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Roches Manifest: Die liturgische Revolution verlangt immer neue Opfer

14. Januar 2026

von Chris Jackson

1 - Liturgie

Aufnahme eines gehetzt wirkenden Arthur Roche in den Büros der Kurie;

Arthur Roche: Stets auf der Flucht vor der Vergangenheit

Bevor wir unseren Text zum Thema fertigstellen konnten, lasen wir den von Chris Jackson auf seinem Substack - und waren davon so angetan, daß wir unsere Vorarbeiten auf ein kurzen Anhang zu Jacksons sehr aufschlußreichen Beitrag reduzierten.

Wir wollen daraus keine ständige Gewohnheit machen, aber es ist auch nicht einzusehen, daß jeder Autor aus dem Kreis der Tradition sich jedesmal für sich zu Wort meldet, wenn einer aus der Runde schon alles gesagt hat, was gesagt werden sollte. Zur Übersetzung haben wir wieder weitgehend auf Google Translate zurückgegriffen. (M.C.)

Alle paar Monate produziert die nachkonziliare Maschinerie ein neues Doku­ment, das Ruhe, Seelsorge, historische Fundierung und sogar Ehrfurcht vor der „Tradition“ vortäuscht. Doch dann fällt die Maske. Das Ziel ist stets daßelbe: Die alte Messe darf nicht nur reguliert, nicht nur „ausgewogen“, nicht nur „integriert“ werden. Sie muss ausgehungert, verächtlich gemacht und schließlich begraben werden.

Der Konsistoriumsbericht von Kardinal Arthur Roche ist die Essenz dieses Musters. Er ist für Kardinäle verfasst, als neutraler Überblick verpackt und basiert auf denselben drei Strategien, die das Regime seit Jahrzehnten anwendet: Erstens eine selektive Darstellung, in der „Reform“ als etwas Selbstverständliches erscheint. Zweitens eine moralisierende Definition von „Einheit“, die Uniformität mit Nächstenliebe gleichsetzt. Drittens ein Loya­litätstest, bei dem die Zuneigung zum Römischen Ritus als ekklesiologischer Mangel umgedeutet wird.

Der Trick mit den zwei Seiten

Der Bericht will bescheiden wirken. Er ist kurz, stichpunktartig, scheinbar „vernünftig“. Doch er ist auch in höchstem Maß voreingenommen. Er schmuggelt seine Schlussfolge­rung an den Anfang und läßt sie dann im restlichen Text als unausweichlich erscheinen.

Diese Schlussfolgerung ist simpel: Die alte Messe ist eine tolerierte Anomalie. Sie exi­stiert nur durch Zugeständnisse. Sie darf keinesfalls gefördert werden. Der „einzige Ausdruck“ des römischen Ritus ist die neue Liturgie. Eine Rückkehr zur älteren Form ist keine pastorale Möglichkeit. Sie ist ein Bruch der Ekklesiologie. Ein Katholik, der sich der Reform widersetzt, widersetzt sich dem Konzil. Dieser Katholik wird zum Problem. Das ist die Argumentation. Sie ist nicht subtil. Die einzige Subtilität liegt in ihrer Verpackung.

Reform als Schicksal

Roche beginnt mit der bekannten Geschichte: Die Liturgie habe „immer Reformen durch­laufen“. Didache, Traditio Apostolica, Griechisch-Latein-Übersetzung, Sakramen­tarien, Pontifikale, die franko-germanische Periode, die tridentinische Reform, die Anpassungen nach dem Konzil, dann das Zweite Vatikanische Konzil. Sehen Sie, Wandel hat es immer gegeben. Daher ist dieser Wandel vom selben Schlag. Das ist Rhetorik, nicht Geschichte. Die liturgische Entwicklung der Kirche war historisch gesehen organisch, langsam und konservativ. Sie war die Anhäufung geheiligter Gewohnheiten und nicht das Ergebnis der Planung eines Komitees. Sie war Stabilität mit gelegentlichen Anpas­sungen. Sie folgte nie dem Prinzip der permanenten Revolution.

Wenn Roche die tridentinische Standardisierung mit dem Abriss nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil gleichsetzt, greift er zu einer Zweideutigkeit. Er ver­wen­det „Reform“ als ein einziges Wort, um zwei sehr unterschiedliche Realitäten zu beschreiben.

