Bemerkenswerte Zahlen geben Auskunft über den Zustand der Kirche
22. September 2026
Zahlensalat, Wortsalat, wie es euch gefällt.
Zahlen lügen nicht? Aber sie können ganz schön verwirren, und das Ergebnis ist dann oft genug von einer Lüge nicht mehr zu unterscheiden. Aber manchmal rutscht ihnen auch wider Willen die Wahrheit heraus, und zwei solche seltenen Ereignisse waren in den vergangenen Tagen zu verzeichnen. Die erste Zahl war eine „55“, die dem Summarium Decretorum 2025 des Vatikans zu entnehmen ist: Danach erhielten weltweit 55 Pfarreien in 34 Diözesen eine jeweils auf zwei Jahre befristete Sondererlaubnis, die gefährliche Messe nach dem Messbuch von 1962 zu feiern – das ist etwa 0.2 Promille der Pfarreien in etwa 1 Prozent der Diözesen auf der ganzen Welt.
Dabei geht aus den vorliegenden Zahlen nicht hervor, in welchem Umfang dabei auch Pfarrkirchen erfaßt sind, die in offiziellem Bischofsauftrag von Priestern traditionsnaher Gemeinschaften betreut werden – davon gibt es in Nordamerika ungefähr 85. In der Praxis macht das insoweit einen Unterschied, als in offiziell solchen Gemeinschaften übertragenen Pfarreien in der Regel und bis auf Weiteres auch die Sakramente nach den Büchern von 1962 gespendet werden können, während das für Pfarrkirchen, in denen Diözesanpriester im Auftrag des Bischofs zelebrieren, nach Traditionis Custodes ausdrücklich untersagt ist. In Bezug auf die Zahlen macht das freilich keinen großen Unterschied, und danach ist die Aussage dieser Zahlen unmißverständlich und eindeutig: chied, und danach ist die Aussage dieser Zahlen unmißverständlich und eindeutig: Rom ist unter Anspannung aller Kräfte bemüht, die „Brandmauer“ gegenüber der überlieferten Liturgie, d.h. gegenüber der eigenen Vergangenheit in Lehre und Gottesdienst, aufrecht zu erhalten. Dabei können die römischen Revolutionäre auch auf breite Unterstützung lokaler Vasallen zählen, wie an dem Kesseltreiben gegen Prof. Waldstein an der Hochschule Heiligenkreuz (https://rorate-caeli.blogspot.com/2026/09/persecution-and-censorship-of.html//) zu sehen ist.
Und dennoch: Daß diese Kräfte nicht mehr allzu weit reichen, ist aus einer zweiten Zahl zu erschließen, die in den vergangenen Tagen öffentlich geworden ist. Pater Schmidtberger von der FSSPX hat in seinem Newsletter vom 14. September mitgeteilt. daß in den bald drei Monaten seit den verbotenen Bischofsweihen und den anschließenden nach Ansicht vieler Kanonisten rechtsunwirksamen Exkommunikationen insgesamt zwei Priester der Bruderschaft vom Begnadigungsangebot des Polizeichefs Fernandez Gebrauch gemacht und um Übernahme in eine wie es so schön heißt „in Gemeinschaft mit dem hl. Stuhl stehende“ Jurisdiktion nachgesucht haben. Zwei von über 730 – das bringt uns wieder in den Promilllebereich, nur diesmal auf der anderen Seite und mit anderem Gewicht.
Diese „2“ ist umso aufschlußreicher, als es bei der FSSPX wie bei allen Vereinigungen mit mehr als fünf Mitgliedern zweifellos eine erheblich Zahl von Mitgliedern gibt, die aus dem einen oder anderen Grund unzufrieden mit der Gemeinschaft, ihrer Führung und der einen oder anderen von deren Maßnahmen sind und die in normalen Zeiten durchaus bereit sein könnten, über einen Wechsel nachzudenken. Das Gras auf der anderen Seite des Zauns sieht immer grüner aus. Aber die Bedingungen für Rekonziliations-Interessierte sind so haarsträubend. daß kaum jemand diesen Schritt ernsthaft in Erwägung ziehen wird: Er würde sich damit voll und ganz der Willkür der gerade im Vatikan das Wort führenden Gruppe und des ihm gnädig Unterschlupf gewährenden Ortsordinarius ausliefern. Noch nie soweit wir in die Kirchengeschichte zurückschauen können, waren die damit verbundenen Unsicherheiten so groß wie heute.
Tatsächlich ist unter diesen Bedingungen eher damit zu rechnen. daß mehr bisherige Diözesanpriester, die von ihren Amtsbrüdern und Bischöfen gemobbt und schikaniert werden, sich überlegen, ob sie nicht vielleicht einmal bei Pius anklopfen wollen. Die FSSPX hat allerdings ebenfalls recht strenge Annahmebedingungen – aber die sind jedenfalls nicht in dem Ausmaß der Willkür unterworfen wie das derzeit in Rom der Fall ist. Und vielleicht findet sich die Bruderschaft ja auch bereit, ihre Bedingungen – in einem geordneten Verfahren, versteht sich – dahingehend zu überprüfen. daß man den Priestern, die sich in einer kaum erträglichen Notlage sehen, eine leichter zugängliche Perspektive bietet. Niemandem ist damit gedient, wenn die objektiv existierende Notsituation Priester ins Vagantentum oder in manchmal recht obskure Splittergruppen am Rand der traditionellen Bewegung treibt.
Und an dieser Stelle sind noch ein paar weitere Zahlen ins Auge zu fassen. Die vielleicht wichtigste und deprimierendste: Schon ohne eine solche Fluchtbewegung sieht es in vielen Ländern um die Zukunftsperspektive des Diözesanklerus schlecht aus. In den 27 deutschen Diözesen wurden im vergangenen Jahr 30 Priester geweiht; in 11 Diözesen – darunter Schwergewichten wie Münster, Aachen und Mainz – gab es keine einzige Priesterweihe. Im Jahr 1 nach dem großen Konzil, das der Kirche einen neuen Frühling versprach, wie es ihn seit dem ersten Pfingsten nicht mehr gegeben hatte, und dessen Beschlüsse (auch wenn niemand so richtig weiß, was sie eigentlich sagen wollen) auf Ewigkeit unveränderlich feststehen, in diesem glücklichen Jahr 1966 waren es noch 447 – hallo Rom, wir haben ein Problem, hört ihr uns? Die „zuhörende Kirche“, die uns seit Franziskus dreimal wöchentlich versprochen wird, leidet offensichtlich unter Schwerhörigkeit, und mit den Augen ist es auch nicht mehr so weit her.
Wer soll unter solchen Umständen auf dem sinkenden Schiff anheuern?
Alles, was sich in der Kirche seit den Bischofsweihen am 1. Juli ereignet hat, ist geeignet, die Richtigkeit und Unvermeidlichkeit dieser Weihen vom 1. Juli Aktes zu unterstreichen – Rechtswidrigkeit hin, Exkommunikationen her. Gerade in Deutschland rückt der Punkt näher, zu dem es selbst bei der stark sinkenden Nachfrage nicht mehr genug Priester geben wird, um die Sakramente zu spenden und die Lehre (oder was davon übrig geblieben ist) zu verkünden. Aber die Zukunft des Vereins als staatstragende NGO erscheint gesichert – vorerst.
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