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Zum Stellenwert der niederen Weihen

Bild: Aus dem Zitierten Artikel auf New Liturgical MovementPeter Kwasniewski hat dieser Tage auf New Liturgical Movement einen überaus lesenswerten Beitrag über den Status der niederen Weihen und des Subddiakonats in der gegenwärtigen Situation veröffentlich. Diese ist dadurch gekennzeichnet, daß die Weihen im Bereich des Novus Ordo als „abgeschafft“ angesehen werden, wohingegen sie in den Gemeinschaften der Tradition mit den Büchern von 1962 nach wie vor erteilt werden. Wir haben den Beitrag übersetzt und mit einer „Anmerkung des Übersetzers“ versehen. Doch nun dar Artikel Kwasniewskis:

Es beginnt ein langes ZitatImmer öfter wird heutzutage die Frage gestellt: Was ist der genaue rechtliche Stellenwert der niederen Weihen (Ostiarier, Lektor, Exorzist, Akolyth) im römischen Ritus? Die Liste können wir auch noch um die Stufe des Subdiakons erweitern. Trotz ihres außerordentlichen hohen Alters, das ihnen doch grundsätzliches Wohlwollen durch die Liturgiereform verschafft haben sollte – die niederen Weihestufen sind z.B. älter als der Advent – wurden die niederen Weihen in der Form, in der sie bis dahin bestanden hatten, von Papst Paul VI. in seinem Apostolischen Schreiben Ministeria Quaedam (deutscher Text) von 1973 abgeschafft – oder es sah zumindest für viele Beobachter so aus, als ob sie abgeschafft worden wären). Allerdings wurden auch danach die niederen Weihen und das Subdiakonat immer in irgendeinem Winkel der weiten katholischen Welt weiterhin gespendet. Dank des Motu Proprios Ecclesia Dei von Papst Johannes Paul II. und Summorum Pontificum von Benedikt XVI. hat das zugenommen, und sie werden inzwischen routinemäßig den vielen jungen Männern erteilt, die den traditionsorientierten Gemeinschaften zuströmen. Das ist schjon eine ziemlich seltsame Situation.

Soweit ich sehe, gibt es dazu eine „konservative“ und eine streng „traditionalistische“ Auffassung.

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S. Bellarmin zur Liturgie

Bild: Wikimedia CommonsDer hl. Robert Bellarmin war wie sein zeitlich etwas früheres deutsches Gegenstück Petrus Canisius Verfasser eines überaus einflußreichen Katechismus, trägt den Titel eines Kirchenlehrers, und gehörte ebenso wie dieser dem Jesuitenorden an. Die Jesuiten gelten gemeinhin als liturgisch uninteressiert – über Berechtigung und Begründung dieser Ansicht wäre ein andermal nachzudenken. Für Robert Bellarmin gilt das jedenfalls nicht oder nur begrenzt; eine amerikanische Bellarmin-Biographie von 1961 enthält unter anderen einschlägigen Hinweisen den Text eines Briefes, den Bellarmin – seit 1599 Kardinal – im Mai 1617 an seinen Ordensgeneral richtete:

Da bald die Fronleichnamsprozessionen stattfinden werden und diese, wie es heißt, größer und feierlicher sein werden als je zuvor, scheint es mir angemessen, schriftlich zu begründen, warum Diakone und Subdiakone in Dalmatik gekleidet in Hochämtern und bei Prozessionen ihren Dienst verrichten sollten.

1) So ist es, ohne daß irgendeine Ausnahme zulässig wäre, im Zeremoniale von Papst Clemens VIII. und dem Rituale von Papst Paul V. vorgeschrieben. Unter diesen Umständen sehe ich nicht, mit welchem Recht unsere Gesellschaft und vor aller Augen Roms eine dem entgegen stehende Praxis übt.

2) Der (vorgeschriebene) Ritus wird in den Kirchen der ganzen katholischen Welt eingehalten, in Kathedralen, Kollegienkirchen, Pfarreien und Klöstern, gleichgültig, welchem Orden sie angehören. Wie kann es dann unserer Gesellschaft erlaubt sein, etwas anderes zu praktizieren, zumal wir das römische Messbuch, das römische Brevier und das Rituale verwenden und uns dazu bekennen, den Weisungen des apostolischen Stuhles in allen Dingen zu folgen?

