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Legitime Unterschiede im Ritus

Bild: Website des Autors, http://liturgicalnotes.blogspot.com/2019/06/the-worst-evil-of-uniatism.htmlAus Anlaß der Heiligsprechung von 7 griechisch-katholischen Märtyrer-Bischöfen durch Papst Franziskus bei seiner Reise nach Rumänien hat Fr. Hunwicke sich mit dem Verhältnis von orthodoxen Kirchen und Römischer Kirche befasst. Dabei hebt er besonders die Bedeutung bestimmter Unterschiede im Ritus hervor, deren Legitimität er unterstreicht und vor deren Unterdrückung oder Angleichung er mit guten Argumenten warnt. Wir übersetzen seine Ausführungen ungekürzt.

Es beginnt ein langes ZitatIch finde es ermutigend, daß Papst Franziskus in Rumänien eine Gruppe „unierter“ Märtyrer heiliggesprochen hat. Weniger begeistert bin ich von seiner in diesem Zusammenhang abgegebenen Erklärung, daß „Uniatismus heutzutage nicht legitim ist“. Wenn er mit „Uniatismus“ die Aufnahme ganzer Gruppen mit eigenem Ritus und eigerner Spiritualität in volle Gemeinschaft mit Rom meint, dann stellte er sich damit in Widerspruch zu zahlreichen früheren Päpsten und nicht zuletzt seinem unmittelbaren Amtsvorgänger, der die Ordinariate errichtet hat. Will Papst Franziskus damit im Sinne einer geläufigen Verwirrung sagen, daß Gläubige nur als Einzelpersonen in die Kirche kommen können und dabei auf jedes Erbe ihrer bisherigen Tradition verzichten müssen? „Wenn ihr die Einheit wollt, dann ist das einzige, was ich euch anbieten kann, der Novus Ordo (und meine eigenen Korrekturen zum Gebet des Herrn“. Ist seine Botschaft wirklich so engstirnig, so scharf, so spaltend so destruktiv und so frei von jeder Kernntnis? Falls das so ist, muß man das energisch zurückweisen und korrigieren. Völliger Unfug, Heiliger Vater! Hier liegen Sie schon wieder einmal voll daneben!!

Der traurigste Teil des Videos von der Amtseinführung Papst Benedikts – ich schaue mir das gelegentlich zum Trost an, wenn ich mich schlecht fühle – ist für mich bei der Proklamation des Heiligen Evangeliums durch den griechischen Diakon. Die Kamera schwenkt da zu den byzantinischen und orientalischen Delegationen – und einige von deren Mitgliedern wenden sich tatsächlich ab, drehen ihm sogar den Rücken zu.

Hier geht es weiterEs ist wohlbekannt, daß viele nicht in Gemeinschaft mit Rom stehende Byzantiner die „Unierten“ ganz und gar nicht mögen. Und das ist natürlich auch der Grund, warum Papst Franziskus glaubt, den Unierten gelegentlich einen Fußtritt versetzen zu müssen. Aber ich frage mich, was sie von den „Orthodoxen im westlichen Ritus“ (Western Rite Orthodox, WRO) halten, die von einigen Byzantinischen Patriarchaten ermutigt oder zumindest toleriert werden? Warum soll das in Ordnung sein, während „Uniatismus“ die schlimmste Sünde wäre?

Dazu kommt, das in meisten dieser WRO-Gruppen (bitte korrigieren, falls ich mich irre), der altehrwürdige Römische Kanon dadurch unterbrochen wird, daß man nach dem Einsetzungsbericht eine Epiklese nach byzantinischer Art einschiebt. Das ist eine grobe Entstellung, die aus der Römischen Liturgietradition (die übrigens älter ist als die Byzantinische) einen zerstückelten Unsinn macht.Im Römischen Kanon bedeutet „Konsekrierung“, daß wir Brot und Wein dem Allmächtigen Vater darbieten, damit er diese annehme und dadurch entsprechend den Worten des fleischgewordenen Wortes in Leib und Blut Seines Sohnes verwandle. In Byzanz ruft der Priester auf Bitte des Diakons den Heiligen Geist an, auf die Elemente herabzukommen und sie so durch Seine Verwandlung zu Leib und Blut des Herrn werden.

Jede dieser Traditionen hat ein Anrecht auf ihre unveränderte Erhaltung. Wenn radikale Latinisierer auf den Gedanken kämen, die Epiklese aus dem Byzantinischen Ritus bei den Unierten herauszunehmen, wäre das empörend. Ebenso empörend unökumenisch ist es, daß einige Byzantiner dem Römischen Ritus exakt diese Art von Verachtung entgegenbringen. Wenn solche Byzantiner den „Uniatismus“ angreifen ist das Doppelmoral von der allerschlimmsten Sorte.

Dieses Verhalten widerspricht auch der zweitausendjährigen Praxis der Byzantinischen Kirchen. In einzelnen Epochen dieser Zeit wurden über die Adria die verschiedensten Kritikpunkte in der einen oder anderen Richtung ausgetauscht, aber soweit ich weiß, gehörte das Fehlen einer Epiklese im Römischen Kanon nur selten zu den von der östlichen Seite erhobenen Vorwürfen.

Einer unserer Exzentriker in Oxford, ein orthodoxer Laie namans Raymond Winch, hat 1988 das Buch Die kanonische Messe der Englischen Orthodoxen veröffentlicht. Es enthielt das, was Winch als die authentische liturgische Form der englischen (nicht der britischen, wie er betonte) Orthodoxen bezeichnete – und das war der Römische Ritus so, wie er im angelsächsischen England üblich war.

Winch wußte, was die Byzantinisierer nicht wissen. In seinem Vorwort schrieb er:

Es ist mir klar, daß Liturgie unausweichlich der Entwicklung unterliegt, aber wir sollte unser Bestes tun, daß diese Entwicklung auf schonende und organische Weise erfolgt. Ich betone, daß es höchst unklug wäre, irgendeine Veänderung unseres Ritus zuzulassen, solange er bei uns nicht wieder fest etabliert und in allgemeinem Gebrauch ist. Insbesondere die Anaphora der Römischen Messe hat ein hohes Alter und gibt ein lebendiges Zeugnis von der beständigen Tradition der universalen Kirche. Es ist unerläßlich, den Text des Kanons – von den Eigennamen abgesehen – ohne Hinzufügungen oder Weglassungen beizubehalten. Irgendwelche Änderungen im Kanon vorzunehmen um seine Theologie zu „verbessern“ wäre noch verwerflicher als unter dem Vorwand überlegener spiritueller Einsicht eine Änderung von Texten der Kirchenväter vorzunehmen.

Soweit Fr. Hunwicke bzw. das Zitat von Winch. Bleibt nur noch hervorzuheben, daß seine Kritik natürlich nicht nur die „Byzantinisierer“ der „Orthodoxen im westlichen Ritus“ betrifft, sondern ebenso den Unverstand westlicher Theologen, die das Fehlen einer Geist-Epiklese im römischen Ritus beklagen und glaubten, dem durch entsprechende Interpolationen in den Hochgebeten des Novus Ordo abhelfen zu sollen.

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