit gibt.

    Bei der Vorstellung der Stationskirchen orientierten wir uns im wesentlichen an „Die Stationskirchen des Missale Romanum“ von Johann Peter Kirch, Freiburg 1926. Zu Ergänzungen haben wir Hartmann Grisar „Das Missale im Licht römischer Stadtgeschichte“, Freiburg 1925, und Anton de Waals „Roma Sacra - Die ewige Stadt“ von 1905 in der Überarbeitung Johann Peter Kirchs von 1925 (Regensburg 1933) herangezogen. Daneben haben wir auch auf Informationen aus Internetquellen zurückgegriffen. Die Illustrationen stammen, soweit nicht anders angegeben, von eigenen Aufnahmen.

    Wie der gegenwertige Nachfolger de Waals und Kirchs als Direktor des römischen Instituts der Görres-Gesellschaft, Prof. Msgr. Stefan Heid, uns mitteilte ist diese älter Literatur insbesondere in Sachen der Datierungen vielfach überholt. Nach seinen Untersuchungen geht die Institution der Stationes nicht wesentlich vor die Zeit Gregors d. Großen zurück. Was natürlich nicht bedeutet, daß die Stationskirchen bzw. deren Vorgängerbauten nicht wesentlich älter sein können.

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