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St. Peter goes digital

Bild: Ökumenisches HeiligenlexikonDie Allen Organ Company of Macungie (Pensylvania) hat dem Petersdom eine elektronische Orgel gestiftet, die künftig bei päpstlichen Feierlichkeiten bevorzugt zum Einsatz kommen soll. Die bisher allein zur Verfügung stehende Pfeifenorgel aus den Jahren unmittelbar vor dem Konzil war – so die offiziösen Erklärungen – den Anforderungen des digitalen Zeitalters nicht mehr gewachsen, da ihr Klang, um z.B. auf den Petersplatz oder gleich weltweit übertragen zu werden, erst durch Mikrophone aufgefangen und neu aufbereitet werden mußte.

Der erste Auftritt des neuen Geräts in der Weihnachtsnacht hat nun heftige Debatten ausgelöst.
Viele Anhänger einer Modernisierung der Kirche auf allen Gebieten sind begeistert. „Die Digitalorgel kann einen der größten Kulträume der Welt vollständig beschallen“ freut sich das englische „Tablet“ und weist besonders darauf hin, daß die Elektronik dem aktuellsten Stand der Technik entspreche. Msgr Palombella, Chef des Chors der Sixtinischen Kapelle begründet die Neuerung so: „Vor dem II. Vatikanum fanden päpstliche Zeremonien in der Sixtinischen Kapelle statt, und es war nicht erforderlich, den Ton aufzunehmen und international zu senden. Nach den liturgischen Reformen des Konzils wurde zunehmend die ganze Peterskirche für päpstliche Feiern verwandt; daraus ergab sich die Notwendigkeit, sich ständig um die Verbesserung der auszustrahlenden Tonqualität zu bemühen.“

Eine solche „Notwendigkeit“ soll wohl dazu dienen, zumindest den Anschein einer Übereinstimmung mit dem Konzilsdekret Sacrosanctum Concilium über die Liturgiereform zu erwecken, das in Abschnitt 120 bestimmt:

Die Pfeifenorgel soll in der lateinischen Kirche als traditionelles Musikinstrument in hohen Ehren gehalten werden; denn ihr Klang vermag den Glanz der kirchlichen Zeremonien wunderbar zu steigern und die Herzen mächtig zu Gott und zum Himmel emporzuheben. Andere Instrumente aber dürfen nach dem Ermessen und mit Zustimmung der für die einzelnen Gebiete zuständigen Autorität nach Maßgabe der Art. 22. § 2,37 und 40 zur Liturgie zugelassen werden, sofern sie sich für den heiligen Gebrauch eignen oder für ihn geeignet gemacht werden können, der Würde des Gotteshauses angemessen sind und die Erbauung der Gläubigen wirklich fördern.

Das Vorbild in St. Peter wird nun sicher an vielen Orten dafür herhalten müssen, die noch verbliebenen Kirchenorgeln – soweit sie nicht ohnehin schon durch Klavier oder Gittaren ersetzt worden sind – durch zeitgemäße Nachfolger abzulösen. Erstaunlicherweise ist allerdings gerade aus dem Bereich der Kirche in Deutschland, die ansonsten doch jede Gelegenheit zum Bruch mit Traditionen begrüßt, heftiger Widerspruch gegen das römische Vorpreschen laut geworden.

Das Bischöfliche Sprachrohr katholisch.de hat am 15. 1. eine Stellungnahme des Kölner Domorganisten Prof. Winfried Bönig veröffentlicht, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Darin bezeichnet Bönig die römische Neuerwerbung als eine „armselige Lösung“ und meint weiter:

Elektronische Orgeln sind keinesfalls ein Trend. Eigentlich ist ihre Zeit schon vorbei. Deswegen verursacht das neue Instrument im Petersdom auch gerade einigen Wirbel, die Fachwelt befindet sich irgendwo zwischen Entsetzen, Bestürzung und Unverständnis. Das war eine ganz und gar unkünstlerische Entscheidung. Das hat schon etwas von Ironie: In dem Moment, wo die Unesco die Orgeln und das Orgelspiel zum Weltkulturerbe erklärt, baut der Petersdom als die Kirche der katholischen Welt so ein Instrument ein.

Dem ist wenig hinzu zu fügen. Lesen Sie das Ganze hier.

