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Happy Ramadan – oder was in der Kita so alles (nicht) stattfindet

03. März 2026

Von Pfarrer Guido Rodheudt

6 - Kirchenkrise

Das am Abend aufgenommene Photo zeigt einen belebten Straßenabschnitt in Frankfurt, der mit Festbeleuchtung zum islamischen Fastenmonat geschmückt ist. Die Aufschrift wünscht „Happy Ramadan“

Nicht in Islamabad, auch nicht in Kairo, sondern in Frankfurt/Almanistan.

Festbeleuchtung zum Beginn des Fastenmonats in Frankfurt. Und natürlich mit dem amerikanischen „Happy“ wie in „Happy Xmas“. Der Islam gehört zwar zu Deutschland, wie man uns sagt und zeigt - aber nicht unbedingt auch die deutsche Sprache.

Die Gesellschaft macht hier nur nach, was die Kirche ihr seit 1965 vormacht und auch in diesem Jahr wieder mit einer vatikanischen Grußbotschaft an die Menschen im „Friedensreich des Islam“ (umma) mit warmen Worten bekräftigt.

Was auf Dauer bei derlei herauskommt, hat Pfarrer Guido Rodheudt (Herzogenrath) kürzlich beim Besuch einer Kita in seinem Sprengel gleichsam „in statu nascendi“ beobachtet und im Rahmen eines größeren Beitrags („Melatonin“) über bemerkenswerte Zeiterscheinungen im besten Deutschland aller Zeiten auf dem lesenswerten wert-konservativen Online-Magazin „Corrigenda*“   veröffentlicht. Wir bringen einen in sich ungekürzten Ausschnitt.

Aschermittwoch, 18. Februar 2026. Ich halte als Pfarrer eine Reihe von kleinen informellen Gottesdiensten für unsere Kindergärten. Vor der Austeilung des Aschenkreuzes versuche ich in kleinkindgemäßer Weise die christliche Vorstel­lung von Erlösung zu vermitteln, die im Tod Jesu liegt und in seiner Auferstehung. Das Kreuz aus Asche gibt die Steilvorlage: Es geht um die eindrückliche Erinnerung an die eigene Vergänglichkeit bei gleichzeitiger Hoffnung auf die Auferstehung, die durch das Sterben des Gottessohnes am Kreuz erworben wurde. Eine an sich schwere Kost für den menschlichen Verstand, aber dennoch ein christliches Erbe, das man für jede Alters­grup­pe aufbereiten kann und muss.

Nun weiß jeder, der sich mit Seelsorge beschäftigt, dass es mit der Kenntnis derartiger Grundlagen des Glaubens bei der überwiegenden Mehrheit der Kinder nicht weit her ist. Die meisten wachsen innerhalb ihrer Patchworkfamilien – trotz Taufe – im Tal der Ahnungs­losen auf, was die Begegnung mit den wesentlichen Linien des Christentums angeht. Traf man vor Jahren noch auf rudimentäres Wissen, das die Oma in ihre Erzäh­lungen oder die Kindergärtnerin in das Gießwasser des Erziehungssystems eingespeist hatte, so herrscht an dieser Stelle heute weitgehend Fehlanzeige.

Die biologische Oma weiß – ebenso wie die neu hinzugekommene Lebensabschnitts­partnerschaftsoma – allenfalls, dass Jesus alle Kinder liebt. Aber beide Omas wissen selbst wenig bis nichts zu der Frage zu sagen, wieso „dieser Jesus“ da am Kreuz hängt. Und die Erzieherin der KiTa ist in der Regel persönlich ebenso bar jeder Information über den christlichen Glauben. Da helfen auch katholische Trägerschaften von Kinder­gärten wenig, denn deren Qualitätsmanagement legt seitens der Diözesen und Caritas-Fachaufsichten größten Wert auf ein paritätisches Religionsklima in den Einrichtungen. Substanzielle Verkündigung eines christlichen Bekenntnisses mit exklusivem Wahrheits­anspruch riecht nach Fundamentalismus und ist deswegen gesichert „rechts“. Und so werden in den kirchlichen KiTas in der Regel die Religionen wertneutral nebeneinan­der­gestellt. Man spricht ausgeglichen proportional über Weihnachten und über das Zucker­fest. Wobei es im Bereich der religiösen Bräuche sogar meistens zu einem Übergewicht an Vermittlung muslimischer Eigenheiten kommt und man den Verzicht auf schweine­fleisch­haltige Lebensmittel oder nicht halal hergestellte Gummibärchen gleich für die gesamte Kindergartenbelegschaft verordnet.

Dass man als Katholik freitags, am Todestag Jesu, auf Fleisch verzichten soll – dem wird weniger Bedeutung beigemessen, und zwar in der Regel deswegen, weil dieser Zusam­men­hang bei Erziehern und Eltern allgemein unbekannt ist. Während die muslimische Elternschaft auch in den kirchlichen Kindergärten selbstbewusst Respekt vor dem Islam verlangt, fordert die christliche Elternschaft diesbezüglich für ihre Religion nichts. Und zwar weil sie gar nicht weiß, was sie einzufordern hätte. Im Vergleich zur muslimischen Klientel ist die zwar getaufte, aber nicht weiter christlich sozialisierte Klientel stets bereit, anspruchslos zu sein. Klar, wer seinen Anspruch nicht kennt, kann ihn auch nicht einfordern.

