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Das Evangelium des 3. Fastensonntags und seine Warnung vor der Realität Satans

07. März 2026

1 - Liturgie

Der Screenshot zeigt eine Szene aus einem Zeichentrickfilm mit dem in rotes Höllenfeuer gehüllten und von Schmeißffliegen umgebenen Beelzebub, der nach seinen Opfern ausgreift.

Den Teufel spürt das Völkchen nie, und wenn er sie beim Kragen hätte.

Die überlieferte Liturgie hat am dritten Sonntag der Fastenzeit seit – wie man so schön sagt „unvordenklichen Zeiten“ - das Evangelium von der Austreibung des stum­men Teufels (Lukas 11; 14 - 28). Es findet sich für diesen Sonntag bereits im Evangeliar von Lindisfarne (um 700) und im Würzburger Peri­kopenbuch des 8, Jahrhunderts, und man kann daher mit gutem Grund vermuten, daß diese Platzierung bis mindestens in die Zeit Gregors des Großen (6. Jahrhundert) zurückgeht – schließlich lag vor allem Lindisfarne in der Zeit vor Karl dem Großen am äußersten Rand des römischen Einflußgebiets.

Dom Gueranger hat diesem Evangelium, seinem theologischen Hintergrund und seiner damaligen Aktualität im 5. Band seines Kirchenjahres eine lange Abhandlung gewidmet, von der wir im Folgenden die Seiten 272 – 276 der deutschen Ausgabe von 1877 mit geringfügigen Kürzungen wiedergeben. Die Aktualität hat seit der Zeit Guerangers (er begann die Arbeit an diesem monumentalen Werk 1844!) eher noch zugenommen.

Es beginnt ein Zitat Heute nun hat die Kirche eine Evangelienstelle aus dem Hl. Lukas auserwählt, welche die Unterweisung über die Macht und Kunstgriffe unserer unsichtbaren Feinde vervollständigen soll. Während der ganzen Dauer der Fastenzeit muß das Bestre­ben des Christen darauf gerichtet sein, die Vergangenheit wieder gut zu machen und die Zukunft sicher zu stellen. Er würde aber von der ersteren nicht einmal sich Rechenschaft ablegen, geschweige denn die zweite wirksam schützen können, wenn er nicht eine ge­sun­de Vorstellung über die Natur der Gefahren hätte, denen er unterlegen, sowie auch derer, die ihn noch bedrohen. Die alten Liturgisten haben denn auch in der Wahl des heutigen Evangeliums, das gleichsam den Mittelpunkt aller Tagesunterweisungen bildet, einen Zug mütterlicher Weisheit und Fürsorge der Kirche erkannt.

Wir wären gewiß die verblendetsten und unglücklichsten der Menschen, wenn wir von Feinden, die nach unserem Verderben dürsten und uns an Kräften und Listen überlegen sind, umgeben, nicht dazu gekommen wären, deren Dasein zu vermuten und vielleicht niemals ernstlich darüber nachzudenken. Und doch ist dies gerade der Zustand, in welchem eine ungeheure Anzahl Christen unserer Tage dahinsiecht. So sehr mindert sich die Wahrheit unter den Menschenkindern (Ps. 11; 2). Dieser Zustand der Sorglosigkeit und des Vergessens auf einen Gegenstand, welchen die heilige Schrift fast auf jeder Seite uns vorhält, ist so verbreitet, daß man nicht selten Leuten begegnet, in deren Augen die fortwährende Tätigkeit der Hölle rings um uns nur ein alter Volksaberglaube ist, welcher ihrer Ansicht nach gar nicht zu den Dogmen der Religion gehört: Alles, was darüber die Geschichte der Kirche und das Leben der Heiligen erzählt, ist für sie gar nicht vorhanden und sie meinen, Satan sei im Grunde nur eine abstrakte Idee, welche man im Laufe der Zeit zu einer Person umgewandelt habe; er sei eigentlich nichts als die Personifikation des Bösen.

Handelt es sich darum, die Sünde in ihnen selbst oder in anderen zu erklären, so spre­chen diese Leute von dem Hange, den wir zum Bösen haben, von dem üblen Gebrauch unserer Freiheit, ohne auch nur darüber nachgedacht zu haben, woher denn eigentlich dieser unter allen Umständen unvernünftige Hang rührt; sie wollen nicht einsehen, daß die christliche Lehre unter Anderem uns in unserer Halsstarrigkeit die Einwirkung einer tätigen bösen Kraft offenbart, deren Gewalt so groß ist wie der Haß, den sie gegen uns hegt, und doch wollen die Leute gläubige Christen sein. (…) Diese und noch viele andere Tatsachen sind ein Gegenstand ihres Glaubens – und trotz alledem scheint ihnen, was sie über die Existenz der Dämonen, über ihre Wirksamkeit, über ihre Gewandtheit in Verführung der Seele hören, märchenhaft. Sind sie keine Christen mehr oder haben sie den Verstand verloren?Man weiß eigentlich nicht, was man darauf antworten soll, vorab wenn man das Gebaren dieser Leute in unseren Tagen näher betrachtet. Sie klopfen da mit leichtfertigem Finger an die Geisterwelt. Aus den Zeiten des heidnischen Götzen­dien­stes holen sie sich wiederum die Mittel herauf, um den Teufel zu beschwören und Fragen an ihn zu richten; sie scheinen gar nicht daran zu denken, ja nicht einmal mehr zu wissen, daß sie damit ein Verbrechen begehen, welches Gott im alten Bunde mit dem Tode bestrafteund welches auch die Gesetzgebung aller christlichen Völer lange Jahr­hunderte hindurch mit den schärfsten Strafen belegte.

