Mit der Freigabe der „alten Messe“ tritt die Liturgiereform der katholischen Kirche in ein neues Stadium
Aktuelles:
Bild: DPA
Kunst im Kirchturm oder:
Wahnsinn und Alltag
15. Mai 2012
Frau Carolyn Christov-Bakargiev fühlt sich durch die katholische Kirche bedroht – das ließ sie letzte Woche durch ihren Geschäfsführer Bernd Leifeld der alarmierten Öffentlichkeit mitteilen. Und Kassels Oberbürgermeister Hilgen sprang ihr alsgleich hilfreich zur Seite: Das müsse ein Ende haben.
Sie verstehen nur Bahnhof? Das ist kein Wunder. Wir haben es mit dem Kunstbetrieb zu tun, und da konkret mit einer seiner lustigsten Ausprägungen: Der Kasseler Documenta. Die und deren Konzeption wird in diesem Jahr von der Kunstbetriebsnudel Carolyn Christov-Bakargiev — nein, die nicht zu kennen ist keine Bildungslücke — verantwortet, die jetzt endlich einen Aufhänger gefunden hat, die Öffentlichkeit für ihr Unterhaltungsprogramm zu interessieren.
Anlaß dazu gibt ihr eine Skulptur – siehe Bild – von Stephan Balkenhol, die die St-Elisabeth Kirche in Kassel in diesem Jahr im Rahmen einer eigenen Kunstaktion auf ihrem Kirchturm installiert hat. Über diese Skulptur und diese Aktion hier kein Wort – unserer Interesse gilt der Reaktion darauf seitens der Documenta-Betreiber, die Timo Lindemann im Kunstmagazin „art“ folgendermaßen beschrieben hat:
Vertreter der documenta kritisierten am Mittwoch die katholische Kirche scharf: "Es stört erheblich. Die künstlerische Leiterin fühlt sich von dieser Figur bedroht, die mit der documenta nichts zu tun hat", sagte documenta-Geschäftsführer Bernd Leifeld. Die Figur auf dem Kirchturm am zentralen Friedrichsplatz – ein Mann mit ausgebreiteten Armen – ist Teil einer Balkenhol-Ausstellung. Wie Leifeld weiter erklärte, sei die Skulptur "ein Eingriff in die Freiheit der documenta". Er fordere Respekt für die Weltkunstausstellung, könne aber nicht vorschreiben, dass die Figur entfernt werde. (...)
Leifeld sagte, es habe bereits 2011 Gespräche über die Ausstellungen der Kirche gegeben, in denen er gefordert habe, die Kirche solle auf zeitgenössische Kunst verzichten. "Die evangelische Kirche hat das verstanden." Die documenta-Besucher sollten wissen, "was documenta-Kunst ist und was nicht", betonte Leifeld. Die Figur beeinflusse die Ausstellung. "Die künstlerische Leiterin weiß, dass diese Art von Kunst für diese documenta nicht adäquat ist."
Das ist schön. Die Kunstbetreiber üben sich in der Imitation des Totalitarismus stalinscher Prägung. Oder falls das als Kompliment aufgefasst werden könnte: Der Reichskulturkammer Josef Goebbels' unseligen Angedenkens, was auf das Gleiche hinauskommt. Der Journalist Burkhard Müller Ulrich hat diesen Machtanspruch treffend im Deutschlandradio kommentiert:
Bis heute arbeiten sich Künstler mit blasphemischen Schöpfungen am Christentum ab; es gibt unzählige Museumsausstellungen, die bischöflichen Zorn erregten, Ausstellungen, die auch provokativ nahe bei Gotteshäusern abgehalten wurden. Natürlich nützten die Proteste von Seiten der Kirchenverantwortlichen gar nichts; die Kunstfreiheit verlangt, dass jeder Gläubige ein in Urin getunktes Kruzifix oder die Darstellung eines von einem Meteor erschlagenen Papstes tolerieren muss.
Die Kunst ist nämlich unterdessen zur neuen Religion geworden. Künstler werden wie Heilige verehrt, ihr Schaffen verweist auf einen letzten Rest Mystik in unserer durchrationalisierten Welt, der Umgang damit ist von liturgischer Andacht und Ehrfurcht geprägt, wie man sie aus Klöstern und Kathedralen kennt. Ja, die heutige Kunst erhebt nicht selten den Anspruch einer gewissen Göttlichkeit - selten allerdings so explizit wie jetzt in Kassel.
Wir gestatten uns dazu nur noch einen ergänzenden und weiterführenden Hinweis: Dieser Größenwahn mag viele Ursachen haben. Eine davon liegt darin, daß die Kirche, um ja keinen Anstoß zu geben, sich seit Jahrzehnten den ideologischen und kommerziellen Machtansprüchen der Unkultur gebeugt hat. Mit dem nicht nur vom Kunstbetrieb herrisch ausgesprochenen Gebot, in der Öffentlichkeit zu schweigen, erfährt sie die Konsequenzen eines zur Unterwerfung pervertierten „Aggiornamento“.
Daß die Öffentlichkeit – sieht man einmal von einem dienstbeflissenen Oberbürgermeister ab – diesen Anspruch denn doch nicht einfach so honoriert, muß da schon als Hoffnungszeichen gelten.
Fr. John Hunwicke
Was sonst noch geschah
12. Mai 2012
Aus der heute zu Ende gehenden ereignisreichen Woche seien noch vier Ereignisse genannt, die wir nicht einzeln berücksichtigen konnten - vielleicht ist auf das eine oder andere davon noch zurückzukommen.
- Erstmals hat der Vatikan einen liturgischen Kalender für die Messe und das Brevier im außerordentlichen Ritus veröffentlicht. Die von der zuständigen Kommission „Ecclesia Dei“ herausgegebene Publikation umfasst neunzig Seiten. Sie enthält die kirchlichen Feiertage und Heiligenfeste für das Kirchenjahr 2011/12 nach dem alten Messbuch in der Fassung von 1962 samt einführenden Hinweisen.
- Msgr. Juan Ignacio Arrieta, der Sekretär des Päpstlichen Rats für die Gesetzestexte und beteiligt an den Versöhnungsgesprächen, erklärte gegenüber der Presse, daß es keine doktrinellen Hindernisse für eine Versöhnung mit der Priesterbruderschaft St. Pius X. gebe. „Ich denke, dass wir die doktrinellen Probleme klären konnten, auch wenn es nicht leicht war, dies schriftlich zu Papier zu bringen. Das wirkliche Problem, das einzige wie mir scheint, ist die Trennung, die menschliche Distanz, die auf das Jahr 1988 zurückgeht.“ (Quelle)
- Nach England und Wales sowie Nordamerika steht nun auch in Australien die Errichtung eines Ordinariates für Australien unmittelbar bevor. Eine Presseerklärung der australischen Bischofskonferenz nennt dafür das Datum des 15. Juni.
- Nachdem die Weihe des anglikanischen Geistlichen John Hunwicke vor einem Jahr ohne nähere Begründung aufgeschoben worden war, steht sein Name nun auf der Liste von 21 früheren anglikanischen Seelsorgern, die am 26. Mai in Westminster Cathedral die Diakonsweihe empfangen werden. Die Priesterweihe dürfte in den nächsten Monaten folgen. Hunwicke ist einer der kenntnisreichsten Liturgie-Historiker der anglikanischen Tradition und unterhält den (seit einem Jahr in Ruhezustand geschalteten) Blog Fr Hunwicke's Liturgical Notes.
S. Papa Pie X. ora pro nobis
Es wird ernster - Bischof Fellay warnt vor Abgleiten
in den Sedisvakantismus
11. Mai 2012
Aktuelle Ereignisse erfordern eine Fortsetzung des Beitrags über die offenbar unmittelbar bevorstehende Rekonziliation der Piusbruderschaft. Seit gestern kursieren im Internet zwei interne Schreiben der FSSPX: Ein Brief der Bischöfe de Galarreta, Tissier de Mallerais und Williamson an das Generalat, Datum 7. April, und eine Antwort darauf von Bischof Fellay unter dem Datum vom 14. April. Hier gibt es PDF-Kopien der auf französisch verfassten Briefe samt einer englischen Inhaltsangabe. Eine sorgfältige Übersetzung des Briefes von Msgr. Fellays bringt Rorate Caeli - dort wird wohl bald auch der erste Brief übersetzt erscheinen.
Ihren Ursprung haben die Briefe offenbar, wie aus einigen Ungeschicklichkeiten bei der erstmaligen Online-Stellung der Dokumente hervorgeht, in England, wie Recherchen von Rorate Caeli ergeben haben. Dabei ergaben sich auch Anzeichen dafür, daß der erste Brief an das Generalhaus in einer Entwurfsfassung veröffentlicht wurde, die nicht unbedingt mit der tatsächlich abgeschickten identisch ist.
Inhaltlich bietet der erste Brief für Kenner der Diskussionen in der Bruderschaft keine großen Überaschungern. Die drei Bischöfe bekräftigen danach die Position, daß es in der Kirche auch unter Papst Benedikt XVI. keine wirkliche Entwicklung zum besseren gegeben habe. Jede Einigung mit Rom würde die Fähigkeit der FSSPX unterhöhlen, das Konzil zu kritisieren und sich als einzige wirklich glaubenstreu gebliebene Kraft zu behaupten. Der letzte Absatz sagt dann:
Seien Sie wachsam! Sie führen die Bruderschaft in eine unheilbare Spaltung, und wenn Sie einer Einigung zustimmen, wird das mächtige zerstörerische Kräfte innerhalb der Gemeinschaft entfesseln, denen sie nicht gewachsen sein wird. Da sich die Sachlage nicht geändert hat und die Bedingung des Generalkapitels von 2006 () nicht erfüllt ist, hören Sie auf unseren Gründer, er war vor 25 Jahren im Recht, und das ist er auch heute. Stimmen Sie für die Bruderschaft keiner alleine auf das Praktische gerichteten Einigung zu.
