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Hochamt im Dominikaner-Ritus

Bild: New Liturgical Movement/Elvir TabakovicDie Hochschule der Dominikaner in Rom, das Angelicum, entwickelt sich immer mehr zu einem Stützpunkt der überlieferten Liturgie. Zweimal wöchentlich wird dort in traditioneller Form zelebriert – einmal im klassischen römischen Ritus, einmal im Eigenritus des Dominikanerordens. Zu besonderen Anlässen finden diese Zelebrationen auch in Form feierlicher gesungener Ämter statt – so am 25. November am Festtag der hl. Katharina von Alexandrien in der vom Angelicum betreuten Kirche Ss Sixtus und Dominikus unmittelbar neben dem Universitätsgelände. New Liturgical Movement hat einen ausführlichen Bildbericht

Die über 30 Aufnahmen von Don Elvir Tabakovic (Mitglied der Regularkanoniker von Windesheim, ehemaliger Berufsphotograph) geben ein eindrucksvolles Bild von der Feier der Liturgie in einem von den liturgischen Deformationen der vergangenen Jahrzehnte anscheinend unbeeinflussten Umfeld. Und sie vermitteln einen Einblick in die Besonderheiten der Dominikaner-Liturgie wie etwa bei dem von uns ausgewählten Bild der Bereitung des Kelches, die bereits zur Beginn der Messe vor dem eigentlichen Wortgottesdienst an den Sedilien vorgenommen wird. Weitere Aufnahmen zeigen die gemeinsame Darbietung von Kelch und Patene bei der Opferung und die besondere Körperhaltung des Zelebranten bei Teilen des Kanons.

Andererseits ist aber auch zu erkennen, daß die meisten Unterschiede gegenüber der „römischen“ Form doch sehr äußerlicher Art sind, so daß es unserer Ansicht nach nicht sinnvoll ist, von einem eigenen „Ritus“ der Dominikaner (oder anderer Orden) zu sprechen. Was sie alle verbindet und als Angehörige des Römischen Ritus oder der römischen Ritusfamilie kennzeichnet ist der Canon Romanus, der mit geringen Varianten (z.B. Unterschiede in den Heiligenlisten durch Aufnahme der Ordensgründer) überall der gleiche ist. Damit geben die Ordensliturgien heute noch einen guten Eindruck von der Flexibilität, die den römischen Ritus während weiter Teile des späteren Mittelalters kennzeichnete: Der Kanon war – von den genannten Varianten abgesehen – überall der gleiche, bei den auf ihn zu führenden Elementen gab es beträchtliche Unterschiede in Wortlaut und Anordnung. Die Auswahl der Lesungen stimmte wiederum weitgehend überein, wurde jedoch durch die reichen Möglichkeiten von Lokal- oder Ordensfesten und Votivmessen stark aufgelockert.

Wenn heute in der Praxis des Novus Ordo unverkennbar die Tendenz besteht, den Kanon Romanus zugunsten der vor 50 Jahren legalisierten Alternativen aufzugeben, muß man darin wohl das entscheidende Indiz dafür sehen, daß diese Liturgie dem römischen Ritus nicht mehr angehören soll und einen neuen Ritus begründet.

Wider die „stinkende Verschlagenheit“

Bild: Eigene AufnahmeErzbischof Vigano und andere haben gefordert, daß der durch Götzendienst während der Amazonas-Synode entweihte Petersdom rekonziliiert werden solle. Die rechtlichen und liturgischen Voraussetzungen dazu sind vorhanden. In Canon 1211 des aktuellen Codex Iuris Canonici heißt es, daß der Ortsbischof eine Kirche schließen kann, wenn das Gotteshaus durch „schwer verletzende, mit Ärgernis für die Gläubigen verbundene Handlungen“ geschändet sei, die der „Heiligkeit des Ortes entgegen“ stehen. Erst nach einem „Bußritus nach Maßgabe der liturgischen Bücher“ darf dann wieder ein Gottesdienst gefeiert werden.  

Das Pontificale Romanum, wie es von Papst Benedikt XIV revidiert worden ist und für den überlieferten Ritus auch heute noch angewandt wird, enthält ein umfangreiches Formular für die Rekonziliation einer entweihten Kirche sowie ihres Altars und Friedhofs. Die Zeremonie, die mit einem Pontifikalamt verbunden ist, beginnt mit dem vollständigen Psalm Misere Nobis (50), der vom Asperges als Antiphon eingerahmt wird. Es folgt eine Oration:

Allmächtiger und barmherziger Gott, Du hast Deinen Priestern vor allem anderen die große Gnade verliehen, daß alles, was von ihnen in Deinem Namen würdig getan wird, als von Dir selbst vollbracht gelten soll. Wir bitten Dich in Deiner unermeßlichen Güte, daß Du dem, was wir uns zu tun anschicken, beiwohnen mögest, und das, was wir segnen wollen, segnest. Gib, daß das, was wir mit Demut beginnen, durch die Verdienste Deiner Heiligen die Vertreibung der Dämonen und den Einzug des Engels Deines Friedens bewirke.

