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Erste Priesterweihe bei den Zisterziensern von Hohenfurth (Vyšší Brod) seit 80 Jahren

27. Oktober 2026

4 - Gemeinden und Gemeinschaften

Flankiert von Diakon und Subdiakon steht Bischof Schneider mitten vor dem Altar und legt dem vor ihm knieenden Weihekandidaten die Hände auf.

Die Handauflegung - Forma des Weihesakraments

Gute Nachrichten reisen stets etwas langsamer. Erst heute erfuhren wir, daß bereits vor einem Monat im Kloster der Zisterzienser in Hohenfurth (Vyšší Brod, Tschechien) erstmals seit 80 Jahren wieder eine Priesterweihe stattfinden konnte. Geweiht wurde P. Rafael M. Klapper, der bis 2018 dem Trappistenkloster Mariawald angehört hatte und nach dessen Auflösung in Hohenfurth Zuflucht gesucht hatte. Weihender Bischof war der unermüdliche Weihbischof Athanasius Schneider aus dem Bistum der Gottesmutter von Kazan in Kasachstan. Einen ausführlichen Bildbericht von der Weihe und der Primiz haben die Zisterzienser von Hohenfurth ins Netz gestellt.

Wir nehmen das erfreuliche Ereignis zum Anlaß, einen Blick zurück auf das unrühmliche Ende des Trappistenklosters Mariawald (korrekte Bezeichnung für die Trappisten ist „Zisterzienser von der strengen Observanz“ (OCSO) zu werfen. Wir hatten seinerzeit den Reformversuch von Abt Vollberg (gewählt 2005) und dessen schließliches Scheitern (Rücktritt 2016) aufmerksam beobachtet und können auf eine Reihe älterer eigener Artikel zum Thema zurückgreifen.

Der Abtei Mariawald teilte das Schicksal vieler westdeutscher Klöster. Nach einem Höhepunkt im Jahr 1909, als der damals um die 40 Mönche beherbergende Konvent zur Abtei erhoben worden war, setzte ein langsamer Niedergang ein – teils von außen bedingt: Zwei Weltkriege machten aus den Mönchen Soldaten, 1941 lösten die Nazis das Kloster wegen „Staatsfeindlichkeit“ ganz auf. Nach Wiederaufbau und Wiederbesiedlung Ende der 40er Jahre stabilisierten sich die Zahlen noch einmal im Bereich von 20 – 30 Mönchen, doch ab den 70er Jahren setzte im Zuge des nachkonziliaren Eisfrühlings ein scharfer Rückgang ein: Immer weniger junge Männer fanden den Weg zum Eintritt ins Kloster, und das Zahlenverhältnis verschob sich immer mehr in Richtung auf ältere und nur noch begrenzt arbeitsfähige Jahrgänge. Dazu kamen gesellschaftliche Reformen und wirtschaftliche Entwicklungen, die die Lebensgrundlage des Klosters untergruben: Das Konversen-System brach zusammen, das Kloster konnte seinen umfangreichen Landbesitz nicht mehr selbst bewirtschaften sondern mußte verpachten – aber unter den Bedingungen der hochgelobten Europäischen Wirtschafts-Gemeinschaft hatten immer weniger Landwirte Interesse, die eher kargen und klimatisch benachteiligten Eifelböden zu nutzen.

Gravierender als diese Verschlechterung der äußeren Bedingungen war der spirituelle Niedergang im Gefolge des Konzils – der zunächst gerade in vielen Klöstern gar nicht als Niedergang erlebt wurde, sondern als Befreiung von überlebten Formen, Einschränkungen, Denkverboten… Die alte Ordnung und die mit ihr verbundene klösterliche Disziplin brachen zusammen, alles, was vielerorts jahrhundertelang unangefochtene Geltung hatte, wurde in Frage gestellt – und wurde nur in den seltensten Fällen durch neue, allgemein anerkannte Regeln ersetzt. Dieser allgemeine Trend setzte sich auch in Mariawald durch, und als die Kommunität sich anfangs der 2000er Jahre darauf vorbereitete, das hundertjährige Jubiläum der Erhebung zur Abtei zu feiern, gab es dort gerade noch einmal 11 oder 12 Klosterbrüder, Durchschnittsalter über 70.

