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Sieg am Kahlenberge

Bild: Gemeinfrei, WikimediaAm 12. September 1683, also heute vor 335 Jahren, beendete der Sieg des kaiserlich-deutschen und königlich-polnischen Entsatzheeres am Kahlenberge die zweite türkische Belagerung von Wien. Die polnischen Reiter unter der Führung von König Jan Sobieski III. stellten dabei das größte einzelne Kontingent der verbündeten Truppen und spielten die militärisch entscheidende Rolle in einem auf Stunden unentschieden hin- und herwogenden Kampfgeschehen.

Die erste Belagerung Wiens hatte gut 150 Jahre vorher im Oktober 1529 stattgefunden und war damals mit einem Sieg über die Belagerer zu Ende gegangen, der die Stadt selbst zwar vor dem Zugriff der Osmanen bewahrte, der türkischen Expansionspolitik jedoch keinen entscheidenden Schlag versetzen konnte. Das war nach der Schlacht am Kalehlenberg von 1638 anders: Sie bildete den Auftakt zu dem mit dem Namen des Feldherrn Prinz Eugen von Savoyen verbundenen „großen Türkenkrieg“, in dessen Verlauf endlich das türkisch besetzte Ungarn zurückgewonnen und der Balkan bis Albanien von der Herrschaft des Sultans befreit werden konnte. Mit dem Frieden von Karlowitz im Januar 1699 mußte das osmanische Reich alle seine europäischen Eroberungen des 16. Jahrhunderts wieder abgeben - mit Ausnahme des Banats, das erst zwei Jahrzehnte später befreit wurde. Der Ansturm des Islam auf Europa war damit für drei Jahrhunderte zurückgeschlagen, um erst in jüngster Zeit wieder – wenn auch mit veränderten Methoden – neu aufgenommen zu werden.

Die Erinnerung an die Zeit der Türkenkriege wurde in Deutschland fast ganz aus dem historischen Bewußtsein getilgt. In Ungarn und in Polen ist sie bis in die Gegenwart lebendig geblieben und erklärt viel von der aktuellen Haltung der beiden Völker in der Abwehr der von den postchristlichen Eliten verordneten Politik der gewollten Entnationalisierung und billigend in Kauf genommenen Islamisierung Europas. Informativ hierzu diese aktuelle Meldung auf kath.net.

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Das Gemälde "Sobieski bei Wien" von Jan Mateiko zeigt im Stil des heroischen Schlachtengemäldes den Moment, in dem der König einem Boten die für den Papst bestimmte Siegesbotschaft übergibt.

Die Lateinische Kirche schafft sich ab

Bild: Gemeinfrei, Gemälde von Marinus van Reymerswaele im Prado von MadridEnde September wird eine neu übersetzte und herausgegebene zweisprachige Ausgabe der Vulgata erscheinen, die den Text des alten und des neuen Testaments im lateinischen Text der klassischen Bibelübersetzung der Westkirche und der daneben stehenden neuen deutschen Übersetzung präsentiert. Das ist zunächst einmal eine gute Nachricht. Nicht so gut ist die Nachricht hinsichtlich der Kosten: Die Ausgabe erscheint in der bekannten Tusculum-Reihe, früher Heimeran, dann Artemis-Winkler und nun de Gruyter. Sie umfasst 5 Bände, und jeder kostet 80 €.

Die wirklich schlechte Nachricht ist die Ankündigung der Neuerscheinung auf katholisch.de am 10. 9. - dargeboten vom überaus kompetenten Fachpersonal der katholischen Nachrichtenagentur. Der Einleitungstext enthält die Unbildung des Autors der Pressemeldung und reichhaltige Hinweise auf die modernistische Beschränktheit der Macher des ganzen Projektes in einem erstaunlich kurzen Absatz:

Keine lateinische Übersetzung der Bibel aus dem Hebräischen ist weiter verbreitet als die des Kirchenvaters Hieronymus. Doch es gibt ein Problem: Immer weniger Wissenschaftler können noch gut genug Latein.