Das Leben Mariens in Photos

Der gestrige zweite Sonntag nach Erscheinung mit dem Evangelium von der Hochzeit zu Kana gibt willkommene Gelegenheit zu einem Buch-Hinweis: Franz Michel Willam: Das Leben Marias der Mutter Jesu, erschienen in 1. Auflage 1936 bei Herder. Über 60 der ca 550 Seiten dieses Buches sind dem Wunder von Kana gwidmet, und jede davon verspricht dem Leser auch heute noch reichlichen Gewinn. Keine kleine Rolle dabei spielen die Bilder, die Willam bei einer Reise ins hl. Land in den 20er Jahren des 20. Jh. von dem Jerusalemer Photographen C. Raad bereitstellen ließ und deren Auswertung ein zentraler Bestandteil seiner Arbeitsweise ist. Das Alltagsleben, so setzt der volkskundlich bewanderte Autor mit guten Gründen voraus, hat sich in diesem Land zwischen dem 1. und dem 19. Jahrhundert in vielem nur wenig verändert: Man kann das Leben Mariens photographieren - 1925. Zweites zentrales Element ist dann ein absolutes Vertrauen in die Verläßlichkeit der der Darstellung in den Evangelien. Zunächst ein Bild, wie es sich wohl zwei Jahrtausende lang bei einer Hochzeitsfeier in Palästina bieten konnte, dazu Willams Kommentierung:

Das Bild gibt eine gute Vorstellung vom Getriebe bei einer orientalischen Hochzeitsfeier. Man kennt keine Tische mit eng aneinander gereihten Stühlen, auf denen man pflichtschuldig sitzen bleibt, bis alles vorüber ist. Ungezwungen geht man hin und her, ein und aus.

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Weihnachten und Märtyrerfeste

Bild: Summorum-Pontificum.deWeihnachten gilt als Fest der Harmonie und des Friedens, und die Menschwerdung des göttlichen Wortes ist in der Tat das nachdrücklichste „Friedensangebot“, das der Menschheit je gemacht worden ist. Wie wenig damit für den „Frieden auf Erden“ schon erreicht ist, zeigt der liturgische Kalender für die Tage der Weihnachtsoktav in bestürzender Deutlichkeit. An zwei Tagen setzt sich die blutrote Farbe des Martyriums auch in unseren überaus friedliebenden Tagen noch gegen das Weiß der Weihnachtsfreude durch – das beginnt gleich am – der Liturgie im eigentlichen Sinne unbekannten - „zweiten Weihnachtsfeiertag“ mit dem Fest des Erzmärtyrers Stephanus. Dem folgt zwei Tage später das Märtyrerfest der heiligen Unschuldigen Kinder.

Bis zu den liturgischen Reformen der 60er Jahre war Rot auch die Farbe des 29. Dezember, an dem die Kirche das Fest des hl. Thomas von Canterbury feierte, der wegen seines Widerstands gegen die Anmaßungen von König Henry II. Von dessen Gefolgsleuten ermordet wurde – in seiner Bischofskirche während der Vesper. Die Reform hat dieses Fest zu einem bloßen „Gedächtnis“ herabgestuft und in die Reihe der Oktavtage zu Weihnachten eingeebnet. Ein insoweit erstaunlicher Vorgang, als die Reformer ansonsten keine Gelegenheit ausließen, Oktaven zu beseitigen. Mit Blut hat schließlich auch der 1. Januar zu tun, der 8. Tag nach Weihnachten ist nicht nur feierlicher Abschluß der Weihnachtsoktav, sondern erinnert auch daran, daß Jesus an diesem Tag nach dem Gesetz Moses beschnitten, so in das Volk des Bundes eingegliedert wurde und den Opfergang zur Erlösung begann. Davon ist nach zwei liturgischen Reformen des 20. Jahrhunderts und der Umbenennung des „Festes der Beschneidung des Herrn“ in das „Hochfest der Gottesmutter Maria“ nur noch am Rande die Rede.

Vier mal Blut, Martyrium, Opfer und Leiden und das an Weihnachten – das ist dem modernen Menschen wohl nicht mehr vermittelbar.
Dabei wäre jedes dieser vier Feste mit seinen Festgedanken heute von höchster Aktualität. Das Martyrium des Stephanus steht für das Leiden, mit dem jeder rechnen muß, der sich um des Glaubens willen den in der Gesellschaft herrschenden (Un-)Wertvorstellungen widersetzt. Der Kindermord zu Bethlehem erinnert nicht nur daran, daß politische Machthaber zu jeder Zeit bereit waren und sind, buchstäblich über Leichen gehen, um ihre Macht zu erhalten. Das herodianische Gemetzel beschwört auch die Bilder des heutigen Massenmordes an Ungeborenen, mit dem die Gesellschaft ihre Kinder auf den Altären des Wohlergehens opfert – nur daß diese Altäre heute nicht mehr Baal und Moloch, sondern angeblich unabdingbaren individuellen Freiheitsrechten geweiht sind.

