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Das Erscheinen eines Kometen und
die Bekehrung der Kirche
zur katholischen Tradition.

03. Februar 2026

von P. Joachim Heimerl von Heimthal

3 - Tradition

Das vom Rathausturm aus aufgenommene Photo zeigt im Vordergrund rechts eine Engelsstatue, und im größeren Bildteil und Hintergrund die Trümmerwüste nach dem Bombenangriff britischer und amerikanischer Flugzeuge.

Ein Schutzengel ist noch übrig

Es gibt Dinge, die wie ein Komet die Nacht erhellen, und manchmal scheint es, als wür­den sie das Ausmaß der Nacht in ei­nem Augenblick erfahrbar machen.

Als die „Priesterbruderschaft St. Pius X“. ankün­digte, ohne die Erlaubnis des Papstes eigene Bischöfe zu weihen, war dies so ein Augenblick: Die Nacht der Kirche wurde so hell, dass man die Finsternis nicht übersehen konnte, die viel zu lange auf ihr lag.

Missverstehen Sie mich nicht: Ich halte die Bruderschaft nicht für eine „himmlische Erscheinung“ und es geht mir hier nicht um sie. Mir geht es darum, was ihre Ankün­di­gung sichtbar macht, nämlich den Zustand der Kirche seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil.

Diesen Zustand möchte ich als „dunkle Nacht“ beschreiben, und das Schlimme ist: Wir haben uns an ihn gewöhnt.Wir haben uns daran gewöhnt, dass sich die Kirche grund­legend verändert hat, und daran, dass sie zu vielem im Widerspruch steht, was sie vorher gelehrt und geglaubt hat.

Im Grunde haben wir es heute mit einer „neuen“ Kirche zu tun und schweigen dies seit 60 Jahren tot; wir verschließen die Augen und hören auf die, die auffallend penetrant behaupten, das Konzil habe den Glauben nicht verändert, sondern lediglich „vertieft“. Kurz: Wir lassen uns wie Kinder hinters Licht führen und uns die größte Zäsur der Kir­chengeschichte mit einem Taschenspielertrick wegerklären. - Die Nacht der Kirche ist unsere eigene Nacht!

Dass sie auch eine Nacht des Papsttums ist, versteht sich von selber: Kein Papst wagte bislang, die verheerenden Folgen des Konzils zu korrigieren; das Papstamt fällt an diesem Punkt de facto aus. Stattdessen affirmiert ein Papst nach dem anderen die „Errungenschaften“ des Konzils. Das fällt leichter und ruft keinen Widerstand hervor, und nur Benedikt XVI. wagte jene Ausnahme, die die Regel bestätigt; er hat sie teuer bezahlt.

Dass diese Entwicklung nicht gut gehen konnte, war a priori klar. Dennoch schlingerte die Kirche Jahrzehnte ins Dunkel und erreichte unter Papst Franziskus die Mitte der Nacht.

Franziskus war der erste Papst, der Häresien verkündete, sündhafte Beziehungen segnen ließ und das Heilswerk Christi relativierte. Dass er beabsichtigte, eine „synodale“ Kirche einzuführen, propagierte er als Konsequenz des Konzils. Zugleich war es eine Häresie eigener Art, die behauptete, der Heilige Geist könne sich heute im Widerspruch zu sich selbst offenbaren.

Wie es aussieht, setzt Leo XIV. das „synodale“ Zerstörungswerk seines Vorgängers fort. - Die „letzte Frucht“ des Konzils wird wohl seine giftigste sein.

Allerdings hat Franziskus nicht nur die Kirche, sondern auch das Papsttum beschädigt. Die Autorität des Papstes ist seitdem dahin; seine Willkür hat die Vollmacht des Petrus­amtes ins Absurde überdehnt. - Daran kann auch Leo XIV. nichts ändern. Wenn der Papst nicht mehr der Garant des katholischen Glaubens ist, zählt das Papstamt nicht mehr, zumindest nicht in den Punkten, in denen es sich vom überlieferten Glauben verabschiedet hat. Damit sind wir wieder bei der „Priesterbruderschaft St. Pius X.“ angelangt, die auf dem unverfälschten Glauben vor der Konzil besteht, und auf die Messe, die diesen Glauben bekennt. Dass dies mit einer Ablehnung der nachkonziliaren Kirche und der synodalen Häresie verbunden ist, versteht sich von selbst.

Daran, dass die Bruderschaft Bischöfe weihen will, scheiden sich deshalb die Geister, und alles, was sich in der „dunklen Nacht“ verbarg, erstrahlt im hellsten Licht: Die von den Aposteln überlieferte Kirche ringt mit der neuen, und beide können nicht nebenei­nan­der bestehen. Es gibt eben nur eine Kirche und eine Wahrheit, und die ist so wenig teil­bar wie Christi Gewand.

Gleichzeitig zerbricht die nachkonziliare Kirche vor aller Augen. Sie zerbricht an der Zäsur, die sie zu lang verleugnet hat. Sie zerbricht aber auch daran, dass sie sich vom Glau­ben der Apostel entfernt hat und sich nicht zu sich selbst bekehren will: zur wahren Braut Christi, zur Kirche vor dem Konzil. - Im Licht des Kometen breitet sich ein Scher­benhaufen vor uns aus.

Die Frage, ob die Weihen der „Piusbruderschaft“ schismatisch sind, stellt sich vor diesem Hintergrund nicht mehr. Im Gegenteil: Die hitzige Debatte, die darüber entstanden ist, illustriert die Zerrissenheit der Kirche und gibt sie der Lächerlichkeit preis. Sie gleicht jener traurigen Figur aus der Commedia dell' arte, die niemand ernst nimmt und jeder bedauert. — Am Ende ist es ein Akt der Barmherzigkeit, dass sie die Finsternis ver­schluckt.

In frömmeren Zeiten verstand man das Erscheinen eines Kometen als Aufruf zur Um­kehr, und auch wenn dies Umkehr der nachkonziliaren Kirche kaum möglich scheint, ergeht dieser Aufruf an uns selbst. Wollen wir katholisch sein, können wir nicht auf einem finsteren Scherbenhaufen sitzen, um eines Tages mit der neuen Kirche so prote­stantisch zu werden, wie es die „katholische“ Kirche in Deutschland heute schon ist. Aber wenn WIR umkehren, wird es die ganze Kirche tun, und und deshalb ermutige ich Sie: Bekehren Sie sich zur wahren Braut Christi, bekehren Sie sich zur katholischen Tradition!

Natürlich werden Sie mich am Ende fragen, wie ich zu den angekündigten Weihen der „Piusbruderschaft“ stehe, und ich sage sehr klar: Wenn der Papst nicht bereit ist, die überlieferte Lehre und Liturgie der Kirche zu schützen, ist es die Pflicht jedes Gliedes der Kirche, dies selbst zu tun. Deshalb kommt die Bruderschaft an den Weihen, wie es aus­sieht, nicht vorbei. - Wer will, kann darin einen „schismatischen“ Akt sehen. Wer aber bereit ist, die Dinge tiefer zu sehen, sieht in den Weihen ein helles Zeichen. - Ich glaube nicht, dass Leo XIV. dies erkennt. Die Scheuklappen der Päpste sitzen dafür seit dem Konzil zu fest.

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