Eine Reform, die einen überlieferten Ritus kodifiziert und schützt, ist nicht dasselbe wie eine Reform, die eine neue Ordnung schafft und den überlieferten Ritus dann als tole­riertes Relikt behandelt. Der ganze Bericht beruht darauf, daß Sie den Unterschied nicht bemerken.

Quo Primum als Bühnenrequisite

Roche zitiert den heiligen Pius V. Er führt die berühmte Aussage über einen einheitlichen Messritus an. Er möchte, daß die Argumentation zu Quo Primum ihm entgegenkommt. Doch sie widersetzt sich ihm. Pius V. argumentierte nicht, daß der römische Ritus nach Belieben umgestaltet werden könne, wenn die Kirchenleitung „Fortschritt“ wünsche. Im Gegenteil. Er festigte, schützte und stabilisierte das römische Messbuch nach einer Lehr­krise, damit der Gottesdienst der Kirche nicht zum Spielball regionaler Neuerungen und theologischer Abweichungen würde. Seine Reform war ein Schutzwall. Roche nutzt die­sen Schutzwall als Rammbock. Dieser Schritt offenbart auch, was „Einheit“ im Bericht bedeutet. Einheit ist nicht die Einheit des Glaubens in der Kirche, die sich in einem gemeinsamen Opfergottesdienst ausdrückt, der legitime Vielfalt zulässt. Einheit ist ein staatlich anerkannter Text, eine von der Regierung anerkannte Ritualkultur, eine auto­risierte Identität. Die alte Messe wird zur konkurrierenden Marke.

So bemüht er Quo Primum, als rechtfertige es ein universelles Monopol, obwohl die Geschichte zeigt, daß Pius V. ältere Riten anerkannte und Einheitlichkeit nicht als abso­lutes, von der Tradition losgelöstes Gut betrachtete. Roches Verwendung von Pius V. ist eine klassische bürokratische Taktik. Man zitiert den Heiligen, verdreht seine Aussage und tut so, als habe der Heilige nun seinen Segen dazu gegeben.

Einheit wird zu Einheitlichkeit umgedeutet

Der Bericht stellt Einheit als höchstes Gut in der liturgischen Frage dar. Er zitiert die Linie des neuen Regimes, die Kirche müsse „ein und dasselbe Gebet“ in „verschiedenen Sprachen“ sprechen, um Einheit auszudrücken. Dann schlussfolgert er, die reformierten Bücher seien die alleinige liturgische Basis des Römischen Ritus. Das ist eine revolutio­näre Behauptung.

Die liturgische Basis der Römischen Kirche entstand nicht erst 1969. Der Römische Ritus ist keine Produktlinie, die ihr Branding ändert und verkündet, das vorherige Mo­dell sei nun illegal. Die alte Messe ist keine Frage der persönlichen Frömmigkeit. Es ist der historische öffentliche Gottesdienst der lateinischen Kirche, kodifiziert und ge­schützt, empfangen und weitergegeben, tief im spirituellen Gedächtnis der katholischen Nationen verankert. Wenn Einheit die Zerstörung von Kontinuität erfordert, ist sie keine Einheit, sondern Konsolidierung von Macht.

Der Bericht stellt die alte Messe als Bedrohung der Einheit dar, gerade weil sie ein leben­diges Gegenbeispiel zum Slogan ist, die Reform sei „das Konzil im Gebet“. Solange der römische Ritus in seiner klassischen Form sichtbar bleibt, wirkt die Behauptung, die Re­vo­lution sei unvermeidlich gewesen, wenig überzeugend. Daher muss die alte Messe selten, stigmatisiert, isoliert und schließlich zum faktischen Aussterben gebracht werden. Das ist die Logik. „Einheit“ dient als moralischen Rechtfertigung.

Organische Entwicklung oder Bruch

Roche beharrt darauf, die Reform des Zweiten Vatikanischen Konzils stehe „in voller Übereinstimmung mit dem wahren Sinn der Tradition“. Er übernimmt sogar Benedikt XVI.s Bild der Tradition als „lebendigen Fluss“. Der Bericht versucht, Benedikt auf die Seite des permanenten Wandels zu stellen, als ob Tradition bedeute, die älteren Formen stets hinter sich zu lassen. Dies ist eine weitere Zweideutigkeit.

Tradition ist lebendig, weil sie Leben weitergibt. Sie ist nicht lebendig, weil sie sich jede Generation neu erfindet, um modischen Theorien zu entsprechen. Eine lebendige Tradi­tion ist nicht eine, die ihr eigenes Erbe verachtet. Ein Fluss, der ein Fluss bleibt, be­schließt nicht, daß seine Quelle ein Irrtum war.

