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Verblendet und stumm

Aus der Bibelillustration von Jerome NadalSeit unvordenklicher Zeit trägt die Kirche am 3. Fastensonntag das Evangelium von der Austreibung des Dämons (Lukas 11) vor, der dem von ihm befallenen die Stimme geraubt hatte - und dessen Austreibung die Pharisäer so sehr irritierte, daß sie Jesus beschuldigten: Durch Beelzebub treibt er die Teufel aus.

Im klaren Widerspruch zum Auftrag der Konzilskonstitution zur Liturgie, den Gläubigen die Schatzkammer der Schrift weiter aufzutun (SC 51) haben die Reformer diese Perikope für den 3. Fastensonntag gestrichen, und zwar in allen drei Lesejahren. Zu groß war der Widerspruch dieser eindeutigen Schriftstelle zu ihrer Ideologie, die weder vom Teufel und seinen Dämonen sprechen will noch einräumt, daß Gott als Herr der Schöpfung auch aktiv in sie eingreifen kann und will.

Der große und wahre Liturgiereformer Dom Gueranger sah seine Aufgabe nicht darin, Lehre und Liturgie der Kirche auf das herunter zu ziehen, was der Menge eingängig ist, sondern den Menschen  den Zugang zu eröffnen zu dem, was über ihnen ist. Schon ein Jahrhundert vor dem Zerstörungswerk der Modernisten am Missale Pauls VI. hat er deren Blindheit und Stummheit einer vernichtenden Kritik unterzogen (Das Kirchenjahr, Bd. 5, S. 272 - 275):

Die alten Liturgisten haben denn auch in der Wahl des heutigen Evangeliums, (...) einen Zug mütterlicher Weisheit und Fürsorge der Kirche erkannt. Wir wären gewiß die verblendetsten und unglücklichsten der Mensch, wenn wir von den Feinden, die nach unserem Verderben dürsten und uns an Kräften und Listen überlegen sind, umgeben, nicht dazu gekommen wären, deren Dasein zu vermuthen und vielleicht niemals ernstlich darüber nachzudenken. Und doch ist dies gerade der Zustand, in welchem eine ungeheure Anzahl Christen unserer Tage dahin lebt. So sehr mindert sich die Wahrheit unter den Menschenkindern. (Psalm 11,2)

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Ein „ausgefallener“ Sonntag

Zum IntroitusIn der alten stadtrömischen Liturgie gab es für den zweiten Fastensonntag kein eigenes Messformular. Die Quatembertage im Frühling wurden stets mit großem Ernst und entsprechendem Aufwand gefeiert. Besonderes Gewicht kam dem Samstag zu – bis 1962 gab es an diesem Tag vier Lesungen. Die Vigil in der Nach des Quatembersamstag fand in St. Peter statt, und sie endete erst mit einer hl. Messe zu Sonnenaufgang. Nach vielstündigem Gottesdienst konnten sich dann alle erschöpft auf den Heimweg machen. Eine weitere Sonntagsmesse war nicht erforderlich, der zweite Fastensonntag wurde somit zum „ausgefallenen“ Sonntag: Dominica vacat.

Eine Vigil dieses Umfangs gab es freilich wohl nur in Rom selbst, vielleicht noch in einigen anderen Bischofsstädten. Anderswo konnte der Sonntag also nicht „ausfallen“, und für die Sonntagsmesse griff man auf passende Texte aus den vorhergehenden Tagen der ersten Fastenwoche zurück. In dieser Form wurde das Messformular später, als die nächtliche Vigil ihre Bedeutung verloren hatte, auch in der Stadt selbst für den Sonntag übernomen: Der Introitus Reminiscere, das Offertorium Meditabor in mandatis tuis und die Communio Intellige Clamorem meum vom Quatembermittwoch, das Evangelium der Verklärung auf Tabor vom Quatembersamstag. Die Epistel vom 2. Fastensonntag ist im Missale Pius V. zwar keinem der Quatembertage entnommen, sie fügt sich aber nahtlos in das vom Offertorium vorgegeben Thema Meditabor in mandatis tuis ein. Es ist die Passage aus dem Brief an die Thessalonicher von der gottgebotenen Heiligkeit der Ehe und Lauterkeit im Umgang mit den Brüdern.

Im Messbuch Pauls VI. ist nicht nur diese Epistel in allen drei Lesejahren verschwunden, auch die Erinnerung daran, daß dieser Sonntag ursprünglich wie eine Zusammenfassung der Quatembertage erschien, ist praktisch getilgt. Welche Auswirkungen das auf die Gestalt der Gregorianik im ohnehin praktisch ungenutzten Graduale Romanum von 1974 hatte, diskutiert und demonstriert an Tonbeispielen zum „erneuerten“ Introitus Tibi dixit der Gregorianik-Spezialist Fulvio Rampi auf Chiesa.espresso.repubblica.()

Als ob er das bevorstehende Zerstörungswerk vorausgeahnt hätte, beschließt Ildefons Schuster das Kapitel zum 2. Fastensonntag in seinem Liber Sacramentarum mit dieser Warnung:

Der Geist der Kirche schreckt, vor allem auf dem Gebiete der Liturgie, die für die Gläubigen Lehre und Licht sein soll, vor dem Neuen zurück, mag die Welt auch großen Gefallen am Neuen finden. Jede Art von Neuerung bringt einfache seelen in Verwirrung und erschüttert ihren Glauben, der auf dem Fundament der Väterlehre aufgebaut ist. Zu Gott beten mit den gleichen Worten wie die Väter, die nämlichen Gesänge singen, die sie in ihren Leiden und Kämpfen für die Kirche stärkten: das heißt wahrhaft eindringen in den Geistr ihres Betens, eins sein mit ihrem Hoffen und ihren Idealen.

