Frau Sarah Mullay besucht Rom und den Vatikan, roter Teppich und Pope inclusive
30. April 2026
Die leitende Schismatikerin in der Kapelle des Petrusgrabes
Der Besuch von „the Most Reverend“ Sarah Mullally, angeblicher Erzbischöfin von Canterbury, in Rom und ihr „auf Augenhöhe“ inszeniertes Zusammentreffen mit Papst Leo haben bei Kommentatoren, die an der katholischen Tradition festhalten wollen, heftige Reaktionen ausgelöst. Wir können uns ihren Ausführungen nur anschließen - und das unabhängig davon, wo diese Kommentatoren in der Frage der Liturgie stehen: Während die reformierte Liturgie trotz ihrer schweren dogmatischen und pastoralen Männgel immerhin gültig zelebriert und gnadenvermittelnd mitgefeiert werden kann, ist es völlig unmöglich, in dem Besuch von den britischen Inseln etwas anderes zu sehen als die Anführerin einer schismatischen Gruppe und Ursupatorin des altehrwürdigen Sitzes von Canterbury. Als Frau ist sie weder Priester(in) noch Bischof(in) – so etwas ist ein Ding der Unmöglichkeit. Als Person ist Mullay mit ihrem Eintreten für das „Recht der Frau auf Abtreibung“ und aktive Homosexualität als Gesprächspartnerin in Sachen christliche Ökumene völlig disqualifiziert. Sie steht vielmehr geradezu beispielhaft dafür, wie sehr sich die anglikanische Staats- und Zeitgeistgemeinschaft in den letzten Jahrzehnten von dem, was gemeinsames apostolisches Erbe sein sollte, entfernt hat. Und das trotz aller bis zur Selbstaufgabe betriebenen ökumenischen Avancen von römischer Seite.
Außerdem: Obwohl die Liebedienerei Roms gegenüber Canterbury im 60. Jahr des Treffens zwischen Paul VI. und „Erzbischof“ Michael Ramsey schon auf eine beträchtliche, wenn auch ungute, Tradition zurückblicken kann, sind die Zweifel daran, daß diese protestantische Gemeinschaft überhaupt über gültig geweihte Priester und Bischöfe verfügt, nicht ausgeräumt. Auch nicht durch die klägliche Trickserei mit dem „Dutch Touch“ Diese Zweifel betreffen daher auch Männer, die als Priester oder Prälaten der Kirche des britischen Königs auftreten. Der „DutchTouch“ besagt, daß die Anglikaner zumindest seit Anfang des 20. Jahrhunderts wieder in der apostolischen Tradition stehen, weil sie zu ihren Weihen regelmäßig einen Bischof aus dem Umfeld der reformierten „Utrechter Union“ an Bord holen, deren apostolische Sukzession von der katholischen Kirche prinzipiell anerkannt wird. Oder neuerdings assistiert dabei sogar der katholischen Ortsbischof, wie dieser Tage aus Fresno, in Kalifornien zu erfahren war. Tatsächlich werden wie auch immer geweihte anglikanische Geistliche, die zur katholischen Kirche übertreten, nach heute geltendem Recht und Usus jedenfalls nicht nach einer gewissen Zusatzausbildung „einfach so“ übernommen, sondern unterziehen sich einer „sub conditione“ erteilten Priesterweihe – erst dann sind im konkreten Fall alle Zweifel beseitigt.
Die Frage der apostolischen Sukzession, die soweit wir das sehen, in der aktuellen Diskussion über den Status anglikanischer Priester und Bischöfe anscheinend fast ausschließlich behandelt wird, markiert jedoch, nur einen von mehreren und durchaus schwergewichtigeren Dissenspunkten. Das entnehmen wir dem oft genannten aber anscheinend selten gelesenen lehramtlichen Schreiben „Apostolicae Curae“ von Benedikt XIII.aus dem Jahr 1896, in dem der damalige Papst feststellte, daß die von Anglikanern vollzogenen und empfangenen „Weihen“ zum Priester- und Bischofsamt grundsätzlich und unter allen Bedingungen nichtig sind. Wir können die eingehende Lektüre dieses Textes, der auf der Website des Vatikans nur in einer lateinischen Fassung angeboten wird und ansonsten im Web nur in englischer Sprache zu finden ist, sehr empfehlen. Konkreter Anlaß für die damalige Veröffentlichung wa rübrigens die Tatsache, daß zahlreiche Kleriker der anglikanischen Gemeinschaft in den Schoß der katholischen Kirche zurückkehren wollten und es immer wieder zu Unklarheiten über den Status ihrer Weihen kam.
