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„Ich schweige nicht“ – P. Joachim Heimerl von Heimthal zur gegenwärtigen Kirchenkrise

15. Juli 2026

6 - Kirchenkrise

Das Photo zeigt P. Heimerl von vorne im Messgewandanscheinend bei der Zelebration eines feierlichen Hochamtes

P. Joachim Heimerl

Giuseppe Nardi von katholisches.info hat dieser Tage ein ausführliches Interview mit P. Joachim Heimerl geführt, in dem der als Pensionist in Mün­chen lebende österreichische Priester Auskunft zu einigen Erscheinungen der aktuellen Kirchenkrise und seinem persönlichen Umgang damit gibt. Wir haben daraus einige aussagekräftige Abschnitte zusammengestellt, können jedoch unseren Lesern sehr empfehlen, auch das ganze Interview auf katholisches.info zur Kenntnis zu nehmen.

 

Giuseppe Nardi: Jeder Priester verspricht bei seiner Weihe seinem Bischof Ehrfurcht und Gehorsam. Wie gehen Sie mit diesem Versprechen in einer Situation um, in der Sie offenbar überzeugt sind, aus Gewissensgründen nicht schweigen zu können?

Joachim Heimerl von Heimthal: Ich habe schon lange die Absicht, meinen Lesern Adieu zu sagen. Meine Gesundheit wird nicht besser, und ich werde das Schreiben sicher schon aus diesem Grund über kurz oder lang aufgeben müssen. Genau das habe ich übrigens auch dem Erzbischof gesagt.

Der Gehorsam, den jeder Priester bei der Weihe verspricht, gilt einzig Christus und der Kirche.

Ich habe mich an diesen Gehorsam immer gehalten und Christus und der Kirche mit meinen Texten gedient, so gut ich es vermochte.

Niemals habe ich etwas geschrieben, was gegen den Glauben der Kirche verstößt; im Ge­gen­teil: Ich habe mit meinen Texten das Evangelium verkündet und den überlieferten Glauben bewahrt, und auch das habe ich bei der Weihe versprochen.

Das Versprechen des Gehorsams steht ja gerade nicht über den anderen Weiheverspre­chen und schränkt diese schon gar nicht ein. Allerdings ist es leider üblich geworden, dass viele den Gehorsam als „Kadavergehorsam“ missverstehen, gerade in eher traditionellen Kreisen. Das ist jedoch eine Pervertierung dessen, was der wirkliche Gehorsam meint. (...)

Giuseppe Nardi: Drohen Ihnen im Ernstfall kirchenrechtliche Maßnahmen bis hin zur Suspendierung? Bereitet Ihnen diese Aussicht Sorge?

Wie erleben Sie diese Situation persönlich – als Priester, aber auch als Mensch?

Joachim Heimerl von Heimthal: Ich bin nicht der Typ, der Angst hätte oder der klein beigibt, und schon immer habe ich den seligen Pater Rupert Mayer bewundert, der zu sagen pflegte: „Ich schweige nicht!“ – Kein Priester darf schweigen, und am wenigsten über die Missstände in der heutigen Kirche, deren authentisches Lehramt sich inzwi­schen teilweise selbst suspendiert hat. – Nein, ich weiß mich frei von Angst um mich selber; mir kann niemand etwas tun. Ich lebe schon immer frei von äußeren Abhän­gig­keiten, und das provoziert natürlich nur umso mehr; ich habe mich im Laufe meines Lebens daran gewöhnt.

Schon in meiner Jugend hat mich übrigens die Gestalt der Marie de l’Incarnation in Le Forts Novelle „Die Letzte am Schafott“ begeistert, die vor dem Revolutionstribunal sagt: „Wovor sollten wir erschrecken außer vor dem Gedanken, Christus zu missfallen, den feierlich bekennen zu dürfen Sie uns hier die Ehre erweisen!“ Das ist schon lange mein persönliches Vorbild, und genau diese Tapferkeit brauchen wir auch heute in einer Kir­che, die sich – ebenfalls in einer Revolution – immer mehr von dem entfernt, was sie selbst immer gelehrt und geglaubt hat.

Marco Politi hat das treffend einen „Bürgerkrieg“ in der Kirche genannt, und in diesem Bürgerkrieg müssen wir uns in der Weise bekennen wie Marie de l’Incarnation. Genau das werde ich tun, und diese Haltung werde ich niemals aufgeben; ich würde mich sonst selber verachten. Ein Mann, der nicht zu seinen Überzeugungen steht, ist eine lächerliche Figur, und davon haben wir in der Kirche genug.

Die „Strafen“, die man mittlerweile gegen rechtgläubige Priester verhängt, sind will­kür­lich und treffen über kurz oder lang sicher jeden von uns, der beim „alten“ Glauben bleibt: „Suspendierung“, „Laisierung“, „Exkommunikation“ – nacheinander oder alles zusammen; man weiß es nicht.

