Was von der 12. Woche übrigblieb:
Auf dem besten Weg zur
NGO mit gelegentlichen Gebetsstunden?
25. März 2026
Papst Leo auf dem Weg zum Altar am Weltfrauentag 2026
Für alle, die seit Mai darauf hoffen, warten und beten, daß dem neuen Stil des neuen Papstes auch eine erneute Verkündigung der überlieferten Lehre und Tradition folgen möge, war die 12 Woche eine sehr schlechte Woche. Besonders betrifft das die Anhänger der ehrwürdigen Liturgie des hl. Papstes Gregor und deren entschiedensten Vertretern in der Piusbruderschaft. Kardinal Müller, der doch nach wie vor ein Interesse am Erhalt der überlieferten Lehre und Liturgie zu haben scheint, hat im Streit um die von der Piusbruderschaft angekündigten Bischofsweihen alle Maßstäbe verloren und erklärt eine Bischofsweihe ohne päpstliches Mandat zum schlimmsten denkbaren Vebrechen. Andere stimmen ihm bei. Und die längst abschließen beantwortete Frage nach der „Frauenweihe“ erscheint ihm als schlimmstes denkbares Verbrechen, das den, der sich seiner schuldig macht, zweifellos ins tiefste Höllenfeuer verbannt.
Damit hat Kardinal Müller im Interview mit Communio (aus dem wir hier nach katholisch.de zitieren), jetzt eine Position der Konzilsverherrlichung bezogen, wie sie in dieser Schärfe selbst von modernistischen Theologen nur selten propagiert wird. „Auf keinen Fall“, so Müller, könne sich die Kirche eine Fehlinterpretation des Zweiten Vatikanums abringen lassen. Wer dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) schwerwiegende Irrtümer im Glauben andichte, irre. Den Versuch, verschiedene Texte des Konzils als unterschiedlich verbindlich darzustellen, um den Piusbrüdern eine Brücke zu bauen, lehnt der Kardinal mit Nachdruck ab. Ein Ökumenisches Konzil sei die höchste Autorität in der katholischen Kirche in Fragen des Glaubens und auch der Disziplin. Auch die Aussagen des Dokuments Nostra aetate, die von der Piusbruderschaft kritisiert werden, seien „verbindlich wie ein Dogma“. Das Konzil müsse daher „mit seiner ganzen Lehre von jedem Katholiken angenommen werden.“ Ende des Zitats.
In die gleiche Kerbe schlägt der bisher ebenfalls eher als Mann des Ausgleichs denn als Scharfmacher wahrgenommene Kardinal Ré. Nach der Absage eines schon vor Monaten zugesagten und terminierten Audienz für Erzbischof Vigano erklärte Re dem Erzbischof am Telephon – so berichtet es zumindest Vigano – die Absage habe keine Termingründe, sondern beruhe auf Zweifeln des Papstes, ob er Vigano empfangen könne und soll. Re soll dazu ausgeführt haben : Wir müssen dem Papst selbst dann Gehorsam leisten, wenn der Papst gegenüber dem Herrn ungehorsam ist.“
Hat hier etwa eine römische Instanz befohlen, den Widerspruch gegenüber der FSSPX in einer Weise zu verschärfen, die selbst den schlimmsten Ketzern nicht mehr zugemutet würde?
Wie auch immer: Da ist er wieder, der von unseligen Schülern des Ignatius von Loyola erfundene Kadavergehorsam – der heutzutage freilich nur von denen eingefordert wird, die die Lehre des Herrn besonders ernst nehmen und keinesfalls von denen, die seine Lehre ganz oder teilweise ablehnen.
Wann wäre dieser Gehorsam jemals von der modernistischen Mehrheit in der Staatstheologie oder vom Episkopat eingefordert worde? Dort macht jeder, was er will, nennt es erforderlichenfalls „prophetischen Gehorsam“ – und kommt damit durch, denn für sie bleibt die Hölle leer. Neben der Piusbruderschaft bekommt diese Härte auch der ehemalige päpstliche Nuntius in den USA Vigano zu spüren - der freilich manchmal durch ziemlich sedisvakantistisch klingende Aussagen einige Angriffsflächen bietet. Nun hat Vigano kurz nach Leos Wahl in aller Form um eine Audienz nachgesucht (was eigentlich den Sedisvakantismus-Verdacht entkräften könnte), bekaum auch einen Termin im Dezember - der dann zwei Tage vor dem zugesagten Treffen ohne Erklärung abgesagt wurde. Die Audienz, die dem Erzbischof verweigert wurde, wurde jedenfalls jetzt im März dem britischen Finanzjournalisten Journalisten Gathan Gore gewährt. Der hatte in seinem Buch über Das Opus Dei gefordert hatte, die Heiligsprechung des Gründers Josemaria Escrivá noch einma zu überprüfen und womöglich zurückzunehmen. Ist das schon einen Phototermin wert?