Die Antwort des Generalhauses ist unterzeichnet von Bischof Fellay sowie dem ersten und zweiten Assistenten Pfluger und Nély. Sie schlägt einen außerordentlich ernsten Ton an, dem zu entnehmen ist, wie stark die Spannungen in der Bruderschaft inzwischen geworden sind - und auch wie entschlossen das Generalat zu sein scheint, die ausgestreckte Hand des Papstes zu ergreifen. Sie sehen in der von den Dreien gegebenen Situationsbeschreibung einen auffälligen Mangel an Verständnis für den übernatürlichen Geist der Kirche, und folgern:
Bei der Lektüre Ihres Briefes fragt man sich, ob Sie wirklich noch daran glauben, daß die sichtbare Kirche, deren Sitz Rom ist, tatsächlich die Kirche unseres Herrn Jesus Christus ist. Eine Kirche, die zwar schrecklich entstellt ist, a planta pedis usque ad verticem capitis, aber eine Kirche, deren Haupt trotz allem immer noch unser Herr Jesus Christus ist. Man hat den Eindruck, daß Sie so empört sind, daß sie es nicht länger für möglich halten, daß es sich um die wahre Kirche handelt. Anscheinend ist es für Sie fraglich geworden, ob Benedikt XVI noch der rechtmäßige Papst ist. Und falls er es ist, ob Jesus Christus noch durch seinen Mund sprechen kann."
An einer späteren Stelle im Brief aus dem Generalhaus heißt es dann:
Sie werfen uns vor, wir seien naiv oder ängstlich, aber in Wirklichkeit ist es Ihr Verständnis von der Kirche, das zu menschlich und nachgerade fatalistisch ist. Sie sehen die Gefahren, die Intrigen - aber Sie übersehen den Beistand der Gnade und des Heiligen Geistes. Wenn man glaubt, daß der Heilige Geist die Angelegenheiten der Menschen leitet, ohne ihre Freiheit zu beeinträchtigen, dann muß man auch anerkennen, daß die Gesten guten Willens in den letzten sieben Jahren ebenfalls unter seiner Anleitung erfolgt sind. Diese Gesten bilden eine Linie - keine gerade Linie, aber dennoch eine Linie zugunsten der Tradition. Warum sollte sich das ändern, wenn wir das Äußerste tun, um uns als treu zu erweisen und unsere Gebete verstärken. Wird der liebe Gott uns in diesem äußerst kritischen Moment fallen lassen?
Weiterhin teilt das Generalhaus in diesem Schreiben mit, daß die Suche nach einer praktischen Übereinkunft nicht auf seine Initiative zurückgeht.
Im Interesse der Bruderschaft würden wir es weitaus vorziehen, den gegenwärtigen Staus quo auf mittlere Frist beizubehalten. Aber Rom ist nicht länger dazu bereit, das zu tolerieren.
Die vorgeschlagene Lösung einer Personalprälatur bedeutet keine Falle. Die Situation im April 2012 unterscheidet sich grundlegend von der von 1988. So zu tun, als ob sich nichts geändert hätte, verkennt die Geschichte. Zwar leidet die Kirche noch unter den gleichen Übeln, die Folgen sind vielleicht noch schlimmer und noch offensichtlicher als früher, aber gleichzeitig beobachten wir eine veränderte Haltung in der Kirche, die durch die Gesten und Taten Benedikt XVI. zugunsten der Tradition unterstützt wird. Diese neue Bewegung, die vor mindestens 10 Jahren eingesetzt hat, wächst ständig. Sie erreicht inzwischen eine gute Zahl (wenn auch noch eine Minderheit) von jungen Priestern und Seminaristen und sie schließt sogar eine kleine Zahl jüngerer Bischöfe ein, die sich deutlich von ihren Vorgängern abheben. Sie lassen uns vertraulich ihre Sympathie und Unterstützung wissen, aber sie werden noch durch die herrschende Linie in der Hierarchie, die das 2. Vatikanum begünstigt, zurückgedrängt. Doch diese Hierarchie verliert an Kraft. Diese Wahrnehmung ist keine Täuschung, und sie zeigt, daß es nicht länger illusorisch ist, an einen Kampf "innerhalb der Mauern" zu denken - auch wenn uns dessen Schwierigkeit durchaus bewußt ist.
In Rom konnte ich feststellen, daß man uns zwar nach wie vor große Geschichten vom Glanz des 2. Vatikanums auftischt, aber daß diese Geschichten mehr auf den Lippen der Leute, als in ihrem Kopf sind. Immer weniger glauben daran.
Den Abschluß des Briefes bilden Vorwürfe des Generalhauses an die drei Bischöfe, die den allein zur Leitung der Bruderschaft berufenen Generaloberen bei den schwierigen Gesprächen der letzten Monate nicht nur nicht unterstützt hätten, sondern versucht hätten, ihm ihren Willen aufzuzwingen, sogar mit Drohungen, sogar in der Öffentlichkeit. Als letzten Absatz dann auch hier eine ausgestreckte Hand:
Wir beten für jeden von Ihnen, daß wir uns in diesem Kampf, der noch lange nicht zuende ist, alle gemeinsam zur Höheren Ehre Gottes und die Liebe zu unserer Bruderschaft einsetzen mögen.
Beim Tango
Katholikentag: Zeitgeist-Tango und missliebige Termine
10. Mai 2012
Nein, mit „einer Liturgie, in deren Mittelpunkt der Tango steht“, wie sie das offizielle Programm des Katholikentages in Mannheim avisiert, können die der überlieferten Liturgie und Lehre der Kirche verpflichteten Gläubigen nicht dienen. Trotzdem bleibt es ärgerlich, daß dieses Programm von den beiden für Mannheim angesagten Hochämtern im überlieferten Ritus nur eines nennt; eine Suche in der Datenbankversion im Internet bleibt sogar ganz ohne Ergebnis, wenn man nicht schon vorher genau weiß, wonach man sucht. „Latein“ oder „außerordentliche Form“ - Fehlanzeige. So setzt das Zentralkomitee halt seine Prioritäten und müht sich nach Kräften, im Verborgenen zu halten, was nicht in sein säkularistisches Weltbild passt - Aufbruch zum Abbruch.
St. Maria-Hilf in Mannheim-Almenhof Bild: Wikimedia
Daher hier die missliebigen Termine:
- Freitag, 18. Mai, 18.00 Uhr, levitiertes Hochamt, Zelebrant ist P. Bernward Deneke von der Petrusbruderschaft,
- Samstag, 19. Mai, 9:00 Uhr, levitiertes Hochamt, Zelebrant ist Pfarrer Hendrick Jolie vom Netzwerk katholischer Priester.
Ort ist für beide Gottesdienste ist die Maria-Hilf-Kirche im Stadtteil Almenhof. Weitere Informationen bietet summorum-pontificum-freiburg.
Bei der Inzensierung
Bilder vom überlieferten Ambrosianischen Ritus
8. Mai 2012
Der überlieferte ambrosianische Ritus hat es in seinen Stammlanden fast noch schwerer als der traditionelle Römische Ritus in den seinen: Er stößt vielfach auf eine ebenso große Feindschaft der Modernisten wie die tridentinische Messe - aber es ist nach wie vor unklar, ob und wieweit Summorum Pontificum auch für das Missale von Mailand gilt. Jede Feier dieser Liturgie in ihrer überlieferten Form hat also besondere Bedeutung. Umso mehr muß das für die Zelebration gelten, die Msgr Attilio Cavalli kürzlich in der Pfarrkirche San Siro Misinto in der Nähe von Mailand feierte - und das nicht nur, weil der Monsignore als Kanoniker des Mailänder Doms das heute nur noch selten gebrauchte Privileg in Anspruch nahm, Mitra und Ferula zu verwenden.
„Erinnerungsphoto“ mit Seminaristen
Aus dem etwa 250 km entfernten Seminar des Instituts Christus König und Hoher Priester in Gricigliano (bei Florenz) waren über 30 Seminaristen angereist, die in choro an der Messe teilnahmen. Man kann darin ein Signal dafür sehen, daß das ICRSS der Bewahrung dieses altehrwürdigen Ritus, der in seiner Grundform nicht zur römischen Ritenfamilie gehört, besondere Bedeutung beimisst und sich tatkräftig dafür einsetzen wird.
Eine Reihe von Photos von der Zelebration in San Siro Misinto präsentiert New Liturgical Movement unter den Daten vom 3. Mai (2 Bilder) und vom 8. Mai (9 Bilder).
Hochamt in Paderborn
PMT-Jahrstagung in Paderborn
8. Mai 2012
Inzwischen sind Bilder von der Jahrestagung der Laienvereinigung Pro Missa Tridentina und eine vollständige PDF-Version des Vortrags von Prof. Fiedrowicz auf der Website von PMT online.
Wie die Bilder aus der Marktkirche vom Samstag zeigen, fand das levitierte Hochamt am „Volksaltar“ der Marktkirche statt. Propst Nübold als zuständiger „Hausherr“ hatte sich leider nicht bereit gefunden, die Zelebration am sehr schön restaurierten Hochaltar der Kirche zu gestatten.
