Die französische Kirche nach dem II. vatikanischen Konzil in Zahlen
1. Oktober 2026
Papst Leo - inszeniert und umjubelt wie ein Pospstar
Der jüngste Papstbesuch in Frankreich lieferte Bilder von unübersehbaren Menschenmassen, die den Papst freudig begrüßten oder an Gottesdiensten unter seinem Vorsitz teilnehmen. In weltlichen und kirchlichen Medien ist nachgerade von einer Wiedergeburt der katholischen Kirche in Frankreich die Rede. Papst Leo selbst nahm die erfreulichen Bilder und Nachrichten zum Anlaß, davon zu sprechen, wie viel das katholische Frankreich dem II. Vatikanischen Konzil zu verdanken habe. Und genau wegen dieser historisch unhaltbaren Aussage, die sich nahtlos einfügt in die vielen Geschichtsklitterungen zur Heiligsprechung des überaus glorreichen Konzils aus dem vergangenen Jahrhundert, erscheint es uns unabdingbar, ein wenig Wasser in den Wein des allgemeinen Jubels zu schütten.
Die Wahrheit ist, daß sich die französische Kirche seit 1960 von einer nahezu flächendeckenden Volkskirche zu einer deutlich kleineren, religiös praktizierenden Minderheit entwickelt. Besonders stark sanken der sonntägliche Messbesuch, die Kindertaufen, die kirchlichen Eheschließungen und die Priesterweihen. Noch nicht einbegriffen ist hier die Verminderung der Glaubenssubstanz auch bei „Praktizierenden“, die sich nur teilweise aus anderen statistischen Befunden wie z.B. zum Verständnis der Realpräsenz im Sakrament des Altares erschließen läßt. Alles in allem geben die Zahlen für Frankreich einen ebenso unerfreulichen Befund wie in Deutschland.
Eine von Perplexity erstellte Tabelle liefert folgendes Bild:
| Indikator | etwa 1960 | 1980 | 1990 | 2000 | 2010 | 2020 | 2024 / jüngster Wert |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Sonntäglicher Messbesuch | ca. 25–45%* | — | — | — | — | — | unter 2% |
| Katholische Taufen insgesamt | ca. 650.000–700.000 Geburten; ca. 93% der Kinder binnen drei Monaten getauft | 513.501 | 472.130 | 401.054 | 306.841 | 173.300 | ca. 186.165 |
| Kirchliche Eheschließungen | — | 217.479 | 147.146 | 122.580 | 75.635 | 36.916 | ca. 40.678 |
| Priesterweihen | mehrere hundert bis über 1.000 jährlich | — | — | — | — | — | 105 |
Die vielen Striche bedeuten, daß Perplexity wegen Unsicherheit über die zum Teil sehr voneinander abweichenden angegebenen Werte keine Zahl liefern will. Anfangs- und Endpunkte sind dennoch aufschlußreich.
Einige Zahlen hieraus können wir noch besonders kommentieren. Zu Beginn der 1960er Jahre wurden nach einem Artikel in Vatican News rund 93% der Kinder innerhalb der ersten drei Monate getauft. Heute werden Kinder vielfach überhaupt nicht oder erst später getauft; nach einer aktuellen Einschätzung liegt der Anteil der innerhalb der ersten sieben Lebensjahre Getauften wahrscheinlich unter 20%. Dabei ist allerdings zu beachten, daß von den jährlich derzeit etwa 630 000 Geburten (1965 waren es 900 000) in Frankreich nur 415 000 auf Familien entfallen in denen beide Eltern bereits in Frankreich geboren sind – die also mit größerer Wahrscheinlichkeit selbst getauft sind, als die rund 200 000 Geburten in Familien mit einem oder zwei im Ausland geborenen Elternteilen.
Bei den Priesterweihen ist der Einbruch noch dramatischer – auch wenn die Zahlenlage wegen Schwankungen in der Methodik (z.B. Unterscheidung von Ordens- und Weltklerus) etwas unsicher ist. Die Tendenz ist freilich eindeutig: Während Mitte des 20. Jh. jährlich viele Hunderte, in manchen Jahren sogar über tausend, Priester neu geweiht wurden, schwankt die Zahl in den letzten Jahren um die hundert mit einem bisherigen Tiefpunkt von 88 für das Jahr 2023.
Ebenso dramatisch ist der Rückgang bei den Zahlen der Ordensfrauen, wobei hier die Unsicherheiten noch größer sein können als bei den Priesterzahlen Für die Ermittlung der großen Tendenz reichen die verfügbaren Zahlen jedoch völlig aus: Bei den professionierten Ordensfrauen sank die Zahl von einem Höhepunkt 1969 mit 114 000 Schwestern auf 17 452 im Jahr 2024. Unser Berater Perplexity schlussfolgert dazu glaubwürdig: „Die traditionelle weibliche Ordenslandschaft Frankreichs ist seit etwa 1960 zahlenmäßig zusammengebrochen; die gegenwärtige Entwicklung besteht eher aus kleinen, punktuellen Neugründungen und internationalisierten Gemeinschaften als aus einer breiten Erneuerung der großen französischen Kongregationen.“
Die hier weitergegebenen Zahlen haben wir innerhalb einer knappen Stunde unter Nutzung von Suchmaschinen und KI-Angeboten im Internet ermittelt. Sie dürften also auch für die theologischen Berater und Redenschreiber des Papstes verfügbar sein – von internen Unterlagen aus den Berichten der Bischöfe und Ordensoberen ganz zu schweigen. Wenn der äußere Anschein der Bilder bei der Frankreichreise des Papstes also so triumphalistisch gedeutet wird, wie das in Äußerungen des Papstes selbst und zahlreicher kirchlicher Veröffentlichungen geschieht, deutet das auf eine bemerkenswert hohe Bereitschaft hin, sich selbst – und andere – über die tatsächliche Situation der Kirche seit dem angeblichen „neuen Pfingsten“ des Jahres 1965 zu täuschen.
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