Aber zurück zum Aschermittwoch 2026. Ich versuche also, mir vor der Auflegung des Aschenkreuzes ein Bild davon zu machen, was die Kinder eventuell schon über Fasten­zeit und über den Tod Jesu am Kreuz wissen. Bislang gab es die Erfahrung, dass kleine Versatzstücke christlichen Glaubens die Kinder bereits erreicht haben, nachdem sie schließlich ihren Alltag je nach Verfügbarkeit der Eltern bis zu fünfundvierzig Stunden (!) in der Woche in einer christlichen Einrichtung verbringen (müssen).

Und also frage ich bei den Kleinen sicherheitshalber nach: „Heute ist Aschermittwoch. Heute starten wir in eine besondere Zeit. Wer weiß denn, wie diese Zeit heißt?“ Die spontane Antwort im Chor der Kinder: „Fastenzeit!“ Super, denke ich! Gewonnen! „Wer weiß denn, was man in dieser Zeit Besonderes macht?“ Auch hier schnellen die Finger empor: „Man hört morgens auf zu essen und zu trinken. Und wenn es am Abend dunkel wird, kann man wieder essen und trinken!“ Aaaaja....! Da hat wohl schon die Konkurrenz ganze Arbeit geleistet. Oder es ist im kirchlich verordneten Diversitäts- und Vielfalts­pro­gramm der frühkindlichen Religionspädagogik etwas schiefgelaufen.

Gut, das können wir jetzt in der Kürze der Gottesdienstzeit nicht vertiefen. Also meine nächste Frage, um das Ganze in die richtige Richtung zu lenken: „Wer weiß denn, wie Jesus gestorben ist“? Kinderantwort Nummer eins: „Er wurde mit der Pistole erschos­sen!“ Antwort Nummer zwei: „Er hat eine Fischgräte verschluckt!“

Na gut, denke ich, einer hat immerhin kürzlich beim Blasius-Segen aufgepasst, den die Kinder am 3. Februar, dem Fest des gleichnamigen armenischen Märtyrerbischofs, empfangen hatten, der deswegen in die Kirchengeschichte einging, weil er durch sein Gebet und seinen Segen ein Kind vor dem Ersticken an einer Fischgräte bewahrt hatte. Okay, man darf ja mal etwas verwechseln ...

Aber die Idee, Jesus sei durch Erschießung hingerichtet worden, lässt einen stutzig werden, was die allgemeine Lage der Glaubensverkündigung im Raum einer kirchlichen Institution betrifft. Denn die geschilderten Stichproben fanden ja nicht im anthropo­sophischen Waldorfkindergarten oder im „Waldkindergarten Haselmäuse“ statt, sondern in einer gängigen katholischen KiTa.

Mir liegt jetzt an dieser Stelle nichts daran, im konkreten Fall nach Schuldigen zu suchen, die für die offensichtlichen Defizite in der Glaubensvermittlung verantwortlich sind – zumal ich ja den Kindergartenalltag in unseren Einrichtungen kenne und die Herausfor­de­run­gen, mit denen sich die wenigen katholisch profilierten und den Glauben prakti­zierenden Mitarbeiterinnen in Fragen der religiösen Prägung konfrontiert sehen.

Aber grundsätzlich gilt: Landauf, landab fokussieren sich beim Thema Religion die seitens der Diözesen verabreichten Weisungen weniger auf das Vermitteln einer Gottes­beziehung als auf Alltagsimpulse, die sich aus „Erzählungen“ des Alten und Neuen Testa­ments für die Handlungsoptionen der Menschen ergeben. Wertschätzung, Gerechtigkeit, Schöpfungskompatibilität, Fairness und andere „christliche Werte“ sind das Ziel der Ver­mittlung. Schön und gut. Aber eine Kontaktaufnahme mit Jesus Christus ist eher nicht im Vordergrund.

Auch bei Gottesdiensten kommt es in erster Linie darauf an, die „Werte“ zu „feiern“ und ein ethisches Konzept in paraphrasierter oder rituell umgarnter Form zu vertiefen. Man nennt dies dann zwar „Spiritualität“, meint aber damit letztlich nur eine Art verbrämte Selbstreflexion zur Bewusstseinschaffung. Dies setzt nicht unbedingt die Annahme einer realen Gott-Mensch-Beziehung voraus, sondern chiffriert humanistische Grundhaltun­gen mit Begriffen wie „Gott“ und „christlich“, ohne dabei einen Glaubensakt einzufor­dern, der sich als Antwort auf eine reale Offenbarung versteht.

Das christliche Credo ist eben nicht das Für-richtig-Halten von Handlungsmaximen, sondern das Ja-Sagen zu einem persönlichen Gott, der geliebt und angebetet werden will. Zu dieser Dimension jedoch stößt das handelsübliche Buntheits- und Diversitätspro­gramm der regulären KiTa-Religionspädagogik nicht vor. Kultisch-persönlich wird man allenfalls, wenn man sich ins Gespräch mit „Mutter Erde“ begibt, bei der man sich für deren Ausbeutung verbal und rituell entschuldigt.

Dieser flüchtige Blick in den Maschinenraum kirchlicher Bildungsinstitutionen lässt sich durchaus noch weiten. Er beschreibt den weitgehenden Verlust des eigentlich Religiösen im Raum der Kirchen. Das von Jesus Christus zur Verkündigung beauftragte Gottes­ver­hältnis wird mangels Verkündiger und aufgrund von Bedeutungsänderungen in den Begrifflichkeiten in ein allgemeines und in seinem Wesen auch ziemlich fließend ver­änderliches Wertekonzept umgetopft. Dort sind dann auch die Konturen zu den Nicht- oder Andersglaubenden nicht mehr so scharf und in der bunten Säkularismuswelt besser verwischbar.

Mit Dank an Autor und Corrigenda* für die Genehmigung zur Nachveröffentlichung

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