Zunächst einmal zum Stichwort „hebräisch“, das dann später noch einmal und das in Übereinstimmung mit dem Sprachgebrauch des Projektes  als der „Originaltext“ angesprochen wird. Diesen angeblichen Originaltext des Hieronymus haben wir nicht und kennen wir nicht. Was heute als hebräischer Originaltext der Bibel gehandelt wird, ist eine von teilweise stark antichristlich orientierten jüdischen Schriftgelehrten zusammengestellte Textversion, die zur Zeit von Hieronymus noch gar nicht vorlag und ihren endgültigen Feinschliff erst im 8. 9. Jahrhundert erhielt.

Die Arbeit von Hieronymus (347 - 420) können wir uns eher so vorstellen, daß er neben lokal verfügbaren zeitgenössischen hebräischen und lateinischen Fassungen vor allem die Kompilationen des Origines aus dem 3. Jahrhundert benutzte, der verschiedene hebräische und griechische Versionen der Bücher des alten Testaments nebeneinandergestellt, verglichen und teilweise auch kommentiert hatte. Dabei stützte sich Hieronymus, wohl griechisch erzogen und später lateinisch weitergebildet, auf verschiedene des Hebräischen kundige Helfer und Berater, teils Christen, teils auch „dialogbereite“ Juden, denn auch die gab es damals. Er selbst konnte Hebräisch bestenfalls mittelmäßig, und die Fachleute sind sich über das Ausmaß bzw. die Grenzen seiner Hebräischkenntnisse durchaus uneinig.

Und natürlich hat Hieronymus nicht „die Bibel“ unter Heranziehung verschiedener hebräischer Texte neu ins Lateinische übertragen, sondern die Bücher des alten Testaments. Die Ursprache des neuen Testaments ist allen Phantastereien rekonstruktionswütiger Hebraisten zum Trotz das Griechische. Und einerseits stimmt es zwar, daß die Vulgata des Hieronymus bis in die jüngste Gegenwart die bedeutendste und einflußreichste Fassung des Heiligen Buchs der Kirche war – andererseits hat sie sich nie vollständig gegenüber früheren lateinischen Übersetzungen durchsetzen können: Wo die Texte der heiligen Messe die Bibel zitieren und im Stundengebet, insbesondere bei den Psalmen, liegt sehr oft eine ältere Fassung aus dem Korpus der als „vetus latina“ bezeichneten Schriften aus dem 2. Jh. zugrunde. Die daraus erhaltenen Reste werden derzeit ebenfalls wissenschaftlich neue gesammelt, aufbereitet und herausgegeben. Dabei ist es zu einer wunderbaren Textvermehrung gekommen: Die Edition ist auf 27 Bände angelegt.

Der eigentliche Knüller in der Pressemeldung von KNA ist natürlich der letzte Satz des oben zitierten Absatzes, der dann auch im Text noch einmal bestätigt wird: „immer weniger Wissenschaftler beherrschten gut genug Latein, um Originaltexte lesen zu können“. Physikern oder meinetwegen auch Soziologen können wir das ja nachsehen – aber Leuten, die sich wissenschaftlich – und das heißt doch wohl auch theologisch – mit der Bibel beschäftigen?

Auch das eine der wunderbaren Früchte des neuen Frühlings eines gescheiterten konziliaren Unternehmens: Theologen können kein Latein mehr. Damit können sie ja nicht nur die Vulgata nicht mehr lesen, sondern es fehlt ihnen auch ein kompetenter Zugang zu mehr als 1000 Jahren theologischer Literatur, Gesetzgebung und Dogmatik. Diese Theologie hängt völlig in der Luft – sie ist wenig mehr als (zweitrrangige) Sozial- und Literaturwissenschaft. Bedauernswert, wer als Student in die Mühle dieses Betriebs gerät. Wer Theologie studieren will, um einer Berufung zum Priestertum der Kirche zu folgen, tut gut daran, diese Fakultäten und Seminare konsequent zu meiden und sich bei der Petrus- oder der Piusbruderschaft einzuschreiben.

