Bereichsnavigation Themen:

Lebendige Tradition

Bild: Monika RheinschmittAm Sonntag ist in Rom die diesjährige Wallfahrt der Tradition nach Rom zu Ende gegangen, an der - wie in den Vorjahren auch - wieder überwiegend Pilger aus den romanischen Ländern teilgenommen haben. Auch in diesem Jahr wieder konnte mit Msgr. Rey ein der Tradition verbundener Bischof für die Teilnehmer ein Pontifikalamt am Altar des Stuhles Petri in der Peterskirche zelebrieren - ein Punkt zum Nachdenken für alle, denen sich in der aktuellen angespannten Situation der Gedanke an an ein offenes Schisma aufdrängt. Und dazu noch ein zweiter Gedanke: Am Abschlußgottesdienst der Amazonas-Synode, der dann am Sonntag ebenfalls in der Peterskirche stattfand, konnten die „wiederaufgetauchten“ Pachamama-Statuen nicht teilnehmen, wobwohl Franziskus selbst das zuvor ins Gespräch gebracht hatte: Ein anscheinend beträchtlicher Teil der Bischöfe aus Südamerika hatte verlauten lassen, der Zeremonie in diesem Fall fernzubleiben. Eine größere Zahl von Bischöfen hat auch wichtigen Punkten des (rechtlich freilich in keiner Weise bindenden) Schlußdokuments der Synode ihre Zustimmung verweigert. Gleichgültig, was davon in der noch für dieses Jahr erwarteten postsynodalen Exhortation des Papstes auftauchen wird oder nicht: Die jetzt so spektakulär sichtbar gewordenen Auseinandersetzungen werden weitergehen, täglich, in jedem Land und in jeder Diözese. Ein Weglaufen ins Schisma oder in irgendeine Form von Sedisvakantismus bietet keine Rettung: Das muß ausgestanden und wo nötig auch ausgefochten werden.

Die Modernisten haben versucht, sich den Begriff der Tradition anzueignen, indem sie ihn zu „lebendige Tradition“ umdefiniert haben - etwa in dem Sinne, das alles, was vom Papst kommt oder als von ihm kommend ausgegeben wird, per se Tradition darstelle und deshalb als wohlbegründet zu akzeptieren sei. Das beruhte auf der selbstverständlichen und daher unausgesprochenen Annahme, daß der Papst, jeder Papst, immer auch in und aus der Tradition lebe, ihr dienen und sie nicht für eigene Ziele in Dienst nehmen wolle. Franziskus bricht immer wieder mit dieser Selbstverständlichkeit - das Verdienst seiner Pachamama-Synode könnte darin bestehen, das für viele kenntlich zu machen, die so etwas bisher für unmöglich gehalten haben.

Zusätzliche Informationen