Thomas von Canterbury verweist darauf, daß im Verhältnis zwischen Staat und der Kirche Christi zu jeder Zeit tiefe Gegensätze aufbrechen können, die dem Gläubigen immer wieder abverlangen, sich für den Dienst an weltlichen Herren oder am göttlichen Gesetz zu entscheiden. Selbst der Sohn Gottes in seiner menschlichen Gestalt sah sich der Erfüllung dieses Gesetzes verpflichtet. Preiswerter ist Erlösung nicht zu haben

Glanz edler Einfalt

Bild: Aus dem genannten Digitalisat der BnFAngeregt durch einen Artikel von Gregory di Pippo in New Liturgical Movement haben wir uns in den Schätzen der französischen Nationalbibliothek umgesehen, die zahlreiche liturgische Handschriften aus dem ersten Jahrtausend in hervorragender Qualität digitalisiert und online gestellt hat. Einige davon wie etwa das Sakramentar Karls des Kahlen (823 – 877) sind von großem künstlerischen Wert – Hier aus dem digitalen Facsimile der Bibliothek die Seite mit dem Te Igitur vom Eingang des Kanons. Andere haben hohe historische Bedeutung, weil sie Auskunft nicht nur die Messtexte, sondern auch über die konkrete Form der Messfeier zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort geben.
Als einen Verteter dieser Gruppe haben wir uns das Sacramentarium gregorianum aus der Abtei Corbie angesehen, dessen Entstehungsjahr mit 853 angegeben wird.

Dieses Sakramentar ist insgesamt in sehr schlichter karolingischer Schreibschrift (minuskeln) gehalten, mit Ausnahme einer Gedächtnisstütze zum Ablauf des Ordo Missae und dem Text des Kanons. Diese beiden Abschnitte sind auf purpurgetränktem Pergament aufgezeichnet – der Teil zum Ordo Missae in silbernen, der Kanon sogar in goldenen Buchstaben. Das Gold hat die über tausend Jahre gut überstanden, die Schrift ist auch für Nicht-Spezialisten der karolingischen Schriftformen relativ leicht lesbar. Die zum Kanon gerechnete Präfation hat folgenden Wortlaut:

Vere dignum et iustum est, aequum et salutare, nos tibi semper et ubique gratias agere. domine, sancte pater omnipotens aeterne deus, per christum dominum nostrum. per quem maiestatem tuam laudant angeli, adorant dominationes, tremunt potestates. caeli caelorumque virtutes ac beata seraphim socia exultatione concelebrant. cum quibus et nostras voces ut admitti iubeas deprecamur, supplici confessione dicentes. sanctus...

Das ist, Wort für Wort und nach Aufschlüsselung der Ligaturen und Abbreviationen auch Buchstabe für Buchstabe der exakte Text der „Gewöhnlichen Präfation“, die der überlieferte Ritus nach dem Missale von 1962 für alle Tage ohne besondere Präfation vorgibt – nur bei „exultatione“ fehlt ein in der heutigen Schreibung übliches „s“.

Es ist das die Präfation, die von modernen Liturgiewissenschaftlern gerne als unvollständiges „Rahmenformular“ bezeichnet wird, das dringend der Ergänzung durch Produkte ihrer eigenen Wissenschaft bedürfe – hier als heiliger Text hervorgehoben in goldenen Lettern auf purpurnem Untergrund!

Man weiß nicht, worüber man sich mehr wundern soll: Über den Mut, oder über den Übermut dieser Sorte Liturgietechnokraten, denen tausendjährige Traditionen nicht mehr geben als eine Gelegenheit zur Zurschaustellung ihrer eigenen Beschränktheit.

Bild: Sacramentarium_gregorianum_(Sacramentaire_grégorien_dit_[...]_btv1b8426288h

Was der Papst nicht kann

Was anderswo schon gut und gültig beschrieben worden ist, muß hier nicht unbedingt noch einmal in eigenen Worten nacherzählt werden. Daher hier unsere Übersetzung eines aktuellen Beitrages von Fr. Hunwicke auf seinem Blog, in dem er sich mit den lauter werdenden Befürchtungen beschäftigt, Papst Franziskus und seine Entourage könnten auch in die Ordnung der Liturgie nach dem überlieferten Ritus eingreifen wollen.

Es beginnt ein langes ZitatIm Anschluß an meine Überlegungen zu den Gefahren, die möglicherweise aus Pfs eigenen liturgischen Vorlieben und seinen dirigistischen Instinkten entstehen könnten, möchte ich die Aufmerksamkeit der Leser auf zwei Dokumente mit lehramtlichem Rang hinlenken. (Ich nehme an, daß die Leser bereits mit dem vertraut sind, was der damalige Kardinal Ratzinger in „Der Geist der Liturgie“ geschrieben hat, als er den Hyperpapalismus kritisierte, der nach dem 2. Vartikanum zu der irrigen Ansicht geführt hatte, daß der Papst alles tun könne. Doch könnte man dagegen einwenden, daß es sich bei diesem Buch nicht um ein lehramtliches Dokument handele.)