Ihnen und anderen, die auf die Vulgata als die wichtigste Fassung der heiligen Schrift in der katholischen Kirche zurückgreifen wollen, kann neben einem sorgfältigen Lateinstudium insbesondere die zweisprachige Ausgabe der Heiligen Schrift von Joseph Franz Allioli (1793 – 1873) empfohlen werden, die mit Glück auch im Antiquariatshandel zu bezahlbaren Preisen zu bekommen ist. Ein etwas neuzeitlicheres Deutsch bietet die zweisprachige Ausgabe von Augustin Andt (1851-1925), die ebenfalls nur im Antiquariat erhältlich ist.

Ein Kloster lebendiger Tradition

Screenshot aus dem im Text genannten VideoGestern, am 9. September, konnten die Benediktinerinnen Mariens, der Königin der Apostel, in Gover, Missouri, die Einweihung ihrer neuen Kirche feiern. Heute wird Sr. Cecilia Snell zur ersten Äbtissin des Klosters geweiht, und zwar im Ritus des überlieferten Pontifikale. Es ist, wenn die Informationen von Rorate Caeli in dieser Sache zutreffen, die erste Äbtissinenweihe überhaupt, die in den US nach diesem Ritus vorgenommen wird. Und das nahe Kansas City, einem der Eingangstore des Wilden Westens!

Der überlieferte Ritus der Äbtissinenweihe ähnelt in vielem dem Ritus der Priester- oder Bischofsweihe – die Weihe ist in die Feier der heiligen Messe mit einem teilweise eigenen Proprium eingebunden und findet nach dem Graduale zwischen Epistel und Evangelium statt. Die Abtsweihe erfolgt demgegenüber im Rahmen einer eigenen liturgischen Feier, die einer Vesper ähnlich ist. Wie bei der Abtsweihe gibt es auch bei der Äbtissinenweihe für einige Gebete und Formeln zwei Varianten, je nachdem, ob die Abtei der Obhut des Diözesanbischofs oder allein dem apostolischen Stuhl unterstellt ist: Die Frage des Gehorsams und der Oberaufsicht war und ist für das geistliche Leben von großer praktischer Bedeutung.

Wie bei der Priesterweihe enthält die Weihezeremonie für die Äbtissin die Anrufung aller Heiligen – dagegen unterbleibt die feierliche Anrufung des hl. Geistes im Veni Creator Spiritus. Die Allerheiligenlitanei wird zum Schluß durch zwei besondere Anrufungen ergänzt:

Ut hanc praesentem Electam bene+dicere digneris – Te rogamus audi nos.
Ut hanc praesentem Electam bene+dicere et sancti+ficare digneris – Te rogamus audi nos.

Es folgt das im Wechselgesang von Bischof und den Mitfeiernden vorgetragene Paternoster und weitere Orationen, die verdeutlichen, daß die Äbtissin zur Fürsorge für die Seelen der Angehörigen ihrer Gemeinschaft eingesetzt ist. Danach als eigentlicher Weiheakt die im gewöhnlichen Präfationston vorgetragene Weihepräfation, die mit einer Handaufleg verbunden ist. Hier unsere Übersetzung:

Es ist in Wahrheit würdig und recht, billig und heilsam, Dir heiliger Gott, allmächtiger Vater immer und überall Dank zu sagen, daß Du durch unser Gebet den reichen Geist Deines Segens gnädig dieser Deiner Dienerin eingießen mögest.

(Zu den folgenden Worten erfolgt die Handauflegung)
Sie , die durch unsere Handauflegung heute als Äbtissin eingesetzt wird, bleibe durch Deinen Segen stets auserwählt und möge sich auf keine Weise von Deiner Gnade abwenden.

