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Sieben Jahre Summorum-Pontificum

Am 7. Juli 2007, heute vor 7 Jahren, ließ Papst Benedikt XVI. das Motu Proprio „Summorum Pontificum“ veröffentlichen. Es sollte 9 Wochen später in Kraft treten und damit der Liturgie nach dem Missale der Päpste Pius V., Clemens VIII., Pius X., Pius XII und Johannes XXIII. wieder volles Recht in der ganzen Kirche verschaffen. Sieben Jahre und einen Papstrücktritt später haben wir einerseits Grund zu großer Dankbarkeit dafür, daß die Position derer, die an der Liturgie der Tradition festhalten wollen, mit dem Motu Proprio rechtlich und theologisch deutlich gestärkt worden ist. Das ist nicht ohne sichtbare praktische Auswirkungen geblieben. Gleichzeitig müssen wir feststellen, daß die Beachtung des Kirchenrechts vielerorts in das Belieben von Ordinariatsbürokraten und Ordinarien gestellt erscheint, und daß die höchste Autorität weder die Kraft noch auch den entschiedenen Willen hat, das bestehende Recht gegen die Willkür des herrschenden Modernismus zur Geltung zu bringen.

Für viele Theologen mit und ohne Amt ist die überlieferte Liturgie nichts anderes als die peinliche Erinnerung an einen – je nach Zählung 1000 – 1600 Jahre langen – Abschnitt der Kirchengeschichte, in dem die Kirche, von Unwissenheit und Paktieren mit weltlicher Macht verleitet, ihre eigentliche Sendung vergaß und den gläubigen Menschen Steine statt Brot anbot. Deshalb werden Priester, die die überlieferte Liturgie feiern wollen, vielfach schikaniert und verfolgt und ihre Gemeinden den absurdesten Verdächtigungen ausgesetzt. Nach wie vor gibt es Diözesen, deren Bischöfe ihren Priestern und Gläubigen streng verbieten, was das Gesetz der universalen Kirche als ihr Recht anerkennt – und die sich dennoch der vollen Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom erfreuen können. Manche setzen ihre Erwartung darauf, daß der eine Papst mit einem Federstrich aufheben könne, was sein oder seine Vorgänger feierlich beschlossen und verkündet haben – eine Kirche nach Laune und Mode des Tages.

Was dazu zu sagen ist, hat der damalige Kardinal Joseph Ratzinger schon Jahre, bevor er Papst wurde, in aller Deutlichkeit ausgeführt:

Nach dem II. Vatikanum entstand der Eindruck, der Papst könne eigentlich alles in Sachen Liturgie, vor allem wenn er im Auftrag eines ökumenischen Konzils handle. ... Tatsächlich hat aber das I. Vatikanum den Papst keinesfalls als absoluten Monarchen definiert, sondern ganz im Gegenteil als Garanten des Gehorsams gegenüber dem ergangenen Wort: Seine Vollmacht ist an die Überlieferung des Glaubens gebunden – das gilt gerade auch im Bereich der Liturgie. Sie wird nicht von Behörden „gemacht". Auch der Papst kann nur demütiger Diener ihrer rechten Entwicklung und ihrer bleibenden Integrität und Identität sein ... Die Vollmacht des Papstes ist nicht unbeschränkt; sie steht im Dienst der heiligen Überlieferung.“ (Der Geist der Liturgie, S. 142-143)

Die wesentlichen Dokumente zur rechtlichen und theologischen Stellung der überlieferten Liturgie in der Kirche von heute finden Sie hier auf Summorum Pontificum: Das Motu Proprio; der Begleitbrief an die Bischöfe, die Instruktion Universæ Ecclesiæ.

Bedeutungsschwere Details

In seinem neuesten Positionspapier zu Grundsatzfragen der überlieferten Liturgie, das soeben auf Rorate Caeli veröffentlicht wurde, macht Joseph Shaw von Una Voce International den Friedenskuss aus dem feierlichen Hochamt zum Thema. Er benennt zwei historische Wurzeln des Ritus, der zunächst aus einem Austausch zeremonieller Küsse sowohl zwischen den Klerikern im Allerheiligsten als auch unter den Gläubigen bestand: Eine römisch/nordafrikanische Form, bei der die Zustimmung der versammelten Gemeinde zu der Handlung am Altar und der Teilhabe der Gläubigen daran im Vordergrund steht, und eine gallisch/germanische, die den Ausdruck der Achtung und Liebe der Gemeindemitglieder untereinander betont – beides freilich ohne die jeweils andere Sichtweise auszuschließen. Soweit etwa der Stand bis zum 6.-7. Jahrhundert.

