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Plötzlich rufen alle nach einer
„Lateinischen Messe“

11. Juli 2026

7 - Liturgie

Die Montage zeigt auf der linken Seite eine Traditionelle Darstellung des ewigen Messopfera im himmlischen Jerusalem und rechts das Photo einer „Messfeier“ im Schwimmbad – Priester und die nur mit Badehosen bekleideten Gläubigen stehen sich auf  beiden Seiten des Beckens gegenüber.

Wie im Himmel, also auch auf Erden?

Kaum war der römische Donnerschlag der Exkommunikationen verhallt, be­gann unter gemeinhin als mehr oder weniger konservativ geltenden Prälaten ein Gemurmel, das letztlich darauf hinaus lief, die „lateinische Messe“ zumindest teilweise von den ihr unter Traditionis Custodes auferlegten Fes­seln zu befreien. Der Zeitpunkt erscheint uns nicht sehr glücklich – in der aktuellen Situation klingt das doch sehr nach einer konzertierten Aktion: Niemand muß mehr zu den bösen Piussen gehen, wenn er eine „lateinische Messe“ auch in einer Kirche des Bistums haben kann? Zumal die Forderung zumeist mit der Bedingung daher kam, das Angebot gelte nur für diejenigen, die ihre Treue zum 2. Vatikanischen Konzil in seiner Gesamtheit bekundeten und die sich von der „spalte­ri­schen Ideologie“ der Piusbruderschaft“ distanzierten. Aber wie soll man sich da distan­zieren, wenn doch die Piusbruderschaft glaubwürdig ihren Willen demonstriert, an dem Glauben festzuhalten, der zweitausend Jahre lang als das unverrückbare Fundament der katholische Kirche gegolten hat. Zumindest glaubwürdiger als windige Gestalten wie (Un)glaubens-Präfekt Fernandez oder Obersynodalisten wie Grech, Hollerich und Co.

Zugegeben: Das Amt des Papstes gehört auch zu diesem Fundament, und sich ihm zu widersetzen ist keine gute Tradition. Aber zum Fundament des Papsttums gehört auch die Verpflichtung, dieses Amt in dienender Funktion auszuüben – und nicht als Besitzer und Machthaber mit der angemaßten Befugnis, die darauf errichteten Gebäude nach belieben abzureißen oder umzubauen. Da haben sich in den letzten hundert Jahren im Anschluss an Pastor Aeternus wohl einige Mißverständnisse eingeschlichen. Und auch der dem Lehramt geschuldete Gehorsam gilt nicht von allen Voraussetzungen losgelöst, sondern nur insoweit, als dieses Lehramt heute sich nicht in Widerspruch zum Lehramt von gestern stellt.

Dazu kommt noch ein weiteres Bedenken: Wovon reden die Wohl­meinenden denn eigentlich, wenn sie davon sprechen, der „lateinischen Messe“ einen Platz im Gemein­de­got­tesdienst zu gewähren. Sicher meinen sie nicht den überlieferten Ritus in seiner Gesamtheit: den Taufritus mit seiner Fülle an symbolen und sakramentalen Handlungen, den Ritus der Firmung, bei dem die traditionelle Lehre die Befähigung und den Auftrag zur streitbaren Verteidigung und Bewahrung des Glaubens in den Vordergrund stellt, den Ritus der „letzten Ölung“, die eben nicht nur eine Krankensalbung zur Linderung oder Überwindung von Gebrechen bedeutet, sondern Stärkung und Schutz für den letzten Weg von der vorläufigen irdischen Wohnung in die Ewigkeit. Und erst recht nicht meinen die meisten von ihnen den Ritus der Priester- und Bischofsweihe, der in der paulinisch-bugninischen Reform so viel von seiner Würde und Aussage verloren hat.

Was sie wirklich meinen, läuft wohl im besten Fall darauf hinaus, daß in einigen Kirchen an einigen Sonntagen – beileibe nicht an allen, denn das würde dem Ziel widersprechen, alle Gläubigen dem einzigen seit DEM KONZIL gültigen liturgischen Ausdruck des römischen Glaubens (so Traditionis Custodes) zuzuführen – dass also in einigen Gemein­den eine „lateinische Messe im überlieferten Ritus“ angeboten werden soll. Höchst­wahrscheinlich gehen sie dabei davon aus, daß das jetzt vorgeschriebene Messbuch von 1962 in einigen Punkten angepasst werden sollte, um dich der diözesanen Ordnung und Gewohnheit besser einzufügen: Mit einem neuem um „nicht mehr zeitgemäße“ Altlasten erleichterten Kalender, neuen Orationen, vielleicht auch neuen Rubriken: Man kann doch die Meßdienerinnen und die so hingebungsvoll geförderten Inhaber*innen von Laiendiensten (vom Lektor bis zum Kommunionhelfer (MWD) nicht diskriminieren und ausschließen. Nicht in der „Todos - todos - todos“-Kirche. Auch ein Versuch „ad Populum“ wäre denkbar – Einheit erfordert Einheitlichkeit, nicht wahr! Vor allem bei den Pre­dig­ten würde man darauf achten müssen, daß keine vorgestrigen Inhalte vermittelt werden – die treiben die Hörer nur immer tiefer in ihre ideologische Ecke.

