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Überlieferte Liturgie - nur Mode und Nostalgie?

Die tschechische Redaktion von Radio Vatikan berichtet unter dem Datum vom 14. Februar über den kürzlich stattgefundenen Ad-Limina-Besuch der Bischöfe Tschechiens bei Papst Franziskus. Danach hat Erzbischof Jan Graubner von Olmütz den Papst auch auf die Frage der überlieferten Liturgie angesprochen. Wir haben den entsprechenden Teil des Artikels   von Radio Vatikan unter Hinzunahme einer englischen Übersetzung auf Rorate Caeli mit Hilfe einer Muttersprachlerin ins Deutsche übersetzt:

Als wir über die Gläubigen sprachen, die sich der alten Liturgie verbunden fühlen und zu ihr zurückkehren wollen, wurde deutlich, daß der Papst sich mit großer Zuneigung, Vorsicht und Sensibilität äußerte, um niemanden zu verletzen. Allerdings griff er dann doch zu recht deutlichen Worten, als er sagte, daß er durchaus verstehe, wenn Angehörige der älteren Generation zu dem zurückkehren wollten, was sie früher erlebt haben. Was er nicht verstehen könne sei, daß auch Jüngere dahin zurück wollten: „Wenn ich das genauer bedenke“, so der Papst, „ist das eher eine Art von vorübergehender Mode. Und wenn es nur eine Mode ist, muß man dem auch nicht allzuviel Aufmerksamkeit schenken. Man muß halt denen, die einer solchen Mode verfallen sind, etwas Geduld und Freundlichkeit entgegenbringen. Aber ich halte es für wesentlich, daß man in die Tiefe geht, denn wenn wir das nicht tun, kann uns weder die eine noch die andere liturgische Form retten.“

Weißer Advent

Das Bild vom Hochamt am zweiten Adventssonntag, aufgenommen in der St. Afra-Kirche des Instituts St. Philipp Neri, wird viele Katholiken verwundern: Zwei Kerzen am Adventskranz, aber weiße statt der violetten Gewänder am Altar - wie passt das zusammen? In der überlieferten Liturgie gibt es da keinen Widerspruch: In diesem Jahr fällt der zweite Adventssonntag auf den 8. Dezember, das Fest der unbefleckten Empfängnis Mariens, und bis zum Umbau des Kalenders mit dem Missale von 1970 hatte dieses Fest einen höheren Rang als der Sonntag. So wird es auch heute noch überall da gehandhabt, wo die Bücher von 1962 in Geltung sind. Während der moderne Usus das Fest auf den Montag verschiebt, bleibt es nach der alten Ordnung am vorgegebenen Datum, während die Messe vom Sonntag an den Tagen der zweiten Adventswoche „nachgeholt“ wird, die kein eigenes Fest haben.

Die Neuregelung entspricht dem allgemeinen Bestreben der Reform, die Stellung der Sonntage als allwöchentlicher Feier des Ostertages zu unterstreichen und Überlagerungen durch andere Feste des Kirchenjahres zu vermeiden - selbst dann, wenn diese Feste tiefe Geheimnisse des Erlösungswerks zum Ausdruck bringen. So entspricht die Regel, die Adventssonntage bruchlos von 1 bis 4 durchzuzählen, sicher einer tief in der modernen Gesellschaft verankerten Tendenz zur übersichtlichen Ordnung der Dinge. Ob sie sich auf die Mahnung von Sacrosanctum Concilium berufen kann, Neuerungen nur da vorzunehmen, wo ein „ein wirklicher und sicher zu erhoffender Nutzen der Kirche“ das verlange, steht dahin. Das Ziel einer Stärkung des Sonntags konnte die Reform jedenfalls nicht erreichen, wenn man die statistischen Auskünfte zum Maßstab nimmt, nach denen selbst regelmäßige Kirchgänger bei weitem nicht jeden Sonntag an der Messe teilnehmen.

Das Jahr der Kirche

Zum Ersten Adventssonntag, mit dem das Jahr der Kirche beginnt, zitieren wir aus dem Liber Sacramentorum des Sel. Kardinal Ildefons Schuster die entsprechenden Abschnitte:

Zum Unterschiede von den alten Sakramentarien, welche das Jahr mit dem Weihnachtsfeste beginnen, fängt das heutige Missale mit dem 1. Adventsonntag an. Der Grund hiefür liegt darin, daß die Menschwerdung des Wortes Gottes wahrhaft der Mittelpunkt und Markstein ist, der die Wanderung der Menschheit durch die Jahrhunderte in zwei Abschnitte teilt. Nach dem Plane der göttlichen Vorsehung leben die Menschen entweder vor der Fülle der Zeiten, auf die der gnadenvolle „annus redemptionis“ folgt, oder sie lenken ihre Schritte von der Wiege zu Bethlehem nach dem Tale Josaphat, wo Jesus die mit seinem kostbaren Blute erkauften Nachkommen Adams zum letzten Gerichte erwartet. Die Anordnung des heutigen Missale ist die folgerichtigere und entspricht besser der einzig wahren Geschichtsauffassung, die in der Menschwerdung Jesu den Mittelpunkt alles Weltgeschehens sieht. Die alten Sakramentarien hingegen, die mit dem Weihnachtsfeste beginnen, folgen der alten liturgischen Tradition, die keine vier- bis sechswöchentliche Vorbereitungszeit auf das Hochfest kannte.