Die beiden Dokumente, auf die ich hier in aller Kürze hinweisen will, sind demegegenüber unbestreitbar Ausdruck päpstlichen Lehramtes:

(1) In dem Brief an die Bischöfe zur Erläuterung von Summorum Pontificum schrieb Papst Benedikt XVI: Was früheren Generationen heilig war, bleibt auch uns heilig und groß; es kann nicht plötzlich rundum verboten werden oder gar schädlich sein.“ Man beachte die Formulierung „kann nicht“. Der gelehrte Papst sagt nicht „sollte nicht“, sondern er sagt, „kann nicht“.

(2) Ich vermute, daß Ratzinger für den Entwurf des Abschnitts 1125 des Katechismus der Katholischen Kirche verantwortlich ist, auch wenn dieser natürlich 1992 von hl. Johannes Paul II. mit der Autorität einer Apostolischen Konstitution promulgiert worden ist.

Der zweite Satz dieses Abschnitts beginnt mit der Formulierung „Ipsa auctoritas Ecclesiæ suprema“ (Selbst die höchste Autorität der Kirche). Diese Formulierung wird allgemein, insbesondere jedoch in den Dokumenten des II. Vatikanums, zur Bezeichnung des Papstes selbst verwandt, obwohl sie wohl auch auf ein ökumenisches Konzil zutreffen würde. Diese Wendung wird dann gefolgt von einem „non potest“ – „kann nicht“. Beachten Sie bitt: Da steht nicht „non licet“ („darf nicht“) noch eine Empfehlung „sollte nicht“. Das, was hier ausgeschlossen wird, ist als Unmöglichkeit ausgeschlossen. So, wie der hl. Johannes Paul die Priesterweihe von Frauen als Unmöglichkeit ausgeschlossen hat – nullam facultatem habere.

Und weiter geht es dann im Satz des Katechismus „liturgiam ad placitum commutare suum (die Liturgie nach seinen eigenen Vorlieben verändern) sed solummodo in obœdiantia fidei et in religiosa mysterii liturgiæ observantia“ (sondern nur im Gehorsam des Glaubens und in frommer Beobachtung des liturgischen Geheimnisses).

In anderen Worten: Wollte ein Papst die Liturgie nach seinen persönlichen Vorlieben verändern, würde er seine Macht überschreiten. Deshalb wäre sein Versuch null und nichtig. Ich vermute, wir müssten bis zu den klaren und ruhmreichen Lehren des I. Vatikanums (Pastor Æternus) zurückgehen, um ähnlich direkte und unmißverständliche Ausführungen des Lehramtes dazu zu finden, was ein Papst nicht tun kann.

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  • Stationskirchen

    Die römischen Stationskirchen

    Kupferstich von Giusepppe Lauro aus dem Jahr 1599

    In der Fastenzeit 2013 haben wir zu jedem Tag die entsprechende Stationskirche kurz vorgestellt. Damit sind zwar alle gegenwärtigen Stationskirchen erfasst, aber nicht alle Tage mit einer Statio, von denen es auch etliche außerhalb der Fastenzeit gibt.

    Bei der Vorstellung der Stationskirchen orientierten wir uns im wesentlichen an „Die Stationskirchen des Missale Romanum“ von Johann Peter Kirch, Freiburg 1926. Zu Ergänzungen haben wir Hartmann Grisar „Das Missale im Licht römischer Stadtgeschichte“, Freiburg 1925, und Anton de Waals „Roma Sacra - Die ewige Stadt“ von 1905 in der Überarbeitung Johann Peter Kirchs von 1925 (Regensburg 1933) herangezogen. Daneben haben wir auch auf Informationen aus Internetquellen zurückgegriffen. Die Illustrationen stammen, soweit nicht anders angegeben, von eigenen Aufnahmen.

    Wie der gegenwertige Nachfolger de Waals und Kirchs als Direktor des römischen Instituts der Görres-Gesellschaft, Prof. Msgr. Stefan Heid, uns mitteilte ist diese älter Literatur insbesondere in Sachen der Datierungen vielfach überholt. Nach seinen Untersuchungen geht die Institution der Stationes nicht wesentlich vor die Zeit Gregors d. Großen zurück. Was natürlich nicht bedeutet, daß die Stationskirchen bzw. deren Vorgängerbauten nicht wesentlich älter sein können.

Zusätzliche Informationen