Vom gegenwärtigen Niedergang des Papsttums, den aktuellen Schismen und der Kirche aller Zeiten.
11. Februar 2026
Von P. Joachim Heimerl v. Heimthal
G. P. Pannini: Einsamer Prediger in römischen Ruinen
Jahrhundertelang war die innere Einheit das Wesensmerkmal der römischen Kirche, mit dem sie sich von anderen Glaubensgemeinschaften unterschied. Äußerlich wurde diese Einheit an zwei Dingen sichtbar: am überlieferten Messritus und der lateinischen Sprache. Doch 1969 war es darum geschehen: Das Junktim, das alle Katholiken miteinander verband, zerbrach; ihre Einheit in Sprache und Liturgie ging verloren.
Rasch folgte der neuen Pluralität der Liturgiesprache eine wirre Pluralität „katholischer“ Lehrmeinungen nach, die sich ihrerseits in einer pluralen Zelebration der Messe niederschlugen. Niemand hielt sich mehr an die Vorschriften des Messbuchs, ebenso wenig an die Lehren des Katechismus. Die Einheit der Kirche war dem Modernismus und Individualismus zum Opfer gefallen, und bestenfalls besteht sie seitdem in einem allgemeinen Zerbersten: Was „katholisch“ sein soll, bestimmen fehlgeleitete Bischöfe, bei der Feier der Heiligen Messe herrscht weitgehend Anarchie.
In Deutschland nennt man dieses Phänomen „anders katholisch“, und gerade der „Synodale Weg“ der Deutschen hat die Einheit der Kirche als Fiktion entlarvt: Die katholische Kirche gibt es heute so wenig wie den katholischen Glauben oder die Einheit mit dem Papst, auch wenn man sie gebetsmühlenartig überall beschwört. - Sehen wir uns um: Wer glaubt denn noch, was alle Päpste gelehrt haben und was bis heute im Katechismus steht? Und wer ist in diesem Sinn katholisch?
Geht man unter diesem Gesichtspunkt die Bischofsernennungen unter Franziskus und Leo XIV. durch, fällt eine Übereinstimmung auf: Fast alle Neuernannten stellen den Katechismus in entscheidenden Punkten in Frage. - Kann man das tun und mit dem Papst in „Einheit“ sein oder besteht diese Einheit am Ende in der Aufweichung des Glaubens? Und: Können es wirklich nur päpstliche Fehlgriffe sein, die solche Leute ins Amt bringen? - Gewiss: Hier tut sich eine Frage über dem Abgrund auf: Ist das Amt der Einheit auch ein Werkzeug der Spaltung? Und ist der Papst womöglich (auch) jene doppeldeutige Figur, die einst schon Simon Petrus war? Spätestens das Pontifikat von Franziskus stellt hier einen Zäsur in der Geschichte dar: Erstmals wich ein Papst von der bisherigen Lehre ab und verfolgte diejenigen, die ihr treu blieben, mit offener Feindseligkeit. Die Einheit die Kirche wurde zur Quadratur des Kreises: Wer den katholischen Glauben verteidigte, konnte mit Franziskus nicht übereinstimmen. In bestem Fall blieb es bei Lippenbekenntnissen oder „theologischen“ Purzelbäumen; die „Einheit“ mit dem Papst wurde zur Parodie.
An diesem Punkt sind wir auf der Rückseite des Problems angelangt: Wo keine Einheit mit dem Papst besteht, besteht ein Schisma, und man ist geneigt zu sagen, dass die Kirche heute mehr von Schismen durchzogen als in Einheit verbunden ist.
Franziskus hat dies in dem Maße sichtbar gemacht, in dem er selbst in Widerspruch zu seinem Amt geriet, und ersetzte die Einheit im Glauben durch seine „synodale Häresie“. Letztlich verfolgte er damit die gleiche Agenda wie der deutsche „Synodale Weg“.
Was in Deutschland jedoch das Vorhaben einer glaubenslosen „Elite“ blieb, entgleiste unter Franziskus ins Pseudo-Spirituelle: Seitdem wird das „synodale“ Wirken des Heiligen Geistes offiziell gegen die Lehre Kirche ausgespielt; der von vielen verehrte Kardinal Zen (Hongkong) nannte dies zurecht eine ungeheure „Blasphemie“.
Franziskus hat damit nichts weniger ein latentes Schisma provoziert, und Leo XIV. setzt seinen Weg unbeirrt fort. Offensichtlich ist der Zustand des Schismas in der Kirche inzwischen so selbstverständlich geworden, dass sich einschließlich des Papstes niemand mehr daran stört. - Kein Wunder, wenn man das „synodale“ Schisma der Deutschen in Rom gar nicht als „Schisma“ verstehen will, sondern als „Ungleichzeitigkeit“ auf einem gemeinsamen „Weg“.
