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Mariä Lichtmeß: Von der Offenbarung des Alten
zur Frohen Botschaft des Neuen Bundes

02. Februar 2026

3 - Tradition

Die Ikone zeigt die Szene, in der Simeon den Jesusknaben in den Arm nimmt un Maria seinen Worten zuhört.

Aufopferung Jesu im Tempel

Das Fest Mariä Lichtmeß bringt einen der wenigen Berichte aus dem Evangelium in Erinnerung, mit denen die Offenbarung des Alten Testaments un­mittelbar in die Frohe Botschaft Christi übergeht. Christus ist geboren – aber die Welt weiß es noch nicht, und alle handelnden Personen stehen noch voll auf dem Boden des alten Bundes und seiner Gesetze. Doch die prophetischen Geister können das Licht der Erlösung bereits wahrnehmen.

Spätestens am 40. Tage nach der Geburt, so wollte es das jüdische Gesetz, war der Erstgeborene jeder Familie dem Herrn zu weihen und dann durch eine besondere Opfergabe wieder für das Leben in der Welt auszulösen. Oft wurde die entsprechende Zeremonie mit der nach jeder Entbindung vorgeschriebenen rituellen „Reinigung“ (s. dazu auch hier) der Mutter verbunden. Im Bericht des Evangelisten Lukas über die Weihe des Jesusknaben im Tempel ist die Episode vom greisen Simeon überliefert, der ebenso wie die im gleichen Bericht erwähnte Prophetin Anna in der Hoffnung lebte, noch vor seinem Tode den kommenden Messias zu sehen. Vom hl. Geist erfüllt und geleitet konnten beide in dem Sohn Mariens den künftigen Messias erken­nen: Das Heil vor dem Angesicht aller Völker und Licht zur Erleuchtung der Heiden. Die erneuerte Offenbarung richtet sich nun ausdrücklich an alle Menschen, die besondere Heilsgeschichte Israels ging damit zu Ende.

Der Ritus der Weihe und Auslösung der erstgeborenen Knaben reicht bis in die Anfänge dieser Heilsgeschichte zwischen dem Gott aller Götter Jahweh und seinem auserwählten Volk zurück. Das entsprechende Gesetz wird bereits im Buch Numeri (Kap. 3) festge­schrieben, und als dessen Ursprung und Begründung gibt das Buch Exodus (Kap. 13) die Befreiung Israels aus der Herrschaft des Pharao an: Um den Pharao zur Freigabe Israels zu zwingen, tötete der Herr alle männlichen Erstgeborenen der Ägypter unter den Men­schen ebenso wie beim Vieh, Die Juden blieben von dieser Heimsuchung verschont und wurden im Bundesschluß vom Sinai (Exodus 19 – 24) dazu verpflichtet, alle Erstge­bur­ten dem Herrn zu übereignen – beim Vieh als Opfertiere, unter den Knaben als Gottes­die­ner. Nachdem der Stamm der Leviten diesen Dienst übernommen hatte, wurde die Weihe der Knaben durch eine Gabe in Geld oder Opfertieren abgelöst, und dieses Gesetz aus grauer Vorzeit galt bis zur Ankunft des Messias und seiner Weihe im Tempel, um dann durch die Verkündigung des Wortes Gottes für den neuen Bund endgültig abgelöst zu werden.

Der so kurze und doch so inhaltsreiche Wahrspruch des Simeon bezeichnet den Messias als „Heil vor dem Angesicht aller Völker und Licht zur Erleuchtung der Heiden“.  Von daher entstand und begründete sich der Brauch, an diesem Tag auch die Kerzen für das anbrechende neue Jahr zu weihen, und dieser Brauch gab schließlich dem Fest Mariä­licht­meß seinen Namen. Kerzen waren – neben noch funzeligeren und üblerriechenden Öllampen – noch auf fast 2000 Jahre die einzigen Spender von Licht in der dunklen Tages- und Jahreszeit. Zumindest für die, die sie sich leisten konnten – und die, die dazu kaum imstande waren, trugen doch wenigstens durch Kerzenspenden dazu bei, dem „Licht in der Finsternis“ mehr Raum und mehr Kraft zu geben

