Summorum Pontificum.de

Deutliche Signale aus Rom mit dem
„antitridentinischen Schutzwall“

26. Oktober 2026

6 - Kirchenkrise

Teilnehmer der Prozession stehen vor der aus Holzbarrieren und Sichtblenden gefertigten Absperrung quer über den Petersplatz

„Todos, todos“ für fast alle

In diesem Jahr (auf die vom letzten Jahr wird noch zurückzukommen sein) waren die Signale aus Rom anläßlich der Wallfahrt „Ad Petri Sedem“ eindeutig, und sie erfolgten gleich in dreifacher Form: Zuerst (hier unser erster Bericht) wurde die Genehmigung für die Feier eines Pontifikalamtes in St. Peter verweigert. Als nächstes wurde dann am Vortag der Prozession der Wallfahrer zum Grab des hl. Petrus in seiner Kirche bekannt gegeben, daß die Teilnehmer nicht als Prozession einziehen dürften. Mit Absperrungen und Sichtblenden, von deren Bereithaltung in den Magazinen von St. Peter wir bisher keine Ahnung hatten, wurde der Petersplatz an der Staatsgrenze zwischen Italien und der Vatikanstadt – sie verläuft ziemlich in der Mitte des Platzes auf der Höhe des Obelisken abgesperrt und nur noch ein kleiner Durchgang für einzelne Teilnehmer ohne Fahnen oder sonstige aufrührerische Kennzeichen frei gelassen.

Ob sie sich auch einer Taschenkontrolle hinsichtlich der gefährlichen Gebetswaffe des Rosenkranzes unterziehen mußten, wurde, konnten wir nicht in Erfahrung bringen.

Das dritte Signal war dann die ebenfalls extrem kurzfristig (soweit wir sehen erst am Samstagvormittag) erfolgte Mitteilung, daß der Timeslot für die Zelebration des am Nachmittag vereinbarten und angekündigten Pontifikalamtes in S. Maria Maggiore auf 1 Stunde begrenzt war – was selbst in der edlen Schlichtheit der Reformliturgie kaum für ein Eucharistiefeier unter dem Vorsitz eines Bischofs gereicht hätte. Bischof Schneider sah sich daher genötigt, auf die einfache Form einer Bischofsmesse zurückzugreifen – was die zeichenhafte Bedeutung der Feier unter den obwaltenden Umständen eher verstärkte als verminderte.

Aufnahmen mit Beleuchtung und Stativ waren untersagt, so dass wir über den genauen Ablauf der Zelebration noch nicht informiert sind. Handy-Aufnahmen zeigen eine bis auf den letzten Platz gefüllte Kirche – was in Rom sonst wohl nur dann vorkommt, wenn 5 Touristenbusse gleichzeitig ankommen. Eine deutsche Übersetzung der Predigt unter der Überschrift „Gebt uns den liturgischen Frieden zurück!“ ist auf Philosophia-Perennis erschienen. Mit diesem dreifachen Signal ist zunächst einmal jede Unklarheit darüber beseitigt, was die vielfach ebenfalls als Signal gedeutete Genehmigung eines Pontifikalamtes mit dem Zelebranten Kardinal Burke zum Anlaß der Wallfahrt im vergangenen Jahr zu bedeuten hatte. Sie war – so schrieben wir auch schon vor einem Jahr – wie jede Meßfeier im authentischen Ritus der römischen Kirche Anlaß zur Freude, aber sie war kein Zeichen, daß das damals noch junge Pontifikat die von Franziskus erneut eingeleitete Politik zur Marginalisierung und schließlichen Abschaffung der überlieferten Liturgie (und Lehre!) aufgeben oder zumindest abmildern könnte – so wie das damals von vielen gelesen und als Aufruf zu „Wohlverhalten“ gegenüber der römischen Zentrale genutzt wurde.

Das wollen wir – nebenbei bemerkt – niemandem zum Vorwurf machen. Hoffnung, daß der Herr es irgendwann und auf seine Weise einmal richten werde, sind immer zulässig – nur mit der Setzung von Zeithorizonten sollten wir dabei vorsichtig sein. Israel wanderte ja nicht nur vier Jahrzehnte durch die Wüste und litt sieben Jahrzehnte unter der Knute Babylons. Es harrte ja auch Jahrtausende lang auf das Erscheinen des versprochenen Messias, nur um ihn dann, als er schließlich erschien, so verhängnisvoll zu verkennen. Aber wo man vor einem Jahr aus dem römischen Signal vielleicht noch Hoffnung ziehen konnte, die Wüstenwanderung werde bald zu Ende gehen, setzt das dreifache Signal dieses Jahres dem ein brutales Ende: Marginalisierung und Eliminierung der überlieferten Liturgie sind nach wie vor zentrale Ziele der römischen Politik, und es ist nicht zu erwarten, daß diese Politik sich durch Wohlverhalten abmildern ließe.