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Ordo Missæ VII: Die Opferung

Bild: Mosaik in San Vitale, Ravenna, gemeinfreiMit dem traditionell als „Opferung“ bezeichneten Offertorium beginnt der zweite Hauptteil der Messfeier – die eigentliche Opfermesse. Die innere Ordnung, der dieser Abschnitt folgt, erschließt sich allerdings nicht so leicht wie die Abfolge der Elemente im vorhergehenden Wortgottesdienst. Das eigentliche Opfer, die Vergegenwärtigung des Erlösungsopfers Christi am Kreuz durch den Priester „in persona Christi“ und die Kirche, folgt ja erst im anschließenden Kanon – es ist also durchaus berechtigt, die Frage zu stellen, wer opfert hier eigentlich was? Das seit unvordenklichen Zeiten zum Grundbestand des römischen Ritus gehörende Offertorium, das diesen Abschnitt einleitet, ist in den meisten Messen sehr allgemein gehalten und kann keine Antwort geben. Eher dann schon die an seinem Schluß stehende Sekret, die in vielen ausdrücklich von den herbeigebrachten und nun bereitliegenden Opfergaben handelt und damit aussagt, daß der eigentliche Zeitpunkt des Opfers noch nicht erreicht ist.

Vor dem Nachzeichnen der Ordnung, der die Gebete dieses Abschnitts folgen, ist allerdings in einem ersten Beitrag auf den Umstand einzugehen, daß dieser seit an die tausend Jahren zum Bestand der Messfeier im römischen Ritus gehörende Teil der Opfermesse von einigen Vertretern der liturgischen Bewegung und insbesondere vom Consilium zur Litugiereform als so „unordentlich“ empfunden wurde, daß sie ihn abschafften und durch eine Neudichtung ersetzt haben.

Tatsächlich enthalten die zwischen Offertorium und Sekret vom Priester leise und als Teile des Ordinariums gesprochenen „Privatgebete“ an einigen Stellen Formulierungen, die zu Mißverständnissen führen können. Etwa, wenn z.B. in der Darbringung des Brotes von immaculatam hostiam, von einer makellosen Opfergabe, die Rede ist, oder es bei der Bereitung des Weines heißt:

Wir opfern Dir Herr, den Kelch des Heiles, und flehen dich, den Allgütigen an, laß ihn, uns zum Segen und der ganzen Welt zum Heile, wie lieblichen Wohlgeruch vor das Angesicht Deiner göttlichen Majestät emporsteigen.

Hier fehlt nur noch die Geste des Ausgießen des Weines über den Altar, um das Bild eines Opfers zu vervollständigen, wie es an den Altären der Heidengötter, aber auch im Tempel Yahwes – dort freilich eher mit Blut statt mit Wein – zu Jerusalem, vollzogen wurde. Doch noch trägt das Brot, von dem der Priester hier spricht, die Makel alles Irdischen an sich; noch ist der Kelch, den er emporhebt, nicht wirklich der „Kelch des Heils“, sondern enthält ganz schlichten Wein, der lediglich als Opfer vorbereitet ist, wie es im anschließenden „Veni Sanctificator“ heißt.

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Ordo Missae V: Credo in Unum Deum

Bild: Wikimedia CommonsWie das Gloria ist das Glaubensbekenntnis erst relativ spät in den Ordo der hl. Messe des römischen Ritus aufgenommen worden - wie es heißt auf Drängen von Kaiser Heinrich II., der bei einem Besuch in Rom 1014 das ihm aus fränkischem Brauch vertraute Glaubensbekenntnis in den Messen des Papstes vermißte. Zur Erklärung soll man ihm damals gesagt haben, anders als die Kirchen an den Rändern sei die Kirche Roms niemals von Irrlehren betroffen gewesen, so daß es einen besonderen Glaubensbekenntnisses nicht bedurft habe...

