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Franziskus: An Trient festhalten!

Im kommenden Dezember feiert Trient den 450. Jahrestag des Abschlusses des großen Reformkonzils der Kirche. Papst Franziskus hat Walter Kardinal Brandmüller zum Päpstlichen Delegaten für die Feierlichkeiten ernannt und in seinem Ernennungsschreiben bemerkenswerte Ausführungen zur Aktualität dieses Konzils und zur „Hermeneutik der Erneuerung“ (im Gegensatz zu einer „Hermeneutik des Bruchs“) gemacht. Wir haben den Text des Ernennungsschreibens, der auf der Website des Vatikans bis jetzt nur in der lateinischen Fassung vorliegt, für Sie übersetzt.

Da der 450 Jahrestag des Abschlusses des Conzils von Trient herannaht, ziemt es der Kirche, sich mit bereitwilligem und aufmerksamem Eifer der fruchtbaren Lehre zu erinnern, die aus jenem in der Region Tirol durchgeführten Konzil hervorging. In der Tat hat die Kirche seit jeher aus gutem Grund daran festgehalten, die Dekrete und Ratschlüsse jenes Konzils einzuhalten und zu beachten, da doch die Konzilsväter sich mit größter Sorgfalt jenen äußerst ernsten Gegenstände und Fragen gewidmet hatten, die damals aufgekommen waren, damit der katholische Glaube deutlicher und besser verständlich werde. Vom Heiligen Geist sicher angeleitet und geführt war es ihr großes Anliegen, das Depositum der heiligen christliche Lehre nicht nur zu bewahren, sondern der Menschheit verständlicher zu machen, damit das heilbringende Werk des Herrn über den ganze Erdkreis verbreitet und das Evangelium auf der ganzen Welt verkündet werde.

Im Hören auf eben diesen Heiligen Geist bedenkt die Heilige Kirche unserer Zeit erneut die überaus reiche Lehre von Trient und eignet sie sich an. Denn jene „Hermeneutik der Erneuerung“, die unser Vorgänger Benedikt XVI. 2005 vor der Römischen Kurie darlegte, bezieht sich nicht weniger auf das Tridentinische als auf das Vatikanische Konzil. Diese Erklärungsweise wirft tatsächlich ein helles Licht auf jene vornehme Eigenschaft der Kirche, die der Herr selbst ihr zugeteilt hat: „Die Kirche ist ein Subjekt, das mit der Zeit wächst und sich weiterentwickelt, dabei aber immer sie selbst bleibt, das Gottesvolk als das eine Subjekt auf seinem Weg.“ (Aus der Weihnachtsansprache an die Römische Kurie 2005)

Daher sind wir froh und glücklich, daß dieses Ereignis, das so großartig aus der Geschichte der Kirche hervorleuchtet, in der Stadt Trient mit besonderer Feierlichkeit begangen wird. In diesem Zusammenhang hat unser verehrungswürdiger Bruder Aloisius Bressan, Erzbischof und Metropolit von Trient, gebeten, daß wir einen hervorragenden Prälaten damit beauftragen,  am kommenden 3. Dezember Worte der Aufmunterung an alle zu richten, die dieser freudigen Gedenkveranstaltung beiwohnen. Da wir dieses Ersuchen als berechtigt ansehen und ihm stattgeben wollen, wenden wir uns an Dich, ehrwürdiger Bruder, der Du die Beschlüsse dieses Konzils wissenschaftlich erforscht und klug verbreitet hast. Und so ernennen wir Dich mit diesem Schreiben zu unserem Außerordentlichen Gesandten für die Feierlichkeiten zur 450 Wiederkehr des Tages, an dem die Konzilsväter das Konzil von Trient abschlossen. Du wirst alle, die an diesem Ereignis teilnehmen, dazu aufrufen, in einem Geiste mit dem Geist des heiligsten Erlösers vereinigt, sich all der Früchte, die aus diesem Konzil hervorgehen, in vollem Umfang zu vergewissern und sie anderen mitzuteilen und soweit es ihnen irgend möglich ist zu verbreiten. Du sollst den Erzbischof und Metropoliten von Trient und alle anwesenden frommen Bischöfe, Priester, Ordensmänner und -frauen und christgläubigen Laien in unserem Namen grüßen und ihnen unser Wohlwollen aussprechen.

In inständigem Gebet wollen wir schließlich den Allmächtigen Gott anrufen, daß Du die Dir anvertraute Aufgabe erfolgreich ausführst, damit alle Teilnehmer dieses Jubiläums der reichen Gnaden des Herrn teilhaftig werden. Unser Apostolischer Segen sei Mittler und Bote der himmlischen Gaben, die wir Dir, Verehrungswürdiger Bruder, gerne im Herrn gewähren und die allen dort Versammelten zukommen sollen.

Franziskus

Ein bemerkenswertes Zeugnis für das Fortleben des Kurialstils in einer Zeit, da in der Kurie doch nichts mehr so zu sein scheint, wie zuvor. Und die vielleicht gar nicht so überraschende Erkenntnis, daß dieser Kurialstil trotz seiner unbestreitbaren Blumigkeit jedenfalls besser zu einer klaren Ansage taugt als manche aus dem Stegreif gesprochene Morgenpredigt im Gästehaus.

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