Von Gottes- und Menschendiensten
Aus dem Vortrag von Prof. Michael Fiedrowicz vor „Pro Missa Tridentina“
6. Mai 2012
Am gestrigen 5. Mai, dem Festtag des hl. Papstes Pius V., fand in Paderborn die diesjährige Hauptversammlung der Laienvereinigung für den klassischen Ritus „Pro Missa Tridentina“ statt. Den Hauptvortrag hielt Prof. Michael Fiedrowicz von der theologischen Fakultät der Universität Trier. Wir bringen - ohne Quellenangaben und Anmerkungen - Auszüge daraus und werden auf die wesentlich umfangreichere vollständige Fassung hinweisen, sobald diese wie vorgesehen im PMT-Magazin erscheint. Ebenso werden wir Bilder von der Hauptversammlung und dem aus diesem Anlaß gefeierten Hochamt zeigen, sobald wir solche erhalten.
Als einen Ausgangspunkt seiner Ausführungen wählte der Redner die Orationen des Messformulars für die hl. Päpste von 1942 und des Heiligen Pius V. selbst, zu dem er freilich anzumerken hatte:
Papst Pius V. starb am 1. Mai 1572. Im Jahre 1672 wurde er seliggesprochen, 1712 erfolgte seine Heiligsprechung. Das Missale von 1962 gedenkt seiner mit einem Fest dritten Ranges. Es wäre allerdings eine grobe Verkennung liturgischer Rangstufen, wollte man hierin nur eine „drittklassige“ Verehrung sehen, die dem heiligen Papst in der alten Liturgie, die er maßgeblich prägte, zuteil wird. Drittklassige Verehrung im negativen Sinn ist hingegen das, was der Novus Ordo aus dem einstigen Fest gemacht hat, indem er diesem Heiligen nur eine memoria ad libitum zubilligte, einen Gedenktag, dessen Feier dem Belieben des Zelebranten anheimgestellt ist. Deutlicher konnten die hierfür verantwortlichen Reformer wohl kaum zum Ausdruck bringen, was sie von der mit dem Namen dieses Papstes verbundenen Liturgie hielten, wie sehr sie von dem Wunsch beseelt waren, Neues an die Stelle des Bisherigen zu setzen. Bekanntlich gibt es nichts Intoleranteres als an die Macht gekommene Revolutionäre.“
Er fährt dann fort:
In einem Interview äußerte der renommierte Liturgiehistoriker und Benediktiner Alcuin Reid auf die Frage „Kontinuität oder Bruch?“, es gebe Anzeichen, „die darauf hindeuten, dass die für die Reform Verantwortlichen einen Bruch im Sinn hatten – sowohl in theologischer als auch in ritueller Hinsicht. Das, was durch die Tradition überliefert war, wollten sie nicht. Sie wollten das auch nicht weiterentwickeln. Sie wollten etwas Neues, das den ‚modernen Menschen‘ der sechziger Jahre widerspiegelte und was dieser ihrer Meinung nach brauchte.“ Der moderne Mensch der sechziger Jahre brauchte vermeintlich nicht mehr die von Papst Pius V. kodifizierte Liturgie, eine „anthropologische Wende“ war angesagt.
Braucht der moderne Mensch Anfang des dritten Jahrtausends jene Liturgie noch? Oder braucht er sie vielleicht gerade wieder? Braucht er sie möglicherweise dringender denn je, weil die anthropozentrische Wende der reformierten Liturgie – die Ausrichtung des Gottesdienstes primär auf den Menschen - nicht das ist, was er wirklich und im Innersten braucht?
Die Tagesoration bittet: „Gib, dass wir durch seinen Beistand beschirmt werden“ – fac nos ipsius defendi praesidiis. Wörtlicher noch müsste es heißen: lasse uns durch seinen Schutz, seine Hilfe, sein Geleit verteidigt sein. Inwiefern könnte Papst Pius V. nicht nur im allgemeinen himmlischer Fürsprecher der irdischen Kirche sein, insbesondere all derer, die sich pro missa tridentina engagieren, sondern gerade mit der von ihm kodifizierten Liturgie uns heute hilfreich verteidigen?
„Auch wir haben den Kult des Menschen“, beteuerte Papst Paul VI. 1965 in seiner Ansprache zur Eröffnung der letzten öffentlichen Sitzung des II. Vatikanum am 7. Dezember 1965. Er appellierte an die Ungläubigen mit den Worten: „Dieses Lob spendet wenigstens dem Konzil, ihr, die ihr in diesem unseren Zeitalter den Kult der Menschlichkeit pflegt und die Wahrheiten, die die Natur der Dinge übersteigen zurückweist: anerkennt zugleich unsere neuartige Bemühung um die Menschlichkeit: auch wir, ja wir mehr noch als die anderen, sind Verehrer des Menschen“ – Cultores hominis sumus.
Der vorausgegangene Kontext parallelisierte nun aber ausdrücklich cultus Dei („Verehrung Gottes“) und cultus hominis („Verehrung des Menschen“). Gewiss war damit zunächst gemeint, dass die Sorge der Kirche stets dem Menschen gelte. Eine Selbstverständlichkeit, die gerade in jenen Epochen der Kirchengeschichte am aufopferungsvollsten verwirklicht wurde, wo am wenigsten darüber geredet wurde. Die Formulierung und ausdrückliche Parallelisierung mit dem „Gotteskult“ hingegen erscheint fragwürdig und wurde entsprechend kritisiert: „Kult des Menschen“? Muss ein Papst so reden? Muss sich die Kirche in dieser Weise der ungläubigen Welt anempfehlen? Verrät sich in dieser Formulierung nicht die Mentalität der sechziger Jahre, die das Konzil prägte und auch die Liturgiereform imprägnierte?“
Auf Papst Pius V. jedenfalls kann sich diese Art des Reformierens keinesfalls berufen, hier sieht Fiedrowicz in der sogenannten „Erneuerten Liturgie“ eindeutig den Bruch vor der Kontinuität:
Ganz anders – nämlich theozentrisch – orientiert war das Reformwerk Pius‘ V. „Den göttlichen Kult“ wiederherzustellen“ sei seine Berufung gewesen, sagt die Tagesoration – divinum cultum reparare. Das Adjektiv „göttlich – divinus“ gewinnt für uns ungeahnte Aktualität. Es ist die ausgeprägte Theozentrik der klassischen Liturgie, die es heute wiederzugewinnen und neu zu entdecken gilt. Diese primäre Ausrichtung auf Gott manifestiert sich hier vor allem in der Zelebrationsrichtung versus altare, in der Sakralsprache, in der Kanonstille, in unzähligen Zeichen der Reverenz – Kniebeugen, Verneigungen, Verhüllungen, Kreuzzeichen -, in der ganzen Atmosphäre der Sakralität, die der klassische Ritus ausstrahlt.“
Von der Tagesoration aus schlägt der Redner in seinem weiteren Vortrag dann den Bogen zu den Orationen des Missales allgemein, die im Zuge der Reform der 60er Jahre durchgängig abgeschwächt, verkürzt oder ganz ersetzt worden sind. Sie bieten nicht länger wie noch in der Fassung Pius V. „eine Summa theologica in nuce, die den katholischen Glauben unverkürzt und prägnant zum Ausdruck bringt“, sondern neigen dazu, ein Spiegelbild von modernen Selbstverständlichkeiten abzugeben. In der Zuspitzung von Nicolas Gomez Davila:
Nachdem sie nicht erreichte, dass Menschen praktizieren, was sie lehrt, hat die gegenwärtige Kirche beschlossen, zu lehren, was sie praktizieren.“
Das Fazit aus dem hier zitierten und dem um ein Vielfaches umfangreicheren Teil, der hier nicht berücksichtigt werden konnte, liegt für Fiedrowicz auf der Hand:
Die Feier der Liturgie in ihrer überlieferten Form bildet daher ein ebenso notwendiges wie wirksames Gegengewicht gegenüber allen Verflachungen, Verkürzungen, Verwässerungen und Banalisierungen des Glaubens. Wenn bestimmte Aspekte des Glaubens aus der Liturgie völlig verschwinden oder darin stark abgeschwächt werden, drohen sie allmählich auch aus dem Glaubensbewusstsein der Priester und Gläubigen zu verschwinden. Die überlieferte Form der hl. Messe ist daher ein unerlässliches Korrektiv, das diesem Ausfall wichtiger Glaubenswahrheiten entgegenzuwirken vermag.
Den wertvollen Schatz der überlieferten Liturgie zu bewahren, gehört zur Bewahrung des Depositum fidei. Der Apostel Paulus mahnte seinen Schüler: „O Timotheus, bewahre das dir anvertraute (Glaubens-)Gut!“ (1 Tim 6,20). In zeitloser Aktualität deutete der frühchristliche Mönchspriester Vinzenz von Lérins (434) diese apostolische Weisung, wobei er das zu bewahrende Glaubensgut zugleich auch in kultischer Dimension verstand: „Wer ist heute jener Timotheus, wenn nicht zum einen generell die ganze Kirche und dann speziell der ganze Stand der Vorgesetzten, die das unversehrte Wissen der Gottesverehrung sowohl selbst besitzen als auch anderen mitteilen müssen?“ Die überlieferte Messe ist der in Jahrhunderten geformte Ausdruck und bewährte Garant dieses unversehrten Wissens der Gottesverehrung.“
Wir danken Prof. Fiedrowicz für die Erlaubnis, eine Auswahl aus seinem Vortrag vorzunehmen und zu veröffentlichen. Vor allem aber gebührt unsere Dankbarkeit Papst Benedikt XVI. der die hier angesprochenen Zusammenhänge durch die Rauchschwaden der vergangenen Jahrzehnte hindurch erkannt hat und begonnen hat, Freiräume zu schaffen, in denen die überlieferte Liturgie wieder zum Kraftzentrum der Kirche werden soll.
