Was von der 24. Woche übrigblieb: Das Rad dreht sich immer schneller.
15. Juni 2026
1966: Papst Paul VI. und Erzbischof Ramsey
Die Dinge entwickeln sich derzeit schneller und heftiger, als unsereins das nachverfolgen kann. Deshalb sollen hier einige Nachrichten aus der vergangenen Woche wenigstens kurz mitgeteilt werden, auch wenn jede davon eine eingehende eigene Behandlung verdient hätte.
Da ist an erster Stelle das lange Interview von Erzbischof Paglia, von dem wir bereits Anfangs des Monats berichtet hatten. Inzwischen mehren sich die Hinweise darauf, daß der auch als Pensionär in Rom einflußreiche Erzbischof bei seiner eher beiläufigen Mitteilung, Franziskus habe ihn seinerzeit beauftragt, über eine Aktualisierung von Humanae Vitae nachzudenken, durchaus nicht nur in wehmütiger Erinnerung schwelgte: Auch unter der neuen Geschäftsleitung geht, wie zu hören ist, das Nachdenken weiter und könnte in absehbarer Zukunft zu einem Dokument führen, das zwar die Lehre Pauls VI. nicht etwa geradeheraus ändern solle – Gott bewahre – aber doch in dem einen oder anderen Punkt für den Menschen der Gegenwart „leichter verständlich“ machen würde. Was, wie wir inzwischen hinsichtlich des Kommunionempfangs wiederverheirateter Geschiedener und der Segnung gleichgeschlechtlicher Paarungen gelernt haben, kirchensprachlicher Code dafür ist, eine früher eindeutige Lehre so weit zu verwässern, daß für jeden Verstoß die Ausnahmeregelung und Entschuldigung gleich mit eingebaut ist.
Nur gerüchteweise, aber doch wahrnehmbar, ist in den gleichen römischen Kreisen auch davon die Rede, es sei nun die Zeit für eine „Aktualisierung“ von Apostolicae curae gekommen – das ist jene Bulle von Papst Leo XIII, in dem die Ungültigkeit der von Anglikaner gespendeten Weihen nicht nur rechtlich festgestellt, sondern auch theologisch begründet worden war. Betrachtet man die Bilder von der herzlichen Umarmung Papst Leos XIV mit der anglikanischen „Erzbischöfin“ Mulaly anläßlich ihres Staats-Kirchen-Besuchs in Rom, will das nicht gänzlich unmöglich erscheinen. Im Untergrund rumort es in dieser Hinsicht ja schon seit Jahrzehnten. Doch anders als noch zu Zeiten Paul VI. ist da inzwischen auch noch das Problem der Frauen-Weihe hinzugekommen...
Inzwischen gehen in Rom die Vorbereitung zur Weiterführung der Dauersynode ungehemmt weiter und lassen sich auch nicht durch einen offenen Brief katholischer Gläubiger aus Polen bremsen, das die u. E. stärkste und dabei auch für theologische Laien nachvollziehbarste Verurteilung dieser „kirchlichen Sowjetsynode“ (Renzo Pucetti) enthält. Eine Inhaltsangabe findet sich bei LifesiteNews, und wenn wir eine weitgehend vollständige Übersetzung des Dokuments in einer lesbaren Sprache (bei Polnisch ist uns Google Translate keine zuverlässige Hilfe) finden, werden wir wohl noch einmal darauf zurückkommen müssen.
Der Brief aus Polen gilt uns als Signal dafür, daß mit den römischen Zumutungen auch der Wille und die Kraft zur Gegenwehr zunehmen – und das nicht nur in Tradiland, wo der Wille zwar vorhanden, aber allzu oft kraft- und folgenlos ist, sondern auch in Kreisen wie der polnischen Kirche (und ihrem manchmal erfreulich störrischen Episkopat), deren Stimmen in Rom doch einiges an Gewicht haben. Das gilt natürlich auch und erst recht für die nach wie vor finanzstark auftretende deutschsynodalische Kirch, die – trotz einiger Meinungsverschiedenheiten in Detailfragen – zu den wichtigsten Trägern der römischen Reform-Revolution gehört. Hier haben sich in der vergangenen Woche zwei Bischöfe ein paar Schritte aus dem vorgegebenen Meinungskorridor hinausgewagt, die in diesen Fragen bisher nicht besonders wagemutig waren. Zumindest soweit wir das sehen, denn manche Bischöfe halten sich auch konsequent und durchaus nicht grundlos an die Devise: Tue Gutes – und sieh zu, daß die Kollegen nichts davon erfahren.
Zum einen ist hier zu verweisen auf die Stellungnahme von Bischof em. Algermissen zu der sich mißbräuchlich als „katholisch“ bezeichnenden Frauenvereinigung kfd, die in ihrem neuesten Grundsatzpapier nach den üblichen Wischi-Waschi-Bekenntnissen zum katholisch-Sein die Forderung erhebt, Abtreibungen auch in katholischen Krankenhäusern zu ermöglichen. „Katholisch ist das nicht“ sagt Algermissen dazu und verstößt damit gegen eines der erbittert verteidigten Tabus der deutschen Kirchenverderber, die alles für erlaubt halten – nur nicht, jemandem das Katholisch-Sein abzusprechen.
Zum zweiten freuten wir uns über eine Nachricht aus Köln. Kardinal Woelki, der in Sachen Liturgie bisher nicht als besonders sensibel aufgefallen ist, aber in seinem Bistum Priester und Gläubige der überlieferte Liturgie doch im Rahmen dessen, was Traditionis Custodes zuläßt, gewähren läßt, hat sich nun doch tatsächlich bereit gefunden, öffentlich etwas Positives zur Wirksamkeit dieser Liturgie und der ihr verpflichteten Petrusbruderschaft in der pastoralen Realität zu sagen – insbesondere hinsichtlich ihrer Anziehungskraft und Motivationsfähigkeit für junge Menschen. Damit verstößt er gleich gegen zwei tragende Tabus der deutschen Synodalkirche: Erstens, die Fortexistenz der überlieferten Lehre und Liturgie bestenfalls als umständebedingt vorläufig hinzunehmendes Hindernis auf dem Weg in eine strahlende Zukunft zu begreifen, und zweitens den Wert und die Wirksamkeit pastoraler Ansätze mit Blick auf die Realität in den Gemeinden und Gruppen zu beurteilen.
Da könnte ja jeder kommen!
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