Kardinal Burke äußert schwere Bedenken gegen synodale Verfahren und fordert Rückkehr zu Summorum Pontificum
16. Juli 2026
Kardinal Burke beim Interview
In einem Interview für die Website „The College of Cardinals Report“ hat Kardinal Raymond Burke unmittelbar nach Abschluß der Veranstaltung schwere Bedenken gegen die Art der Durchführung des letzten Kardinalskonsistoriums (26-27. Juni) geäußert: „Dieser Synodalismus muß aufhören.“ Außerdem äußerte sich der Kardinal zur Notwendigkeit einer Rehabilitierung der überlieferten Liturgie. Dabei fiel uns besonders auf, daß er die Zugänglichkeit der traditionellen Formen nicht nur für gelegentliche Sonntagsmessen, sondern für alle Sakramente gesichert sehen will, und daß er die Anhänger der Tradition gegen den pauschalen Vorwurf schismatischer Neigungen in Schutz nahm.
Wir haben die wichtigsten Passagen des Berichts über das Interview, das auf „The College of Cardinals Report“ auch als Video komplett zugänglich ist, übersetzt:
Kardinal Burke begrüßte das erneute Zusammentreffen der Kardinäle – wie es das unter Papst Franziskus seit
vielen Jahren nicht mehr gegeben hatte – und bezeichnete die Gelegenheit zu einem intensiveren brüderlichen
Austausch als eine „sehr bedeutende Frucht“.
Er äußerte jedoch auch Bedenken, daß die Struktur des Treffens eine substanzielle Diskussion einschränkte, da ein Format gewählt worden war, das sich an „synodalen“ Prozessen orientierte: Die Kardinäle wurden in Kleingruppen aufgeteilt und arbeiteten anhand vorgegebener Fragen.
Er argumentierte, daß dieser Ansatz eine tiefgehende Auseinandersetzung verhindere und die Rückmeldungen auf konsensorientierte Zusammenfassungen reduziere, wodurch möglicherweise abweichende, aber wichtige Standpunkte nicht bis zum Papst gelangten. „Die Berichte geben nur das wieder, worauf sich alle Kardinäle geeinigt haben“, sagte Kardinal Burke und fügte hinzu, daß Ansichten, die nicht der Mehrheitsmeinung entsprächen, trotz ihrer Bedeutung übergangen werden könnten.
Die Abschlusssitzung, die im traditionellen Format einer offenen Debatte abgehalten wurde, bezeichneter trotz ihrer zeitlichen Begrenzung als den produktivsten Teil des Treffens. Diese freie Diskussion in Anwesenheit des Papstes entsprach der Art und Weise, wie Kardinalskonsistorien früher abgehalten wurden.
Insgesamt, so urteilte er, sei das Konsistorium ein „sehr gesteuerter“ Prozess gewesen, einschließlich der offensichtlichen Vorauswahl von Diskussionsleitern und begrenzter Möglichkeiten für freie Wortmeldungen. Seiner Ansicht nach berge dies die Gefahr, die Rolle der Kardinäle als Berater des Papstes zu schwächen. Mit Blick auf den zunehmenden Gebrauch des Begriffs „Synodalität“ in der Kirche stellte Kardinal Burke dessen theologische und historische Fundierung nachdrücklich infrage; er bezeichnete ihn als ein Konzept ohne klare Definition oder Vorbild in der kirchlichen Tradition. Zwar habe es Synoden schon lange als gelegentliche beratende Zusammenkünfte gegeben, doch betonte er, daß sie keine konstitutiven Elemente des Wesens der Kirche seien.
„Es gibt keine Definition von Synodalität, es gibt keine Geschichte dazu in der Kirche“, sagte er und äußerte Besorgnis über die Vermischung etablierter Strukturen – wie etwa der Konsistorien – mit einem seiner Meinung nach undefinierten Konzept.