Wenn es aber eine Zeit des Jahres gibt, in welcher die Gläubigen erwägen sollen, was Glaube und Erfahrung uns über das Dasein und die Wirksamkeit der Geister der Finsternis lehren, so ist dies ganz bestimmt die Zeit, in welcher wir gegenwärtig leben. Geade während der Fastenzeit sollen wir ja über die Ursache unserer Sünden, über die Gefahren unserer Seelen, sowie über die Schutz- und Vorbeugungsmittel gegen neue Angriffe nachdenken.Hören wir also das heilige Evangelium; dasselbe sagt uns vorab, daß der Teufel sich eines Menschen bemächtigt hätte und daß in Folge dieser Besitz­ergreifung der Mensch die Sprache verloren habe. Jesus befreit diesen Unglücklichen , und im Augenblick, da er den bösen Geist vertreibt, ist auch der früher Besessene der Sprache wieder mächtig. So ist also die Besessenheit nicht bloß ein Denkmal der unerforschlichen Gerechtigkeit Gottes, sie kann selbst physische Wirkungen auf den Besessenen äußern.

Wir wollen hier nicht weiter die törichte Bosheit der Feinde des Heilands entwickeln, welche seine Gewalt über die Teufel der Beihilfe des obersten Teufelszuschreiben woll­ten; wir wollen nur die Macht höllischer Geister über den Körper beweisen und durch den Text der heiligen Schrift den Rationalismus gewisser Christen widerlegen. (…) Seit der Verkündigung des Evangeliums ist die Macht Satans über die Leiber in christlichen Ländern durch die Kraft des Kreuzes beschränkt, aber sie wächst, wenn der Glaube und die Werke christlicher Frömmigkeit abnehmen. Daher denn all’ dieser Teufelsspuk, wel­cher unter verschiedenen mehr oder minder wissenschaftlichen Namen zuerst ganz im Geheimen vor sich geht und endlich sonst ehrbare Leute ansteckt. Das würde schließlich zum Umsturz der Gesellschaft führen, wenn nicht Gott und die Kirche dem einen Damm setzten. Gedenkt ihr Christen unserer Tage, daß ihr dem Teufel abgeschworen habt. Hütet euch, daß nicht eine schuldbare Unwissenheit euch dazu bringt, diesen Schwur zu brechen. Nicht einem Wesen, das nur in der Einbildung existiert, habt ihr in der Taufe Absage geleistet; es ist ein wirkliches Wesen. Ein furchtbares Wesen, von dem Jesus Christus uns sagt, es sei von Anfang an ein Menschenmörder (Joh. 8; 44). Ende des Zitats

Soweit also Gueranger vor 180 Jahren. Zu seiner Zeit bestand die Aktualität vor allem in Phänomenen wie Tarot oder angeblichen „Geisterbeschwörungen“ in Salons der besseren Gesellschaft – geradezu Kinderkram gegenüber dem, was schon seit Jahrzehnten die Unterhaltungskultur (Horror-Movies) heimsucht oder als Satanismus offenen Einfluß auf Politik und Gesellschaft ausübt. Trotz dieses Zuwachses an Aktualität spricht die aufge­klär­te und sozialkompatible Kirche der nachkonziliaren Zerfallsperiode nicht mehr gerne und am besten überhaupt nicht vom großen Verwirrer und Verderber mit den tausend Namen. Das heutige Evangelium nennt ihn „Beelzebub“, das kann man als „Herr der Schmeißfliegen“ übersetzen, und das wäre denn doch irgendwie unfein, wenn nicht gar diskriminierend.

Also hat sich die nachkonziliare Kirche dafür entschieden, die Perikope nach Lukas ganz aus der Liturgie des 3. Fastensonntags zu streichen. Ein größerer Teil davon taucht dann am Freitag der 27. Woche des Jahreskreises auf – also wenn ohnehin keiner am Gottes­dienst nach der reformierten Liturgie teilnimmt. Das Bruchstück (Vers 27,28) mit der Segensformel für die Zwischenruferin „Selig der Leib, der Dich getragen hat“ wird an einigen Marienfesten verwendet – aber das hat mit der ursprünglich beabsichtigten War­nung vor der Aktivität des Herrn der Schmeißfliegen nichts mehr zu tun. Exorzismus gelungen, Patient tot.

Man kann es nicht oft genug wiederholen: Die oft auch von Gutwilligen nachgeplapperte Formel von der reicheren Bestückung des „Tisches des Wortes“ durch die reformierte Leseordnung Bugninis und Pauls VI. ist eine Lügenformel, die Massen an Worten und Texten als „Reichtum“ ausgibt, um die Verarmung und Reduzierung von Inhalt zu beschönigen. Und genau darin liegt eine ernstzunehmende Begründung für die Behaup­tung, daß der Novus Ordo dem Heil der Seelen abträglich ist oder zumindest sein kann: Nicht weil die nach ihm gefeierte Messe im Prinzip ungültig oder unwirksam wäre, sondern weil das von ihm vermittelte Bild des Glaubens an zentralen Stellen Leerstellen aufweist, die es auch gutwilligen Messbesuchern schwer machen, zu erkennen und zu leben, was sie da eigentlich feiern.

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