S. Papa Pie X. ora pro nobis.
Es wird ernst
5. Mai 2012
Der 15. April war vom Vatikan der Piusbruderschaft als Termin genannt (nicht als Ultimatum gesetzt), um die seit über einem Jahr diskutierte „lehrmäßige Präambel“ zu einer Rekonziliationsvereinbarung zu unterschreiben. Am 17. April übergab Bischof Fellay das unterschriebene Dokument – mit einigen von ihm vorgenommenen Änderungen. Seitdem haben die Vatikan-Astrologen hohe Konjunktur. Hat die Bruderschaft die Auflagen der Glaubenskongregation im wesentlichen erfüllt und wird – zumindest mit den Mitgliedern, die diesen Weg mitgehen wollen – demnächst wieder in die offizielle Struktur der Kirche zurückkehren? Oder sind die Änderungen so weitgehend, daß sie eine Ablehnung unaufgebbarer Positionen der Kirche bedeuten und auch dieser Einigungsversuch scheitert?
Was Hoffnung macht: Ganz entgegen modernen vatikanischen Gepflogenheiten ist bis jetzt weder der ursprüngliche Text der „Präambel“ noch eine seiner verschiedenen Bearbeitungsstufen an die Öffentlichkeit gelangt: Da reden Leute miteinander, die es ernst meinen.
Die Gegner einer Rückbindung des 2. Vatikanischen Konzils und seiner Geister in die Tradition von 21 Konzilien sind jedenfalls aufs höchste besorgt. Zentralkomitees-Katholik Wolfgang Thierse zitiert den – mit der Sache freilich nicht befassten – Kardinal Koch dahingehend, Rom habe gegenüber den „Piusbrüdern“ in nichts nachgegeben“ . Was der Kardinal so ganz bestimmt nicht gesagt hat. Der amerikanische Vatikanist John Allen, der für den ultraliberalen „National Catholic Reporter“ schreibt, weiß zu berichten, selbst das Opus Dei und andere „letzte Getreue“ verweigerten dem Papst bei seinem Versuch, die Bruderschaft zurückzuholen, die Gefolgschaft. Nicht ohne Grund nennen in den USA viele das auf strammem Los-Von-Rom-Kurs segelnde Blatt den „National Catholic Distorter“.
Unterdessen geschehen rundum erstaunliche Dinge: Der Bamberger Erzbischof Schick begrüßt angesichts positiv klingender Nachrichten aus Rom ausdrücklich die Einigungsbemühungen des Papstes und fügt hinzu, hinsichtlich der Liturgie sei einiges zu diskutieren, da es dort in der Euphorie des Konzils auch zu „Abwegen“ gekommen sei. Der amerikanische Erzbischof und päpstliche Nuntius in der Ukraine, Thomas E. Gullickson, weist in einer Zuschrift an den Blog „Rorate Caeli“ die Spekulationen des „National Catholic Reporter“ zurück als einen Versuch, „die Rekonziliation, für die wir ernstlich und unaufhörlich Gottes Segen erbitten“ zu verhindern. Kardinal Brandmüller, gerade auf Deutschlandbesuch, prognostiziert, daß ein Großteil der Bruderschaft die in seinen Augen unmittelbar bevorstehende Einigung mittragen werde.
Bischof Fellay, die Oberen der Piusbruderschaft in Deutschland, USA und anderen Ländern fordern ihre Anhänger auf, für den guten Ausgang der Einigungsbemühungen zu beten – ohne dabei bestimmte Bedingungen zu nennen. Bisher stand immer die Forderung, dass eine Einigung mit Rom erst dann sinnvoll und erlaubt wäre, wenn Rom das II. Vatikanum, die neue Liturgie und diverse „Irrtümer“. aufgäbe und sich zur Tradition nach Lesart der Bruderschaft bekehre.
Genau diese Forderung scheint jetzt entfallen zu sein – und ebenso die bisherige römische Gegenforderung, das II. Vatikanum und die reformierte Liturgie in toto „anzuerkennen“ – was immer eine solche Anerkennung bedeuten möge. Anscheinend will sich der Vatikan nicht länger der niederschmetternden Einsicht verschließen, daß viele Theologen und Bischöfe das vergangene Konzil und die Liturgie Pauls VI. selbst in Worten nur unter Vorbehalt anerkennen und in Taten bereits als „überwunden“ behandeln, ohne daß Rom ihnen deshalb bisher die Gemeinschaft aufgekündigt hätte.
In den letzten Tagen sind nun weitere bedeutsame Wortmeldungen aus der Piusbruderschaft bekannt geworden. P. Michel Simoulin hat im Mitteilungsblatt der von der FSSPX betreuten Dominikanerinnen von Fanjeaux geschrieben: „Wir können nicht 88er bleiben, wie das einer unserer Bischöfe ausgedrückt hat. Wir sind nicht im Jahr 1975 mit Paul VI. und auch nicht im Jahr 1988 mit Papst Johannes Paul II., sondern in 2012 mit Papst Benedikt XVI. Man mag sagen, soviel man will, daß der Zustand der Kirche immer noch große Besorgnis hervorruft, daß die Theologie unseres Papstes manchmal seltsame Züge aufweist usw - das alles haben wir oft genug gesagt - aber man kann nicht sagen, daß der Stand der Dinge wie 1988 oder gar noch schlechter wäre. Das ist gegen die Wahrheit und gegen die Realität, und dahinter steckt letztlich nichts anderes als eine mehr oder weniger verborgene Ablehnung jeder Rekonziliation mit Rom überhaupt...“
P. Schmittberger schreibt in seinem Editorial zur Mai-Ausgabe des deutschen Mitteilungsblattes „Wenn Rom uns nun aus dem Exil zurückruft, in das wir 1975 mit der Aberkennung der Approbation und noch mehr 1988 mit dem Exkommunikationsdekret verstoßen worden sind, dann ist dies ein Akt der Gerechtigkeit und zweifellos auch ein Akt echter Hirtensorge Papst Benedikts XVI. Und dafür sind wir dankbar.“ Der Superior für Benelux, P. Benoit Wailliez, revidiert die Starrheit, die sich bisher stets auf das Vermächtnis „des Erzbischofs“ berief, mit den Worten: „(Erzbischof Lefebvre) hätte ohne Bitterkeit und ohne Kompromiss eine kanonische Anerkennung akzeptiert, auch wenn sie von einer Autorität gekommen wäre, die noch stark in modernen Irrtümern befangen ist, aber doch willens, den Kurs des großen Schiffs der Kirche, in das das Wasser von allen Seiten eindringt, zu korrigieren.“
Der dem verstorbenen Erzbischof als Assistent besonders nahestehende Pater Pfluger erklärte schließlich am 29. April bei einer Veranstaltung der Actio Spes Unica in Hattersheim „Unter diesen Umständen hält es der Generalobere, Bischof Bernard Fellay, nicht für möglich, das Angebot des Papstes zurückzuweisen. Es käme einem Abgleiten in den Sedisvakantismus gleich, sollte man sich dem Wunsch des Heiligen Vaters auch dann noch verschließen, wenn dies mit keinerlei Anerkennung falscher Glaubenslehren verbunden ist“. Die ganze zweistündige Rede von P. Pfluger gibt es hier zu hören; eine kurze Zusammenfassung wichtiger Punkte bringt katholisches.info.
„Es käme einem Abgleiten in den Sedisvakantismus gleich…“ Noch stärkere Worte für die Annahme der offenbar beschlossenen Vereinbarung durch möglichst viele Angehörige und Freunde der Bruderschaft sind kaum vorstellbar. Es wird ernst.
Bei der Profess
Feierliche Profess in Mariawald
3. Mai 2012
Am vergangenen Sonntag hat im Trappistenkloster Mariawald Bruder Maria Johannes Wolf die feierliche Profess abgelegt. Bruder Johannes, der sich derzeit als Spätberufener im Theologiestudium auf die Priesterweihe vorbereitet, ist das erste neue Mitglied, das sich nach dem Rückkehr zur überlieferten Liturgie und Lebensweise auf Dauer dem Konvent von Mariawald anschließt. Beten wir dafür, daß er diesen Weg zu Ende gehen kann und sich ihm bald weitere Brüder anschließen
Auf der Website des Klosters gibt es einen sehr eindrucksvollen Bericht von der Feier der Profess und einige weitere Bilder.
Die frühere Jesuitenkirche in Saarlouis
Neuordnung für die „alte Messe“ im Bistum Trier
1. Mai 2012
Mit dem heutigen 1. Mai tritt in der Diözese Trier, genauer gesagt: In deren saarländischem Teil, eine Neuordnung von organisatorischen Regelungen für die Feier der überlieferten Liturgie in Kraft. Damit verändert sich zunächst zwar nichts am bisherigen Bestand, es zeichnet sich jedoch eine auf Dauer abzielende Verstetigung ab. Die Website der Diözese teilte dazu unter dem gestrigen Datum mit:
Im Hinblick auf die Zuständigkeiten für die Gottesdienste, die im saarländischen Teil des Bistums Trier gemäß den Bestimmungen des Päpstlichen Schreibens „Summorum Pontificum“ in der außerordentlichen Form des römischen Ritus (die sogenannte alte oder tridentinische Messe) gefeiert werden, hat der Bischof von Trier zum 1. Mai einige Änderungen vorgenommen. Wie bislang wird diese Messe auch weiterhin an zwei Orten gefeiert: in Köllerbach-Engelfangen und in Saarlouis, die Verantwortlichkeiten wechseln jedoch.