Im Zuge der folgenden Jahrhunderte entwickelte sich Verständnis und Deutung des Rituals weiter: Der wahre Friede ist etwas, das die Menschen nicht von sich aus bewerkstelligen können, sondern das nur gelingen kann, wenn es von Gott ausgeht. Zum Ausdruck dessen war im 10. Jahrhundert eine Form voll ausgebildet, bei der der Zelebrant zunächst den Altar, das Sinnbild für Christus, küsste und den so vom Altar empfangenen Frieden im Gruß an die Mitzelebranten und von dort aus an die versammelten Gläubigen weitergab.

Aus praktischen Gründen ging diese Weitergabe an die Mitfeiernden im römischen Ritus später als Vollzug verloren, die Bedeutung selbst blieb jedoch bewahrt. Shaw schreibt dazu:

Diese Entwicklung ist ein Beispiel für ein in der Liturgiegeschichte sehr verbreitetes Doppelphänomen: Riten und Zeremonien werden einerseits auf das symbolische Minimum reduziert, während andererseits Riten, an denen die Gläubigen ursprünglich beteiligt waren, nun stellvertretend für diese allein von den Klerikern ausgeführt werden. Vielfach wurde darin eine bedauernswerte Entwicklung gesehen, aber Papst Pius XII hat uns (in Mediator Dei) daran erinnert, daß archaische Liturgische Formen nicht notwendigerweise den Vorzug vor später entwickelten verdienen, stand doch auch diese Entwicklung unter dem Einfluss der Vorsehung.

Im römischen Ritus sind häufig archaische Zeremonien in verkürzter oder sogar nur rudimentärer Form erhalten, die dennoch klarer Ausdruck der ursprünglichen Bedeutung sind und uns an die Altertümlichkeit des Ritus erinnern. Diese komprimierten Bedeutungen solcher Riten sind ein Bollwerk gegen jede Banalisierung, selbst kleinste Elemente der außerordentlichen Form sind, wie die Details jedes großen Kunstwerks, voll von Bedeutung.“

Mit der behaupteten Rückkehr zu einer ursprünglichen Form hat der Novus Ordo nicht nur diese Bedeutungsfülle verloren, sondern auch eine so längst überwundene im wahren Sinne des Wortes primitive Bedeutung wieder in den Vordergrund gerückt: Nun sieht es so aus, als ob der Friede das Werk der Versammelten sei.

7 Jahre Summorum Pontificum in USA

Am 7. Juli 2007 wurde Papst Benedikts Motu Proprio Summorum-Pontificum veröffentlicht, am Fest Kreuzerhöhung am 14. September 2007 ist es in Kraft getreten. Die amerikanische Zeitschrift Homiletic & Pastoral Review hat nun eine erste Sieben-Jahres-Bilanz zusammengestellt, die für die vereinigten Staaten ein durchaus gemischtes Bild zeichnet. Danach gibt es in nahezu 500 Pfarreien im Lande regelmäßige hl. Messen im überlieferten Ritus, in 335 mindestens einmal wöchentlich und in 75 davon an jedem Tag des Jahres - gelegentlich mit Ausnahmen z.B. während der Sommerferien. Nur zum Vergleich der Zahlen: Mit 78 Mio Katholiken in 190 Diözesen umfasst die amerikanische Kirche etwa drei mal soviele Gläubige wie die deutsche mit 24 Millionen in 27 Diözesen. In Deutschland gab es letztes Jahr 150 Messorte, davon gut 50 mit einer allwöchentlichen Messfeier, in der Regel sonntags. Insoweit also durchaus vergleichbar. Allerdings kann es in den USA wegen der wesentlich größeren Entfernungen an manchen Orten wesentlich schwerer fallen, eine „alte Messe“ zu erreichen, als im kleinräumigen Deutschland.

Auch in einer anderen Hinsicht gibt es bemerkenswerte Ähnlichkeiten: Von den 75 täglich stattfindenden Messen in den USA werden 51 von Priestern der Petrusbruderschaft bzw. des Instituts Christus König und Hoher Priester gefeiert, nur 24 im unmittelbaren Verantwortungsbereich der Diözesen. Die Petrusbruderschaft trägt Apostolate in 34 amerikanischen Bistümern, das Institut Christus König in 6. Die Überschneidungen haben wir nicht ermittelt - aber in jedem Fall bedeuten diese Zahlen, daß die beiden Gemeinschaften in der großen Mehrzahl amerikanischer Diözesen, nämlich etwa 150, nicht vertreten sind. Dort, wo sie arbeiten dürfen, haben ihnen die Bischöfe allerdings abweichend von der deutschen Regelung mehrfach Personalpfarreien mit voller Rechtsstellung übertragen, und zwar 13 für die FSSP und 10 für das Institut Christus König. Hier findet sich ein Gesamtverzeichnis der altrituellen Personalpfarreien in den USA, auf dem noch drei weitere Personalpfarreien aufgeführt sind, die von Benediktern bzw. in einem Fall von der Diözese direkt betreut werden.