„Wir müssen also darauf bestehen, daß diese ganze Synodalitäts-Sache gestoppt wird und diese ganze Angelegenheit einmal ernsthaft untersucht wird, denn es geht um das eigentliche Leben der Kirche und um das Heil der Seelen“. Der Kardinal warnte zudem davor, bewährte kirchliche Strukturen im Sinne einer Idee umzugestalten, die er als zeitgenössisch und unzureichend durchdacht bezeichnete. „In der Kirche gibt es keine Paradigmenwechsel“, sagte er und wies damit eine Ausdrucksweise zurück, wie sie in synodalen und anderen Diskussionen verwendet wird und einen radikalen Kurswechsel in der Lehre oder Sendung der Kirche nahelegt.
Der Kardinal warnte ferner, daß eine übermäßige Konzentration auf aktuelle Anliegen die Gefahr berge, die Kirche an weltliche Denkweisen anzupassen, anstatt der modernen Welt aus ihrer eigenen lehrmäßigen und historischen Kontinuität heraus zu begegnen. „Ich bin zuversichtlich, daß unser Herr die Kirche beschützen wird“, sagte er, „aber wir müssen unseren Teil dazu beitragen und sagen: ‚Nein, dieses Konzept der Synodalität mag zwar ein gutes Motiv haben – nämlich auf den Glauben in der heutigen Zeit einzugehen –, doch es ist im Grunde verfehlt.“
(Es folgen längere Ausführungen zum Bericht der Studiengruppe 9 , den der Kardinal als Beispiel für die Manipulationsanfälligkeit synodaler Verfahren anführt und die wir hier überschlagen, um mit der Zusammenfassung des „Reports“ über Burkes Ausführungen zum Thema der überlieferten Liturgie fortzufahren.) Der Kardinal, dessen Interview mit dem „Report“ kurz vor den unerlaubten Bischofsweihen der Priesterbruderschaft St. Pius X. stattfand, bemängelte zudem das Fehlen einer Diskussion über diesen Vorgang – den er als schwerwiegenden schismatischen Akt betrachtet – sowie über andere dringende Fragen wie den Status der traditionellen lateinischen Messe.
Kardinal Burke kritisierte die durch das Dokument „Traditionis Custodes“ auferlegten Beschränkungen und bezeichnete sie als
„Verfolgung“ jener Gläubigen, die durch die Liturgie nach der älteren Form (Usus Antiquior) des Römischen
Ritus geistliche Nahrung finden. „Es darf für niemanden einen Zweifel daran geben – und Papst Benedikt XVI.
hat dies sehr deutlich gemacht –, daß [der Vetus Ordo] ein ewiges Gut der Kirche ist“, sagte er. Er regte an,
daß der Papst die Gesetzgebung überprüfen oder ändern könne, und wies darauf hin, daß päpstliche Dokumente von
Nachfolgern revidiert werden können. „Es handelt sich um eine Form des Römischen Ritus, die über fünfzehn
Jahrhunderte hinweg gefeiert wurde“, betonte er. „Sie ist einfach wunderschön, und die Gläubigen haben durch
diese Form des lateinischen Ritus geistliche Stärkung erfahren. Dies sollte frei zugänglich sein.“ „Für mich
als Priester und Bischof war sie eine große Bereicherung“, fuhr er fort. „Der Großteil der Gläubigen sind
einfach tiefgläubige Katholiken, die versuchen, ihren Glauben so intensiv wie möglich zu leben und
weiterzugeben. Ein Kennzeichen der Gemeinschaft der traditionellen lateinischen Messe ist die große Zahl an
Kindern; den Eltern ist es ein wichtiges Anliegen, ihren Kindern den katholischen Glauben zu vermitteln.“
Als mögliche Lösung schlug er die Einrichtung einer eigenen vatikanischen Behörde vor, um Katholiken zu
unterstützen, die der älteren Form des Römischen Ritus verbunden sind. „Wir brauchen ein Dikasterium“, sagte
er, damit Katholiken, die die Liturgie in der außerordentlichen Form feiern möchten, alle Sakramente nach
den früheren liturgischen Riten empfangen können.“
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