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St. Martin Köllerbach
In Köllerbach, St. Martin lag die Zuständigkeit bislang bei Pater Werner Barthel von der Priesterbruderschaft St. Petrus. Eigentümerin der Kirche in Köllerbach ist bisher der Kirchbauverein St. Martin. Dieser beabsichtigt nun, seine Kirche an das „Institut Christus König und Hoherpriester“ zu übertragen. Das 1990 gegründete Institut ist eine so genannte „Gesellschaft apostolischen Lebens päpstlichen Rechts“, vergleichbar einer Ordensgemeinschaft. Auf Vorschlag des Instituts hat Bischof Dr. Stephan Ackermann Kanonikus Manfred Joeckel die Wahrnehmung der gottesdienstlichen und seelsorglichen Aufgaben in Köllerbach, St. Martin übertragen.
Zweiter Standort im Saarland für die Feier der traditionellen lateinischen Messe bleibt Saarlouis. Bislang fanden diese Messen in der Kapelle des St.-Elisabeth-Krankenhauses statt. Nun hat die Priesterbruderschaft St. Petrus die ehemalige Canisius-Kirche der Jesuiten in Saarlouis gekauft. Hier sollen, sobald die profanierte Kirche wieder nutzbar und benediziert (neu eingesegnet) ist, künftig die Gottesdienste in der traditionellen Form gefeiert werden. Diese Aufgabe wird auf Vorschlag der Petrusbruderschaft Pater Barthel übernehmen."
Endlich: Bilder aus Trier
29. April 2012
Der Kardinal bei der Predigt
Es hat etwas gedauert, aber jetzt ist es geschafft: Die Bilder vom Pontifikalamt und der Pontifikalvesper mit Kardinal Brandmüller, die uns Dr. Schilling aus Trier dankenswerterweise zukommen ließ, sind online. Das Copyright liegt bei Dr. Schilling. Hier geht es zur Bilderschau.
Qualität und Medium
Wie dumm originell dürfen Journalisten sein?
28. April 2012
Die Direktive des Papstes an die deutschen Bischöfe zu einer korrekten Übersetzung der Wandlungsworte hat mehreren Redaktionen die Gelegenheit geboten, ihre profunde Unkenntnis kirchlicher Dinge - oder ihre Abneigung, darüber sachgemäß zu berichten - zu Protokoll zu geben. Am besten gefiel uns die Pointe, die sich Burkhard Müller in der Süddeutschen Zeitung (26. 4.) einfallen ließ: Indem der Papst sich gegen eine Tradition der Kirche entschieden habe, verhalte er sich "eher wie ein Protestant als wie ein Katholik".
Das gefällt: Statt dem Papst wie üblich vorzuwerfen, daß er katholisch sei, entdeckt ein Originalitätshuber, Benedikt XVI. sei über Nacht Protestant geworden, was ihm dann auch wieder irgendwie nicht recht zu sein scheint. Und wenn er dazu eine seit gerade einmal vier Jahrzehnten und zwar durchaus im Gegensatz zur Tradition verwandte Übersetzung zur "Tradition" umfälschen muss - umso besser, damit gewinnt auch der Begriff Tradition eine originelle Anmutung.
Der Streit um das „pro multis“
ist beendet
26. April 2012
Mit seinem Schreiben vom 14. April, das am 24. April veröffentlicht worden ist, hat Papst Benedikt die langjährige Auseinandersetzung um die korrekte Übersetzung des „pro multis“ in den Wandlungsworten der alten wie der neuen römischen Liturgie beendet. Das bestätigt auch die Presseerklärung des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Walter Zollitsch, vom gleichen Tage, in der es heißt: „Der Brief bietet eine Klärung und ist der Abschluss einer Diskussion.“ Kardinal Meissner hat bereits an seine Mitbrüder im Bischofsamt appelliert, der Aufforderung des Papstes so schnell wie möglich nachzukommen:
Nachdem die großen Sprachfamilien der Welt diesen wichtigen Text entsprechend dem biblischen Urtext geändert haben, sollten wir als deutsche Katholiken nun nachziehen.“
Andere Bischöfe folgen ihm in dieser Zustimmung, wie die Tagespost heute mitteilt.
Andererseits ist es klar, daß das „Lehramt der Theologen“ sich von der nun eingetretenen Entwicklung nicht beeindrucken lassen wird. Der Dekan der Münsteraner Theologie, Hw. H. Prof. Klaus Müller, hat bereits dazu angesetzt, die römische Klarstellung als Lockangebot an die Piusbruderschaft ins denkbar schlechteste Licht zu rücken und stellt die Frage: „Ist hier eine Reaktion am Werk, die das Erbe des Konzils zerstören will?“
Nun, die Zeit ist gerade dabei, über ihn und andere selbsternannte Nachlassverwalter des Konzils hinwegzugehen. Was dagegen bleiben wird ist die ausführliche Begründung des Papstes für seinen Auftrag an die deutschen Bischöfe, die Übersetzung bald möglichst am Wortlaut und nicht an der Interpretation auszurichten. Einmal wegen der klaren und überaus deutlichen Worte, die der Papst hier gefunden hat. Deutlich auch in Hinblick darauf, daß das Verständnis der Kirche von Übersetzungen sich vom nachkonziliaren „Comme le prevoit“ (1969) zu „Liturgiam authenticam“ (2001) erneut tiefgehend gewandelt hat und daß es nun an der Zeit ist, problematische Weichenstellungen vergangener Jahrzehnte zu korrigieren.
Zum Zweiten ist es bemerkenswert, wie sehr der Papst dabei bemüht ist, den Vertretern der interpretierenden Übersetzung keine unguten Motive zu unterstellen, ihren guten Willen ausdrücklich anerkennt – und dennoch bei der Entschiedenheit seiner Anweisung bleibt. Das geht erkennbar über reine Diplomatie hinaus und ist mehr als ein Versuch, den deutschen Bischöfen die soeben verabreichte bittere Pille etwas zu versüßen. Der Papst erkennt an, daß es in wichtigen pastoralen Fragen unterschiedliche Ansichten mit erheblichen praktischen Auswirkungen geben kann, ohne daß die eine oder die andere Seite in den daraus hervorgehenden Auseinandersetzungen von vornherein im Unrecht sein müßte. Und dann nimmt er für sich als Nachfolger Petri und „Hüter von Christi Schafen“ Recht und Vollmacht in Anspruch, eine Entscheidung zu treffen.
Darin liegt ein Muster, das für die Überwindung vieler in den nachkonziliaren Wirren aufgebrochener Unklarheiten taugen könnte. Insbesondere dann, wenn wie in diesem Brief größte katechetische Feinfühligkeit und Klarheit in der Aussage und der Anweisung zusammengehen.

Kardinal Brandmüller in Rom
Weitere Informationen zum Pontifikalamt mit S.E. Brandmüller
25. April 2012
Jetzt sind wir fast komplett: Die Predigt des Kardinals ist seit heute online auf kath.net. Sehr lesenswert - besonders auch das, was zwischen oder unter den Zeilen steht.
Außerdem gibt es eine kleine Bilderschau mit bescheidenen 319 Bildern auf mayalbum.com. Eine erste, wenn auch nur oberflächliche, Sichtung läßt vermuten, daß hier jedes Informationsbedürfnis erfüllt wird. Und viele sehr schöne Aufnahmen sind auch dabei.
Außerdem haben wir heute noch eine DVD mit weiteren 111 Bildern bekommen. Wir werden die besten und ausdruckstärksten davon in einer eigenen Bilderschau präsentieren - das wird aber nicht vor dem Wochenende geschehen können.

Hochamt in St. MaximinBild: Bistum Trier
Pontifikalamt mit S.E. Brandmüller in Trier
21. April 2012
Noch mehr Updates am 23. April.
In Anwesenheit von Ortsbischof Stephan Ackerman hat S. E. Walter Kardinal Brandmüller heute in St. Maximin in Trier aus Anlaß der Wallfahrt zum Heiligen Rock ein Pontifikalamt in der außerordentlichen Form des lateinischen Ritus zelebriert. Aus ganz Deutschland waren an diesem Tag zahlreiche Anhänger der überlieferten Liturgie und Lehre nach Trier gewallfahrt. Zu Beginn des Gottesdienstes hatte der Trierer Bischof Kardinal Brandmüller und die Ecclesia-Dei-Gemeinschaften „herzlich willkommen“ geheißen und seiner Freude Ausdruck verliehen, daß in St. Maximin eine internationale Gemeinschaft als „Symbol und Ausdruck der einen Kirche Jesu Christi“ versammelt sei.
Bisher liegen außer einem Bericht auf der Trierer Bistumsseite, der seinen Lesern die „Ecclesia-Dei-Gemeinschaften“ als „Kirche-Gottes-Gemeinschaften“ verdolmetscht, nur wenige Nachrichten aus Trier vor. Sobald wir weitere Informationen und Bilder zum heutigen Tag haben, werden wir diese nachreichen.
Vorab schon ein Wort zu St. Maximin: Diese ehemalige Reichsabtei, eines der größten und ältesten Benediktinerklöster Europas, wurde 1802 von der Staatsgewalt aufgehoben und zunächst als Kaserne genutzt. Die ehemalige Klosterkirche dient heute als Sporthalle und Schauplatz für Kulturveranstaltungen.
Updates:
Gloria.tv zeigt ein 9-Minuten-Video mit kurzen Ausschnitten vom Pontifikalamt und der anschließenden Wallfahrerprozession. Die große Kirche war anscheinend voll besetzt. Die Prozession, auf der deutlich erkennbar war, daß zahlreiche Teilnehmer aus Frankreich und anderen Ländern teilnahmen, wurde durch teilweise starken Regen kaum beeinträchtigt. Auch viele Trierer und Trier-Besucher ließen sich das seltene katholische Schauspiel in den Straßen der Stadt nicht nehmen.