Pius V. zum Dritten

Die Rede vom „Ritus von Trient“ oder dem „Missale Pius V.“ für das römische Messbuch in der bis 1965 gebräuchlichen Form hat sich so nachdrücklich eingebürgert, daß ihre Berechtigung selten in Frage gestellt wird. Ein Aufsatz des anglikanischen Liturgiehistorikers Paul Cavendish, den dieser Anfang der 90er Jahre veröffentlichte und der nur an eher abgelegener Stelle im Internet zu finden ist, gibt Anlass, hier etwas genauer hinzuschauen. 

In Bezug auf den Ordo Missae, den das Missale Pius V. ohnehin im wesentlichen mit seinen römischen Vorgängern gemeinsam hat, erfuhr das Missale von 1570 in der Tat für Jahrhunderte praktisch keine Änderungen. Deutlich mehr Neuerungen gab es bereits in den Rubriken, und hinsichtlich des Kalenders macht Cavendish, dessen Hauptarbeitsgebiet die Erforschung des Stundengebetes ist, darauf aufmerksam, daß hier bereits in den 80er Jahren des 16. Jahrhunderts tiefgreifende Änderungen einsetzten - und das durchaus nicht nur wegen der technischen Erfordernisse der Kalenderreform Gregors XIII. Er schreibt:

Das Kalendarium des Missales Pius V. war, wie schon gesagt, im Grunde das römische Kalendarium des 11. Jahrhunderts. Die Feste einer großen Zahl mittelalterlicher Heiliger wurden abgeschafft, so daß insgesamt vielleicht nur noch ein halbes Dutzend Heilige übrigblieben, die in den vier vorhergehenden Jahrunderten kanonisiert worden waren. Die Feste der großen Kirchenlehrer des Ostens, des hll. Athanasius, Basilius, Chrysostomus und Gregor v. Nazianz, wurde auf den Rang duplex gehoben, um dem Rang der vier Kirchenlehrer des Westens zu entsprechen: Gregor I., Augustinus, Hieronymus und Ambrosius. Die Kirchenlehrer des Ostens werden nicht explizit als solche bezeichnet, aber sie haben das gleiche Commune, die Messe in medio, wie ihre westlichen Brüder. Die Feste von Heiligen wie des hl. Antonius v. Padua, Nikolaus v. Tolentino, Patrick, Joachim, Franz v. Paula, Bernardin, Anna und Elisabeth v. Ungarn wurde aus dem Kalender gestrichen. Das Endergebnis war ein sehr spartanischer Kalender, der sich markant von dem unterschied, der dem pianischen Missale vorausging und auch von dem, der ihm folgte.

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Mehr zum Missale Pius V.

Der gestrige Festtag des hl. Papstes Pius V. hat noch andere Autoren dazu bewogen, die segensreiche Tätigkeit dieses Papstes als Reformer der römischen Liturgie zu beleuchten. Auf dem auch sonst sehr empfehlenswerten Blog des „Rad Trad“ fanden sich hoch interessante Ausführungen zum Thema, die wir hier geringfügig gekürzt wiedergeben.

Es beginnt ein langes ZitatDas Missale (von Pius V.) ist eine Revision des Missales von 1474, das in der Folge an verschiedenen Orten Italiens nachgedruckt worden war und dabei oft Entstellungen erfuhr. Die Bulle Quo Primum richtete sich weniger an zukünftige Kommissionen zur Liturgiereform als an betrügerische Drucker in Venedig, denen die zweifache Bestrafung durch Exkommunikation und eine Geldbuße von 200 Dukaten für Veränderungen an den Büchern angedroht wurden. Die Bulle Quod a nobis (zur Ausgabe des Breviers), die dann von Papst Pius X. aufgehoben wurde, enthält die gleichen Warnungen und Strafandrohungen in exakt der gleichen Sprache.

Das Missale von 1474 zeigt einige Unterschiede gegenüber dem von 1570: Es enthielt zahlreiche Sequenzen, was vermutlich auf den internationaleren Charakter der Curie zurückging. Der Johannesprolog als Schlussevangelium wird nicht erwähnt, weil er nicht als öffentliche Verkündigung des Priesters am Altar sondern als Privatgebet bei seinem Rückweg zur Sakristei gesprochen wurde. Außerdem enthielt es mehr Feste.

Die Neufassung von 1570 ist eine gekürzte Version der Ausgabe von 1474, wobei ihm diese Kürzungen im wesentlichen gut bekommen sind. Es verzichtet auf die Messe zur unbefleckten Empfängnis vom 8. Dezember (Egredimini et videte filie syon reginam), die durch eine Messe zur Empfängnis der seligsten Jungfrau Maria auf der Grundlage der Messe Salva sancte Parens vom 8. September ersetzt ist.

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