Widerspruch, der in die gewünschte Richtung geht – und das Opus Dei, dessen Spiritualität auch uns ein wenig unheimlich ist, aber doch wohl keines Ketzerprozesses bedarf, ist in Rom seit Franziskus fast so unerwünscht wie die Piusbruderschaft – wird gerne gehört und aufgenommen. Widerspruch, der in die oder aus der falschen Richtung kommt, wird mit dem größten erreichbaren Hexenhammer plattgemacht. Ist das die „hörende Kirche“, von der man uns seit der GROßEN SYNODE, die vielleicht auch bald für unfehlbar erklärt wird, so viel erzählt? Jedenfalls hat der Papst für den Herbst eine globale Bischofskonferenz (nannte man sowas früher nicht „Konzil“ ?) angesetzt, um dem 10. Jahrestag der Veröffentlichung von Amoris Laetitia die gebührende Ehre zu erweisen.
In seiner Botschaft zur Einberufung der Bischofsversammlung vom 19. März erklärte der Papst jedenfalls, Amoris Laetitia sei „eine leuchtende Botschaft der Hoffnung zur ehelichen Liebe und dem Leben der Familie“ und betonte die Notwendigkeit , die von diesem Dokument empfangenen Lehren weiter zu studieren und dabei „eine zu enge Auffassung der Normen zu überwinden“. (Quelle). Da steht uns ja noch einiges bevor.
In einigen Abteilungen der römischen Kurie scheint eine Stimmung zu herrschen wie vor dem Schlußverkauf. Die Champions der verschiedenen Modernistenfraktionen werfen sich mächtig ins Zeug, um von der Restetheke abräumen zu können, was noch übrige ist. Wo die „Überwindung zu enger Auffassungen der Normen“ zu im Programm steht, kann man vielleicht noch das eine oder andere Lieblingsspielzeug ergattern.
Ganz oben auf der Wunschliste stehen bei vielen zwei Themen, die bei Licht betrachtet eng miteinander verbunden sind: Das eine ist die „Frauenfrage“, die von der Idee geprägt wird, daß nach Überwindung des zu engen metaphysischen Verständnis dessen, was Männer und Frauen sind, was sie gemeinsam haben und was sie unterscheidet; alles für alle ist die neue Losung., wie es so schön heißt. Besonders hervorgetan hat sich dabei Kardinal Erzbischof Hollerich von Luxemburg, der den dem Papst geschuldeten Gehorsam so versteht, daß die Frage der Frauenweihe nach wie vor offen sei – auch wenn Papst Johannes-Paul II. mit hoher Autorität erklärt hat, daß eben diese Frage entschieden und jeder weiteren Diskussion entzogen ist. Dem Höllerich sekundiert dabei der Antwerpener Bischof Bonny, der – unter Berufung auf die Synodensynode – mitgeteilt hat, bereits ein Ausbildungsprogramm zur Weihevorbereitung für verheirateter Männer in die Wege geleitet zu haben. Spätestens 2028 will er die ersten „Viri probati“ zu Priestern weihen - hoffen wir nur, daß alle wirklich so probat sind, wie er annimmt. Im Übrigen will er darauf hinwirken, daß die Kirche eine Reihe neuer (Weihe)Ämter einführe – etwa nach dem Vorbild des Akolythen- und Lektorendienstes, die auch Frauen offenstehen und diesen endlich einen Weg aus zweitausend Jahre währender patriarchaler Unterdrückung eröffnen.