Um die Mitte des 5. Jahrhunderts erlangte das Weihnachtsfest eine große Bedeutung, da es die wahre Lehre der Kirche gegenüber den christologischen Irrtümern des Nestorius betonte, und erhielt infolgedessen in Ravenna, Gallien und Spanien eine besondere Vorbereitungszeit. Der Kampf gegen die Irrlehrer Nestorius und Eutyches und die großen Konzile von Ephesus und Chalcedon, welche das Dogma von der Vereinigung der göttlichen und menschlichen Natur in der Person unseres Herrn Jesus Christus und gleicherweise auch die Ruhmestitel der Theotokos feierlich verkündeten, lenkten die Gläubigen ganz besonders zur Verehrung des Geheimnissen der Menschwerdung hin. In Leo d. Gr. und Petrus Chrysologus fand die göttliche Heilstatsache ihre beredtesten und begeistertsten Verteidiger.

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„Jetzt muss es wieder ohne Rom gehen“

Eine zutiefst pessimistische, aber sicher nicht rundum unrealistische Sicht auf die aktuelle Entwicklung rund um die überlieferte Liturgie präsentiert Martin Mosebach in einem INterview, das jetzt auf der deutschen Website von Paix Liturgique erschienen ist. Sein Ausgangspunkt ist die Vermutung:

Papst Benedikt hat die Situation offensichtlich vollständig falsch eingeschätzt. Er hat offensichtlich nicht gesehen, wie tief der Geist der antiliturgischen Häresie schon in den hohen Klerus eingedrungen war. (...) Wahrscheinlich war eine „Reform der Reform“ von Anfang an ein aussichtsloses Projekt. Bei der allgemeinen liturgischen Unbildung und Verständnislosigkeit des Klerus war es hoffnungslos, für die Rückkehr einzelner sakramentaler Formen zu werben, die erst aus dem Gesamten des sakramentalen Corpus ihren Sinn und ihre Bedeutung empfangen. Papst Benedikts Scheitern in dieser Frage bestätigt, daß das Maximalprogramm der „Uneinsichtigen“ und „zu keinem Kompromiss Bereiten“, das Realistischste war: die vorbehaltlose Rückkehr zur Überlieferung.

Auf die Frage, ob von der liturgischen Reform Papst Benedikts denn überhaupt nichts mehr übrig geblieben sei, antwortet der Schriftsteller:

Grundsätzlich ist das vorstellbar. Wir sehen zum Beispiel beim Eingreifen des Vatikans in das Ordensleben der Immaculata-Franziskaner, dass jede traditionelle geistliche Gemeinschaft, in der nicht ein ungebrochener gemeinsamer Wille alle Mitglieder vereint, in ihrem Bestand gefährdet ist. Auf der anderen Seite dürfen wir natürlich feststellen, dass die offizielle Kirche in Westeuropa insgesamt viel schwächer geworden ist und deshalb auch nicht mehr ohne Weiteres über die Kraft verfügt, mit der sie in den 70er- und 80er-Jahren ihr Zerstörungswerk betreiben konnte. Und auf der anderen Seite sind die Traditionsgruppen stärker geworden; man kann sie nicht mehr einfach einschüchtern und wegfegen, wie das so viele Bischöfe „im Geist des Konzils“ getan haben.

Die Chancen für die Tradition stehen nicht so schlecht, wenn sie sich darauf konzentriert, im Inneren stark zu bleiben, sich nicht in Streitereien zu verzetteln und vor allem junge Leute, junge Priester, für sich zu gewinnen. Wir hatten eine kurze Rekreationszeit, jetzt muss es wieder ohne Rom gehen; aber das kennen wir ja schon.

Das ganze Interview finden Sie - in deutscher Sprache - auf der Website von Paix Liturgique.

Konferenz Summorum Pontificum 2011

Soeben ist er erschienen: Der Tagungsband zur römischen Konferenz Summorum Pontificum im Jahre 2011, 13. - 15. Mai. Man würde sich im Zeitalter der schnellen Kommunikation ja wünschen, daß diese Bände etwas schneller erschienen - schließlich haben inzwischen bereits zwei weitere entsprechende Konferenzen stattgefunden. Aber seien wir dankbar über das, was wir bekommen. Und dafür wird das in italienischer Sprache erschienene Buch auch ganz besonders schnell geliefert: Neben der Papierausgabe (135 S.) gibt es eine Kindle Edition, die man für ganze 6,23 Euro im Handumdrehen herunterladen kann.

Herausgeber ist der italienische Dominikaner P. Vincenzo Nuara, das Vorwort hat S. E. Walter Kardinal Brandmüller beigesteuert, der für die Konferenzteilnehmer auch in der Peterskirche zelebriert hat. Weitere Beiträge kommen von den Bischöfen Aillet und Schneider sowie von Nicola Bux, Roberto de Mattei und anderen bekannten Vertretern der Forderung nach einer Rückbesinnung auf die Tradition.

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