Gewähre ihr, o Herr, in Deiner Großmut, Beharrlichkeit im Tun des Guten, Beständigkeit in widrigen Umständen, Duldensbereitschaft in der Verfolgung, Freude am Fasten, Barmherzigkeit gegenüber Verfehlungen, Demut in der Ausübung ihrer Herrschaft, Abneigung gegen den Hochmut, Begeisterung an der Glaubenstreue, Beständigkeit in der Lehre, Standhaftigkeit in der Keuschheit, Abstinenz von jedem Luxus, Maß in allem, was vergänglich ist und Regelmäßigkeit im Lebenswandel. Mit Deiner Hilfe, Herr, möge sie so in ihrem Amte ausharren, wie Du den von den Aposteln zum Gehilfen erwählten heiligen Stephanus auszuharren befähigt hast. Vom heutigen Tage an möge sie alles weltliche Gerede verachten und in Deiner Gnade, o Herr, befähigt, stets darauf bedacht sein, das Irdische gering zu achten und das Himmlische zu lieben. Sie sei ein Beispiel und Muster an Gerechtigkeit bei der treuen Verwaltung und Regierung Deiner Kirche, damit sie ihren Mitschwestern stets ein geeignetes Vorbild gebe. Sie sei eine gute Ratgeberin, beharrlich in ihren Entschlüssen und erfolgreich in der Verwaltung.

Und so möge sie, o Herr, mit Deiner Hilfe ohne zu zögern allen Deinen Geboten folgen und Dir mit reinem Herzen dienen, um so mit vervielfachtem Gewinn und hundertfacher Frucht mit der Krone der Gerechtigkeit den Siegespreis der himmlischen Berufung und die Gaben Deiner himmlischen Schätze zu erlangen.

(Das folgende vom Bischof nur noch halblaut zur Äbtissin hin gesprochen) Dies gewähre Dir unser Herr Jesus Christus, der mit dem Vater und dem Heiligen Geiste lebt und herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Damit ist der eigentliche Weiheakt beendet. Es folgen noch einige Orationen und Zeremonien wie z.B. eine feierliche Überreichung der Ordensregel an die neue Äbtrissin und die Überreichung eines Schleiers, sofern die Äbtissin bisher keinen getragen hat, danach wird die Messe regulär fortgesetzt. Nach der Messe wird dann die feierliche Inthronisation der Äbtissin vorgenommen:

Empfange die volle und freie Vollmacht zur Verwaltung dieses Klosters und seiner Gemeinschaft und aller Dinge, die im Innern und im Äußern zu seiner geistlichen und weltlichen Regierung gehören. Bleibe treu in Gerechtigkeit und Heiligkeit und sorge gut für diesen Ort, den der Herrr dir anvertraut hat, denn mächtig ist der Herr, daß er dir seine Gnade schenke.

Den Abschluß bildet der Gesang des Tedeums.

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Ein Video von der fast vierstündigen Zeremonie der gestrigen Kirchweihe ist bereits auf Youtube eingestellt. Die heutige Weihe der Äbtissin wird ebenso wie gestern mit der technischen Hilfe der Benediktiner von Conception Abbey als Life Stream ab 17 Uhr deutscher Zeit übertragen

Das Fest Marä Geburt

Eigene AufnahmeGeburtstag der Heiligen ist gemeinhin der Tag ihres irdischen Todes, an dem sie für das ewige Leben wiedergeboren worden sind. Zwei Ausnahmen kennt hier der liturgische Kalender der römischen Kirche: Die irdischen Geburtstage des Propheten Johannes und der Gottesmutter Maria. Schon ihre von der Erbsünde unbefleckte Empfängnis ist der Kirche ein eigenes Fest wert. Es wird am 8. Dezember gefeiert, und konsequenterweise ist dann der 8. September das Fest der Geburt der späteren Gottesmutter. Es ist nach dem traditionellen Kalender ein Fest duplex II. Klasse und mit einer einfachen Oktav ausgezeichnet. In Rom ist seine Feier bereits seit dem 7. Jahrhundert belegt.