Inzwischen sind zwei weitere Videos aufgetaucht:
- Verehrung der Rock-Reliquie durch Mönche und Priester der Ostkirchen 5 Min.
- Wallfahrt der Ecclesia-Dei-Gemeinschaften12 Min., mit Begrüßung durch Bischof Ackermann.
Der Blog „Thermometer - Katholizismus und Freiheit“ hat einen lesenswerten Bericht zum Trierer Pontifikalamt und der Wallfahrt, Leseprobe:
Große Plakate auf dem Weg, die verkünden, daß man ganz und gar nicht die Reliquie verehrt, sondern Jesus Christus. (Vor meinem geistigen Auge erscheint wieder der kindergesichtige Herr Bischof) Auf dem Vorplatz eine Kunstinstallation aus Bindfäden in Rot und Weiß, deren Sinnfreiheit sich kaum übertreffen läßt, daneben Betonkübel mit buntig angestrichenen Ästen in den Pastellfarben, die mich so sehr an die Kunst-am-Bau-Tradition der Nierentischepoche erinnern. Ich fühle mich an einen Kindergeburtstag erinnert. Im Eingangspavillon kann man einen "Lebensfaden" abgeben, der dann auf einem Webstuhl verarbeitet wird. Wir befinden uns offenbar auf einem Event der Textilindustrie."
Außerdem gibt es einen Bericht in der Tagespost, der die erstaunliche Zahl von 2500 Teilnehmern beim Pontifikalamt mit Kardinal Brandmüller mitteilt. Auch daraus ein kleiner Absatz, der es aber in sich hat:
Pater Axel Maußen, der Distriktobere für den deutschen Sprachraum der Priesterbruderschaft St. Petrus, die neben dem Institut Christus König und Hoherpriester und dem Institut Sankt Philipp Neri verantwortlich war für die Organisation, machte den Pilgern eine besondere Freude, als er eine Botschaft des Heiligen Vaters verlas. Papst Benedikt spendete seinen apostolischen Segen durch die Hand Kardinal Brandmüllers und gewährte allen Teilnehmern einen vollkommenen Ablass, nachdem der Trierer Bischof im Vorfeld der Heilig-Rock-Wallfahrt aus ökumenischen Gründen auf die Beantragung eines solchen Ablasses verzichtet hatte."
Jetzt warten wir nur noch auf nähere Informationen zur Predigt des Kardinals, von der bisher schon manches Gute, aber das nur recht undeutlich zu hören war. Einige Bilder vom Ereignis sind zwar bereits zugesagt, aber noch nicht eingetroffen.
Herzlichen Glückwunsch, Heiliger Vater!
19. April 2012
Mit der Annahme der Wahl begann am 19. April 2005 die Amtszeit von Papst Benedikt XVI. als 264. Nachfolger Petri, Bischof von Rom und Vicarius Iesu Christi. Möge der Herr ihm Kraft und Gesundheit für weitere Jahre erfolgreicher Arbeit in seinem Weinberg geben.

F. N. Otterbeck
„Wir sind Kirche“
- aber wer sind „Wir“?
19. April 2012
Die seit Tagen jeweils für die nächsten Stunden angekündigte Sensation einer Rückkehr der Piusbruderschaft in die Einheit mit dem Papst ist bislang ausgeblieben. Aber ihr Eintreffen wird wahrscheinlicher. Im Rahmen unserer lockeren Folge von Überlegungen zu Zielsetzungen und Auswirkungen des 2. Vatikanischen Konzils hat sich Franz Norbert Otterbeck anhand einiger Gegenstände aus dem liturgischen Bereich mit der Frage befasst, wie denn nun die deutsche Kirche, die ein sehr eigenwilliges Verständnis dieses Konzils entwickelt hat, mit der von Papst Benedikt vorgelegten in der Tradition gegründeten Leseweise der Konzilstexte zurechtkommt.
Das „Wir“ der deutschen Kirche ist demnach alles andere als deckungsgleich mit dem „Wir“ der amtlichen Äußerungen des Papstes. Wir stehen vor spannenden Entwicklungen. Hier zu Franz Norbert Otterbecks „Vom heiligen Römischen Konzil, deutscher Nation “

S.E. Kardinal Brandmüller in Imsterberg
Kardinal Brandmüller liebt die klare Sprache
17. April 2012
Am 3. Fastensonntag „Oculi“ hat S. E. Walter Kardinal Brandmüller auf Einladung des Ortspfarrers H.H. Stephan Müller im österreichischen Imsterberg ein feierliches Pontifikalamt zelebriert. Anlaß war zum einen der 90. Todestag des sel. Kaisers Karl von Österreich, dann aber auch der fortdauernde Skandal der sog. „Pfarrerinitiative“. Ihren Mitgliedern und Sympathisanten ebenso wie den treu gebliebenen Katholiken des Landes zeigte der Kardinal in seiner Predigt, daß die Lehre und die Liturgie der Kirche gerade in ihrer traditionellen Form jung und ganz und gar „von heute“ geblieben sind. Dabei fand er immer wieder die klaren Worte, die andere zur Leitung und Verteidigung der Kirche berufene Oberhirten allzu oft vermissen lassen.
Raphael Kürzinger hat uns seinen Bericht vom Pontifikalamt und den Text der Predigt von Kardinal Brandmüller zugeschickt; dazu einige Photos, die das Pfarramt Imsterberg zur Verfügung gestellt hat. Hier die Texte.

Papst Benedikt XVI. im März auf Cuba Bild: ABC-News
Wie der Bär in das Wappen von
Josef Ratzinger und Josef Ratzinger
nach Rom kam
15. April 2012
Am morgigen Montag feiert Papst Benedikt seinen 85. Geburtstag. Noch gibt es keine Biographie, die sein Wirken als Nachfolger Petri mit einschließt - aber in seiner Autobiographie „Aus meinem Leben“, die nur die Jahre bis zu seiner Ernennung zum Erzbischof von München 1977 behandelt, hat er selbst eigentlich schon das wichtigste gesagt. In dem letzten Kapitel des erst 1997 geschriebenen Buches beschreibt er in der Rückschau aus Rom die Überlegungen, die ihn 1977 zur Wahl seines Bischofswappens geführt haben und widmet dabei besondere Aufmerksamkeit dem Bären des hl. Korbinian, des Schutzpatrons der Diözese München und Freising.
Ein Bär habe auf der Reise nach Rom das Pferd des Heiligen zerfleischt, so erzählt die Geschichte. Da habe Korbinian ihm seine Untat streng verwiesen und ihm zur Strafe das Bündel aufgepackt, das bis dahin das Pferd getragen hatte. Nun mußte der Bär das Bündel nach Rom schleppen und wurde erst dort vom Heiligen entlassen. Mich erinnerte der mit der Last des Heiligen beladene Bär an eine Psalmenmeditation des heiligen Augustinus. In den Versen 22 und 23 des Psal¬mes 72 (73) hat er die Last und die Hoffnung seines Lebens ausgedrückt gefunden. Was er in diesen Versen findet und dazu kommentiert, ist wie ein Selbstporträt, im Angesicht Gottes aufgenommen und so nicht nur ein frommer Gedanke, sondern Auslegung des Lebens und Licht auf dem Weg. Was Augustinus da schreibt, wurde mir nun zur Darstellung meines eigenen Geschicks. Der Psalm aus der Weisheitsüberlieferung zeigt die Not des Glaubens, die aus seiner irdischen Erfolglosigkeit kommt; wer auf Gottes Seite steht, steht nicht notwendig auf seiten des Erfolgs: Gerade die Zyniker sind oft die Menschen, die das Glück zu verwöhnen scheint. Wie soll man das verstehen? Der Psalmist findet die Antwort im Stehen vor Gott, bei dem er die letzte Belanglosigkeit materiellen Reichtums und Erfolgs begreift und erkennt, was das wahrhaft Notwendige und Rettende ist. »Ut iumentum factus sum apud te et ego sem-per tecum. « (…)
Das lateinische Wort iumentum bezeichnete vor allem die Zugtiere, die für die Arbeit in der Landwirtschaft eingesetzt wurden, und darin sieht er nun ein Bild seiner selbst unter der Last seines bischöflichen Dienstes: Ein Zugtier bin ich vor dir, für dich, und gerade so bin ich bei dir. Er hatte das Leben eines Gelehrten gewählt und war von Gott zum »Zugtier« bestimmt worden - zum braven Ochsen, der den Karren Gottes in dieser Welt zieht. Wie oft hat er aufbegehrt gegen all den Kleinkram, der ihm auf diese Weise auferlegt war und ihn an der großen geistigen Arbeit hinderte, die er als seine tiefste Berufung wußte. Aber da hilft ihm der Psalm aus aller Bitterkeit heraus: Ja, freilich, ein Zugtier bin ich geworden, ein Packesel, ein Ochs - aber gerade so bin ich bei dir, diene dir, hast du mich in der Hand. (…)
Der bepackte Bär, der dem heiligen Korbinian das Pferd oder wohl eher den Maulesel ersetzte, sein Maulesel wurde - gegen seinen Willen, war er so und ist er nicht ein Bild dessen, was ich soll und was ich bin? »Ein Packesel bin ich für dich geworden, und gerade so bin ich ganz und immer bei dir. «
Was könnte ich mehr und Genaueres über meine bischöflichen Jahre sagen? Von Korbinian wird erzählt, daß er den Bären in Rom wieder in Freiheit entließ. Ob er in den Abruzzo ging oder in die Alpen zurückkehrte, interessiert die Legende nicht. Inzwischen habe ich mein Gepäck nach Rom getragen und wandere seit langem damit in den Straßen der Ewigen Stadt. Wann ich entlassen werde, weiß ich nicht, aber ich weiß, daß auch mir gilt: Dein Packesel bin ich geworden, und so, gerade so bin ich bei dir."
