Motu Proprio: Summorum Pontificum

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Zusatzinfo

Rom, St. Peter

Neuer Altar vor der Kathedra Petri

22. 10. 2008

Wie auf Rinascimento Sacro zu erfahren ist, gibt es seit heute einen neuen Altar vor der Kathedra Petri in der Peterskirche zu Rom. Der neue in höchst klassischem Stil gehaltene Altar ersetzt eine Broncekonstruktion der 80er Jahre, die wegen ihrer etwas merkwürdigen Formgebung auch als „Bügelbrett“ bezeichnet worden ist.

Die Gestaltung bis in die 80er Jahre:

Update 3. 11.:

Wir hatten an dieser Stelle zunächst - gestützt auf Diskussionen im Internet - behauptet, der alte Altar sei „kein Werk Berninis gewesen, sondern ein oder zwei Jahrhunderte nach dem gewaltigen Bau der Kathedra neu geschaffen und unmittelbar vor dieser aufgestellt worden“. Ein Kunsthistoriker unter unseren Lesern hat dagegen Einspruch erhoben und mit mehreren Bildern belegt, daß der Altaraufbau beginnend mit den Entwurfszeichnungen Berninis bis zu späteren Darstellungen auf Stichen oder Gemälden immer mit einer Mensa ausgestattet dargestellt wird. Zwei seiner Scans geben wir hier wieder: Links die Vorlage für den offiziellen Stich zur Weihe aus dem Jahr 1666 und rechts die Darstellung einer Messe mit Pius IX. von Louis Haghe aus dem Jahr 1864. Danach haben also die Volksaltar-Totalitaristen der 80er Jahre tatsächlich in den Originalbestand des Kunstwerks eingegriffen, um - völlig im Widerspruch zum geltenden Recht der Kirche - auch an dieser Stelle ihrer Ideologie Ausdruck zu verleihen.

Die Mensa des Kathedra-Altars:


Das Bügelbrett:

Die Einwände gegen diesen Altar richteten sich wohl weniger gegen seine durchaus würdige Gestaltung an sich, sondern dagegen, daß sowohl diese Form an diesem Ort als auch die Umstände seiner Aufstellung in einer „Nacht- und Nebel-Aktion“ als Provokation und sinnbildlicher Ausdruck der Hermeneutik des Bruches aufgefasst wurden – zu Recht, wie uns scheint.


Der neue Altar im traditionellen Gewand:

Bauweise und Material des Altars sind nicht zu erkennen. Es sieht fast so aus, als ob die Front aus einem durchbrochen gearbeiteten Metall-Antependium bestünde, hinter dem Tücher weitergehenden Einblick verwehren. Es handelt sich jedenfalls nicht um den mit einem Antependium verkleideten Broncealter - der wurde ausweislich anderer Photos auf Rinascimento Sacro tatsächlich abgebaut und wartet in der Sakristei auf den Abtransport.


Die Aufstellung im Raum:

Auf dieser Aufnahme wird sichtbar, daß das Holzpodest des Altares vorne und hinten gleich breit ist - von daher ist eine Zelebration in Richtung auf die Kathedra jedenfalls nicht ausgeschlossen. Man müßte nur noch einen Läufer auflegen. Die ganze Konstruktion und die Art ihrer Aufstellung – nämlich ebenfalls anscheinend „über Nacht“ und ohne Maurerarbeiten – läßt vermuten, daß es sich um eine leicht bewegliche Anlage handelt – wie geschaffen, um einmal näher an die Kathedra heranzurücken.

Die absolut unpassenden Kerzenleuchter und das merkwürdige Kruzifix sind möglicherweise eine Konzession an die Touristen, denen man nicht die Sicht auf die Kathedra verstellen will - moderne römische Sakristane sind gegen diese Art der Behinderung der freien Sicht sehr empfindlich. Es wäre aber keine Überraschung, dieses Arrangement im Ernstfall durch eines mit traditionelleren Größenrelationen ersetzt zu sehen.