Die nachkonziliare Reform ist keine organische Entwicklung im üblichen, katholischen Verständnis dieses Begriffs. Sie ist eine aufgezwungene Konstruktion. Sie verändert die Gebete, verschiebt die Betonung des Opfers, verlegt die Architektur, orientiert die Handlung neu, verflacht die zeremonielle Sprache und behauptet dann, das Ergebnis sei nichts anderes als das Gleiche in moderner Verpackung. Roches Bericht meidet das Konkrete. Er spricht in Abstraktionen, weil das Konkrete verheerend ist.

Das Konkrete ist der Unterschied zwischen einem Gottesdienst, der an Golgatha erinnert, und einem Gottesdienst, der oft eher einem Gemeindetreffen mit einem gemeinsamen Essen gleicht. Das Konkrete ist das Verschwinden von Stille, Kniebeuge, sakraler Sprache und des Bewusstseins, daß der Priester am Altar steht, um Gott ein Opfer darzubringen. Konkret bedeutet das, daß Katholiken, die nach Jahren der Abwesenheit zur alten Messe zurückkehren, diese Erfahrung regelmäßig als eine Art Wiedergesundung nach liturgischer Amnesie beschreiben. Eine wahrhaft organische Entwicklung bedarf keines Krieges, um sich durchzusetzen.

Die Offenbarung der „veränderten Theologie“

Der aufschlussreichste Punkt in Roches umfassenderem Weltbild, das sich in der Logik seines Berichts widerspiegelt, ist die Behauptung, die Theologie der Kirche habe sich „verändert“, insbesondere das Verhältnis zwischen Priester und Gemeinde in der Liturgie. Der Bericht deutet dies an, indem er die Reform als notwendigen Ausdruck eines neuen kirchlichen Selbstverständnisses darstellt. Genau hier offenbart sich das gesamte Projekt. Die katholische Lehre entwickelt sich nicht dadurch, daß sie sich selbst widerspricht. Das Konzil von Trient lehrte keine Version der Messe, die überholt war, als Akademiker die „Teilnahme“ wiederentdeckten. Trient definierte die Messe als ein wahres Sühneopfer, das der Priester in der Person Christi darbringt. Diese Realität ist katholisches Dogma.

Die Gläubigen nehmen teil. Das taten sie schon immer. Der traditionelle Ritus setzt dies voraus, formt es, intensiviert es. Er fordert die innere Vereinigung mit dem Opfer, nicht bloß die äußere Aktivität. Er schult die Seele, dem Wesentlichen zu folgen.

Die nachkonziliare Rhetorik über die Teilnahme dient oft als Deckmantel für etwas anderes. Sie verschiebt die Liturgie vom Gott zugewandten Opfer hin zum gemein­schaftszentrierten Verhalten. Sie betrachtet die priesterliche Vermittlung als Hindernis und feiert deren Abbau dann als Fortschritt. Wenn Roche also behauptet, die Theologie habe sich verändert, gibt er zu, was die Verteidiger der Reform üblicherweise leugnen: Die Reform verkörpert eine andere Schwerpunktsetzung. Manchmal trägt sie einen an­deren Geist in sich. Und oft bringt sie einen anderen Glauben hervor.

Eine veränderte Theologie ist ein Eingeständnis der Diskontinuität.

Der Loyalitätsprüfstein

Der Bericht zitiert die Aussage, man könne nicht gleichzeitig die Gültigkeit des Konzils anerkennen und dabei die aus Sacrosanctum Concilium hervorgegangene liturgische Reform ablehnen. Er beschreibt das Problem als „primär ekklesiologischer Natur“. Die Unterstellung ist einigermaßen unverschämt. Das Festhalten an der alten Messe bedeutet Widerstand gegen das Konzil. Widerstand gegen das Konzil bedeutet Illoyalität gegen­über der Kirche. Das ist kein Argument, sondern Zwang.

Das ist auch strategisch nützlich, weil es eine liturgische Streitfrage in eine moralische und kirchliche Anklage verwandelt. Sie macht Kritik an der Reform ohne persönliche Schuldgefühle unmöglich. Sie verlagert die Debatte vom Inhalt der Riten auf die ver­meintliche Pathologie der Kritiker. Wer die Reform infrage stellt, handelt danach nicht vernunftgemäß, sondern leugnet das Konzil. Wer die alte Messe bevorzugt, strebt nicht nach Heiligung, sondern bringt einen ekklesiologischen Mangel zum Ausdruck.

