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Zur Lektüre empfohlen - Dienstag

Die Zahl der Beiträge zum Thema Traditionis Custodes ist einigermaßen unübersichtluch geworden - hier zunächst Hinweise auf einige wichtige Wortmeldung, die auf Deutsch vorliegen: 

Entsprechend des größeren Volumens der "glaubenstreuen Szene" in den USA, zu der nicht nur Traditionalisten im eigentlichen Sinn, sondern auch "katholische Liberale" im besseren Sinn des Wortes gehören, sind dort wesentlich mehr lesenswerte Beiträge zum Thema erschienen, viele davon auf sehr hohem Niveau. Peter Kwasniewski hat auf New Liturgical Movement eine umfangreiche Zusammenstellung alleine aus den ersten beiden Tagen veröffentlicht. Dabei hat er auch einige repräsentative Stimmen aus dem progressiven Sektor berücksichtig, die teilweise an dummdreistem Triumphgeheul durchaus mit Beiträgen auf katholisch.de wie dem von Felix Neumann oder dem die Antisemitismus-Keule schwingenden Würzburger Uni-Pastor Burkhard Hose gleichziehen.

Anmerkung am Rande: Während in USA die Bischöfe vielfach schon in den ersten 48 Stunden nach Erscheinen des MP beruhigende (oder auch nicht) Stellungnahmen an ihre Diözesanen herausggeben haben, herrscht in Deutschland nur bräsiges Schweigen. Beamte eben, die sich mit anderen Beamten zum lustigen Schaulaufen am nächstgelegenen Hochwasserort treffen.

Der 8. Sonntag nach Pfingsten 2021 oder: Der 1. Sonntag nach „Traditionis Custodes“

Eine Detailanalyse von Clemens Victor Oldendorf, 1. Teil

Das Motuproprio Traditionis Custodes (TC) erschien am Freitag, den 16. Juli und trat nach dem Willen von Papst Franziskus sogleich mit dem Erscheinen in Kraft. Somit war der 18. Juli 2021 der erste Sonntag mit der neugeschaffenen Rechtslage für die überlieferte Römische Liturgie. Doch kann man das überhaupt noch so sagen, nachdem TC Art. 1 das nachkonziliare Missale Pauls VI. zum alleinigen Ausdruck der lex orandi im Römischen Ritus erklärt? Strenggenommen kann man, wenn man der positivrechtlichen Festlegung von Papst Franziskus inhaltlich zustimmt, höchstens noch vom früheren Römischen Ritus sprechen, der ganz der Vergangenheit angehört.

Dieser 1. So. n. TC war datumsmäßig aber außerdem der 151. Jahrestag des Dogmas des Päpstlichen Jurisdiktionsprimates, und in diesem Dogma heißt es: „Wir lehren demnach und erklären, dass die Römische Kirche auf Anordnung des Herrn den Vorrang der ordentlichen Vollmacht über alle anderen innehat, und dass diese Jurisdiktionsvollmacht des Römischen Bischofs, die wahrhaft bischöflich ist, unmittelbar ist: ihr gegenüber sind die Hirten und Gläubigen jeglichen Ritus und Ranges – sowohl einzeln für sich als auch alle zugleich – zu hierarchischer Unterordnung und wahrem Gehorsam verpflichtet, nicht nur in Angelegenheiten, die den Glauben und die Sitten, sondern auch in solchen, die die Disziplin und Leitung der auf dem ganzen Erdkreis verbreiteten Kirche betreffen [Fettsatz zur Hervorhebung, Anm. CVO] so dass durch Wahrung der Einheit sowohl der Gemeinschaft als auch desselben Glaubensbekenntnisses mit dem Römischen Bischof die Kirche Christi e i n e Herde unter e i n e m obersten Hirten sei [vgl. Joh 10,16]. Dies ist die Lehre der katholischen Wahrheit, von der niemand ohne Schaden für Glauben und Heil abweichen kann“ (DH 3060). Und der zugehörige Kanon lautet: „Wer deshalb sagt, der Römische Bischof besitze lediglich das Amt der Aufsicht beziehungsweise der Leitung, nicht aber die volle und höchste Jurisdiktionsvollmacht über die gesamte Kirche, nicht nur in Angelegenheiten, die den Glauben und die Sitten, sondern auch in solchen, die die Disziplin und Leitung der auf dem ganzen Erdkreis verbreiteten Kirche betreffen; oder er habe nur einen größeren Anteil, nicht aber die ganze Fülle dieser höchsten Vollmacht; oder diese seine Vollmacht sei nicht ordentlich und unmittelbar sowohl über alle und die einzelnen Kirchen als auch über alle und die einzelnen Hirten und Gläubigen: der sei mit dem Anathema belegt.“

So also 1870 - ein erster Höhepunkt des Hyperpapalismus, ebenfalls aus der Verteidigungsstellung gegen die außer Kontrolle geratenen Zeitläufte geboren.

