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Zwischen „Inkulturation“ und „Exkulturation“ – ein Modetrend im Zwielicht

06. Juli 2024

3 - Tradition - Kunst und Kultur

Christus als weiser Mann der Apache- Nähere Beschreibung im Text.

Der Stein des Anstoßes: Christus als Apache

Die aus den USA berichtete Aufregung um die (zeit­weilige) Entfernung eines als Apache verkleideten Christus (oder ist es eher ein als Christus verkleideter Apache?) gibt dem Dauerthema der „Inkulturation“ eine aktuelle Spitze. Aus Asien sind uns Heiligenbilder – auch Christus, auch Maria – mit ost- oder westasiatischen Gesichtszügen ebenso bekannt wie schwarze aus Afrika. Zumindest die, die wir in einem in weiterem Sinne kirch­lichen Umfeld gesehen haben, scheinen nie Anstoß erregt zu haben, und das hat einen sehr einfachen Grund: Sie sind sämtlich von der mehr oder weniger erfolgreich verwirk­lichten Absicht getragen, den überlieferten christlichen Inhalt der Bilderwelt, wie sie uns in der heiligen Schrift und der katholischen Tradition vor Augen tritt, in der Formen­sprache der jeweiligen Kultur vorzustellen.

Dabei entstehen Bilder, die in ihrer Aussage meistens völlig unbedenklich sind, oft frei­lich auch die Grenze zum Kitsch ebenso weit überschreiten wie man das von gewissen europäischen Devotionalien ebenfalls kennt. Auf Etsy.com findet man etwa hier zahl­reiche Beispiele dieses Genres. Manchmal erreichen solche „inkulturierten“ Bildwerke aber auch beeindruckendes handwerkliches, künstlerisches und spirituelles Niveau wie „Unsere Liebe Frau von Kibeho“, die wir kürzlich schon einmal gezeigt haben. Ähnlich großartige, aber auch manche kitschverdächtige, Beispiele gibt es auch aus Ostasien.

Eine schöne Übersicht über „Maria als Frau aller Völker“ gibt diese Pinterest-Seite unter dem garantiert rassismus-freien Titel „13 Beautiful Non-White Depictions of the Blessed Virgin Mary“. Darstellungen Christi als „non-white“ sind seltener (und dann oft auch ideo­logisch aufgeladen), gehören andererseits aber zum Beispiel in der Kunst der Kopten seit jeher zum eigenen kulturellen Erbe. Sie sind nicht „inkulturiert“, sondern „Eigen­gewächs“.

Das kann aber nicht heißen, bewußt „inkulturierten“, also aus der westlichen Bilderspra­che in ein eigenes Idiom übertragenen Bildwerken, ihren Wert abzusprechen. Durch die „einheimische Darstellung“ können sie für Menschen, die in einer bestimmten Kultur beheimatet und durch sie geprägt sind, die Zugangsschwellen zum dargestellten Inhalt absenken – und das ist rundum positiv zu sehen.

Den indianischen Jesus hätten wir, da wir von der Kultur, dem seine Formensprache entstammt, nur wenig wissen, zunächst einmal ebenso wohlwollend betrachtet. Doch dann gibt es die Aussage des Priesters, der die Entfernung des Bildes veranlaßt hat, daß der Inhalt der Darstellung „nicht christlich“ sei – und das hat uns zu weiteren Recherchen veranlaßt. Das führte uns unter anderem zur Website des Museums für Volkskunst in Zentraltexas, in dem eine Reproduktion des Apache-Jesus ausgestellt ist – zusammen mit einer vermut­lich auf den Künstler selbst zurückgehenden Erklärung dessen, was da dargestellt ist.

Der Apache-Christus hat seinen Ursprung in der Kultur der Mescalero-Apachen von Neu-Mexiko. Auf dem Druck ist Christus als „holy man“ (Weiser, Schamane, Medizin­mann) der Mescalero dargestellt, wie er die Sonne am vierten Morgen der Zeremonie für das Erwachsenwerden der Frauen begrüßt. Das gehört zu den heiligsten Zeremonien der Apachen und feiert die Heiligkeit der Gabe, neues Leben hervorzubringen. In seiner linken Hand ist ein Sonnensymbol dargestellt, in der rechten hält er eine Rassel aus Hirschhufen. Ein Korb zu seinen Füßen enthält eine Adlerfeder, einen Grasbesen und Beutel mit Tabak und Pollen von Schilfkolben, die in der Zeremonie verwandt werden. Er steht über dem 3600m hohen „Sierra Blanca“, dem heiligen Berg der Mescalero. Hinter ihm fliegt ein Adler, der die Apachen erstmals in ihr „gelobtes Land“ führte. Die Inschrift am unteren Rand ist in Apache „Spender des Lebens“ – das ist einer von ihren Namen Gottes. Die Buchstaben im Halo sind die griechische Version dieses Namens (wenn wir das recht erkennen konnten „ho ôn“, „der Seiende“, steht oft auf Christus-Ikonen). Die griechischen Buchstaben in den oberen Ecken der Ikone sind die Abkür­zung für „Jesus Christus“.

Das klingt nun nicht sehr überzeugend christlich, sondern eher danach, daß hier unter Berufung auf Christus nicht-christliche Vorstellungen transportiert würden. Christus als Medizinmann oder Schamane. Die Aussage des für die zeitweilige Entfernung verant­wort­lichen Priesters ist jedenfalls nicht so leicht von der Hand zu weisen, die Platzierung der Tafel als Altarbild ist höchst problematisch.

Schöpfer des fragwürdigen Kunstwerks ist übrigens ein Franziskanerbruder mit dem typischen Apache-Namen Robert Lenz, zu dem das Internet zu melden weiß: „Robert Lenz ist ein in den USA lebender Franziskaner, der in Anlehnung an russische Ikonen Heiligenbilder mehr oder weniger links-geneigter Heiligen produziert.“

Es wäre nicht das erste mal, daß hinter einem leidenschaftlichen „Inkulturierer“ jemand zum Vorschein kommt, der vor allem von dem Interesse geleitet ist, sich aus seiner christlichen Herkunftskultur zu exkulturieren. Und den als Schamanen verkleideten Christus gleich mit.

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