Das oben gebrauchte Wort „feststellte“ ist dabei von zentraler Bedeutung – ähnlich wie es auch in „Ordinatio Sacerdotalis“ über die Unmöglichkeit, Frauen das Sakrament der Weihe zu erteilen, von zentraler Bedeutung ist. Leo XIII. und Johannes-Paul II weisen mit der Verwendung dieses Wortes nämlich nachdrücklich darauf hin, daß das, was sie sagen, kein Entscheid des eigenen Lehramtes und erst recht keine Neuregelung darstellt und auch nicht auf einer „Eingebung des Geistes“ am runden Synodentisch beruht, sondern die „Feststellung“ eines Sachverhaltes, der schon immer und von fast allen so gesehen und beurteilt worden ist. Der Papst verkündet keine Novitäten, sondern er bekräftigt, was die Kirche mit ihrer bis auf die Apostel zurückgehenden Lehrautorität zu glauben und zu tun vorgibt.
Wie dieses „feststellen“ konkret zu verstehen ist, wird in Apostolicaee Curae auf eindrucksvolle Weise – der Ausdruck drängt sich auf – „vorexerziert“. Apostolicae Curae besteht aus 41 nummerierten Abschnitten, die auf Deutsch und im Taschenbuchformat vielleicht 15 Druckseiten umfassen dürften. Nicht ungewöhnlich viel Stoff – aber inhaltlich sehr schwergewichtig. Die entscheidende Aussage kommt ganz am Schluß in den Abschnitten 35 und 36, die hier vollständig übersetzt werden sollen:
35. In Erwägung dessen, daß diese Angelegenheit, obwohl bereits entschieden, von gewissen Personen aus welchen Gründen auch immer erneut zur Diskussion gestellt worden war und das dazu führen könnte, daß ein verhängnisvoller Irrtum in den Köpfen vieler gefördert würde, die vielleicht annehmen, sie besäßen das Sakrament und die Wirkungen der Weihe, wo diese aber nirgends zu finden sind, erschien es Uns im Herrn gut, Unser Urteil zu verkünden.
36. Daher halten wir uns in dieser Angelegenheit strikt an die Dekrete der Päpste, unserer Vorgänger, und bestätigen sie vollumfänglich und erneuern sie gleichsam durch unsere Autorität, aus eigener Initiative und in sicherer Kenntnis, und erklären, daß Ordinationen, die nach anglikanischem Ritus durchgeführt wurden, absolut null und gänzlich ungültig waren und sind.
Punkt. Roma locuta – causa finita. Oder um es etwas lockerer auszudrücken: So geht Lehramt.
Die auf Nummer 36 folgenden letzten Abschnitte des Dokuments kann man als eine Art spirituelle und praxisbezogene Ausführungsbestimmungen betrachten, wobei uns besonders beeindruckt hat, in welch klaren Worten Abschnitt 40 dekretiert, daß der Inhalt dieses Schreibens zu keiner Zeit und mit welcher Begründung auch immer „revidiert“ werden kann – was in der apostolischen Tradition fest begründet ist, unterliegt keiner Veränderung. Fast noch interessanter und überaus lehrreich gerade für Katholiken von heute, da das Leitungspersonal der Kirche sich dazu anschickt, diese „neu zu erfinden“, erscheint uns Vorgehensweise und Methode des Papstes, mit denen er, gestützt auf seine Berater, zu dem in Abschnitt 36 festgestellten Urteil gekommen ist. Der Schilderung dieser Vorgehensweise widmet Papst Leo XIII nach einigen Einleitungsworten in den beiden ersten Abschnitten den gesamten Raum der Abschnitte 3 – 34. Sie sollten zur Pflichtlektüre jedes kurialen Beamten und jedes höheren Prälaten gemacht werden. Wir können das hier nur kurz umreißen – aber das reicht schon aus, um zu verdeutlichen, worum es dabei geht.