Wir wünschen Papst Benedikt weiterhin Kraft, Gesundheit und Gottes Segen für sein schweres Amt als Packesel des Herrn.

Ostersonntag in St. Theresa's
Zehn Jahre „Alte Messe“
in Hong Kong
13. April 2012
Mit einem Pontifikalamt des Ortsordinarius John Cardinal Tong konnte die „Gemeinschaft der tridentinischen Liturgie“ des chinesischen Sonderterritoriums am Ostersonntag ihr 10-jähriges Bestehen feiern. St. Thera's Church, eine der größten Kirchen der Stadt, war bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Chöre der Stadt und der umfangreiche Altardienst hatten wochenlang geprobt, um das Pontifikalam auf angemessenene Weise würdig zu feiern.
Erste Bilder vom Ereignis veröffentlicht TNLM.
Ostern im ISPN Berlin
11. April 2012

Bei der Weihe des Taufwassers
Eine Serie mit 40 Bildern von der Feier der Osternacht, dem nächtlichen Osterfrühstück und dem Hochamt des Ostersonntags zeigt die Website des Instituts St. Philipp Neri in Berlin.
Christ ist erstanden!
8. April 2012

Die Auferstehung; Hendrik van den Broek (1519 - 1597)
Nach der todesstunde feier
Schlagt des frohen tages leier,
Ungesäuert esst das brot:
Da des todes fürst vernichtet,
Ist der opfer brauch gerichtet,
Christus sich zum opfer bot.
Den vollständigen Text der anonymen Ostersequenz „Christi morte celebrata“ aus dem 12. oder frühen 13. Jahrhundert und die Übersetzung von Friedrich Wolters bietet das Hymnarium.
Zum Karfreitag
6. April 2012

Die Kreuzigung; Fresco von Giotto Bondone (1266 - 1337) in Assisi
Sei gegrüßt Jesus, guter Hirte,
der Du im Todeskampf ermüdet
an dem Holze ausgestreckt
und an das Holz angeheftet bist
mit ausgebreiten heiligen Händen.
Aus dem „Salve Jesu, pastor bone“ in der Oratio Rhythmica des Arnulph von Löwen († 1150).

Konsekration des WeinesBild: Rothenfels
Zum Gründonnerstag
5. April 2012
Gerade rechtzeitig zum Gründonnerstag hat der Vatikan die deutschen Bischöfe erneut dazu aufgefordert, für die überfällige Neuausgabe des Missale Romanum in deutscher Sprache eine korrekte Übersetzung der Wandlungsworte einzureichen. Bekanntlich steht dort derzeit für das „pro multis“ der lateinischen Vorlage die Wendung „für alle“. Diese Erklärung des Erlösungswillens Christi ist in einem Kommentar durchaus sinnvoll, als Übersetzung jedoch ungeeignet und irreführend: Nicht alle Menschen sind bereit, sich dem Erlösungswillen Christi anzuschließen.
Kardinal Arinze als Präfekt der Glaubenskongregation hat daher bereits unter Datum vom 17. Oktober 2006 alle Bischofskonferenzen, deren Missale eine Übersetzung im Sinne des „für alle“ aufweisen, aufgefordert, hier innerhalb von 2 Jahren Abhilfe zu schaffen. Während die meisten dieser Aufforderung inzwischen nachgekommen sind, weigert sich die deutsche Bischofskonferenz, deren Sekratariat die Existenz des Schreibens aus Rom lange bestritten hatte, weiterhin hartnäckig, in diesem zentralen Punkt zur Einheit mit der Gesamtkirche zurückzukehren.
Zu den sprachwissenschaftlichen und theologischen Hintergründen des "Für-Alle-Problems" hat P. Michael Wildfeuer eine allgemeinverständliche Darstellung verfaßt, die Sie auf kath-info nachlesen können.

S.E. Malcolm Cardinal Ranjith, Erzbischof von Colombo
Kardinal Ranjith erneuert
Verbot der Handkommunion
4. April 2012
In einem ausführlichen Rundschreiben an seinen Klerus hat S.E. Malcolm Cardinal Ranjith rechtzeitig vor den Osterfeiertagen seine Entschlossenheit unterstrichen, die in vielen Gemeinden seiner Diözese eingerissenen liturgischen Mißbräuche zu bekämpfen. Ausdrücklich erinnert er daran, daß die Kommunion in allen Kirchen und Kapellen der Erzdiözese nur an kniende Empfänger und auf die Zunge gespendet werden darf – „das gilt auch für Messen unter freiem Himmel mit einer großen Teilnehmerzahl.“ Weiter schärft der Kardinal seinen Priestern ein, bei der Zelebration die Vorschriften hinsichtlich der Paramente gewissenhaft einzuhalten und alle persönlichen Extravaganzen zu unterlassen: „Es ist der Höhepunkt unserer Identifikation als Priester mit Christus, sich vollständig mit ihm in seinem Erlösungsopfer auf dem Kalvarienberg zu identifizieren. Bei der Priesterweihe hat die Kirche diese Realität durch die Verleihung ‚neuer Gewandung’ sichtbar gemacht, und so sollen wir die Tatsache, daß wir bei der heiligen Messe ‚in Person Christi’ handeln, auch durch die getragenen liturgischen Gewänder zum Ausdruck bringen“
Weitere Abschnitte seines Rundschreibens enthalten Ermahnungen an die Priester, ihrer „Hirtensorge“ gerecht zu werden und verurteilen Bestebungen im politischen Raum, die Gesetze zugunsten einer weiteren Verbreitung der „Seuche der Abtreibung“ zu verändern. Hier der vollständige Text in englischer Sprache.

Blick auf die zurückgezogene FassadeBild: John Sonnen
Stationskirche am Dienstag der Karwoche: S. Prisca
3. April 2012
Drei von den römischen Stationskirchen der Karwoche gehören zu den bekanntesten Kirchen der Stadt: St. Johannes im Lateran (Palmsonntag, Gründonnerstag und Karsamstag), Groß-St. Marien (Santa Maria Maggiore, Mittwoch) und die Kirche vom Hl Kreuz in Jerusalem am Karfreitag. Kunstliebhaber kennen auch noch S. Prassede (Karmontag), erstens, weil ihre Mosaiken zu den ältesten erhaltenen in der Stadt gehören, und zweitens weil diese Kirche unmittelbar um die Ecke bei Maria Maggiore liegt. Die Stationskirche vom Dienstag der Karwoche gehört demgegenüber zu den kaum bekannten Kirchen Roms, sie liegt abseits der Touristenstrecken am Südhang des Aventin, und da ihre nicht sonderlich eindrucksvoll wirkende Front auch noch aus der Straßenflucht zurückgezogen liegt, kann man leicht daran vorbeilaufen.
S. Prisca gehört zu den ältesten Titelkirchen der Stadt. Sie geht bis auf das 3. Jahrhundert zurück und soll das Andenken einer gewissen Prisca überliefern. Wobei es da nicht allzuviele Gewissheiten gibt: Eine Tradition sieht in ihr jene Prisca oder Priscilla, die zusammen mit ihrem Mann Aquila zu den Freunden und Wohltätern des hl. Apostels Paulus gehört und ihn von Korinth nach Rom begleitet haben soll. Daran kann man mit guten Gründen zweifeln: Es ist schwer vorstellbar, daß eine Zeltmacherfamilie mit Migrationshintergrund sich in dieser seinerzeit sehr beliebten Wohngegend hätte ansiedeln können.
Der Innenraum im barocken GewandBild: Wikimedia
Eine andere und nicht ganz so unwahrscheinliche Tradition sieht als Ursprung dieses Titulus die Hauskirche einer Märtyrerin Prisca, die im 3. Jh. an der Straße nach Ostia hingerichtet und später auf ihrem Besitztum bestattet wurde. Vielleicht gehört S. Prisca aber auch zu den vielen römischen Kirchen, die nach Überwindung des Heidentums in den Mauern früherer Tempel errichtet wurden: Ein Teil der Grundmauern scheint zu einem früheren Dianatempel oder Nymphäum aus dem 2. Jh. zu gehören, an anderer Stelle wurden unter der Kirche Reste eines Mithräums ausgegraben. Früheste eindeutig christliche Spuren – ein Oratorium mit Fresken der Apostel – stammen aus dem 4. Jahrhundert.
Eine im 7. Jahrhundert auf den alten Mauern errichtete typisch römische dreischiffige Basilika wurde im Lauf der Jahrhunderte mehrfach renoviert und modernisiert. Im 17. und 18. Jahrhundert erhielten der Innenraum und die Fassade ihr heutiges barockes Aussehen. Der Raumeindruck insgesamt wurde dabei kaum verändert, und tatsächlich stecken in den heute sichtbaren gemauerten Pfeilern auch noch die Marmorsäulen des Baus aus dem 7. Jahrhundert. Der Volksaltar steht heute ziemlich genau an der Stelle, an der sich früher der Abgang zu einer (teilweise erhaltenen) Confessio oder Krypta befunden hat. Einer Wiederherstellung der ursprünglichen Anlage zu gegebener Zeit dürfte nichts im Wege stehen.
