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Ein neuer britischer Appell zur
Bewahrung der alten Messe

04. Juli 2024

1 - Liturgie

Porträtphoto des Komponisten Sir James McMillan

Initiator Sir James McMillan

Eine Gruppe prominenter britischer Intel­lektueller und Künstler hat ein Schreiben an den Vatikan gerichtet, in dem sie darum bittet, die Einschränkungen gegen die überlie­ferte Liturgie nicht weiter zu verschärfen, sondern diesem „großartigen spirituellen und kulturellen Erbe“ weiterhin die ihm zukommen­de Stellung zukommen zu lassen. Der von dem Komponisten James MacMillan initiierte Aufruf, der als offener Brief in der Times veröffentlicht worden ist, schließt ausdrücklich an das seinerzeit von Agatha Christie initiierte Schreiben an Papst Paul VI. an – das diesen schließlich zur Einräumung des so genannten „Agatha-Christie-Indultes“ veranlaßte. Damit wurde den britischen Bischöfen die Möglichkeit eingeräumt, unter besonderen Bedingungen auch weiterhin die Erlaubnis zur Zelebrationnach dem alten Missale (in der Form von 1965) zu geben. (Mehr dazu hier)

Der neue Appell aus England ist von Angehörigen unterschiedlicher Glaubensrichtungen unterzeichnet und argumentiert an erster Stelle mit dem kulturellen und künstlerischen Wert des Erbes der überlieferten Liturgie. Er bringt jedoch ebenso deutlich eine von vermutlich vielen glaubenstreuen Katholiken geteilte Überzeugung vom besonderen spirituellen und theologischen Wert der „Alten Messe“ zum Ausdruck, wenn er schreibt:

Es begint ein Zitat

„Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, das den Katholiken die Freiheit gab, in ihrer eigenen Sprache zu beten, versuchte eine Fraktion in der Kirche, die traditionelle Messe vollständig zu verbieten. Aus diesem Grund veröf­fent­lichten Schriftsteller und Künstler wie Agatha Christie, Vladimir Ashkenazy, Iris Murdoch und Ralph Richardson 1971 in der Times einen Appell an Rom. Dieser wurde als ‚Agatha-Christie-Brief‘ bekannt, weil Papst Paul VI. offenbar so erschrocken war, als er den Namen der „Queen of Crime“ sah, dass er die alte Messe weiterbestehen ließ.

2007 erteilte Papst Benedikt XVI. die Erlaubnis, sie überall dort zu feiern, wo sie den Bedürfnissen der Katholiken entsprach. Sie blühte auf. Im Jahr 2021 verbannte Rom die traditionelle lateinische Messe jedoch faktisch aus dem Gemeindeleben.“ Diese Entscheidung, so schreibt der Aufruf weiter, war „ein vernichtender Schlag für die Katholiken der Genera­tion Z, die in der alten Liturgie ihre spirituelle Heimat gefunden haben. (…) „Die Tatsache, dass es vatikanische Funktionäre gibt, die sich diesem kleinlichen, spießbürgerlichen Autoritarismus gegenüber ihren eigenen Glaubensbrüdern hingeben, ist auch für ein nicht-katholisches Publikum schockierend.Ende des Zitats

Ob und wie weit dieser Appell in Rom irgend etwas bewirken kann, ist schwer zu sagen. Zahl und Einfluß der im Brief erwähnten „spießbürgerlich autoritären Funktionäre“ hat gegenüber den Zeiten Pauls VI. noch einmal deutlich zugenommen, und von den meisten heutigen Inhabern kurialer Machtpositionen muß man befürchten, daß ihnen weder die Namen der Unterzeichner von 1971 noch von 2024 allzu viel bedeuten.

Der Aufruf ist offensichtlich unter dem Eindruck der in Rom seit Wochen kursierenden Berichte und Gerüchte entstanden, daß die Veröffentlichung weiterer Dokumente mit weiteren Einschränkungen für die überlieferte Liturgie unmittelbar bevorstehe. Der Vatikan hat diese Berichte inzwischen auf dem Umweg über die Stimme des franzö­sischen Episkopats „La Croix“ zurückweisen lassen. Das kann man wie jedes Dementi auch als Bestätigung lesen. Zumindest in der Sache – der Termin wird möglicherweise wieder einmal verschoben, da sind die Kurialen sehr flexibel, wie wir das erst vor weni­gen Tagen hier beschrieben haben. Ein am 3. Juli auf The Pillar erschienener Bericht bekräftigt uns jedenfalls in der Vermutung, daß die in der Giftküche von Litugiepräfekt Roche und Bugnini-Ring-Träger Viola entstandenen Dokumente bereits unterschriftsreif vorliegen und nur noch auf einen geeigneten Zeitpunkt für die Inkraftsetzung warten. Diese kann dann nach den unter Bergoglio eingeführten Sitten „mit sofortiger Wirkung“ erfolgen.

Die Zielsetzung bleibt unabhängig vom Zeitpunkt immer die gleiche: Völlige Verbannung der überlieferten Liturgie als des wichtigsten Verbindungsgliedes zur apostolischen Lehre und Tradi­tion der Kirche aus dem „öffentlichen Raum“ von Diözesen und Gemeinden, Abdrängung der Ecclesia-Dei-Gemeinschaften in ein immer stärker eingemauertes Ghetto, in dem sie schließlich aus Mangel an Wirkungsmöglichkeiten jede Attraktivität für Seminaristen verlieren sollen. Wenn das alles nicht reicht, kann man immer noch wie seinerzeit bei den Franziskanern der Immakulata und jetzt aktuell bei den Missionaren der göttlichen Barmherzigkeit durch das Verbot von Priesterweihen die Notbremse ziehen.

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