Wahrscheinlicher erscheint uns freilich eine andere Erklärung: Die römische Messliturgie – auch die zuweilen sehr reichhaltige Liturgie des päpstlichen Hofes – ist wie alle Kapitelsliturgien in enger Verbindung mit dem Stundengebet zu sehen. Und im römischen Stundengebet, das mit dem Apostolischen Glaubensbekenntnis beginnt, steht am Morgen jeden Tages seit alters her vor der Prim noch einmal das große Glaubensbekenntnis, das sehr umfangreiche „Quicumque Vult“, das auf den hl. Athanasius zurückgeführt wird. Von daher war es durchaus verständlich, daß das Glaubensbekenntnis in der Messfeier nicht noch ein weiteres Mal wiederholt wurde und sich tatsächlich auch nach der kaiserlichen Intervention nicht auf alle Messen ausbreitete, sondern auf die feierlichen Messen an Sonntagen und hohen Festen beschränkt blieb.

Während im Stundengebet meistens das athanasische Glaubensbekenntnis gebetet wurde, verwandt die Kirche in ihrer Taufliturgie seit frühester Zeit vorzugsweise das ihr mit der östlichen Tradition gemeinsame nikäno-konstantinopolische Bekenntnis, und in dieser Form wurde es wohl auch im 11. Jahrhundert in den Ordo Missae übernommen. Im Novus Ordo kann statt dessen auch das kürzere wohl auf gallo-römische Wurzeln zurückgehende apostolische Glaubensbekenntnis verwandt werden.

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Ordo Missae IV: Gloria in excelsis Deo

Bild: Wikimedia Commons, gemeinfreiDas Gloria und das Credo sind zwar erst nach der Zeit Gregors des Großen in die Messfeier aufgenommen worden, haben die bis dahin bestehende Ordnung jedoch dabei in keiner Weise aufgebrochen, sondern im Gegenteil bereichert und abgerundet. Fast noch mehr als die Evangelien – deren zentrale Aussagen sie in konzentrierter Form darbieten – bilden sie inhaltliche Gravitationszentren des ersten Hauptteils der Messfeier, und es ist überaus bedauerlich, daß die Reformliturgie das Gloria faktisch zur Disposition gestellt und das inhaltsreiche große Glaubensbekenntnis mit dem knapperen apostolischen Glaubensbekenntnis austauschbar gemacht hat.

Das Gloria ist ja mehr als ein feierlicher Gesang, der vom Lied der Engel auf dem Feld bei Bethlehem ausgehend die Erinnerung an die Menschwerdung Christi zurückruft. In seiner wohl erst spätmittelalterlichen Form des antiphonalen Chorals zwischen Schola und Gemeinde bildet es ein wichtiges Element von participatio actuosa, lange bevor dieser Begriff von Papst Pius X. ganz im Sinne der Tradition geprägt und später von den Reformern zum Schlüsselbegriff ihrer Neuerungen gemacht worden ist.

Die Ursprünge des Gloria verlieren sich im Nebel der frühesten Geschichte der Kirche. Der Text beginnt mit dem „Gesang der Engel auf dem Felde“ nach dem Lukasevangelium und erinnert in seiner Form zunächst stark an andere Hymnen des Neuen Testaments wie das Magnificat oder die Lobgesänge Simeons und Zacharias‘, deren Wurzeln ihrerseits in den Psalmen und Liedern des alten Testaments liegen. Er setzt diesen Gesang dann fort mit einem Lobpreis der göttlichen Majestät, des allmächtigen Vater- und Schöpfergottes. Dieses Lob des Vaters geht bruchlos über in die anbetende Verehrung des „Domine Fili unigenite“, die den deutlich größeren Teil des Hymnus einnimmt - 13 Zeilen der heutigen Fassung gegenüber sieben, die sich auf den Vater beziehen. Und diese Zeilen enthalten schwergewichtige Aussagen wie das „tu solus Sanctus, to solus Dominus, tu solus Altissimus, die die erhabene Göttlichkeit des Messias Jesus in einer Weise zum Ausdruck bringen, die die Vermutung aufkommen läßt, diese Anrufungen seien nicht nur als Absage an die nach wie vor in vielen Köpfen lebendigen Götter der Heidenwelt zu verstehen, sondern auch als demonstrativer Widerspruch gegen den Arianismus und die anderen christologischen Irrtümer, die die Kirche seit dem 3. Jahrhundert zerrissen.

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