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Ränkespiele um die FFI

Die Franziskaner der Immakulata haben keinen Zweifel daran gelassen, daß sie die Vorgaben der Ordenskongregation befolgen werden – auch wenn sie sie als ungerecht und ungerechtfertigt betrachten. Angesichts des Umstandes, daß sie in der Öffentlichkeit – z.B. von Andrea Torniell in VaticanInsider – mehrfach mit wahrheitswidrigen Behauptungen und bösen Unterstellungen angegangen worden sind, verzichten sie jedoch auch nicht darauf, ihre Sicht der Dinge an die Öffentlichkeit zu tragen. Zwei Aussagen aus Erklärung der der letzten Tage verdienen besonderes Interesse:

Die Visitation des Ordens wurde zwar während der Regierungszeit Papst Benedikt XVI angeordnet – aber nicht vom Papst selbst, sondern selbständig vom Präfekten der Ordenskongragation Kardinal Braz de Aviz, der jetzt auch für die umstrittene Unterstellung der FFI unter einen Kommissar verantwortlich zeichnet. (Quelle)

Im Gegensatz zu den Behauptungen Torniellis haben gerade auch die Schwesternorden innerhalb der Familie der FFI die überlieferte Liturgie nicht übereilt per Verordnung eingeführt, sondern ein zeitlich gestrecktes Verfahren gewählt. Tatsächlich hat der Übergang zum nichtexklusiven Gebrauch der lateinischen Liturgie insbesondere in Ländern, die keine starke lateinische Tradition haben, teilweise noch gar nicht begonnen. (Quelle)

Andrea Tornielli selbst hat sich inzwischen veranlasst gesehen, den derzeit alleine zu öffentlichen Stellungnahmen befugten Sprecher der FFI, P. Alessandro Apollonio, am 6. August in einem ausführlichen Interview zu Wort kommen zu lassen.

Mehr zum Interview Torniellis

Erzbischof Pozzo zurück bei ED

Mit Wirkung von heute ist Erzbischof Guido Pozzo wieder Sekretär der päpstlichen Kommission Ecclesia Dei, die innerhalb der von Erzbischof Müller geleiteten Glaubenskongregation für die angelegenheiten der anerkannten Gemeinschaften des alten Ritus zuständig ist. Damit ist die Position des Sekretärs erstmals mit einem Bischof besetzt.

Der Monsignore war bereits von 2009 bis Juni 2012 als Sekretär von ED tätig und wurde dann nach dem vorläufigen Ende der Einigungsgespräche mit der Piusbruderschaft von Papst Benedikt dort abberufen und mit dem Amt des Päpstlichen Almoseniers betraut - eine Position, die traditionell mit dem Rang eines Erzbischofs verbunden ist. Als Erzbischof hat Msgr Pozzo mehrfach Pontifikalämter in der überlieferten Liturgie zelebriert und am 22. Juni in der römischen Kirche S.S. Trinitá dei Pellegrini einem italienischen Mitglied der Bruderschaft und zwei Mitgliedern der Söhne des Allerheiligsten Erlösers (transalpine Redemptoristen) die Priesterweihe gespendet.

Ob der zwischenzeitlich als Vizepräsident der Kommission – Präsident ist Erzbischof Müller als amtierender Präfekt der Kongregation – eingesetzte amerikanische Erzbischof Di Noia in dieser Stellung verbleibt, ist unbekannt, ebenso die Gründe, die zur Rückversetzung Pozzos zu Ecclesia Dei geführt haben. Man kann sich von diesem Schritt jedoch den Vorteil versprechen, daß die praktische Arbeit dieser Kommission während der für den kommenden Herbst erwarteten umfangreichen Neu- und Umbesetzungen in der Kurie von einem Prälaten geleitet wird, der das Umfeld der traditionsorientierten Gemeinschaften gut kennt und der alten Liturgie mit Sympathie gegenübersteht.

Franziskaner der Immakulata III

Das harte Vorgehen der höchsten Autorität gegen die Franziskaner der Immakulata hat vielfach Verwunderung und Unverständnis hervorgerufen. Insbesondere der merkwürdige Umstand, daß zwar keine konkreten Verfehlungen oder Gefährdungen benannt werden, wohl aber eine sehr präzise Therapie verordnet wurde: Die völlige Abschaffung der Selbstverwaltung des Ordens und die Aufhebung seiner Beschlüsse, die überlieferte Liturgie als bevorzugte (keinesfalls ausschließliche) Form der Ordensliturgie zu pflegen.

Befürworter dieser Maßnahmen gefielen sich zunächst in Hinweisen auf unheilvolle Einflüsse, die angeblich von einer - ebenso angeblich - der Piusbruderschaft zuneigenden Nonne in Italien ausgehen sollten. Nun haben sie ein weiteres Mal nachgelegt. Der katholische Publizist Taylor Marshall macht sich in seinem Blog weitgehend zu eigen, was einer der „Dissidenten“ innerhalb des Ordens gegen die bisherige Ordensleitung einzuwenden gefunden hat:

Bruder Angelo Maria Geiger von der FI in den USA hat seine Bedenken ausgedrückt, daß die FI vom süßen Trank des radikalen Traditionalismus naschen. Für den Fall, daß Sie nicht wisse, wie der „radikale Traditionalismus“ aussieht, hier eine Momentaufnahme:

  1. Leugnung des Holocaust,
  2. offene Ablehnung des 2. Vatikanums als gültiges Konzil,
  3. Rhetorik im Stil des Blogs Rorate Caeli,
  4. Abschließung in einer Subkultur von "Amischen Katholiken",
  5. Leugnung der charismatischen Gaben und der charismatischen Bewegung,
  6. Sympathie für einen Traditionalismus nach Art von Bischof Williamson,
  7. Verachtung von Papst Johannes Paul II und Papst Franziskus,
  8. Vorstellung von einer Überlegenheit der Anhänger der überlieferten Liturgie gegenüber denen, die den Novus Ordo feiern,
  9. eine gnostische Ekklesiologie, nach der nur die Traditionalisten die eine wahre Katholische Kirche darstellen.“

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Franziskaner der Immakulata II

Der hl. Franziskus auf einem Fresco CimabuesDie Aufhebung der Selbstverwaltung der Franziskaner der Immakulata und ihre Unterstellung unter einen Kommissar der Ordenskongregation sorgen nach wie vor für viel Aufregung – und das mit gutem Grund. Zwar ist es nach wie vor nicht sinnvoll, den von der höchsten Autorität bereits vorab jeder rechtlichen Prüfung entzogenen Akt als direkten Angriff auf „Summorum Pontifikum“ aufzufassen – dazu ist die Ausgangslage im Weltklerus, dem letztlich auch die Ecclesia Dei Gemeinschaften zugehören, und einem klassischen Orden, dessen Angehörige ein besonderes Gehorsamsgelübde abgelegt haben, zu verschieden. Aber andererseits entspricht das Vorgehen der Kongregation so perfekt dem Schema der Verfolgung der Traditionsanhänger seit den 60er Jahren, daß man sich schon reichlich naiv geben muß, um die Übereinstimmungen nicht wahrzunehmen.

Das Gesetz „Summorum Pontificum“ hat das Recht aller Priester des römischen Ritus, die überlieferte Liturgie zu feiern, und aller Gläubigen, Zugang zu solchen Feiern zu erhalten, bekräftigt. Ordensangehörige mit Gehorsamsgelübde können sich allerdings nur begrenzt auf dieses Recht berufen, weil sie pauschal und im Vorhinein darauf verzichtet haben, ihren eigenen Willen da zur Geltung zu bringen, wo ihre Oberen ihnen etwas zu tun oder zu lassen auferlegen – im Rahmen des sittlich und rechtlich Zulässigen, versteht sich. Die Vorgaben von Summorum Pontificum lassen hier hinsichtlich der Einzelzelebration möglicherweise einige Spielräume. Die Entscheidung hinsichtlich der Kommunitätsmesse liegt jedoch ausdrücklich bei den Oberen. Daher spielt es auch gar keine Rolle, daß die FFI ursprünglich als Gemeinschaft mit der reformierten Liturgie gegründet wurden: Als die Ordensoberen, gestützt auf eine (dazu nicht erforderliche) Mehrheit des Generalkapitels, den Beschluss fassten, für die internen Liturgien der Gemeinschaft bevorzugt (also nicht ausschließlich) die ältere Form zu verwenden, handelten sie sowohl im Rahmen der Möglichkeiten von Summorum Pontificum als auch im ihnen zustehenden Handlungsrahmen gegenüber den Mitgliedern.

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Alter Ritus und Neuevangelisierung

Aus „Vatican Insider“ vom 5. Juli übernehmen wir folgende Mitteilung:

Die Messe im alten römischen Ritus nach dem Missale von 1962 aus der Zeit vor den Reformen des 2. vatikanischen Konzils wird auch künftig ohne jede Beschränkung seitens Papst Franziskus gefeiert werden. Das bekräftigte der Theologe und Liturgiewissenschaftler Msgr. Nicola Bux in einem Interview mit der Tageszeitung Roma.

Die Bewegung für die überlieferte Liturgie wird weiter bestehen“ sagte der Konsultor der Gottesdienstkongregation, „denn die Abfolge der Päpste bricht nicht die Kontinuität der Tradition, und wer einem Vorgänger nachfolgt, erfindet die Kirche nicht aufs Neue. Manchmal wird angenomen, daß der Papst in seinem Amt seine eigenen Ansichten zum Ausdruck bringt, aber das wäre fatal. Natürlich hat jeder Papst sein eigenes Temeperament und seine eigene Biographie, aber es geht nicht darum, diese zur Geltung zu bringen, sondern stets um das Wohl der Kirche. Der Papst ist Diener der Kirche, nicht ihr Herr - das hat auch der gegenwärtige Papst mehrfach zum Ausdruck gebracht.“

Was die Haltung des gegenwärtigen Papstes hinsichtlich des Motu Proprio Summorum Pontificum in seiner Zeit als Erzbischof von Buenos Aires betrifft, so hat Kardinal Bergolio nach Ansicht von Msgr. Bux „nichts unternommen, um die Anwendung des Motu Proprio zu behindern“.

Das Interesse an der überlieferten Liturgie hat sich - so Msgr. Bux - mit der Neuevangelisierung verbunden. "In der gegenwärtigen schweren Krise des Glaubens kann eine würdig zelebrierte mystische Liturgie viel dazu beitragen, daß Menschen Gott suchen und finden. Die großen Konvertiten der Geschichte wurden beim Erlebnis der feierlichen Zeremonien und der großartigen Choräle von der Gnade berührt."

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