Zitiert nach Ildefons Schuster, Liber Sacramentorum, Regensburg 1929, 3. Bd, S. 89

Der Ritus von Lyon

Bis ins 19. Jahrhundert koexistierten in der Kirche Europas zahlreiche unterschiedliche Lokalriten. Die meisten gaben keinen Grund zu Bedenken hinsichtlich der Reinheit der Lehre, da sie für den Hauptteil der Messe den römischen Kanon ganz ohne oder nur mit geringfügigen Änderungen verwandten. The Rad Trad hat jetzt den Ritus des alten Patriarchensitzes von Lyon vorgestellt, eine der reichsten Liturgien nach der Papstmesse am päpstlichen Hof. Zur Vollform des Pontifikalamts traten in Lyon neben dem Erzbischof sechs Konzelebranten an den Altar,  dazu sieben Diakone mit hochgefalteter Casel, sieben Subdiakone, zwei Assistenzpriester im Chormantel und sieben Akolythen - ein überaus eindrucksvolles Bild.

Der Rad Trad beschreibt die Vorgaben der Rubriken, die Struktur des Ordo und teilt einige Besonderheiten der in Lyon verwandten Präfationen mit. Besonderes Augenmerk richtet er auf Anzeichen für den dem Ritus vorgeworfenen Jansenismus - er findet keine. In seinen einfacheren Formen wird der Ritus Lugdunensis heute noch gelegentlich von der Lyoner Niederlassung der Petrusbruderschaft zelebriert. Das Missale Sanctae Lugdunensis Ecclesiae von 1844, auf das der Rad Trad seine Beschreibung stützt, ist hier über Google Books abrufbar.

Dominikanischer Ritus weltweit!

Bild WikimediaDie Meldung über die regelmäßige Feier einer hl. Messe im überlieferten Ritus der Dominikaner in St. Clemente, Rom, hat dazu geführt, daß nun auch eine Reihe weiterer Dominkaner-Konvente die bei ihnen regelmäßig zelebrierten Messen im Eigenritus des Ordens im Internet veröffentlicht haben.

In Europa sind das in der Böhmischen Provinz die Konvente in Prag und Olmütz. In Prag findet jeden Donnerstag und Sonntag um 8 Uhr vormittags eine hl. Messe im alten Ritus in der Kirche St. Jilji statt; in Olmütz jeden ersten Sonntag im Monat um 15 Uhr eine Messe in der Kirche des Dominikanerklosters.

In der englischen Provinz gibt es jeden Tag Messen im Ordensritus in der Holy Cross Priory von Leicester und eine regelmäßige Sonntagsmesse in der Priory of St. Michael in Cambridge. Die irische Provinz ist für die bereits gemeldete Zelebration in S. Clemente in Rom verantwortlich.

In der Westprovinz der USA finden an insgesamt fünf Standorten des Ordens regelmäßige Zelebrationen im Eigenritus statt, meistens allerdings nur einmal monatlich. Die Ausnahme ist der Konvent von Canyon in Kalifornien, der wöchentliche Messen an Donnerstagen und Freitagen anbietet und dazu Sonntagsmessen an jedem dritten und vierten Sonntag eines Monats.

In Frankreich zelebriert die in der dominikanischen Tradition stehende, jedoch nicht zum Dominkanerorden gehörende altrituelle Gemeinschaft Saint-Vincent Ferrier ausschließlich nach den im Jahre 1962 gebräuchlichen liturgischen Büchern des Ordens.

Dominikanischer Ritus in Rom!

Gemeinsame Darbringung von Brot und WeinMit Beginn der Fastenzeit und erstmalig am 8. März wird künftig an jedem Samstag in San Clemente in Rom eine heilige Messe im traditionellen Ritus der Dominikaner zelebriert werden. San Clemente ist eine der römischen Kirchen, in deren Innerem die frühmittelalterliche Einrichtung des Altarraums - wenn auch mit einigen späteren Umbauten - weitgehend erhalten geblieben ist. Die Kirche und die angrenzenden Konventsgebäude wurden 1655 den irischen Dominikaner übertragen, die im englischen Bürgerkrieg aus dem Lande vertrieben worden waren. In ihrer Obhut steht die Anlage noch heute.

Der Eigenritus des Dominikanerordens wurde in den Wirren der Liturgiereform „abgeschafft“, sein Gebrauch wurde in den meisten Ordensprovinzen, darunter auch den deutschen, mit unnachgiebiger Härte unterbunden. Lediglich im „wilden Westen“, der Westprovinz der Dominikaner in den Vereinigten Staaten, konnte sich eine gewisse Tradition erhalten. Dort finden an mehreren Orten regelmäßige Zelebrationen in dieser Form des überlieferten Ritus statt, und von dort aus hat sich die Kentnis und Wertschätzung seiner Formen in den vergangenen Jahren auch wieder in andere Regionen des Ordens verbreitet. 

Unser Bild, das 2007 bei einer Zelebration im Dominikanerritus im Institut St. Philipp Neri in Berlin aufgenommen wurde, zeigt eine der Besonderheiten dieser Form der römischen Liturgi: Die gemeinsame Darbringung (oblatio sub una) von Brot und Wein bei der Opferung.

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