Motu Proprio: Summorum Pontificum

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Zusatzinfo

Drei Jahre Summorum Pontificum

Erfahrungsbericht 7:
Die Blockademauer von Bonn

10. 9. 2010

Seit dem Erlass von Summorum Pontificum bemüht sich eine inzwischen stark angewachsene Gruppe von Gläubigen darum, daß eine regelmäßige Sonntagsmesse in der alten Liturgie in Bonn gefeiert wird - sie rennen gegen eine Wand von Inkompetenz und offener Obstruktion. Friederike Weigmann aus Bonn berichtet.

Am 17. November 2007 stellte eine Gruppe (18 Personen) aus dem Bonner Süden einen Antrag für eine regelmäßige hl. Messe in der außerordentlichen Form bei Kardinal Meisner von Köln. Am 21.12.2007 ging ein Absageschreiben mit Hinweis darauf ein, daß die ,Kölner Kirche' die Heilige Messe nach dem Missale Romanum von 1962 bereits an vier Orten im Erzbistum Köln feiere. Die Bedingungen für eine regelmäßige Sonntagsmesse in Bonn entsprechend den Leitlinien der deutschen Bischofskonferenz seien nicht erfüllt.

Zur gleichen Zeit wurden die Gläubigen im Erzbistum mittels eines Veranstaltungsverzeichnis über zahlreiche Messen, Op Kölsch', also in kölscher bzw. rheinischer Mundart informiert, die ab diesem Zeitpunkt im Vorlauf des Rheinischen Karnevals in vielen Gemeinden gefeiert werden durften, so auch in unserer heimatlichen Pfarrgemeinde St. Marien.

Am 29.12.2007 schrieben wir an Pro Sancta Ecclesia, Initiative kath. Laien u. Priester e.V. (St.-Georg-Str. 7, 86833 Siebnach) die uns freundlicherweise Ende November über weitere dort vorliegende Anträge aus dem Bonner Raum informiert hatten. Den IKNachrichten Nr. 12/2007 entnahmen wir dann, daß Pro Sancta Ecclesia e.V. unerledigte Gruppenanträge nach Aschermittwoch 2008 an die Päpstliche Kommission Ecclesia Dei übersenden wolle. Da wir auch unseren Antrag durch die Antwort des Erzbistums nicht als erledigt betrachten konnten - schließlich hätten die interessierten Gläubigen aus dem Bonner Raum zum Besuch regelmäßiger Sonntagsmessen den weiten Weg nach Köln bzw. Düsseldorf oder sogar nach Wuppertal fahren müssen, baten wir darum, die päpstliche Kommission Ecclesia Dei auch über unsere Erfahrung zu informieren.

Ein Jahr später, am 19.12.2008 konnten wir ein Gespräch mit Pater John Nampiaparambil führen, der ab 1.1.2009 als neuer Pfarrer von den drei ab dann zusammengelegten Gemeinden St. Marien und Augustinus und St. Servatius in Bonn Bad Godesberg eingesetzt werden sollte. Das Anliegen des Gesprächs war eine Kontaktaufnahme und Information über das Angebot der Heiligen Messen in der außerordentlichen Form des Römischen Ritus in der alten Pfarrkirche St. Nikolaus in Bonn Kessenich sowie eine Anfrage aus aktuellem Anlaß, ob die Kirche St. Augustinus in Bad Godesberg, in welcher der junge Professor Joseph Ratzinger, heutiger Papst Benedikt XVI., in den 60er Jahre täglich die Heilige Messe in der überlieferten Form zelebriert hatte, für die Feier der Heiligen Messe in der außerordentlichen Form zur Verfügung gestellt werden könnte.

Pater John verwies auf den Pfarrgemeinderat, der im Mai 2009 tagen würde und dem er alles zur Entscheidung vorlegen würde. Er plane auch, mit dem Pfarrgemeinderat über eine Heilige Messe in lateinischer Sprache (nach dem Missale von 1996) zu sprechen. Allerdings betonte er, es gehe ihm nicht um eine Sonntagsmesse - obwohl bis zum Weggang des letzten Pfarrers ca. 1 1/2 Jahre vorher traditionell regelmäßig ein sonntägliches lateinisches Choralamt in der erneuerten Liturgie in der Pfarrkirche St. Marien stattgefunden hatte und von der Gemeinde immer gut angenommen worden war. Seitdem die Hl. Messe von indischen Patres in deutscher Sprache zelebriert wird, leiden alle Heiligen Messen am Sonntag unter auffälligem Besucherschwund.

Auf die Frage, ob die Gruppe von der für besondere Anlässe ungeeigneten Kirche Alt St. Nikolaus nach St. Augustinus ausweichen könnte und an wen man sich in so einem Fall wenden sollte, verwies Pater John wieder auf die Rolle des Pfarrgemeinderats, der zu befragen sei.

