Motu Proprio: Summorum Pontificum

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Zusatzinfo

"Geringe Nachfrage" nach "altem Usus" der Meßfeier?

Pro Missa Tridentina zur Entwicklung der Messorte für den alten Ritus.

26. 1. 2008

Zitat: Trier, 10.1.08 (KAP) Das Papstdokument „Summorum pontificum“ über die breitere Zulassung des „alten Usus“ (von 1962) der Messfeier hat nach Erkenntnissen des Deutschen Liturgischen Instituts in Trier keine größere Nachfrage nach Messen in dieser „außerordentlichen Form“ ausgelöst. Es seien „ein paar Briefe“ geschrieben worden, ansonsten herrsche Ruhe, sagte Institutsleiter Eberhard Amon zur deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA. Offenbar sei das bisherige Angebot von Messfeiern nach dem Formular von 1962 ausreichend gewesen. Die Deutsche Bischofskonferenz hatte auf ihrer Herbstvollversammlung im September zehn „Leitlinien“ zur Umsetzung des päpstlichen Erlasses beschlossen. Darin ist u.a. festgelegt, dass interessierte Gruppen von Laien bei ihrem Ortspfarrer einen Antrag auf eine (zusätzliche) Feier der Messe im „alten Usus“ stellen können. Nur wenn dieser ablehnt oder Gruppen aus Mitgliedern mehrerer Pfarren bestehen, ist direkt der Bischof einzuschalten.

Quelle: http://www.cursillo.at/artikel.php?Art_ID=1568

In oben zitierter Meldung wird von „Erkenntnissen des Deutschen Liturgischen Instituts in Trier" berichtet nach denen kaum Interesse an diesem altehrwürdigen katholischen Ritus bestehe.
Ein Blick auf das folgende Diagramm zeigt, daß die Realität anders aussieht:

Aus dieser Abbildung lassen sich zwei Aussagen ablesen:

  1. Die Behauptung einiger deutscher Bischöfe sowie der Deutschen Bischofskonferenz, in den vergangenen 15 Jahren seien Bedarf und Angebot an alten Messen „auf einem niedrigen Niveau stabil gewesen“, trifft nicht zu. Im Gegenteil: Es gab eine kontinuierliche, leider wegen des Widerstands in den Diözesen nur geringe, Steigerung des Angebots.
  2. 2. Wie hoch der eigentliche Bedarf ist, läßt sich an der explosionsartigen Zunahme der Meßorte seit dem Inkrafttreten des Motu proprio „Summorum pontificum“ im vergangenen Jahr erah-nen: Innerhalb von ca. 4 Monaten sprang die Anzahl der Meßorte von knapp 80 auf über 120 - eine Steigerung um mehr als 50 Prozent!

Man mag einwenden, diese Statistik beziehe sich auf die Kombination aller Meßorte in Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz. Das ist zwar prinzipiell richtig, aber wenn man Deutschland separat betrachtet, ist die Entwicklung noch dramatischer:

Ende Juni 2007, also kurz vor Veröffentlichung des Motu proprio am 7.7.2007, gab es in Deutschland 36 Orte, an denen die hl. Messe regelmäßig im überlieferten römischen Ritus gefeiert wurde. Seit dem 14.9.2007 (dem Datum, an dem das Motu proprio in Kraft trat) kamen 40(!) Orte hinzu, d.h. in weniger als einem halben Jahr hat sich die Anzahl mehr als verdoppelt.

Zieht man in Betracht, daß noch mindestens weitere 40 Gruppen in Deutschland (z.B. in Horb, Tübingen, Ulm, Konstanz, Ettlingen, Karlsruhe, Gießen, Pirmasens, Hildesheim usw.) auf eine Erfüllung ihres Wunsches nach der traditionellen römischen Liturgie warten, so wird deutlich, daß „das bisherige Angebot dieser Messform“ mitnichten „ausreichend gewesen“ ist - erst recht nicht, wenn man bedenkt, daß die Priesterbruderschaft St. Pius X. an weiteren 50 Orten in Deutschland heilige Messen im überlieferten lateinischen Ritus anbietet.

Aber nicht nur bezüglich der Anzahl der Meßorte kursieren Fehlinformationen - auch die Anzahlen der Gläubigen, die an den jeweiligen Orten die heiligen Messen mitfeiern wollen, werden konstant zu niedrig angegeben. Jüngstes Beispiel ist Freiburg: Seit dem 6. Januar 2008 wird in der schönen Adelhauser Kirche im Stadtzentrum von Freiburg alle zwei Wochen die heilige Messe im außerordentlichen Ritus gefeiert. Laut Angaben des Ordinariats lagen weniger als 10 Anfragen vor; es sei also mit 6-7 Meßbesuchern zu rechnen. Trotz kurzfristiger Ankündigung weniger als eine Woche vor dem „Start“ kamen ca. 240 Gläubige zur ersten heiligen Messe am 6.1.2008. Beim zweiten Termin (am 20.1.2008) drängten sich ca. 300 im Kirchenschiff - bereits 10 Minuten vor Meßbeginn waren alle Sitzplätze belegt, so daß noch mehr Gläubige auf die Empore sowie in den Mittelgang ausweichen mußten. 30-40 potentielle Meßbesucher gingen wieder nach Hause, weil absolut kein Platz mehr in der Kirche war.

Es bleibt zu hoffen, daß Bischöfe und Priester in Deutschland diesen geistlichen Aufschwung begrüßen und ihren traditionsverbundenen Geschwistern im Glauben großzügig Gastfreundschaft in den immer leerer werdenden Kirchen gewähren.

Weitere Informationen sind im Internet zu finden unter:

http://www.pro-missa-tridentina.org/heilige-messen/index.htm
sowie unter http://www.introibo.net/ bzw. http://www.introibo.net/gruppenbildung.htm
und unter http://www.kath-info.de/index.html

Angesichts der durch die permanent steigenden Meßort- und Meßbesucherzahlen objektiv nachprüfbaren Entwicklung stellt sich die Frage, wie Experten wie Eberhard Amon vom Deutschen Liturgischen Institut in Trier unbeirrt von einem bereits bisher ausreichenden Angebot an Meßfeiern im außerordentlichen römischen Usus sprechen können.

Daß nicht nur die Anzahl der in den Ordinarien eingehenden Einzelanträge ausschlaggebend sein kann, ergibt sich aus den Bestimmungen des Motu proprio (die in oben zitierter Meldung korrekt wiedergegeben sind): Dem von der katholischen Kirche in vielen Bereichen angewandten Subsidiaritätsprinzip gemäß, wird der Bischof erst dann hinzugezogen, wenn traditionsverbundene Gläubige und Ortspfarrer nicht zu einer einvernehmlichen Lösung finden. Wenn nur diese Problemfälle oder gar nur die direkten Anträge von Einzelpersonen an ihren Bischof gezählt werden (wie offenbar in Freiburg geschehen), während alle „niederschwelligeren“ Lösungen unberücksichtigt bleiben, ergibt sich natürlich ein stark verzerrtes Bild.

Monika Rheinschmitt, 24.1.2008