In einer an solchen Vorstellungen orientierten Praxis einer „lateinischen Messe“ unter den Bedingungen des Novus Ordo wäre dann auch nur noch wenig Platz für Priester aus den Ex-Ecclesia-Dei-Gemeinschaften. Sie würden von ihrer Ausbildung in gemein­schaftseigenen Priesterseminaren her kaum die Gewähr dafür bieten, die Transition zur neuen Einheit unter dem Novus Ordo zu managen. Dazu würde man sicherheitshalber lieber den Diözesanklerus heranziehen, von dem ausgewählte und linientreue Ange­hörige in einer zweiwöchigen Weiterbildungsmaßnahme für die synodalverträgliche Zelebration in der Optik des alten Stils ausgebildet werden könnten.

Boshafte Erfindungen oder in der Erfahrung begründete realistische Befürchtungen?

Wir wollen nicht allen, die jetzt von einer Aufhebung der Beschränkungen „für die alte Messe“ sprechen, unterstellen, daß sie genau die hier skizzierten Entwicklungen an­streben. Da gibt es Unterschiede. Aber unser Sinn für die römischen Realitäten sagt uns, daß es – sollten sich der Papst und seine liturgischen Berater überhaupt zu einem solchen „Gnadenerweis“ für die Anhänger der alten Liturgie bereit finden – genau darauf hinaus laufen würde. Schließlich stehen als Verfasser eines darauf abzielenden Dokumentes immer noch jene bewährten Fachkräfte bereit, die bereits in „Traditionis Custodes“ die These der Unvereinbarkeit von alter Liturgie und dem neue Glauben zugrunde gelegt und das Ziel der Überleitung zum Novus Ordo innerhalb eines absehbaren Zeitrahmens festgeschrieben haben. Personelle Kontinuität steht unter der neuen Geschäftsführung hoch im Kurs. Und es stärkt unser Vertrauen in die Aufrichtigkeit der plötzlich entdeck­ten Liebe zur „alten Messe“ nicht gerade, wenn in immer mehr Diözesen im alarmisti­schen Ton von der Teilnahme an den Messfeiern und dem Empfang der Sakramente in den Kapellen der Piusbruderschaft gewarnt wird: Wegen Exkommunikationsgefahr und Verlust des eigenen Seelenheils der Ungehorsamen. Als ob derlei Warnungen nicht aus anderen Anlässen dringlicher wären.

Inwieweit das Angebot einer solchen Überleitungsform der „alten Messe“ bei den kon­servativ orientierten Gläubigen Erfolg haben könnte, ist schwer abzuschätzen. Die Aus­einandersetzungen der vergangenen Jahre und die hanebüchenen Entwicklung in der Lehre der Synodalkirche haben sicher dazu geführt, daß bei vielen Gläubigen das Be­wußtsein dafür gewachsen ist: Es geht im Streit um die Liturgie eben nicht nur um das Latein, um „ad Dominum“ und die „smells and bells“, sondern es steht mehr auf dem Spiel. In einer Kirche um 9 Uhr lateinische Messe für die ewig Gestrigen und um 12 Uhr 30 Tanzliturgie für die LGBT+Community – das wird nicht funktionieren.

Bei der Einführung des Novus Ordo im Jahre 1969, als es noch keine LGBT+Messen und auch manches andere Haarsträubende noch nicht gab, hätte man mit einer solchen Stra­tegie vielleicht den Übergang managen, die Progressiven von allzu wilden Eskapaden abhalten und das traditionell eingestellte brave Kirchenvolk bei der Stange halten kön­nen. Heute erscheint das eher unwahrscheinlich. Da steht, nicht alleine, aber doch am deutlichsten wahrnehmbar, die durch die jüngsten Bischofsweihen gesicherte Fortexi­stenz der Piusbruderschaft dagegen. Diese Gemeinschaft wird auch durch die von einem seit dem Abgang Benedikts immer unglaubwürdiger auftretenden Vatikan ausgespro­chenen Exkommunikationen nicht einfach so verschwinden.

Und all die anderen, die sich nicht auf die synodalen Abwege verführen lassen wollen, auch nicht.

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