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Dominikanischer Ritus weltweit!

Bild WikimediaDie Meldung über die regelmäßige Feier einer hl. Messe im überlieferten Ritus der Dominikaner in St. Clemente, Rom, hat dazu geführt, daß nun auch eine Reihe weiterer Dominkaner-Konvente die bei ihnen regelmäßig zelebrierten Messen im Eigenritus des Ordens im Internet veröffentlicht haben.

In Europa sind das in der Böhmischen Provinz die Konvente in Prag und Olmütz. In Prag findet jeden Donnerstag und Sonntag um 8 Uhr vormittags eine hl. Messe im alten Ritus in der Kirche St. Jilji statt; in Olmütz jeden ersten Sonntag im Monat um 15 Uhr eine Messe in der Kirche des Dominikanerklosters.

In der englischen Provinz gibt es jeden Tag Messen im Ordensritus in der Holy Cross Priory von Leicester und eine regelmäßige Sonntagsmesse in der Priory of St. Michael in Cambridge. Die irische Provinz ist für die bereits gemeldete Zelebration in S. Clemente in Rom verantwortlich.

In der Westprovinz der USA finden an insgesamt fünf Standorten des Ordens regelmäßige Zelebrationen im Eigenritus statt, meistens allerdings nur einmal monatlich. Die Ausnahme ist der Konvent von Canyon in Kalifornien, der wöchentliche Messen an Donnerstagen und Freitagen anbietet und dazu Sonntagsmessen an jedem dritten und vierten Sonntag eines Monats.

In Frankreich zelebriert die in der dominikanischen Tradition stehende, jedoch nicht zum Dominkanerorden gehörende altrituelle Gemeinschaft Saint-Vincent Ferrier ausschließlich nach den im Jahre 1962 gebräuchlichen liturgischen Büchern des Ordens.

Dominikanischer Ritus in Rom!

Gemeinsame Darbringung von Brot und WeinMit Beginn der Fastenzeit und erstmalig am 8. März wird künftig an jedem Samstag in San Clemente in Rom eine heilige Messe im traditionellen Ritus der Dominikaner zelebriert werden. San Clemente ist eine der römischen Kirchen, in deren Innerem die frühmittelalterliche Einrichtung des Altarraums - wenn auch mit einigen späteren Umbauten - weitgehend erhalten geblieben ist. Die Kirche und die angrenzenden Konventsgebäude wurden 1655 den irischen Dominikaner übertragen, die im englischen Bürgerkrieg aus dem Lande vertrieben worden waren. In ihrer Obhut steht die Anlage noch heute.

Der Eigenritus des Dominikanerordens wurde in den Wirren der Liturgiereform „abgeschafft“, sein Gebrauch wurde in den meisten Ordensprovinzen, darunter auch den deutschen, mit unnachgiebiger Härte unterbunden. Lediglich im „wilden Westen“, der Westprovinz der Dominikaner in den Vereinigten Staaten, konnte sich eine gewisse Tradition erhalten. Dort finden an mehreren Orten regelmäßige Zelebrationen in dieser Form des überlieferten Ritus statt, und von dort aus hat sich die Kentnis und Wertschätzung seiner Formen in den vergangenen Jahren auch wieder in andere Regionen des Ordens verbreitet. 

Unser Bild, das 2007 bei einer Zelebration im Dominikanerritus im Institut St. Philipp Neri in Berlin aufgenommen wurde, zeigt eine der Besonderheiten dieser Form der römischen Liturgi: Die gemeinsame Darbringung (oblatio sub una) von Brot und Wein bei der Opferung.

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Überlieferte Liturgie - nur Mode und Nostalgie?

Die tschechische Redaktion von Radio Vatikan berichtet unter dem Datum vom 14. Februar über den kürzlich stattgefundenen Ad-Limina-Besuch der Bischöfe Tschechiens bei Papst Franziskus. Danach hat Erzbischof Jan Graubner von Olmütz den Papst auch auf die Frage der überlieferten Liturgie angesprochen. Wir haben den entsprechenden Teil des Artikels   von Radio Vatikan unter Hinzunahme einer englischen Übersetzung auf Rorate Caeli mit Hilfe einer Muttersprachlerin ins Deutsche übersetzt:

Als wir über die Gläubigen sprachen, die sich der alten Liturgie verbunden fühlen und zu ihr zurückkehren wollen, wurde deutlich, daß der Papst sich mit großer Zuneigung, Vorsicht und Sensibilität äußerte, um niemanden zu verletzen. Allerdings griff er dann doch zu recht deutlichen Worten, als er sagte, daß er durchaus verstehe, wenn Angehörige der älteren Generation zu dem zurückkehren wollten, was sie früher erlebt haben. Was er nicht verstehen könne sei, daß auch Jüngere dahin zurück wollten: „Wenn ich das genauer bedenke“, so der Papst, „ist das eher eine Art von vorübergehender Mode. Und wenn es nur eine Mode ist, muß man dem auch nicht allzuviel Aufmerksamkeit schenken. Man muß halt denen, die einer solchen Mode verfallen sind, etwas Geduld und Freundlichkeit entgegenbringen. Aber ich halte es für wesentlich, daß man in die Tiefe geht, denn wenn wir das nicht tun, kann uns weder die eine noch die andere liturgische Form retten.“

Weißer Advent

Das Bild vom Hochamt am zweiten Adventssonntag, aufgenommen in der St. Afra-Kirche des Instituts St. Philipp Neri, wird viele Katholiken verwundern: Zwei Kerzen am Adventskranz, aber weiße statt der violetten Gewänder am Altar - wie passt das zusammen? In der überlieferten Liturgie gibt es da keinen Widerspruch: In diesem Jahr fällt der zweite Adventssonntag auf den 8. Dezember, das Fest der unbefleckten Empfängnis Mariens, und bis zum Umbau des Kalenders mit dem Missale von 1970 hatte dieses Fest einen höheren Rang als der Sonntag. So wird es auch heute noch überall da gehandhabt, wo die Bücher von 1962 in Geltung sind. Während der moderne Usus das Fest auf den Montag verschiebt, bleibt es nach der alten Ordnung am vorgegebenen Datum, während die Messe vom Sonntag an den Tagen der zweiten Adventswoche „nachgeholt“ wird, die kein eigenes Fest haben.

Die Neuregelung entspricht dem allgemeinen Bestreben der Reform, die Stellung der Sonntage als allwöchentlicher Feier des Ostertages zu unterstreichen und Überlagerungen durch andere Feste des Kirchenjahres zu vermeiden - selbst dann, wenn diese Feste tiefe Geheimnisse des Erlösungswerks zum Ausdruck bringen. So entspricht die Regel, die Adventssonntage bruchlos von 1 bis 4 durchzuzählen, sicher einer tief in der modernen Gesellschaft verankerten Tendenz zur übersichtlichen Ordnung der Dinge. Ob sie sich auf die Mahnung von Sacrosanctum Concilium berufen kann, Neuerungen nur da vorzunehmen, wo ein „ein wirklicher und sicher zu erhoffender Nutzen der Kirche“ das verlange, steht dahin. Das Ziel einer Stärkung des Sonntags konnte die Reform jedenfalls nicht erreichen, wenn man die statistischen Auskünfte zum Maßstab nimmt, nach denen selbst regelmäßige Kirchgänger bei weitem nicht jeden Sonntag an der Messe teilnehmen.

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