Nun ist die Weihe verheirateter Männer zu Priestern tatsächlich möglich – aber nur unter genau bestimmten Bedingungen, die verhindern sollen, daß der Zölibat von einer Grundregel zur Kann-Regel herabgestuft wird. Was uns natürlich genau Bonnys Absicht zu sein scheint. Angeblich ist das nötig, um dem Priestermangel abzuhelfen, tatsächlich stehen dahinter noch viel weiter reichende Motive: Das Priestertum, so wie es die Kirche in der Nachahmung des Vorbildes Christi 2000 Jahre lang verstanden hat, soll in seiner Substanz verdünnt und letztlich abgeschafft werden.
Was die Abschwächung des Bildes vom Priestertum ehelos lebender Männer betrifft, hat die daran arbeitende Lobby in den letzten Jahren schon einige schöne Erfolge erzielt. Immer wieder erreichen uns aus deutschen Pfarreien Nachrichten (und Photos!) konzelebrierender Pseudo-Diakoninnen – und regelmäßigwarten wir danach vergeblichauf einen korrigierenden Einspruch des Bischofs. Inzwischen können sich die Damen vom Gemeinderat und vom Geschwader der Kommunion-Austeilerinnen aber Hoffnung machen, sich ganz in Übereinstimmung mit dem geltenden Recht noch einen Schritt näher an den Altar heranrobben zu können. Bischof Meikle von der (nicht mit Rom verbundenen) Old Roman Catholic Church in Nordamerika, die im Unterschied zu den deutschen Altkatholiken eine betont konservative und traditionsorientierte Linie verfolgt, hat in einem Artikel auf seinem Substack darauf aufmerksam gemacht, daß bereits heute nach den geltenden Vorschriften die von Franziskus kreierten „beauftragten Akolythinnen“ berechtigt wären, bei einem feierlichen Levitenamt die Position des „Strohdiakons“ zu übernehmen – wenigstens dann, wenn jemand im Grenzbereich der Tradition auf die Idee kommen sollte, tatsächlich diese Grauzone zu erkunden.
Bis es soweit ist, müssen sich die Frauen und Mädchen im Altarraum eben mit weniger ausgezeichneten Positionen begnügen wie auf dem oben gezeigten Bild vom Einzugs zur Papstmesse am Weltfrauentag. Aber nur Geduld – die „Abschwächung überkommener Normen“ ist nun offizielles Programm, da kann noch einiges kommen. Und Meikles Artikel ist jedenfalls auch dann lesenswert, wenn wir keine Garantie für die Gültigkeit seiner Bischofsweihe und die Korrektheit seiner Auslegung des Kirchenrechts übernehmen können.
Die genannten und viele von uns hier nicht genannten Maßnahmen des Feldzuges „Frauen an den Altar“" finden ihre Begründung im sich ständig verschärfenden Priestermangel – doch der wird von vielen ganz und gar nicht als Mangel empfunden, sondern als Gelegenheit, die Stellung des Priestertums in Gottesdienst und Seelsorge weiter einzuebnen und die Priesterberufung zu einem ganz normalen bürgerlichen Beruf zu machen. Ganz auf dieser Linie liegt ein ebenfalls vergangene Woche veröffentlichter Bericht einer von der Weltsynode übriggebliebenen Arbeitsgruppe. Die Katastrophensynode ist zwar formell beendet, aber ihre Gremien arbeiten weiter und bereiten die für 2028 angesetzte Fortsetzung vor. Dieser Bericht fordert, die Ausbildung zum Priesterberuf weiter säkularen Formen anzugleichen sowie Laien und vorzugsweise Lainnen, die schon heute als psychologische Tutoren und Gutachter an vielen Ausbildungsstätten eine verhängnisvolle Rolle spielen, an entscheidender Position darin einzubeziehen.
Derlei Maßnahmen dürften die Gewähr dafür bieten, daß sich immer weniger Männer dafür entscheiden, das Priestertum anzustreben, so daß schließlich die Weihe von Priesterinnen zur unabweisbaren Notwendigkeit erklärt werden kann. Und da solche Weihen nach feststehender traditioneller Lehre zwangsläufig nicht nur widerrechtlich, sondern auch ungültig und unwirksam wären, wäre das ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Eliminierung des sakramentalen Charakters der Kirche – die dann keine Kirche mehr wäre, sondern bestenfalls eine NGO mit gelegentlichen Gebetsstunden.
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