Genau diese Methode wird in der gesamten nachkonziliaren Debatte angewendet. Man schreibt dem Gegner ein Problem der Einstellung zu. Man reduziert inhaltliche Einwän­de auf psychologischen Widerstand. Und dann nennt man die auf diese Weise erzielte Unterwerfung „Einheit“.

Die Fiktion der Abschaffung

Roches Umfeld hat wiederholt die Behauptung aufgestellt, die alte Messe sei von Paul VI. „abgeschafft“ worden und habe nur durch Zugeständnisse überlebt. Der Bericht selbst geht in diese Richtung und behandelt die fortgesetzte Verwendung des Messbuchs von 1962 als etwas, das nie zur Förderung gedacht war. Diese Argumentation stößt jedoch auf eine unbequeme Tatsache: Benedikt XVI. erklärte, das ältere Messbuch sei nie abge­schafft worden. Er handelte auf dieser Grund­lage. Er erließ Gesetze auf dieser Grund­la­ge. Er hat die von Roche nun wieder aufgegriffene Behauptung ausdrücklich zurückgewiesen.

Was stimmt denn nun? Entweder hatte Benedikt Recht und der alte Ritus bleibt Teil des rechtlichen und liturgischen Lebens der Kirche, oder Roche hat Recht und Benedikts Re­gelung war ein Fehler, der zwangsweise korrigiert werden musste.

Roches Lager wählt die zweite Option und tut dann so, als existiere der Konflikt nicht, indem alles als „Kontinuität“ bezeichnet wird. Dies ist ein weiteres Beispiel für die Me­tho­dik des Dokuments. Es beruht auf institutioneller Amnesie. Es wird angenommen, daß sich die meisten Katholiken nicht mehr daran erinnern, was vor fünfzehn Jahren gesagt wurde, selbst nicht von einem ihrer nachkonziliaren Päpste, selbst nicht in einem wichtigen Gesetzesakt.

De alte Messe wird so zu einem „Zugeständnis“, weil dies der einzige Weg ist, ihre Ab­schaffung zu rechtfertigen, ohne die Wahrheit anzuerkennen. Die Wahrheit ist, daß sie eben kein Zugeständnis ist. Sie ist der historisch überlieferte römische Ritus. Sie als Zugeständnis zu behandeln, ist bereits eine revolutionäre Haltung.

Der Fluss, der nur in eine Richtung fließt

Roches Rhetorik über Tradition und Fortschritt soll ausgewogen klingen. „Gesunde Tradition“ muss offen bleiben für „legitimen Fortschritt“. Tradition ohne Fortschritt stirbt. Fortschritt ohne Tradition wird zur Neuheit. Das Problem ist, daß in diesem System „Fortschritt“ immer bedeutet, sich vom überlieferten Ritus abzuwenden, nie zu ihm zurückzukehren, nie den Schaden zu beheben, nie anzuerkennen, daß die Reform selbst möglicherweise einer Reform bedarf. Der Fluss fließt nur in eine Richtung. Er fließt hin zur liturgischen Anthropologie der 1970er Jahre. Es führt nicht zurück zu der aufopferungsvollen Klarheit, die die Heiligen formte. Die „Ausgewogenheit“ des Berichts ist also eine Illusion. Es ist kein Dialog zwischen Tradition und Fortschritt. Es ist der Fortschritt, der zur Norm erklärt wird, während die Tradition nur noch als Museums­stück existieren darf.

Deshalb darf die traditionelle Messe nicht „gefördert“ werden. Was wachsen kann, kann sich durchsetzen. Was sich durchsetzen kann, entlarvt die Leere der Parolen. So muss sie eine tolerierte Minderheit bleiben, für immer kontrolliert, für immer ein Problem, das gelöst werden müßte.

Was Roches Brief wirklich aussagt

Entfernt man die Anführungszeichen und die historischen Verdrehungen, bleibt eine einfache Botschaft übrig. Die Kirche der Vergangenheit ist als Vorspiel zu anzusehen. Der römische Ritus ist ein anpassbares Produkt. Die Heiligen gelten als Erscheinung, die sich spirituell von etwas ernährt hat, das die moderne Kirche heute als falschen Ausdruck ih­rer selbst ansieht. Das Konzil soll als permanentes Veto gegen die Vergangenheit fungie­ren. Aber das ist kein katholische Verhaltensweise – es ist eine revolutionäre Verhal­tens­weise.