In diesem Kerzen traf das Symbol für das neu in die Welt gekommene Licht und der Gebrauchsgegenstand größter Bedeutung für den Alltag der Menschen auf glückliche Weise zusammen – entsprechend feierlich war die Liturgie der vor der Messe stattfin­denden Kerzenweihe ausgestaltet. In fünf Orationen und einer feierlichen Lichter­pro­zession wurde – zweifellos auch in katechetischer Absicht – eine kleine Theologie vom „Licht der Erlösung“ entfaltet. In dieser ebenso feierlichen wie umfangreichen Gestal­tung geht, wenn man dem Bericht der Pilgerin Egeria vertrauen kann, die Feier der „Lichtmeß“ bis in das 4. Jahrhundert zurück.

Die erste Oration wendet sich an Gott als den Schöpfer aller Dinge, auf dessen Wirken auch die Fähigkeit des Menschen zurückgeht, Gegenstände aus der Schöpfung zu seinem Gebrauch zu bearbeiten:

Es begint ein Zitat

Gott, Du hast alles aus Nichts erschaffen; nach Deiner Anordnung auch haben die Bienen Blumensäfte zum Wachs für Kerzen bereitet.

Die zweite Oration blickt auf den Beginn des irdischen Lebens Jesu als den Beginn des Erlösungswerks:

Es begint ein Zitat

Allmächtiger ewiger Gott, Du hast Deinen Eingeborenen in Deinem heiligen Tempel am heutigen Tage den Armen des hl. Simeon dargeboten, darum fle­hen wir demütig zu Deiner Güte, diese Kerzen … wollest Du segnen und wei­hen und sie mit dem Licht himmlischen Segens anzünden.

Die dritte Oration spricht dann Christus an als den göttlichen Erlöser der Menschheit aus der Dunkelheit der Erbsünde:

Es begint ein Zitat

Herr Jesus Christus, Du wahres Licht, der Du jeden Menschen erleuchtest, der in diese Welt kommt, Gieße Deinen Segen aus über diese Kerzen und weihe sie durch das Licht Deiner Gnade.

Die Vierte als die kürzeste in der Reihe soll hier ganz zitiert werden, nicht zuletzt auch deshalb, weil sie im Rückgriff auf das alte Testament eines der zahllosen „liturgischen“ Gebote anspricht, die der Herr selbst zum Dienst an seinem Altar erlassen hat:

Es begint ein Zitat

Allmächtiger ewiger Gott, Du hast Durch Deinen Diener Moses befohlen, für die Lampen, die stets vor Deinem Angesichte brennen sollen, das reinste Öl zu bereiten; gieße huldvoll die Gnade Deines Segens+ über diese Kerzen aus, da­mit sie uns äußerlich so das Licht spenden, daß zugleich innerlich durch Dei­ne Gnade das Licht Deines Geistes in unseren Herzen nie erlösche.

Die fünfte Oration spricht in einer für die Westkirche eher ungewöhnlichen Ausführlich­keit den Hl. Geist als die Göttliche Person an, die das Erleuchtungs- und Erlösungswerk in der Seele jedes Einzelnen bewirkt:

Es begint ein Zitat

Vom Lichte des hl. Geistes erleuchtet, hat Dich Simeon, der ehrwürdige Greis, erkannt, Dich auf seine Arme genommen und gesegnet. Verleihe gnädig, daß auch wir, von der Gnade desselben heiligen Geistes erleuchtet und belehrt, Dich wahrhaft erkennen und treu lieben.

Es folgt der psalmodierend vorgetragene Gesang des Lobliedes Simeons und dann die Prozession mit Antiphonen und – nach Septuagesima – einer Fürbitte, die mit ihrer Einleitungsaufforderung: „Flectamus genua“ auf die ältesten Formen der Liturgie zurück­greift.

In der reformierten Liturgie ist die ganze Segenszeremonie auf eine Oration von wenigen Zeilen zusammengekürzt, die Kerzenweihe ist vorbei, bevor man richtig bemerkt, daß sie begonnen hat. Der Umstand und das Getue mit mittelalterlichen Kerzen und Öllämp­chen ist überwunden – wir Modernen knipsen einfach das elektrische Licht an.

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