Das „Große Leben Christi“ des Martin von Cochem (1634-1712) kennt diesen frühen Zeitpunkt noch nicht, hat dafür aber – mit Quellenhinweis auf den Festkalender des Batista Mantuanus von 1516 – eine sehr dem Empfinden seiner Zeit gemäße Legende von der Entstehung des Festes zu bieten. Hier zitiert nach einer Fassung aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts:

Um das Jahr Christi achthundertunddreizehn wohnte auf der Insel Cypern ein frommer Geistlicher. Er war aus dem Land Palästina gekomen und führte auf dem Eiland das Leben eines Eremiten. Dieser Klausner hörte alle Jahre am achten September um die Zeit der Morgenröte eine so liebliche Engelmusik, daß er vor Übermaß an Freude ganz verzückt wurde. Deswegen bat er Gott gar eifrig, er wolle ihm offenbaren, was doch die Ursache sei, daß er gerade an diesem Tage und sonst niemals diese englische Musik höre. Endlich erschien ihm ein Engel und sprach: Die Ursache, warum du am achtgen Tage vom Herbstmonat den englischen Freudengesang gehört hast, ist die, weil an dem Tag die Himmelskönigin ist geboren worden; darum halten alle englischen Chöre an diesem Tag ein besonderes Freudenfest und danken Gott ob dieser gnadenrfeichen Geburt. Und nun befiehlt dir Gott, du sollst dies offenbaren, damit die Menschen auf Erden zugleich mit den Engeln im Himmel den Geburtstag Mariä mit Freuden begehen.

Als diese Kunde vor den Papst gekommen, hat man in den alten Büchern nachgeschlagen und gefunden, daß an diesem Tage Maria sei geboren worden; weswegen denn befohlen worden, daß dieses Fest in der ganzen Christenheit solle gehalten werden. Hieraus ersehen wir, das ganze himmlische Heer feiert alle Jahre gar herrlich Mariä gnadenreiche Geburt. Sieh also, welch großes Wohlgefallen du der Mutter Gottes bereitest, wenn du diesen Tag mit Andacht begehst.

Die Erzählung von der Geburt Mariens selbst wird dann bei Martin von Cochem und anderen Autoren der frühen Neuzeit sehr stark nach dem Vorbild der Weihnachtsgeschichte gestaltet - die oben wiedergegebene Abbildung kann einen Eindruck davon vermitteln. Sie stammt aus einer Ausgabe des „Großen Leben Christi“ von 1721, wenige Jahre nach dem Tod Martins. Das Buch selbst wurde bis in die 30er Jahre des 20. Jh., teilweise auch noch nach dem 2. Weltkrieg, immer wieder neu aufgelegt und gehörte zum eisernen Bücherbestand jeder katholischen Familie.

Geburtstag Anselm Schott

Eigene AufnahmeVon Christoph Matthias Hagen

Das Schott-Messbuch hat seinen Namen vom Benediktinerpater Anselm Schott. Vor 175 Jahren wurde er in Salach in Württemberg, auf Burg Staufeneck, unweit von Göppingen geboren: am 5. September 1843.

Als er am 28. Juni 1883 an den Verlag Herder in Freiburg im Breisgau schrieb , um diesem das schon fertige Manuskript seines Messbuchs der heiligen Kirche anzubieten, war er noch nicht vierzig Jahre alt. 1867 war er für die Diözese Rottenburg zum Priester geweiht worden, doch schon kurze Zeit darauf im neugegründeten Benediktinerkloster Beuron als Postulant eingetreten. Da suchte er vielleicht vor allem die mit der Stabilitas loci der Benediktregel verbundene Beständigkeit und Geborgenheit. Die Ewige Profess auf diese Regel legt Pater Anselm am 6. Juni 1870 ab. Doch gerade dieser Entschluss - Benediktiner zu werden - besiegelte unter dem Einfluss der politischen Zeitumstände des Kulturkampfes und der Entwicklung der Beuroner Kongregation wohl das Unstete und die Bewegtheit seines Lebens. Wäre er Weltpriester geblieben, hätte er wahrscheinlich auch nicht eine solche Konzentration auf eine publizistische Tätigkeit verwenden können.

