Motu Proprio: Summorum Pontificum

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Zusatzinfo

Oerlinghausen, Nordrhein-Westfalen

„Die alte lateinische Messe will zum Wesentlichen hinführen“

Pfarrer Markus Pohl, Oerlinghausen, in seinem Pfarrbrief zu Summorum Pontificum.

12. 2. 2010

Seit Beginn dieses Jahres feiert Pfarrer Markus Pohl jeden Samstag in einer Kapelle seiner Diaspora-Pfarrei im nordrhein-westfälischen Lipperland eine hl. Messe in der außerordentlichen Form des römischen Ritus. In seinem Pfarrbrief hat er die „Neuerung“ folgendermaßen vorgestellt:

Antoniuskapelle In Oerlinghausen

Verstehen sie die Lieder von Herbert Grönemeyer? Also, vom Text meine ich. Vieles verstehe ich nicht, er singt so undeutlich. Und trotzdem finde ich viele Lieder von ihm schön. Zum Glück liegt ja in den CDs ein Textheft, indem man nachlesen kann. Die Melodie und wie er es singt, das geht ins Ohr und mehr noch ins Herz. Es gibt neben dem Verstehen des Kopfes auch ein verstehen des Herzens.

Haben sie schon einmal darüber nachgedacht, dass die Zuschauer im Kino, im Fußballstadion oder im Theater, die vor ihnen sitzen, ihnen den Rücken zukehren? Nein? Warum auch, es stört nicht, weil sie gemeinsam mit den anderen auf das gleiche hinschauen: Fußballspiel, Kinofilm oder Theaterstück. Sie schauen gemeinsam in die gleiche Richtung.

Wäre es nicht schön, wenn man, egal wo man gerade hinfährt, nach Mallorca oder Mailand, San Francisco oder Sao Paulo, Dakar oder Delhi, sich über die wichtigsten Dinge in einer Sprache austauschen könnte und nicht im Sprachenwirrwarr stumm bleibt.

Pfarrer Markus Pohl

Diese drei Überlegungen möchte ich einmal anstellen zum Schreiben des Papstes „Summorum Pontificum“ von 2007 über die Liturgie, die Feier der Heiligen Messe im alten, lateinischen Ritus. Es ist die Messe, die unsere Eltern als Kinder, unsere Großeltern und Urgroßeltern vorgefunden und gefeiert haben.

Es ist die Messe aller Menschen, die wir als Heilige verehren und die vor 1970 gestorben und in die Herrlichkeit des Himmels, von dem die Kirche und die Heilige Messe ein Vorgeschmack sein wollen, eingegangen sind.

Es ist die Messe, die sich seit der Liturgiereform so nicht oder kaum noch finden ließ in deutschen Gemeinden, obwohl sie doch bis 1970 die übliche Messe in allen Kirchen der Welt gewesen ist.

Sie ist lateinisch und schlägt den Bogen bis zur Sprache der Kreuzesinschrift, zu Pontius Pilatus und den frühen Christen.

Sie ist lateinisch und wird gefeiert, wie sie im Messbuch steht, und entzieht sich so der „Kreativität“ von Priester oder Gemeinde. Sie ist objektiv.

Sie ist bis auf Papst Gregor den Großen (+ 604) und darüber hinaus zurück zu führen.

Sie ist lateinisch und damit wirklich „katholisch“ – allumfassend, international.

Ich habe mal in Antwerpen in einer Kirche zur Messe gestanden, mit Flamen und Wallonen, Deutschen und Afrikanern, und wir haben das lateinische Glaubensbekenntnis gesungen: Da ging mir auf, dass wir eine große Familie der Glaubenden sind.

Das können wir immer wieder erleben, an den großen Wallfahrtsorten wie Rom, Lourdes, Santiago de Compostela oder Jerusalem. Wir können gemeinsam singen und beten, in der einen Sprache der Kirche. Schade, dass diese internationale Sprache gerade in Vergessenheit geriet, als die Menschen mit Urlaub und Reisen gerade so richtig mobil und international wurden.

Es ist die gleiche lateinische Messe, die zeitlich und räumlich die Menschen der einen Kirche verbinden kann, über Jahrhunderte und Kontinente. Vor einigen Jahren war es ein Poplied von der Gruppe Enigma, das viele junge Menschen erstmals mit dem Lateinischen, gregorianischen Choral bekannt gemacht hat, einer Musik, die in den Charts auftauchte, weil sie aus den Kirchen verschwunden war.

Die alte lateinische Messe will zum wesentlichen hinführen: Zu Jesus Christus, der am Kreuz für uns gestorben ist und wie die Sonne am Morgen im Osten aufgeht, auferstanden ist. Deshalb schauen Priester und Gemeinde gemeinsam nach Osten.

Tabernakelweihe in der Antoniuskapelle

Ich habe diese Messe nicht gekannt, bin 1970 geboren. Wie fasziniert bin ich gewesen, als ich sie im Studium das erste Mal erlebt habe.

Die gewohnte neue, deutsche Messe bleibt, wie der Papst festgestellt hat, die ordentliche Liturgie der katholischen Kirche. Da braucht sich niemand ängstigen.

Beim päpstlichen Schreiben geht es nun daneben um eine außerordentliche Liturgieform und eine Bereicherung unserer Gottesdienste. So, wie es besondere Messen für Kinder, Familien oder Verbände (Schützen, Jäger, Kolpingsfamilien) gibt, darf es jetzt auch Heilige Messen in der alten lateinischen Form geben.

Die alte Messe in Latein wird für ganz viele Menschen des Jahres 2010 eine „Neue“ Form der Messfeier sein, weil sie zunächst ungewohnt und fremd sein wird. Aber gerade viele junge Menschen haben sich schon an den Orten eingefunden, wo die Heilige Messe auch bisher schon in der alten Form gefeiert wurde.

Lassen wir uns doch darauf von neuem ein, auf diese Form der Gottesbegegnung, auf das Mysterium, das Geheimnis der wirklichen Gegenwart Gottes bei uns. In unserem Pastoralverbund feiern wir seit Januar an jedem Samstag um 9 Uhr die Heilige Messe als Lateinische Messe in der außerordentlichen Form des römischen Ritus in der St. Antoniuskapelle in Oerlinghausen.

Darüber hinaus wird auch in der normalen Sonn- und Festtagsmesse immer wieder einmal ein Gesang oder Gebet in der lateinischen Sprache zu finden sein, wie es ja auch das II. Vatikanische Konzil sagt: „Es soll jedoch Vorsorge getroffen werde, dass die Christgläubigen die ihnen zukommenden Teile des Mess-Ordinariums auch lateinisch miteinander sprechen oder singen können.“ (SC 54), ferner „Der Gebrauch der lateinischen Sprache soll in den lateinischen Riten erhalten bleiben; der Gebrauch der Muttersprache kann in den Lesungen und in einigen Orationen nützlich sein“ (vgl. SC 36).