In der Schärfe des Tonfalls besonders des Begleitbriefes zum neuen Liturgie-Motuproprio, aber auch in der Strenge und Enge der neuen Detailnormen des ohne Übergangszeit verpflichtend gemachten päpstlichen Erlasses, befindet sich Franziskus zu Pius IX. in vollkommener Harmonie, Kontinuität und Übereinstimmung. Auch in der Entschiedenheit des Durchsetzungswillens steht er ihm in nichts nach. Ein Beispiel:

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Alcuin Reid: Es gibt keine Pflicht zum Selbstmord der Kirche

Bild: Archiv

Dom Alcuin Reid, Prior der kleinen Benediktinergemeinschaft von Saint Benoit und Liturgiewissenschaftler, hat eine umfangreiche Erklärung zur Aufhebung von Summorum Pontificum veröffentlicht. Wir übersetzen daraus in Anlehnung an die Auswahl von New Liturgical Movement zunächst einige aktuell besonders aussagekräftig erscheinende Passagen:

Es beginnt ein langes ZitatUnser Heiliger Vater hat anscheinend entschieden, daß der usus antiquior des römischen Ritus in Zukunft keinen rechtmäßigen Platz mehr in der "Einheit in Verschiedenheit" des gottesdienstlichen Lebens der katholischen Kirche haben soll. Die Gründe, die er dafür anführt, sind tatsächlich schwerwiegend. Wo solche Abirrrungen vorliegen, müssen sie zu Recht korrigiert werden.

Es muß jedoch ganz klar gesagt werden, daß der usus antiquior des Römischen Ritus so, wie er in vielen, wenn nicht den meisten Gemeinden in aller Welt zelebriert wird, auf gar keine Weise gleichbedeutend mit den Irrtümern ist, die unser Heiliger Vater zu berichtigen versucht. Im Gegenteil ist es meine Erfahrung, die ich oft und in vielen Ländern machen durfte, daß es eine volle, bewußte, tatsächliche und fruchtbare Teilnahme (am Leben der Kirche) gibt, wo diese Riten gefeiert werden. Ich fordere alle, die das bezweifeln auf, solche Gemeinden zu besuchen und sich mit offenen Herzen und offenem Geist auf deren Leben einzulassen. Sie werden eine Wirklichkeit vorfinden, die von Glauben, Schönheit und Freude geprägt ist, und auf die die Väter des 2. Vatrikanischen Konzils (und insbesondere dessen Peritus und nachmaliger Papst) stolz sein können. Alle, die sich davon überzeugen wollen, lade ich ein, das hier als unsere Gäste zu tun.

In diesem Zusammenhang wirft der Befehl, die Reichtümer des usus antiquior aufzugeben – von denen Papst Benedikt in seinem Schreiben vom 7. 7. 2007 doch so überzeugend geschrieben hat – Widersprüche auf. In seiner Aussage: „Was früheren Generationen heilig war, bleibt auch uns heilig und groß; es kann nicht plötzlich rundum verboten oder gar schädlich sein“ hat Papst Benedikt eine Wahrheit ausgesprochen, die dadurch, daß gerade einmal 14 Jahre vergangen sind, nicht weniger wahr wird.

Ein Sohn, der ungehorsam ist oder noch schlimmeres tut, wird wenn auch murrend den Tadel und die gerechte Strafe seines Vaters hinnehmen. Doch wenn ein Vater von seinem Sohn unter Berufung auf den Gehorsam brutal verlangt, sich auf der Stelle umzubringen, wird und muß er ihm zu Recht widerstehen. Und sollte ein erzürnter Vater nach einem Messer greifen, um seinem Sohn die Schlagadern durchzuschneiden,  kann man ihm mit den Mitteln Widerstand leisten, die der drohenden Gefahr angemessen sind.

