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Form und Inhalt

Bild: Website Goldschmiede BalesDie zunehmende Polarisierung unter den Katholiken führt zumindest in den USA dazu, den oft als „Debatte um Äußerlichkeiten“ mißverstandenen liturgischen Fragen wieder größere Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Auf Lifesite, wo man sich in dieser Hinsicht zugunsten der angestrebten „breiten Bündnisse“ in den vergangenen Jahren eher zurückgehalten hat, konnte dieser Tage Peter Kwasniewski die Bedeutung, die einer würdigen Feier der Liturgie gerade unter den gegenwärtigen Belastungen zukommt, eingehender begründen.

Er beginnt bei dem grundlegenden Mißverständlich „das sind doch nur Äußerlichkeiten“ und setzt der in angelsächsischen Ländern verbreiteten Redensart: „Man kann ein Buch doch nicht seinem Einband beurteilen“ die Erinnerung an die Evangeliare und Bibeln des Mittelalters entgegen: Unsere Vorfahren gaben enorme Beträge aus, um die Heilige Schrift in Gold, Silber und Edelsteine einzubinden, so daß unmittelbar einsichtig wurde, daß solch ein Buch das Wort Gottes selbst enthielt und höchste Ehrerbietung verdiente“. Dann fährt er fort:

Die heilige Liturgie enthält ebenfalls das Wort Gottes selbst, ja, erstaunlicherweise ist Gott selbst, das Fleisch gewordene Wort, in der heiligen Messe präsent. Es ist mit diesem inneren Gehalt absolut unvereinbar, dem eine äußere Form zu geben, die nicht prächtig, majestätisch, überaus schön, feierlich und ehrfürchtig ist. Wir sollten fähig sein, dieses „Buch“ nach seinem glanzvollen Inhalt zu bewerten. Also die hl. Messe nach ihrem Erscheinungsbild und ihrer Musik, ihren Texten und Zeremonien. Wir sollten fähig sein, im äußeren Ablauf den Wesenskern wahrzunehmen.“ (…)

Die Liturgie dient nicht Gott oder Christus in dem Sinne, als ob sie ihnen etwas hinzufügen könnte – sie sind bereits so gut, heilig und glorreich wie nur irgend möglich. Letztlich dient sie uns, die ihm das Lobopfer darbringen, indem sie unsere Seelen auf ihn als das letzte Ziel hin ausrichten und unsere Herzen mit dem Feuer seiner Liebe erfüllen. Und das gelingt am besten mit einer Liturgie in eindrucksvoller Form und Gestaltung, Gesten und Gewändern, Chorälen und Riten – also mit einer Liturgie, die von Anfang bis zum Ende von Zeichen der Nähe und der Andersartigkeit Gottes durchdrungen ist. Eine wirklich sakrale Liturgie widersetzt sich der Einbindung in weltliche Zielsetzungen und ruft bei denen, die sie wahrnehmen, Ehrerbietung, Staunen und Gebet hervor.“

Kwasniewski widersteht in diesem Beitrag für eine sehr breite und weit über den katholischen Bereich hinausgehende Leserschaft der Versuchung, die überlieferte Liturgie als die einzige Form des Gottesdienstes darzustellen, die diese Ziele fördern kann. Aber er verweist auf die besondere Fähigkeit dieser Liturgie, Herz und Verstand der Menschen zu Gott zu erheben, und darauf, daß diese Einsicht sich in den Vereinigten Staaten an immer mehr Orten durchsetzt. Das ist vermutlich fruchtbarer als der vergebliche Versuch, der in der allgemeinen Tendenz ansteigenden Flut der Mißbräuche und Entstellungen durch Detailkritik entgegenzutreten.

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Bei der Suche nach einer Illustration für diesen Beitrag stießen wir auf die oben gezeigte Abbildung eines Evangeliars aus Groß-Umstadt, dessen Einband der Goldschmied Karlheinz Bales vor einigen Jahren als „zweites Meisterstück“ aus Silber, Gold und Edelsteinen angefertigt hat. Vielleicht findet ein solches Meisterwerk auch wieder einmal den Weg in den liturgischen Gebrauch einer Bischofskirche oder Kathedrale.

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