Die „Goldene Legende“ des Jacopo de Voragine zum Michaelstag
29. September 2026
So geht Inkulturation!
Seit Bestehen von Summorum-Pontificum gedenken wir alljährlich des Festtags des hl. Erzengels Michael. Im vergangenen Jahr brachten wir dazu einen Abschnitt aus den Forschungen der britischen Alttestament-Forscherin Margaret Barker. Auch die Predigt von Papst Gregor dem Großen, die am Michaelstag im Brevier gelesen wird, haben wir bereits zitiert, und ebenso eine Beschreibung des „Kampfes der Engel“ unter Michaels Führung, wie sie bei Martin von Cochem zu lesen ist. 2022 brachten wir dann eine Gegenüberstellung des Gebetes „Heiliger Michael, verteidige uns im Kampfe“ in seiner heute gebräuchlichen Kurzform mit dem Original, das Papst Leo XIII kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges verfaßt hat.
Bei alledem scheint uns entgangen zu sein, daß der große Geschichtenerzähler des Hochmittelalters, Jacopo de Voragine, in seiner Legenda Aurea ein 10 Seiten umfassendes Kapitel dem hl. Michael gewidmet hat. Diesem Versäumnis wollen wir heute dadurch abhelfen, daß wir zumindest den Einleitungsabschnitt dieses Kapitel wiedergeben – und das in der klassischen Redaktion und Übersetzung von Richard Benz.
Michael ist verdolmetschet »Wer ist Gott gleich? Davon schreibt Sankt Gregorius »Also oft großes Wunder soll geschehen, so wird Sankt Michael ausgesandt, daß aus demselben Werk und aus dem Namen offenbar werde, daß niemand so große Werke mag vollbringen als Gott«. Darum werden Sankt Michael gar viel wunderlich große Werke zugewiesen. Denn er wird zu Zeit des Antichrist aufstehen, als Daniel schreibt, und wird ein Beschützer und Hüter sein der Auserwählten; er hat mit dem Drachen gekämpft und seinen Engeln, und hat sie aus dem Himmel hinabgestoßen und großen Sieg gewonnen. Er hat mit dem Teufel um Moysis Leichnam gestritten, den der Teufel wollte hinstellen, daß ihn die Juden als ihren Gott sollten anbeten. Er empfängt auch die Seelen der Heiligen und führt sie ins Paradies der Freuden. Er war einst der Fürst der Synagoge, nun aber hat ihn der Herr zum Fürsten der Kirche gemacht. Er hat, als man spricht, die Ägypter mit den Plagen geschlagen, das rote Meer zerteilet, das Volk durch die Wüste geleitet und in das gelobte Land geführt. In der heiligen Engel Heer ist er der Bannerträger Christi. Er wird auf des Herrn Befehl den Antichrist auf dem Ölberge töten mit großer Kraft. Auf seine Stimme werden die Toten erstehen. Er wird am jüngsten Tage herfürtragen das Kreuz und die Nägel, die Lanze und die Dornenkrone.
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