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Bischof Athanasius Schneider zur überlieferten Liturgie, zum Verhältnis zu Moslems und zur Synodalität

17. September 2026

6 - Kirchenkrise

Das Photo zeigt den Bischof im roten Gewand während einer Liturgie (Firmung?) dem Volk zugewandt am Altar sitzend

Weihbischof Athanasius Schneider

Das neue in Rom stationierte englischsprachigen Webmagazin ADVATICANUM hat in der vergangenen Woche ein Interview mit Bischof Athanasius Schneider veröffentlicht, in dem der Weihbischof der Diözese der Allerheiligsten Jungfrau Maria zu Astana in Kasachstan auf aktuelle kirchenpolitische Fragen antwortet. Wir haben daraus drei Abschnitte ausgewählt und mit Unterstützung durch Google-Translate übersetzt. Leser, die mehr wissen wollen, verweisen wir gerne auf die vollständige Fassung.

ADVATICANUM: Sie haben Papst Leo XIV. Vor einiger Zeit vorgeschlagen, dass wir kein weiteres Motu proprio benötigen, sondern ein gewichtigeres Dokument – ​​etwa eine Apo­stolische Konstitution –, damit ein Bischof den überlieferten Römischen Ritus ebenso wenig untersagen kann wie den Novus Ordo. Was fehlt Ihrer Einschätzung nach noch zum liturgischen Frieden?

BISCHOF SCNEIDER: Ich habe dem Heiligen Vater vorgeschlagen, ein gewichtigeres Do­kument zu erlassen, allerdings mit dem Ziel, die liturgische Frage von Grund auf und umfassend zu lösen – ohne diese Kleinkriege zwischen verschiedenen Motu proprios und ohne die damit verbundenen Opfer. Vielmehr sollte man den Blick auf die gesamte zwei­tausendjährige Geschichte der Kirche richten und jene Toleranz walten lassen, die die Kirche schon immer gegenüber verschiedenen Liturgien gezeigt hat: ein echtes Neben­einander beider Formen. Das war meine Absicht bei diesem Vorschlag an den Heiligen Vater. Er könnte vielleicht privat Kardinäle oder Bischöfe konsultieren oder sie sogar ad hoc zusammenrufen.

Meiner Meinung nach wäre es besser, die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen und die Bischöfe einzubeziehen, nicht nur das Kardinalskollegium. Natürlich auch das Kardinals­kollegium – gesondert und speziell für diese Frage –, um einen liturgischen Frieden für beide Riten zu schaffen. Anschließend sollte der Heilige Vater darüber nachdenken und dann eine Apostolische Konstitution veröffentlichen, die uns eine Pax Liturgica Leonina beschert.

AV: Sie sind als Weihbischof in Astana tätig, in einem Land mit muslimischer Bevöl­ke­rungsmehrheit, während Kasachstan den „Kongress der Führer der Welt- und Traditions­religionen“ ausrichtet und nun weitere Kolloquien zwischen dem Heiligen Stuhl und Kasachstan vorbereitet. Vor diesem Hintergrund: Was ist legitimer interreligiöser Re­spekt, und wo wird der Dialog zu einer faktischen Leugnung der Tatsache, dass Christus der einzige Mittler ist?

+AS: Ich denke, diese sogenannten offiziellen Dialogtreffen, die weltweit und auch regelmäßig in Astana stattfinden, bergen gewisse Mehrdeutigkeiten in sich; sie lassen Christus oder die katholische Kirche als eine unter vielen erscheinen. Man sitzt einfach gemeinsam am Tisch, alle sind gleichberechtigt – und es ist ja auch klar, dass wir alle gleich sind. Doch dies vermittelt den Eindruck, dass wir uns de facto an einer Relati­vierung der Einzigartigkeit Jesu Christi und der katholischen Kirche – die von Gott als einzigartig gegründet wurde – beteiligen. Natürlich ist das Ziel dieser Zusammenkünfte die Förderung von Frieden und Verständigung. Das ist gut; Toleranz ist gut. Aber wir können dies auch mit anderen Mitteln erreichen.

Ich glaube, diese Großveranstaltungen werden von Politikern vorangetrieben. Sie nutzen die Religionen gewissermaßen als Helfer für ihre eigenen Ziele – vielleicht um Kontrolle über die Religionen auszuüben und dergleichen. Es birgt auch die Gefahr, sich in die Abhängigkeit von Politikern zu begeben. Ich befürworte solche Treffen zwar, würde sie aber anders gestalten.