Was sich hinter diesen wohlfeilen „Strafen“ verbirgt, ist jedoch nichts weniger als eine Infragestellung des Weihesakraments: Priester ist man aber auf immer und ewig, und nicht einmal ein Papst könnte das ändern, ganz gleich, welche „Strafe“ man über einen Priester verhängt. Christus selber bleibt jedem Priester treu, und jedes Sakrament, das er in seinem Namen spendet, spendet er deshalb ausnahmslos gültig. Das ist ein großer Trost und eine unermessliche Gnade.

Die Strafaktionen gegen rechtgläubige Priester sind vor diesem Hintergrund eine Farce geworden, und ich nehme sie nicht mehr ernst. Letztlich sind sie ein Ritterschlag für die, die noch treu zur Kirche stehen. – Meine Familie hat den Ritterschlag allerdings bereits aus der Hand Kaiser Karls VI. erhalten, und ich gedenke nicht, dem keine Ehre zu ma­chen und einfach zu schweigen. Christus ist mein Richter, niemand sonst.

Giuseppe Nardi: Sie gehören zu den profiliertesten Kritikern der gegenwärtigen Ent­wicklung in der Kirche. Was bereitet Ihnen derzeit die größten Sorgen?

Was verstehen Sie unter der sogenannten „synodalen Kirche“? Ist dieser Weg aus Ihrer Sicht eine Erneuerung oder eher eine Gefährdung der katholischen Identität?

Joachim Heimerl von Heimthal: Kein Mensch weiß, was „Synodalität“ konkret überhaupt sein soll. Es handelt sich dabei um eine fragwürdige Phantasie von Papst Franziskus, die leider nicht mit ihm ins Grab gesunken ist.

Tatsächlich kennt die Kirche diesen Begriff jedoch nicht. Darüber hinaus ist sie ihrem We­sen nach eben nicht „synodal“, sondern katholisch und apostolisch. Wer anderes be­hauptet, ist nicht katholisch, sei er auch Bischof oder Papst. Hinter der Chiffre „synodal“ verbirgt sich in Wahrheit nichts anderes als der leicht durchschaubare Versuch, in die Kirche protestantische Häresien einzuführen und diese als „katholisch“ auszugeben.

Wie bei allen Revolutionen ist es dabei üblich geworden, dass man vehement und mit aller Härte auf haltlose Ideologien eingeschworen werden soll, und wehe dem, der dem Druck standhält und sich weigert, sich zur Ideologie der „synodalen Kirche“ zu bekennen.

Letztlich haben sich Franziskus und seine Leute diese Methode wohl bei den Diktatoren des 20. Jahrhunderts abgeschaut, aber sicher nicht bei Jesus Christus.

Dazu passt die Lüge von einer angeblich „hörenden“ Kirche, die für alle offen sein soll und in der sich jeder äußern kann, wie er möchte. Dass das nicht stimmt, sieht man sehr deutlich an meinem Fall: Wer – wie ich – am überlieferten katholischen Glauben festhält, wird niedergeknüppelt und mundtot gemacht. DAS ist „Synodalität“, wie man sie in der Kirche von heute versteht! – Na, bravo!

Zusammenfassend ist die „synodale Kirche“ das Erbe eines desaströsen Pontifikats, und wie es aussieht, wird Leo XIV. dieses Desaster vollenden, das allzu offensichtlich die Hand­schrift des Feindes trägt.

Ich bin mir aber sicher: Man hat die Rechnung hier ohne den Wirt gemacht. Der Herr der Kirche ist schließlich nicht der Papst. Die meisten Katholiken scheinen das jedoch inzwi­schen zu vergessen und fallen einem fanatischen Hyperpapalismus anheim, vor dem ich nur warnen kann und der nie katholisch war.

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Hier noch einmal der Link zur vollständigen Fassung auf katholisches.info. Dort finden sich auch interessante Leserbriefe – insbesondere der eines Prachtexemplars von wan­deln­dem Gehorsams-Kadaver:

„Ach, das freut mich, dass meine Mails mit einer Linksammlung an das Ordinariat offenbar doch nicht einfach verhallt sind. Zur Zeit glauben ja ziemlich viele Men­schen und Organisationen entscheiden zu müssen, was katholisch ist. Nur der Papst und die Bischöfe sollen es offensichtlich nicht. Ich wünsche Herrn Heimerl von Heimthal persönlich natürlich viel Kraft für seine Gesundheit. Viele seine Äußerungen lassen jedoch eine schwere Kränkung vermuten, die er öffentlich auslebt. Auf Hetze und perönliche Herabsetzung von Verantwortlichen kann ich aber gerne verzichten.“