Wir sprachen auch noch einmal über den Antrag auf eine Sonntagsmesse in der außerordentlichen Form an, der Ende des Jahres 2007 gestellt worden war und wiesen auf das weiterhin bestehende Interesse hin. Pater John meinte, daß das Erzbistum für die Interessenten drei Orte in Düsseldorf, Köln und Bonn "bestimmt" hätte. Auf die Frage, wie er denn mit Hochzeitspaaren, die im Rahmen einer Feier in der außerordentlichen Form z. B. in der sehr beliebten Michaelskapelle unterhalb der Godesburg getraut werden möchten bzw. bei Begräbnisfeiern (die Kapelle liegt neben dem Friedhof) verfahren würde, legte er dar, er vertrete das ,Pfarrprinzip' d. h., die Gläubigen sollten z.B. in ihrer Gemeinde die Hochzeit feiern.

Da in seinen Antworten jeder Bezug zum ,Motu proprio' fehlte, überreichten wir ihm eine Zusammenfassung kanonistischer Anmerkungen zum Motu proprio SUMMORUM PONTIFICUM. Leider geriet unser Anliegen danach vollends ins Stocken, da der neue Pfarrer bereits im Sommer 2009 überraschend ein ,Sabbatjahr' in Indien ankündigte und unsere Gemeinde wieder verließ. Nach einer neuerlichen Umorganisation des Pfarrbezirks wurde ein neuer leitender Pfarrer, Pfarrer Dr. Josey Thamarassery, eingeführt, den wir am 09.06.2010 auf das weiterhin bestehende Interesse einer mittlerweile sogar größer gewordenen Gruppe an einer ständigen Sonntagsmesse in der außerordentlichen Form erinnerten.

Pater Dr. Josey Thamarassery hatte jedoch bislang nichts von den bestehenden Anträgen gehört und wollte sich dazu auch nicht äußern, bevor er sich nicht kundig gemacht hätte. Er wurde bei dieser Gelegenheit zu dem Hochamt in der außerordentlichen Form am 20.6.2010 auf dem Bonner Kreuzberg eingeladen, das von Antragstellern privat organisiert worden war, verwies jedoch auf andere Verpflichtungen. Er verabschiedete sich, ohne weiteres Entgegenkommen in Aussicht zu stellen - wir werden also erneut um einen Gesprächstermin nachsuchen müssen.

Insgesamt scheint eine Blockademauer zu bestehen, die seitens engagierter Laien kaum zu überwinden ist, ohne die zuständigen Priester umgehen zu müssen, selbst wenn man das gar nicht will. Die indischen Patres reagierten allesamt unangenehm berührt und mehr oder weniger abwehrend auf unsere Initiative. Vielen Antragsteller und Interessierte sind jedoch weiterhin nicht in der Lage, die allzu weiten Fahrten zu den bestehenden Messorten im Erzbistum Köln auf sich zu nehmen; wenigen ist es möglich, regelmäßig zur Petrusbruderschaft nach Köln oder alle zwei Wochen zu einer familien unfreundlichen Zeit am Sonntag um 17 Uhr in den Bonner Stadtteil Kessenich zu fahren (www.tridentinische-messe-bonn.de ).

Kürzlich wurde jedoch auf private Initiative hin mit Unterstützung des Fördervereins Summorum Pontificum Bonn e.V., der sich im November 2007 aus dem Kreis der Messbesucher der Hl. Messen in St. Nikolaus in Bonn Kessenich gebildet hatte, ein liturgisches Wochenendseminar ausgerichtet mit zwei Heiligen Messen in der außerordentlichen Form, von denen die Sonntagsmesse von einer überraschend hohen Zahl von 150 - 165 Besuchern besucht worden ist. Sie berichteten am 23.06.2010 auf www.summorum-pontificum.de darüber. Es sieht also so aus, als müssten die Laien es einfach 'selbst in die Hand nehmen' - eine ,participatio actuosa' der besonderen Art. Dies ist aber nur unter hohem ehrenamtlichen Einsatz möglich, der zudem von den verantwortlichen in Pfarrei und Bistum argwöhnisch beäugt und vielfach als Provokation aufgefasst wird.

Auf jeden Fall hat eine erfreuliche Gruppenbildung eingesetzt, in dem Sinne, dass man sich mittlerweile besser kennt, regelmäßig über Neuigkeiten austauscht und auch neue Interessenten dazu gekommen sind. Von Spaltung der Gemeinden kann überhaupt gar nicht gesprochen werden. Ganz im Gegenteil handelt es sich bei den Freunden der überlieferten Messliturgie überwiegend um Gottesdienstbesucher, die mit ihren Gemeinden überdurchschnittlich eng verbunden sind. Alles in allem ist eine Vertiefung der ,Liturgiefähigkeit' Einzelner, aber keine Breitenwirkung innerhalb der Gemeinden oder in der Priesterschaft, wie vom Heiligen Vater gewünscht, festzustellen. Die Spendung weiterer Sakramente in der außerordentlichen Form liegt vollkommen brach.

Einige Fragen hat das Motu Proprio offen gelassen, die aber für das weitere Vorgehen der interessierten Gläubigen präzisiert werden sollten. Wie werden die Anträge auf eine ständige Hl. Messe am Sonntag in der außerordentlichen Form behandelt, die wie im Bonner Fall nicht ordentlich beantwortet werden bzw. worden sind? Wie soll, das MotuProprio Summorum Pontificum vom 7. Juli 2007, das doch eine Sternstunde der katholischen Kirche markiert, in den Gemeinden eigentlich bekannt gemacht werden, damit die Laien in den Ortskirchen überhaupt davon erfahren?