In dem schon erwähnten Brief von Ende Juni 1883 weist Schott auf das Missel des Fidèles der belgischen Tochtergründung Maredsous hin, das 1882 erschienen war, nennt aber auch das Officium Divinum des Mainzer Priesters Christoph Moufang (1817-1890). Dieses kann als eine Art deutscher Vorläufer des Schott-Messbuches angesehen werden und stand als solcher auch nicht allein. Dennoch zeigt ein Blick in die erste Schottauflage von 1884 und ein Vergleich mit der Moufang'schen Übersetzung der gleichbleibenden Teile der heiligen Messe, für den hier auf die neunte Auflage von 1875 zurückgegriffen wird , eine starke Übereinstimmung, die insbesondere im Bereich der Kanonübersetzung bis auf einzelne Begriffe und Formulierungen geradezu wortwörtlich ausfällt.

Bei der Vorstellung seines Manuskriptes ist wesentlich, dass außerdem der Name Dom Prosper Guérangers OSB (1805-1875) , des Wiederbegründers der Abtei Solesmes genannt und gesagt wird, das projektierte Messbuch für Laien solle "eine Art compendiöser Dom Guéranger" werden, nämlich im Unterschied sowohl zu Moufang als zu anderen Vorgängerbüchern und auch dem französischsprachigen, belgischen Vorbild von Maredsous die Liturgie der Kirche in ihrem Jahreslauf kommentierend erklären und werde dabei aus Guérangers L' Année Liturgique schöpfen. In deutscher Sprache erschien dieses Werk ab dem Todesjahr des Autors, 1875, unter dem Titel Das Kirchenjahr . Diese Erschließung der Messformulare, der feststehenden Messliturgie und der Besonderheiten der Feste und Zeiten des Kirchenjahres bildeten zusammen also das ausgesprochene Markenzeichen des Schott-Messbuches in seiner Urform.

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  • Stationskirchen

    Die römischen Stationskirchen

    Kupferstich von Giusepppe Lauro aus dem Jahr 1599

    In der Fastenzeit 2013 haben wir zu jedem Tag die entsprechende Stationskirche kurz vorgestellt. Damit sind zwar alle gegenwärtigen Stationskirchen erfasst, aber nicht alle Tage mit einer Statio, von denen es auch etliche außerhalb der Fastenzeit gibt.

    Bei der Vorstellung der Stationskirchen orientierten wir uns im wesentlichen an „Die Stationskirchen des Missale Romanum“ von Johann Peter Kirch, Freiburg 1926. Zu Ergänzungen haben wir Hartmann Grisar „Das Missale im Licht römischer Stadtgeschichte“, Freiburg 1925, und Anton de Waals „Roma Sacra - Die ewige Stadt“ von 1905 in der Überarbeitung Johann Peter Kirchs von 1925 (Regensburg 1933) herangezogen. Daneben haben wir auch auf Informationen aus Internetquellen zurückgegriffen. Die Illustrationen stammen, soweit nicht anders angegeben, von eigenen Aufnahmen.

    Wie der gegenwertige Nachfolger de Waals und Kirchs als Direktor des römischen Instituts der Görres-Gesellschaft, Prof. Msgr. Stefan Heid, uns mitteilte ist diese älter Literatur insbesondere in Sachen der Datierungen vielfach überholt. Nach seinen Untersuchungen geht die Institution der Stationes nicht wesentlich vor die Zeit Gregors d. Großen zurück. Was natürlich nicht bedeutet, daß die Stationskirchen bzw. deren Vorgängerbauten nicht wesentlich älter sein können.

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