In den ersten Abschnitten dieses „Methodenteils“ beschreibt Papst Leo kurz, nach welchen Gesichtspunkten er die zur Vorbereitung seiner Entscheidung eingesetzten „Experten“ und „Gremien“ ausgewählt hat und wie er dafür gesorgt hat, daß ihnen für ihre Arbeit der ganze Reichtum vorhandener Dokumente – auch in den von einigen Kongregationen eifersüchtig gehüteten Geheimarchiven – zur Verfügung steht. Dann, etwa ab Abschnitt 10, läßt er den Leser an den Früchten der Sammeltätigkeit seiner „Experten“ teilhaben. Beginnend mit den Briefen und Empfehlungen, die Papst Julius III. 1554 seinen zur Heilung des Bruches nach England entsandten Legaten mitgegeben hatte, wird die Geschichte diees Bruches in ihren zeitpolitischen und theologischen Hintergründen und deren römischer Wahrnehmung geradezu lehrbuchmäßg aufgeblättert und so die zentrale These untermauert, daß er – Papst Leo im Jahre 1896 – lediglich eine Lehre und Praxis bestätigt und befestigt, von der sich die römische Kirche seit der Frühzeit dieser Spaltung Mitte des 16. Jahrhunderts hat leiten lassen.
Dabei fällt auf, daß der heute in den Mittelpunkt gerückte Begriff der „apostolischen Sukzession“ – auch wenn er im Hintergrund durchaus präsent ist – an keiner Stelle explizit genannt wird. Auch die nach den Worten des Papstes selbst schwer greifbaren „Intentionen“ des handelnden Personals werden bestenfalls gestreift. Im Mittelpunkt der über die Jahrhunderte fortgeführten Abhandlung stehen die vom Ritus angewandte forma und materia des Sakramentes der Ordination und die darin zum Ausdruck kommenden theologischen implikationen, namentlich die Fähigkeit, den von Christus seinen Aposteln im Obergemach erteilten Auftrag zur Fortführung seines Opferpriestertums und zur Leitung der Herde zu erfüllen. In diesem Zusammenhang entwickelt Papst Leo XIII. mit Schwerpunkt in den Abschnitten 13 - 31 die Grundzüge einer Sakramententheologie des Priester- und Bischofsamtes, die es unserem Verständnis nach verdienten, auch in der heutigen von vielerlei Zeitgeistereien überformten Debatte über Opferpriester oder Gemeindepräsident, maskuliner Wesensbestimmtheit des Priesteramtes oder skandalöser Frauendiskriminierung und ähnlichem, wieder stärker berücksichtigt zu werden.Auch das Nachdenken über das Wesen eines „Schisma“ könnte davon profitieren.
Das alles kann hier inhaltlich nicht weiter ausgeführt werden., vielleicht fühlt sich ja der eine oder andere Fachtheologe davon angesprochen, Apostolicae Curae einmal gezielt auf die darin enthaltenen theologischen Kernaussagen anzuschauen. Aber es reicht völlig aus, um zu verdeutlichen, mit welcher Ernsthaftigkeit, mit welchem unbedingten Willen zur in der Tradition verbürgten Wahrheit und letztlich auch mit welcher klaren Entschlossenheit sich Päpste wie Leo XIII, viele seiner Vorgänger und seine näheren Nachfolger, sich der in ihrem Amt begründeten Pflicht gewidmet haben, das Überlieferte zu erhalten und weiterzugeben und die Herde des wandernden Gottesvolkes sicher zu weiden.
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Einige der angesprochenen Kommentare:
Bischof Josef Strickland: www.lifesitenews.com/opinion/bishop-strickland-statement-on-vatican-welcoming-female-archbishop-of-canterbury/
Robert Morrison: remnantnewspaper.com/pope-meets-anglican-bishop-ecumenism-catholic-doctrine/
Luisella Scrosatti: beiboot-petri.blogspot.com/2026/04/die-erzbischofin-von-canterbury-die.html
Gavin Ashenden: drgavinashenden.substack.com/p/the-problems-of-trans-ecumenism-when
„New Catholic“ von Rorate Caeli: rorate-caeli.blogspot.com/2026/04/it-looks-ridiculous-popes-have-to-stop.html