Dem folgen zwei  Fürbitten, die jeweils mit einem „Flectamus genua – levate“ eingeleitet werden. Die für die Kirche lautet:

Nimm von uns, o Herr, all unsere Sünden, damit wir mit reinem Herzen zu dem Ort, der für Deinen heiligen Namen zu reinigen ist, hinaufzusteigen würdig sind.

Die zweite gilt dem Friedhof. Ihr folgt die Allerheiligenlitanei, zu deren Ende der Bischof mit Stab und Mitra die Versammelten segnend intoniert:

Daß Du diese Kirche, diesen Altar und diesen Friedhof reinigen und versöhnen mögest – wir bitten Dich, erhöre uns.
Daß Du diese Kirche, diesen Altar und diesen Friedhof reinigen, versöhnen und heiligen mögest – wir bitten Dich, erhöre uns.
Daß Du diese Kirche, diesen Altar und diesen Friedhof reinigen, versöhnen heiligen und weihen mögest – wir bitten Dich, erhöre uns.

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Zur Liturgie an Allerseelen

Bild: Weltgerichtsaltar im Wallraf-Richartz-Museum KölnDie Liturgie des Allersselentages weist zwei bemerkenswerte Besonderheiten auf. Allersselen ist – nach dem Weihnachtsfest – der einzige Festtag, an dem jeder Priester ohne besondere Erlaubnis drei heilige Messen zelebrieren darf. Dazu später. Und der Intoitus dieser Messen und dann noch einmal Graduale und Communio zitieren zwei höchst bekannte Verse aus einer Quelle, die der zu den unbekanntesten und – so kann man schon sagen – auch obskursten Texten der Heiligen Schrift nach der Vulgata gehört. Nämlich die Verse: Requiem aeternam dona eis, Domine, et Lux perpetua luceat eis. Als Quelle gibt das Missale der überlieferten Liturgie (auch die Version 1962) das 4. Buch Esdras, 2. Kapitel, Vers 34 u. 35 an.

Die meisten Bibelversionen, darunter auch die Septuaginta, enthalten das 4. Buch Esdras überhaupt nicht, und die Vulgata bringt es quasi mit spitzen Fingern nicht etwa im Anschluß an Esdras 1 und 2 bei den Propheten des Tanach, sondern ganz hinten in einem Anhang. Das hat seinen Grund: Die Bücher Esdras 3-6 gehören zu den apokryphen Schriften, die sich zwar selbst dem Alten Testament zuordnen, aber eindeutig erst in früher nachchristlicher Zeit entstanden sind. Zu spät für die Septuaginta, deren jüngste Texte aus dem 1. vorchristlichen Jahrhundert stammen. Esdras 3-6 erfreuten sich in der alten Kirche beträchtlicher Beliebtheit. Das Konzil von Trient hat sie nicht verworfen, aber auch nicht in seinen Kanon der Heiligen Schrift aufgenommen und sie damit in den ziemlich umfangreichen Limbo heiliger Schriften verwiesen.

Buch 4 hat unter den Esdras-Apokryphen insofern eine Sonderstellung, als es ein besonders eindrückliches Beispiel für die enge Verflechtung des frühen Christentums mit seinem jüdischen Vorgänger darstellt. Das gilt schon einmal rein äußerlich: Der Hauptteil des Buches, der um das Jahr 100 entstanden ist, in den Kapiteln 3 – 14 ist eindeutig jüdisch – er zeichnet ein apokalyptisch geprägtes Stimmungsbild einer jüdischen Gemeinde nach der Zerstörung Jerusalems durch Titus im Jahr 70. Diese 11 Kapitel sind „eingerahmt“ durch jeweils zwei Kapitel am Anfang und am Schluß, die später (im 2. oder 3. Jahrhundert) von einem christlichen Autor dazu gestellt wurden und die Jerusalemer Apokalypse in einen christlichen Bezugsrahmen einordnen: So geht Inkulturation.