Denn das ist ja eines der bemerkenswertesten Kennzeichen des Schutzwalls auf dem Petersplatz gegen die „Wallfahrt Summorum Pontificum“ dieses Jahres. Die Ausgrenzung trifft ja nicht eine angeblich schismatische Gruppierung wie die Piusbruderschaft oder im Umkreis sedisvakantistischer Ideen operierende Organisation sedisvakantistischer Priester, sondern mit dem „Coetus internationalis Summorum Pontificum“ eine Organisation katholischer Laien und LaiInnen, die sich an Treue zum Papst und den Trägern seines Lehramtes von niemandem übertreffen lassen will. Soweit wir sehen konnten ,wurden nirgendwo in der ausgesperrten Prozession Plakate mit Forderungen oder gar aufsässigen Parolen mitgeführt – alles war so gut und fromm katholisch, wie das bei Prozessionen immer war – und dieses „wie das immer war“ ist vielleicht die größte Provokation, die man den gegenwärtigen Machthabern in Rom und ihren revolutionären Plänen entgegensetzen kann: Sie sehen nur die Absage an ihre Forderung, alles im Geist der Zeit neu zu machen, und von dieser Absicht und diesem Ziel wollen sie unter keinen Umständen ablassen. Sie ahnen, daß ihr prinzipienloses „Todos, todos“ sich weder durch die von strikter Exklusivität bestimmten Gebote des Alten Bundes noch durch die von der Barmherzigkeit Christi neugefassten Gebote des Neuen Bundes rechtfertigen lassen – und weichen bereitwillig und bewußt von diesem selbst nicht ernstgenommenen Motto ab, wo es sie an der Durchsetzung ihrer Ziele hindern könnte. Dabei versuchen sie, sich hinter einem sinnverkehrten Begriff des Papstamtes zu verstecken, in dem der Nachfolger Petri nicht mehr als Diener und Sachwalter des Herrn erscheint, sondern mit Anspruch auf unbedingten Gehorsam verkünden will, was von dessen Lehre aufzugeben, umzudeuten oder schlichtweg zu vegessen ist.

Was bedeutet das am vergangenen Samstag so dramatisch verstärkte verstärkte und nicht mehr überhörbar gemachte Signal aus Rom nun für die Gläubigen und ihre Familien, die jeden Sonntag – oft unter erheblicher Kraftanstrengung – an einen Meßort fahren, an dem die Liturgie in der Weise gefeiert und die Lehre mit dem Inhalt verkündet wird, die seit apostolischer Zeit Leben und Beten der Kirche bestimmt. Einschließlich der einleitenden Bitte des Kanons, der Herr möge seinen Diener, den jeweils amtierenden Papst, die Bischöfe und alle Rechtgläubigen behüten und einigen.

Für die Praxis der Katholiken, die auf diese Weise im Glauben an die überlieferte Lehre und die apostilische Tradition fest verwurzelt sind, bedeuten solche römischen Sonderwege sehr wenig.

Die Bitte des Kanons für den Papst und seine Mit-Bischöfe ist nicht Ausdruck der Gewißheit, die Inhaber der jeweiligen jeweiligen Hirtenämter wären ihrer Aufgabe gewachsen, und sie bescheinigt ihnen auch in keiner Weise eine besondere Machtstellung, die sie dazu befähigen könnte, diese Lehre nach eigenen oder ihrer Zeit gefälligen Vorstellungen zu verändern oder „neu zu interpretieren“. Sie bekräftigt im Gegenteil ihre Verpflichtung, den rechten katholischen und apostolischen Glauben zu fördern. Und sie drückt die „Einheit in der Liebe“ mit den gefährdeten Seelen von pflichtvergessenen Hirten auf die höchste denkbare Weise aus: Nicht durch blinden Gehorsam, sondern durch das Gebet für deren und der ganzen Kirche Heil. Wer sich daran hält und im Geist dieser Einheit das hl. Messopfer feiert, wird schwerlich in die Irre gehen.

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