Dass die Einheit im Glauben und in der Wahrheit nie eine „ungleichzeitige“ sein kann, versteht sich jedoch von selbst, und nur eine „Einheit“ im Unglauben, kann derartigen Unsinn hervorbringen.
Wie die Dinge liegen, will und kann der Papst die Einheit inmitten der Kirche nicht mehr gewährleisten; der Niedergang des Papsttums ist damit im vollen Gange. Dementsprechend werden Häresien und Schismen nicht mehr sanktioniert, zumindest dann nicht, wenn sie von jenem Mainstream des Modernismus getragen sind, der heute in der „synodalen Kirche“ en vogue ist . Katholiken, die auf die überlieferte Messe und den bisherigen Glauben bestehen, werden dagegen mit vielfältigen Repressionen verfolgt. - Was der Kirche zu allen Zeiten heilig war, gilt heute als „schismatische“ Gefahr.
Deutlicher könnte sich der Geist dessen nicht zeigen, der alles ins Gegenteil verkehrt – ja, ich meine den Geist des „Diabolos“, jenen Ungeist, der nach Goethe „stets verneint“. Er hat die Kirche gekapert und verfolgt jene unerbittlich, die treu zum Glauben stehen.
Am deutlichsten wird dies an der „Priesterbruderschaft St. Pius X.“ , die jüngst mit ihrer Ankündigung, Bischöfe ohne Erlaubnis des Papstes zu weihen, Aufsehen erregt hat.
Natürlich wäre eine solche Weihe ein schismatischer Akt; so sagt es das Kirchenrecht glasklar. Allerdings ist es nicht einzusehen, weshalb dieses „Schisma“ gravierender sein sollte als die anderen Schismen, die der Papst stillschweigend akzeptiert!
Wir erinnern uns: In Deutschland haben sich die Bischöfe offiziell von maßgeblichen Punkten des katholischen Glaubens verabschiedet und eine laikale „Reformkirche“ geschaffen, in der vorzugsweise - weibliche - Laien die Priester ersetzen (Taufe, Predigt). Darüber hinaus gibt es „Gottesdienste“ zur „Segnung“ homosexueller und ehebrecherischer Paare; weite Teile der katholischen Moral und Anthropologie werden offiziell ins Gegenteil verkehrt. Deutlicher könnte ein Schisma nicht sein. Eine wirksame Intervention des Papstes blieb jedoch aus und jeder deutsche Bischof weiter im Amt. Dagegen wird der päpstliche Bannstrahl die „Priesterbruderschaft St. Pius X“ mit aller Härte treffen.
Spätestens hier stellt sich uns die Frage nach der Wahrheit, die in diesem Fall die Frage nach der wahren Kirche ist. Dabei sieht es jedoch nicht danach aus, dass die Gleichung „Kirche = Papst“ heute so simpel aufgeht wie früher.
Die „Priesterbruderschaft St. Pius X.“ hat für dieses Problem eine sympathische Lösung: Sie anerkennt den jeweiligen Papst, distanziert sich aber von den Irrtümern, die in der Kirche Fuß gefasst haben, und beruft sich stattdessen auf die „Kirche aller Zeiten“.
Das ist zweifellos richtig, und zutiefst katholisch ist es auch. Dennoch bleibt eine Schwierigkeit: Die „Kirche aller Zeiten“ steht konträr zu vielem, was Päpste wie Franziskus und Leo XIV. verkünden, und spätestens hier stellt sich die Lösung der Bruderschaft als (begründete) Notlösung heraus; die „Einheit“ mit dem Papst kann kein fortdauernder Formalismus sein.
Ich gebe zu: Eine bessere Lösung habe ich auch nicht. Gleichzeitig kann es aber so, wie es jetzt ist, nicht länger weitergehen. Wenn der Papst nur eine Symbolfigur bleibt und die Einheit im Glauben nicht wiederherstellt, wird die katholische Kirche so sicher daran zerbrechen, wie sie jetzt schon gespalten ist. Die „Kirche aller Zeiten“ wird dies überstehen, müsste sich dann aber in ihrem Verhältnis zum Papstamt und in der Person des Papstes neu orientieren. Das klingt nach mittelalterlichen Zuständen, nach Papst und Gegenpapst und allem, was scheinbar hinter uns liegt. - Vorbei die Zeit, in der man glaubte, die Kirche habe sich in der Neuzeit (endlich) konsolidiert. Stattdessen scheint sie in jene äußerste Verwirrung zu geraten, die der Wiederkehr des Herrn vorausgehen soll. Nur ER wird am Ende überwinden, was kein Papst mehr überwinden kann, und dies allein wird unsere Hoffnung sein, wenn sich erfüllt, was die Selige Jungfrau in La Salette vorausgesagt hat: „Rom wird den Glauben verlieren und Sitz des Antichrists werden.“
Ich selbst nehme diese Warnung sehr ernst, mögen sie „fromme“ Spötter auch belächeln. Die Vorzeichen, die wir gegenwärtig sehen, sprechen dagegen eine klare Sprache.
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