Der Weg in den liturgischen Minimalismus
2. April 2012
Der im vergangenen Jahr verstorbene ungarische Liturgiewissenschaftler László Dobszay hat die „Reform“ der Karwochenliturgie in seinem Buch über die Reformen Bugninis ausführlich untersucht. Über die Liturgie des Palmsonntags schreibt er u.a.:
Es ist festzuhalten, daß es im Römischen Ritus keinen anderen Zeitabschnitt gibt, der so viele Elemente von den Gebräuchen der Kirche von Jerusalem übernommen hat wie die Karwoche. Die bildhafte Kraft einiger ihrer liturgischer Aktivitäten (z.B. die Riten des Palmsonntags) oder die Überreste der Verehrung der heiligen Stätten und Reliquien (z.B. am Karfreitag) breiteten sich von Jerusalem aus in der ganzen Kirche aus und gewährleisteten, daß keiner vom unmittelbaren (nachgerade physischen) Kontakt mit den heiligen Geheimnissen ausgeschlossen wäre. Das mag daher rühren, daß die Römische Liturgie sich nicht mit Worten zufrieden gibt, sondern an diesen heiligen Tagen den Ausdruck in sichtbaren Symbolen und dramatischen Handlungen sucht. Indem sie so die Sphäre der Worte überschreitet, drückt sie gleichzeitig eine theologische Sichtweise aus, nach der die Liturgie mehr ist als ein lehrhaftes, anspornendes oder gedenkendes Erinnern: Sie ist ein Akt des Mysteriums, in dem sich unter dem Schleier äußerer Handlungen die Realitäten der Erlösung in der Gegenwart verwirklichen.(...)
In dieser Hinsicht stellte der Ritus Curiae (d. h. der vortridentinische Gebrauch am päpstlichen Hof) und dann natürlich auch der Tridentinische Ritus bereits einen beträchtlichen Niedergang dar. Im Leben der Priester der päpstlichen Kammern fehlten sowohl die Voraussetzungen als auch die pastoralen Anreize für die vielfarbige Umsetzung einer solchen „bildhaften“ Liturgie. (...) Dieser bereits reduzierte tridentinische Ritus bildete nun den Ausgangspunkt für die Reformen der Bugnini-Liturgie. Die Neuerungen brachten weitere Verarmung, teilweise durch Vorgaben, teilweise durch Freistellung ad libitum, und führten so immer weiter in den liturgischen Minimalismus."
Im Jahr 2009 haben wir die Kapitel von „The Bugnini-Liturgy and the Reform of the Reform“ zur Karwoche mit freundlicher Genehmigung des Autors übersetzt und auf Summorum-Pontificum veröffentlicht. Hier die entsprechenden Seiten:
Der alte Ritus der Palmweihe – eine „Missa sicca“
1. April 2012
Einzug in Jerusalem von Giotto di Bondone
Aus den insgesamt noch weitaus umfangreicheren Ausführungen des sel. Ildefons Schuster zur Palmsonntagsliturgie in seinem Liber Sacramentarum übernehmen wir die wesentlichen Abschnitte zur Palmenweihe(Bd. III, S. 185 f. ).
DIE PALMENWEIHE gibt uns ein Bild der altchristlichen Versammlungen, d. h. jener Gottesdienste, die nur aus Psalmengebet, Unterweisung der Gläubigen usw. bestanden, auf die jedoch das hl. Opfer nicht folgte. Einen solchen Gebetsgottesdienst nahmen die Christen in apostolischer Zeit aus den Synagogen der Diaspora herüber. Die Prozession mit Olivenzweigen hatte in Jerusalem ihren Ursprung, wie die Pilgerin Aetheria am Ausgang des 4. Jahrhunderts bezeugt. Im Abendlande hielt man schon von Anfang an die Ölzweige bei der Lesung des Evangeliums in der Hand. Später kam in Gallien ein besonderer Segen hinzu, nicht über die Zweige, sondern über die Personen, welche den Worten des Evangeliums gemäß Palmen trugen. Die Prozession vor der hl. Messe verlieh den Zweigen eine solche Auszeichnung und Bedeutung, daß sie schließlich die priesterliche Segnung erhielten.
Nach den Ordines Romani des 14. Jahrhunderts werden die Palmen vom Kardinal von St. Laurentius geweiht und von Klerikern in das Patriarchium, und zwar in die Kapelle des hl. Silvester gebracht. Hier verteilen die Akolythen der vatikanischen Basilika die Zweige an das Volk. Der Klerus erhält die Palmen aus den Händen des Papstes im Triklinium Leos III. Nach der Verteilung bewegt sich die Prozession zur Erlöserkirche. Im Portikus angekommen, nimmt der Papst auf einem Throne Platz, die Türen der Basilika sind noch verschlossen. Nun stimmt im Innern der Kirche der Primicerius der Sänger und der Prior der Basilika mit ihrer Assistenz den Hymnus Gloria, laus et honor an, der auch heute noch in der Liturgie verwendet wird. Ist der Gesang beendet, so öffnen sich die Tore und in feierlichem Zuge tritt man in die Kirche ein, um mit dem hl. Opfer das große Drama der Erlösung zu beginnen (…)
Die Palmenweihe beginnt mit dem INTROITUS (Mt 21, 9): „Hosanna dem Sohne Davids l Hoch gelobt, der da kommt im Namen des Herrn 1 König Israels, Hosanna in der Höhe l" Mit diesem Zuruf wird heute der Messias begrüßt von den Heiden, den Kindern, dem einfachen Volke und den Ungebildeten. Die Führer der Juden aber halten sich fern. Darum verstößt der Heiland die verstockten Juden und wendet sich an die Heidenvölker, die ihn freudig als ihren Erlöser und Gott anerkennen. Doch die Barmherzigkeit des Herrn ist unerschöpflich: auch Israel wird gerettet, sobald es seinem Erlöser entgegenzieht und mit dem Psalmisten und den Kindern singt: „Hochgelobt, der da kommt im Namen des Herrn."
Dieses Bekenntnis des Glaubens an den Messias war Jesus überaus wohlgefällig; darum sollen auch wir es mit großer Andacht beten. Die Kirche erneuert es täglich im feierlichsten Augenblick der hl. Messe, bevor Jesus auf das Wort des Priesters als Opfer auf unsere Altäre herniedersteigt.
SEGEN ÜBER DAS VOLK: „Gott, dem verehren und lieben Gerechtigkeit ist, mehre in uns die Geschenke deiner unaussprechlichen Gnade. Im Tode deines Sohnes gabst du uns die Zuversicht, das zu erhoffen, was uns der Glaube zeigt: laß uns durch seine Auferstehung dahin gelangen, wohin unsere Sehnsucht zieht." Die Form des Gebets ist feierlich, sein Inhalt klar und gemessen: Jesu Tod ist die causa meritoria unseres Heils, seine Auferstehung die causa exemplaris, denn der verherrlichte Heiland läßt auf die Glieder seines mystischen Leibes die Heiligkeit und Glückseligkeit überströmen, die ihn selbst als das Haupt dieser Gemeinschaft am Tage seines Sieges über Tod und Sünde erfüllt.
LESUNG (2 Mos 15, 27; 16, 1-7). Die Erzählung vom Aufruhr der Juden gegen Moses (...) wurde in der gallikanischen Liturgie erst im Mittelalter eingeführt, und zwar, weil darin Wasserquellen und Palmen vorkommen, in deren Schatten das auserwählte Volk sich lagerte. Die Juden, die in so wunderbarer Weise aus der Knechtschaft Ägyptens herausgeführt worden waren, murren wider den Herrn und sehnen sich nach den Fleischtöpfen Ägyptens zurück. Sie wurden dadurch zum Vorbild für ihre Söhne, die einst den wahren Moses, den Befreier aus der Sklaverei der Hölle, gerade in dem Augenblicke verstießen und töteten, als er sein Leben zur Erlösung für sie hingab."
Soweit der Sel. Ildefons. An einer Stelle erscheint noch eine Ergänzung angebracht: Der Ritus der Palmweihe insgesamt folgt weitgehend dem einer Feier der hl. Messe. Das Hauptgebet der Palmweihe entspricht in seiner Form exakt einer Präfation auf die alledings kein Kanon folgt, sondern eine ähnlich umfangreiche und altehrwürdige Sammlung von Weihegebeten. Deren Höhepunkt und Abschluss bildet dann die eigentlich Segnung der Palmen, die damit als eine „Konsekration“ von Sakramentalien gekennzeichnet wird. Seit dem frühen Mittelalter bürgerte sich für Weihegottesdienste dieser Art die Bezeichnung als „Missa Sicca“ ein. Diese Bezeichnung wurde im Zug der nachtridentischen Reformen „abgeschafft“ - die Sache selbst hat sich in der Palmweihe weitgehend erhalten.
Das heißt: Bis zur „Reform“ von 1955. Bei dieser Gelegenheit wurde der überlieferte Ritus komplett ausgelöscht. Die Segnung der Zweige findet sofort zu Beginn einer extrem kurzen Zeremonie statt, der man ansieht, daß die Sache den Liturgen wohl irgendwie peinlich war. Dem folgt das Absingen von Psalm 23 (teilweise) und Psalm 46, und schon sind wir bei dem nun als Evangelium verlesenen Bericht über den Einzug in Jerusalem, der früher als Antiphon die Prozession eröffnete. Das wars.
1970 musste an dieser Schrumpfform dann auch nicht mehr viel reformiert werden. Allerdings wurde die Segensformel, bei der 1955 noch davon die Rede war, das Vok Gottes möge „den Sieg erstreiten über den Feind“, pelagianisiernd neutralisiert: „Lass uns in Christus die Frucht guter Werke bringen“.
Es ist schwer vorstellbar, daß dieses Zerstörungswerk von 1955 auf Dauer Bestand haben sollte.
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