Ein Katholik betrachtet die überlieferte Liturgie der Kirche als einen Schatz. Roche hingegen sieht darin ein Hindernis für ein Projekt. Diese unterschiedliche Sichtweise erklärt die ganzen letzten sechzig Jahre. Sie erklärt, warum die Reform nicht durch ihre Früchte, sondern durch administrativen Druck verteidigt werden musste. Sie erklärt, warum die traditionelle Messe als gefährlich zu behandeln ist.

Gesunde Dinge brauchen keinen Polizeistaat zum Überleben.

Fazit: Die Revolution braucht immer noch einen Sündenbock.

Roches Konsistoriumspapier handelt nicht primär von der Liturgie. Es geht um Kontrolle und Narrativ. Die Revolution muss der Deutungsschlüssel für das katholische Leben blei­ben, und die alte Messe ist der lebendige Widerspruch zu dieser Behauptung. Sie beweist, daß die Kirche auch ohne das nachkonziliare Programm Gottesdienst feiern kann. Sie beweist, daß Katholiken auch ohne die konstruierten Riten aufblühen können. Sie be­weist, daß Ehrfurcht, Opferbereitschaft, Hierarchie, Stille und die Hinwendung zu Gott immer noch Seelen bekehren.

So tut Roche, was jede revolutionäre Bürokratie letztendlich tut: Sie schreibt die Ge­schichte um. Sie definiert Einheit neu. Sie instrumentalisiert Gehorsam. Sie erklärt abweichende Meinungen als krankhaft. Sie behauptet, die Opfer seien die Ursache des Konflikts.

Von traditionellen Katholiken wird verlangt, daß sie ihre Enteignung als Ausdruck von „Gemeinschaft“ hinnehmen. Von ihnen wird erwartet, daß sie ihr Erbe zugunsten von „Einheit“ aufgeben. Von ihnen wird erwartet, daß sie ihre eigene Marginalisierung als „Fortschritt“ bejubeln.

Ein Konsistoriumsdokument macht das jedoch nicht glaubwürdig. Er verdeutlicht es nur.

Und für alle, die immer noch geneigt sind, der offiziellen Version zu glauben, bietet Roches eigener Text die beste Richtigstellung. Die Reform ist keine neutrale Anpassung. Sie ist ein Programm. Dieses Programm steht weiterhin im Kampf mit dem römischen Ritus, und dieser Kampf dauert an, weil die alte Messe fortbesteht.

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Ergänzende Informationen: Da das Konsistorium ursprünglich vier Themenbereiche behandeln sollte, hatte die Veranstaltungsleitung vier hochrangige Prälaten beauftragt, in Ausführung des Lehramtes von Franziskus eine Art „Key-Note“, einen richtungswei­sen­den Eröffnungsvortrag zum jeweiligen Thema, zu halten (s. dazu Rorate-Caeli). Das waren Fernandez für die Neuevangelisierung und Glaubensverbreitung nach Evangelii Gaudium, Greche über Synodalität und Mitbestimmung nach der Synodensynode, Roche für die liturgischen Perspektiven nach Traditionis Custodes und Fabio Babbio über die Reform der Kurie nach Praedicate Evangelium. Kein Wort aus dem Schatz des Erbes von Franziskus soll verloren gehen.

Da die beiden letzten Themen zur Entlastung der Tagesordnung abgesetzt worden waren, blieben auch die Einführungsvorträge von Roche und Babbio ungehalten. Bedeutungslos sind sie damit nicht geworden: Sie wurden den Konsistoriumsmitgliedern in gedruckter Form übergeben und sollen zur Vorbereitung auf das im kommenden Sommer angesetzt nächste Konsistorium dienen. Ob es dann tatsächlich und mit diesen Tagesordnungs­punk­ten stattfindet, ist offen.

Viele Kardinäle waren mit dem Ablauf dieses ersten Konsistoriums von Papst Leo nicht glücklich. (Bericht) Von den knapp 250 Kardinälen hatten nur etwa 170 teilgenommen, und von den Teilnehmenden wurde vielfach kritisiert, daß das Konsistorium dem glei­chen Tagungs­modus der „runden Tische“folgte, der von der Synodensynode übernom­men worden war und dort die Möglichkeit zu vielerlei Manipulationen geboten hatte.

Den Text des „Roche-Manifests“ als Photokopie bietet Diana Montagne. Und hier noch einmal direkt zum Substack/ von Autor Jackson.

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