Einer der wenigen jüngeren war Josef Vollberg (Jahrgang 1963), der nach einem Studium der Betriebswirtschaft ins Kloster gekommen war und von dem einige der Mönche hofften, mit solider Kenntnis der weltlichen Dinge und einer festen Verwurzelung in der katholischen Lehre und Tradition das Kloster wieder auf Kurz zu bringen. 2005 wählten sie ihn zum Abt – im gleichen Jahr, in dem Joseph Ratzinger zum Papst gewählt wurde und dazu ansetzte, die katholische Kirche mit ihrer vor DEM KONZIL liegenden Vergangenheit von 2000 Jahren zu versöhnen. Bei diesem Versuch spielte sowohl in Rom als auch in Mariawald die überlieferte Liturgie und die in ihr zum Ausdruck gebrachte Spiritualität und Traditionsbindung eine entscheidende Rolle.

In Mariawald propagierte Abt Vollberg die Rückkehr zur überlieferten Liturgie und zum Regelwerk der Zisterzienser von Montecistello, das zwar erst 1964 kodifiziert worden war, aber eine vom Konzilsgeist kaum berührte schonende Anpassung der Ordenstradition an die Erfordernisse der Neuzeit darstellte. Im Januar 2009 wurde das Konventsamt in Mariawald zum ersten Mal seit 40 Jahren wieder im überlieferten Ritus zelebriert. Liturgie und Regel - damit glaubte Abt Vollberg, die beiden entscheidenden Hebel zu einer Verbesserung der Situation in der Hand zu haben.

Doch auf beiden Feldern hatte er damit letztlich keinen Erfolg. Ein beträchtlicher Teil der Mitbrüder weigerte sich, mitzuziehen. Teils aus modernistischer Überzeugung, teils auch aus dem bei älteren Herrschaften nicht ganz unverständlichem Unwillen, sich (ein zweites Mal in ihrem Leben!) auf tief in ihr alltägliches und spirituelles Leben eingreifende Veränderungen einzulassen. Die Kommunität zerfiel in Fraktionen, und von den immer wieder an die Tore klopfenden Interessenten am zisterziensischen Ordensleben konnte über die Jahre hin kaum einer auf Dauer gehalten werden. Der jetzt geweihte P. Rafael Maria Klapper ist der Einzige, der uns namentlich bekannt ist. Nachdem es sich 2016 bis nach Rom herumgesprochen hatte, daß die Mitgliederzahl des Konvents unter das kanonisch geforderte Minimum gesunken war, gab es eine offizielle Visitation, der dann 2018 die Auflösung folgte, die dann von den Ordensoberen mit beträchtlicher Härte umgesetzt wurde. Seitdem ist die Abtei Geschichte; die Immobilie erweist sich als schwer nutzbar und noch schwerer verwertbar.

Nach der Auflösung wurden die meisten früheren Mitglieder des Konvents in Altenheime von Orden oder Bistümern geschickt. Nur Bruder Sebaldus (Jahrgang 1940) blieb als eine Art Hausmeister im Kloster – er ist vor zwei Jahren in einem nahegelegenen Krankenhaus verstorben. Abt Vollberg und Fr. Klapper gingen nach Hohenfurth; der jetzt zum Priester geweihte Fr. Klapper trat dem dortigen „altrituellen“ Konvent bei und beendete dort sein Noviziat und sein Studium, Abt-Emeritus Vollberg lebt als Trappisten-Eremit in Hohenfurth, ohne sich dem dortigen Konvent unmittelbar angeschlossen zu haben.

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