Kurzer Bericht zur Lage drei Monate nach den Bischofsweihen der FSSPX.
06. Oktober 2026
Volles Haus bei der Piusbruderschaft
Die Bischofsweihen der FSSPX liegen nun auch schon drei volle Monate zurück – Zeit für einen ersten Überblick über die gesamtkirchlichen Auswirkungen dieser Weihen und der nachfolgenden Exkommunikationserklärung von Glaubenspräfekt Fernandez. Um einen wichtigen Befund vorwegzunehmen: Allzu spürbar sind die Auswirkungen bisher nicht. Allerdings gibt es Anzeichen für bemerkenswerte Unterschiede in der Entwicklung zwischen Mitteleuropa und den USA.
In Mitteleuropa sind praktisch keine Auswirkungen spürbar, sieht man einmal von den wenigen spektakulären Fällen ab, bei denen in Lourdes, Assisi, Mariazell oder Fulda organisierten Wallfahrergruppen der FSSPX die Feier von Gottesdiensten in Kirchen unter diözesaner Oberhoheit untersagt wurde. Das kann man kritisieren – ist nach Verkündigung der Exkommunikationen aber schwerlich anders zu erwarten: Kein Bischof aus der gegenwärtigen Riege wird es riskieren, durch die Gestattung von Liturgien der FSSPX in seiner Jurisdiktion unterstehenden Kirchen den Zorn Roms zu provozieren. Wären es Anglikaner, oder vielleicht auch Hindus, könnte er ja eine ökumenische oder interreligiöse Ausnahme machen – aber Piusbruderschaft – das geht jetzt überhaupt nicht mehr.
In den USA stehen die Dinge insoweit anders, als die dort ohnehin schon stärkere Zuspitzung der Konflikte zwischen modernistischen und traditionalistischen Kräften seit den Bischofsweihen noch einmal deutlich zugenommen haben. In mehreren Diözesen gibt es jetzt überhaupt keine kirchenrechtlich „legalen“ alte Messe mehr – genannt werden Knoxville,/Tennessee, Helena/Montana, Seattle/Washington, Great Fall/Montana und Owensboro/Kentucky. In anderen Bistümern wurde – teilweise schon vor dem 1. Juli, die Möglichkeit zur Teilnahme an einer „in Gemeinschaft mit Rom stehenden“ TLM enorm reduziert – etwa in Charlotte/North-Carolina unter dem berüchtigten Bischof Martin.
Auf der anderen Seite haben einige Diözesen das „Angebot“ an legalen Messen in der überlieferten Liturgie in den vergangenen Monaten ausgeweitet – zumeist mit dem Hinweis, man dürfe das Feld doch nicht den Schismatikern überlassen. In Arlington/Virginia gibt es inzwischen 8 Meßorte unter diözesaner Verantwortung, außerdem wurde erstmals der Petrusbruderschaft die Tätigkeit in der Diözese erlaubt. In der Regel sind diese Diözesanen TLM mit Auflagen und Regelungen verbunden, die sicherstellen, daß keine Gemeindebildung erfolgt und vor allem auch keine weiteren Sakramente in der überlieferten Form gespendet werden.
Daraus ergibt sich also bereits an der Oberfläche eine deutlich differenziertere Situation als in Mitteleuropa. Unter der Oberfläche sind noch weitaus heftigere Bewegungen erkennbar. Sie bestehen teils aus Konflikten zwischen einzelnen Gruppen von Gemeindemitgliedern untereinander oder mit ihren Priestern, teils sind auch die Bischöfe einbezogen. Besonders konservative Priester in progressiv regierten Diözesen haben einen schweren Stand – nicht nur gegenüber ihren Bischöfen, sondern auch gegenüber ihren Mitbrüdern. Die daraus resultierenden Konflikte werden zwar traditionell „unter der Decke“ gehalten, scheinen sich seit dem 1. Juli jedoch soweit zugespitzt zu haben, daß in den vergangenen Wochen zwei Fälle bekannt geworden sind, in denen Bischöfe gegen Diözesanpriester, die sich zu eng mit der Piusbruderschaft eingelassen haben, Disziplinarmaßnahmen ergriffen oder eingeleitet haben.
Im Unterschied zu den beiden Fällen von Austritten aus der Piusbruderschaft, von denen P. Schmidberger unlängst berichtete, sind hier noch weitere Informationen bekannt. Der erste Fall betrifft Fr. Philip Conklin aus der Erzdiözese St. Paul and Minneapolis in Minnesota, der sich Ende September der Piusbruderschaft „assoziiert“ hat. Conklin ist vom Weihejahrgang 2024 und hat Berichten nach im neokonservativ dominierten Umfeld der Diözese nie richtig Fuß fassen können. Der zweite Fall betrifft Fr. David Mary Engo aus der Diözese Knoxville, in der zum ersten Januar dieses Jahres sämtliche Messen im überlieferten Ritus unter Berufung auf Traditionis Custodes eingestellt worden waren.
In beiden Fällen nutzte die betroffenen Diözesen die Bekanntgabe der Maßregelung der beiden Priester zu einer dringlichen Mahnung an die Gläubigen, die nach wie vor bestehenden Meßangebote der Piusbruderschaft unter Androhung der Exkommunikation zu meiden – mit wenig Erfolg, wie aus dem Umstand zu ersehen ist, daß die Bruderschaft sich veranlaßt sah, die Zahl ihrer Meßorte zu erhöhen und an mehreren Orten mit dem Bau neuer Kirchen begonnen hat. Im übrigen ist aus den Zahlen für die ersten drei Monate nach Bischofsweihen und Exkommunikation nicht allzuviel abzuleiten – außer dem einen: Anders als 1988, als die auch damals mit der Exkommunikation geahndeten Bischofsweihen zum Austritt einer größeren Zahl von Priestern aus der Bruderschaft und der anschließenden Gründung der Petrusbruderschaft führten, ist es in diesem Jahr hinsichtlich des Bestandes der Bruderschaft zu keinen wahrnehmbaren Verwerfungen gekommen; der Zustrom der Gläubigen hat sich dem Vernehmen nach überall weiter erhöht, und wie sich die Zahl der Seminaristen und Neueintritte entwickelt, bleibt abzuwarten.
Mit administrativen Mitteln und halbherzigen Kompromissen wie der jederzeit widerrufbaren Gewährung einer Sonntagsmesse im alten Ritus gegen ein Treuegelöbnis zum II. Vatikanum und seiner synodalistischen Interpretation ist dem Beharren der Taditionalisten auf der überlieferten Liturgie und Lehre jedenfalls nicht beizukommen. Im mit Bischof Martin geschlagenen Bistum Charlotte hat die Bruderschaft unmittelbar nach Verkündigung der Exkommunikationen ein großes Stück Land (26 Acres) für den Bau eines neuen Stützpunktes erworben. Niemand zweifelt daran, daß das ehgeizige Projekt finanziert werden kann - und daß die Kirche nach ihrer Fertigstellung nicht nur sonntags ebenso gut besucht sein wird wie die anderen Kirchen der Bruderschaft.
*
Einen ausführlichen Bericht zur Kiche St. Mary Immaculat und dem Ort und den Umständen ihrer Entstehung haben wir bereits im Jahr 2023 gebracht.*