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Franziskus beendet das Experiment der Tradition?

Erste Überlegungen von Clemens Victor Oldendorf

Erzbischof Marcel Lefebvre (1905-1991), Gründer der Priesterbruderschaft St. Pius X., fasste wiederholt sein Anliegen formelhaft in der Bitte an die Päpste Paul VI. und Johannes Paul II. zusammen, das Experiment der Tradition machen zu dürfen. Als 2007 Papst Benedikt XVI. mit seinem Motuproprio Summorum Pontificum (SP) zugunsten der liturgischen Tradition initiativ wurde, schien es vielen auf den ersten Blick und auf der rein praktischen Ebene lange so, als habe der Theologenpapst, dem die Liturgie der Kirche stets ein eigenes Anliegen gewesen war und blieb, mit Summorum Pontificum dieses Experiment schlussendlich erlaubt und ermöglicht.

Wem die Freude darüber den Blick für eine strengtheoretische Auseinandersetzung mit dem damaligen Dokument nicht verstellte, dem freilich blieben von Anfang an verschiedene Schwachpunkte, Lücken und selbst Fallstricke nicht verborgen, die jetzt recht unkompliziert und ohne Benedikt XVI. zu widersprechen, dazu hätten führen können, die Freiheit für die überlieferte Römische Liturgie neuerlich rigide einzufrieden. Tatsächlich geht das am 16. Juli 2021 datierte und erschienene Motuproprio Traditionis Custodes (TC) aber noch weit darüber hinaus.

1. ) Während in SP der Ausgangspunkt der Prämisse der einen lex orandi des Ritus Romanus bestand, wovon das MR2002 (und in der Praxis auch die approbierten landessprachlichen Fassungen des MR1975) der ordentliche Ausdruck sein sollte und das MR1962 der außerordentliche (vgl. SP Art. 1), widerspricht dem TC unumwunden, indem es heißt, das Missale Pauls VI. in seiner geltenden Fassung sei der einzige Ausdruck des Römischen Ritus (vgl. TC Art. 1).

Hier rächt sich, dass Benedikt XVI. die Koexistenz zweier Formen eines Ritus dem Nebeneinander zweier Editiones typicae vorgezogen hat.

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Traditionis Custodes - die neue Atombombe

Von Peter Kwasniewski (übersetzt aus The Remnant vom 16. 7.)

Vor 76 Jahren, am 16. Juli 1945, wurde in einer leeren Wüste 210 Meilen südlich von Los Alamos in Neu Mexiko die erste Atombombe gezündet. Heute, am 16. Juli 2021 hat Papst Franziskus eine Atombombe auf die katholische Kirche abgeworfen. Sie wird nicht nur denen schaden, die „der lateinischen liturgischn Tradition anhängen“, sondern allen, die Kontinuität und Zusammenhang, Ehrfurcht und Schönheit, unser Erbe und unsere Zukunft lieben.

Als ich Traditionis Custodes heute morgen aufschlug, zog ich schon bei dem unerwarteten Titel die Augenbrauen hoch - Traditionis Perditores, Zerstörer der Tradition, wäre weitaus passender gewesen – und mit jedem Absatz nahm meine ungläubige Verwunderung zu. Als ich dann schließlich auch mit dem Begleitbrief fertig war, war ich tief in die ideologische Fantasy-Welt eingetaucht, in der Papst Franziskus und die anderen Feinde der überlieferten Liturgie der Kirche von heute wohnen. Es war, als ob ein junger George Orwell beauftragt worden wäre, diesen Text zu schreiben. Das Dokument trieft vor Herablassung und Herzlosigkeit und es ist entworfen wie ein Schweizer Armee-Messer, um den Bischöfen ein Werkzeug an die Hand zu geben, mit dem sie traditions-liebende Katholiken auf jede erdenkliche Weise piesacken und jagen können.

Und der Inhalt sollte sofort in Kraft treten, „alle früheren Vorschriften, Regelungen, Gewohnheiten und Genehmigungen sind hiermit aufgehoben“!

Es ist gerade so, als ob wir es beim Traditionalismus mit einer globalen Pandemie zu tun hätten, die um jeden Preis und mit allen Mitteln aufgehalten werden muß.

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