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Lebendige Tradition

Bild: Monika RheinschmittAm Sonntag ist in Rom die diesjährige Wallfahrt der Tradition nach Rom zu Ende gegangen, an der - wie in den Vorjahren auch - wieder überwiegend Pilger aus den romanischen Ländern teilgenommen haben. Auch in diesem Jahr wieder konnte mit Msgr. Rey ein der Tradition verbundener Bischof für die Teilnehmer ein Pontifikalamt am Altar des Stuhles Petri in der Peterskirche zelebrieren - ein Punkt zum Nachdenken für alle, denen sich in der aktuellen angespannten Situation der Gedanke an an ein offenes Schisma aufdrängt. Und dazu noch ein zweiter Gedanke: Am Abschlußgottesdienst der Amazonas-Synode, der dann am Sonntag ebenfalls in der Peterskirche stattfand, konnten die „wiederaufgetauchten“ Pachamama-Statuen nicht teilnehmen, wobwohl Franziskus selbst das zuvor ins Gespräch gebracht hatte: Ein anscheinend beträchtlicher Teil der Bischöfe aus Südamerika hatte verlauten lassen, der Zeremonie in diesem Fall fernzubleiben. Eine größere Zahl von Bischöfen hat auch wichtigen Punkten des (rechtlich freilich in keiner Weise bindenden) Schlußdokuments der Synode ihre Zustimmung verweigert. Gleichgültig, was davon in der noch für dieses Jahr erwarteten postsynodalen Exhortation des Papstes auftauchen wird oder nicht: Die jetzt so spektakulär sichtbar gewordenen Auseinandersetzungen werden weitergehen, täglich, in jedem Land und in jeder Diözese. Ein Weglaufen ins Schisma oder in irgendeine Form von Sedisvakantismus bietet keine Rettung: Das muß ausgestanden und wo nötig auch ausgefochten werden.

Die Modernisten haben versucht, sich den Begriff der Tradition anzueignen, indem sie ihn zu „lebendige Tradition“ umdefiniert haben - etwa in dem Sinne, das alles, was vom Papst kommt oder als von ihm kommend ausgegeben wird, per se Tradition darstelle und deshalb als wohlbegründet zu akzeptieren sei. Das beruhte auf der selbstverständlichen und daher unausgesprochenen Annahme, daß der Papst, jeder Papst, immer auch in und aus der Tradition lebe, ihr dienen und sie nicht für eigene Ziele in Dienst nehmen wolle. Franziskus bricht immer wieder mit dieser Selbstverständlichkeit - das Verdienst seiner Pachamama-Synode könnte darin bestehen, das für viele kenntlich zu machen, die so etwas bisher für unmöglich gehalten haben.

Überlieferte Liturgie in China

Bild: New Liturgical Movement, http://www.newliturgicalmovement.org/2018/11/the-life-and-work-of-mgr-li-jingfeng_23.htmlPaix Liturgicque hat Anfang des Monats ein Interview veröffentlicht, das Massimo Battaglia mit dem chinesischen Priester John Song geführt hat, der zur Zeit zum Studium in Deutschland ist. Wir haben die wichtigsten Abschnitte übersetzt:

Massimo Battaglia - Wie wird man heute Priester in China?

Pater John Song - ich würde sagen, ein wahrer Priester, ein Heiliger und ein Katholik zu sein, ist nie einfach. Meiner Meinung nach gibt es jedoch keinen Unterschied zwischen dem Priestertum eines Chinesen, eines Italieners oder eines Franzosen. Allerdings bereitet es in China besondere Schwierigkeiten, Priester zu werden, vor allem aufgrund der religiösen Verfolgung, von der unser Land betroffen ist. Ich bin jedoch überzeugt, dass die kommunistische Verfolgung für uns Katholiken weniger schwerwiegend ist als die Verwirrung, die sich innerhalb der katholischen Kirche nach dem Verzicht auf authentischen Glauben und der Entweihung der Liturgie ausbreitet.

Sehen Sie Ähnlichkeiten zwischen der Lage der chineischen Kirche heute und der Kirche der ersten drei Jahrhunderte?

Ich denke, die Lage der chinesischen Kirche heute hat eine gewisse Ähnlichkeit mit der Kirche der ersten drei Jahhrunderte des römischen Reiches. Aber während die Kirche unter Mao-Tsetung einer gewaltsamen Verfolgung ausgesetzt war, die der der frühen Christen ähnelte, sehen wir uns heute einer schleichenden Verfolguing ausgesetzt, die darauf abzielt, die Kirche in eine Kirche zu verwandeln, die nicht mehr die wahre Kirche Christi ist.Das ist viel gefährlicher für die gläubigen, denen es manchmal an Orientierung fehlt und die vom wahren Glauben abkommen können, ohne es überhaupt zu bemerken.

Wie haben Sie von der traditionellen Messe erfahren?

Ich wurde in eine katholische Familie hineingeboren, die den Glauben seit mehr als 150 Jahren bewahrt hat. Wie Sie wissen, war die Kirche in China von 1949 bis 1978 fast 30 Jahre lang von Rom und vom Rest der Welt isoliert. Daher haben auch in den 90er Jahren noch gerade aus dem Gefängnis entlassene Priester die Messe nach dem alten Ritus gefeiert, weil sie noch gar keine Kenntnis vom Konzil und der Liturgiereform hatten. Aber nach 1990 wurden auch sie von den konziliaren Reformen erfaßt und machten die gleichen Entwicklungen durch wie die anderen Teile der Weltkirche.

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