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Die Wahrheit in den Bildern

Bilder von den im Artikel genannten WebseitenDie Website des Instituts Christus König und Hoher Priester veröffentlichte dieser Tage Bilder von einem Besuch von Kardinal Burke im Seminar von Gricigliano in der Karwoche. Sie zeigen – unter anderem – den Kardinal beim Versehen des Tischdienstes für die Seminaristen und Gäste. Wenn Sie als Betrachter dieses Bildes ein gewisses Unbehagen verspüren, sind Sie damit sicher nicht allein. Und dieses Unbehagen verstärkt sich eher noch, wenn man zu dem Bild aus Gricigliano eine Aufnahme von vor einigen Jahren stellt, die den Kardinal in umgekehrter Rolle beim Besuch der Franziskanerinnen der Immakulata zeigt – in voller Cappa Magna, den vor ihm niederknienden Frauen die Hand mit dem Ring zum Kuss reichend. Und ein Schwarzer als Schleppenträger noch dazu!

Das kann doch alles nicht wahr sein, nicht im 21. Jahrhundert. Das muß doch geheuchelt und gelogen sein, auf dem einen Bild oder auf dem anderen – wahrscheinlich auf beiden!

In einer Welt voller trügerischer Bilder neigen wir dazu, eine verborgene Wahrheit hinter den Bildern zu suchen, statt sie in den Bildern selbst sehen zu wollen. Dabei sind Bilder traditionell eines der stärksten Ausdrucksmittel von Wahrheiten des Glaubens – das weiß sogar der dieser Tradition denkbar fernstehende Papst, der Bilder sehr bewußt in seinem Sinne einzusetzen versteht.

Es ist doch nicht geheuchelt, wenn ein Bischof, ein Oberhirte zu erkennen gibt, daß seine größte Sorge und liebevolle Zuwendung den künftigen Hirten und Priestern gilt, so wie einem Vater die Liebe zu seinen Söhnen. Er kann das in Reden und Gesprächen zum Ausdruck bringen – aber auch in Bildern und Symbolen, die diesen Männern wahrscheinlich ein Leben lang vor Augen bleiben werden: Damals, als Der Kardinal uns Gläser und Bestecke an den Tisch brachte – oder Nudeln mit Tomatensoße, wie auf anderen Bildern zu sehen. Bilder und Symbole haben für die Kirche nicht zu Unrecht nahezu den Rang von Sakramentalien: Sie bedeuten nicht nur etwas, sondern sie bewirken auch etwas. Und auch einem Kardinal schadet es nichts, die andere Hand zur Hilfe zu nehmen, wenn die Gläser ins Kippeln kommen.

Das gleiche gilt für das andere Bild, das die Vaterrolle auf ganz andere Weise zum Ausdruck bringt: In der Rolle des „Kirchenfürsten“, dem die ihm Anvertrauten ihre Liebe und ihr Vertrauen entgegen bringen. Der Kardinal befindet sich gerade auf dem Weg zu oder von einer feierlichen Liturgie, und seine dem entsprechende Amtskleidung bringt zum Ausdruck, daß diese Hochschätzung nicht in erster Linie der vom Rot fast völlig verhüllten Person gilt, sondern seinem Amt und seiner Rolle. Der Bischof steht nach dem hergebrachten und bis zum vrgangenen Konzil auch in den Weihegebeten ausgedrückten Verständnis der Kirche in der Tradition des hohenpriesterlichen Amtes aus dem alten Testament, der als einziger den Ort im Tempel betreten durfte, von dem es im Psalm heißt: Terribilis est locus iste : Hic domus Dei est, et porta coeli: et vocabitur aula Dei. (Ps. 83: 2, 3)

Wer auf den offensichtlichen Zeitunterschied zwischen den beiden zusammenmontierten Aufnahmen schielt – der Besuch bei den Franziskanern fand zu Zeiten des formbewußten Papstes Benedikt statt, der in Gricigliano unter seinem eher hemdsärmligen Nachfolger – könnte versucht sein, wieder einmal hinter die Bilder zu schauen und zu schlussfolgern: Ja, zu Benedikts Zeiten trug man Cappa, aber heute ist Demut angesagt! Das wäre freilich eine Täuschung: Ausweislich der Bilder auf der Website des Iinstituts trug der Kardinal im liturgischen Zusammenhang auch in diesem Jahr die Cappa Magna als angemessene Amtskleidung. Und schwerlich käme er auf den Gedanken, im liturgischen Zusammenhang als Zeichen der Demut seine Knie vor einem anderen zu beugen als vor seinem Herrn und Gott. Terribilis est locus iste.

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