Ich nenne das den „Dialog des Alltags“. Und darauf kommt es an. Bei diesen Kongressen entstehen zwar schöne Dokumente über den Frieden, doch anschließend kehren die Teil­nehmer nach Hause zurück und entfachen weltweit Kriege. Das ist fruchtlos. Und die Menschen an der Basis, im Alltag, kennen diese Dokumente gar nicht. Sie wissen womög­lich nicht einmal, dass ein solches Ereignis stattgefunden hat. Es ist, so würde ich sagen, eine offizielle Zurschaustellung – wie in einem Supermarkt der Religionen, der Weltreli­gionen. Doch das entspricht nicht dem Willen unseres Herrn Jesus Christus. Er ist nicht gekommen, um lediglich ein Angebot in diesem Supermarkt der Religionen zu sein – einen solchen gab es übrigens auch schon zu seiner Zeit. Im Römischen Reich existierte eine Vielzahl von Religionen. Er aber sagte: „Ich bin der einzige Weg.“

Und das gilt bis zu seiner Wiederkunft. Dies hat die Kirche bis in jüngste Zeit – bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil – stets klar und unmissverständlich verkündet. Daher plädiere ich für interreligiöse Begegnungen und Dialoge im Alltag. Genau das erleben wir auf wunderbare Weise in Kasachstan. Wir sind Nachbarn. Wir haben muslimische und orthodoxe Nachbarn. Wir besuchen einander, laden uns gegenseitig zu Mahlzeiten nach Hause ein. Man gratuliert uns zu Geburtstagen und Hochzeiten. Wir stehen einander bei, wenn es in den Familien Schwierigkeiten gibt; wir beten füreinander. Und wenn jemand aus diesem Leben scheidet, sind wir zur Stelle und zeigen unsere Anteilnahme. Das ver­bindet uns in Harmonie und Frieden weit besser als jene großen Konferenzen, bei denen sich nur die Führungskräfte treffen, Politiker sie für ihre eigenen – womöglich eigen­nützigen – Ziele instrumentalisieren und dabei unseren Herrn Jesus Christus relativieren.

Das ist meine Erfahrung, und so sollten wir es überall auf der Welt halten. Anstatt dieser offiziellen, hochtrabenden interreligiösen Treffen – die, wie gesagt, unseren Herrn Jesus Christus relativieren –, sollten wir den Menschen, den Katholiken, vor Ort sagen: Bitte liebt eure Nächsten, liebt auch die anderen, geht auf sie zu, helft ihnen im Alltag. Das wird weit mehr zum interreligiösen Frieden und zur Harmonie beitragen.

AV: Was bedeutet Synodalität eigentlich, wenn wir diesen Begriff nicht an die Stelle der Glaubenslehre treten lassen wollen? Sie haben bereits davor gewarnt, dass in der Sprache einiger synodaler Arbeitsgruppen die Schöpfungsordnung der Geschlechter als verhan­del­bar behandelt wird. Was erwarten Sie langfristig von diesem Prozess für die Kirche: eine Hinwendung zum apostolischen Glauben oder einen dauerhaften Mechanismus, um bereits geklärte Fragen wieder aufzurollen?

+AS: Niemand liefert eine Definition von Synodalität. Jeder kann sich unter Synodalität vorstellen, was er will. Es ist ein sehr raf­finiertes Schlagwort, um die katholische Glau­bens­lehre zu untergraben. Es ist sehr raffiniert: ein schöner Klang, bloß ein schöner Klang – „Synodalität“ –, verbunden mit einem konkreten Plan, die Lehre und Struktur der katholischen Kirche langsam an protestantische Kirchen und sogar an den Geist dieser Welt anzupassen, was Sexualität und Moral betrifft. Es geht also schlicht darum, die katholische Kirche an diese Welt anzupassen und das Leben sowie die Struktur der Kirche – und der Teilkirchen –, die göttlichen Ursprungs sind, in menschlich erdachte, demokratische Strukturen und Ver­fahrensweisen nach protestantischem Vorbild umzu­wandeln.

Das ist das offensichtliche Ziel, wie man es bereits in einigen Texten der sogenannten Arbeitsgruppen nachlesen konnte. Dies ist ein sehr gefährliches Vorgehen, das gestoppt werden muss. Es stellt den Endpunkt, den Höhepunkt der sogenannten modernistischen Bewegung dar, die vor mehr als hundert Jahren begann und auf einen völligen Relativis­mus zusteuert. Alles ist relativ. Wir können die Lehre än­dern. Wir können die Moral än­dern, um der Welt zu gefallen. Und dieses Programm wird nur von einer Minderheit in der Kirche vertreten. Es handelt sich dabei meist um Kleriker, die den Glauben verloren haben oder kein Interesse mehr daran haben, zu evangelisieren und Menschen zu bekeh­ren, um sie zu echten Jüngern Christi und Gliedern an seinem mystischen Leib Christi zu machen.

Doch daran sind sie nicht mehr interessiert. Deshalb begrüßen sie eine solch vage Me­tho­de. In dieser Unschärfe lässt sich so gut wie alles als akzeptabel darstellen. Es gibt nur eine Ausnahme in der Synodalitätsbewegung – eine einzige; nur eines ist in ihrem Macht­bereich absolut verboten: die traditionelle lateinische Messe. Die hergebrachte Lehre der Kirche über ihre Struktur und Einzigartigkeit zu verbreiten, ist absolut verboten.

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