Bis zur letzten Minute: Ungewissheit und Unsicherheit vor der Bischofsweihe
30. Juni 2026
In den Tagen vor den Bischofsweihen der FSSPX ist die Lage in den an der Tradition festhaltenden Teilen der römischen Kirche von bedrückenden Ungewissheiten gekennzeichnet.
Die erste drückt sich in der Frage aus: Wie wird Rom reagieren? Daß die neuen Bischöfe ebenso wie diejenigen, die sie weihen, formell für exkommuniziert erklärt werden, ist so gut wie sicher. Glaubenspräfekt Fernandez und andere Spitzenfunktionäre haben sich mehrfach dahingehend geäußert.
Und dann in buchstäblich letzter Minute ein Angebot (oder ist es eine strafbewehrte Aufforderung?) zum Gespräch. Wir dokumentieren den Briefwechsel.
Heinz-Lothar Barth über die Lehre der Kirche zum Gehorsam
29. Juni 2026
Im zu Ende gehenden Monat erschien im Sarto-Verlag ein neues Buch von Heinz-Lothar Barth: „2. Vatikanisches Konzil – Verdunklung der Kirche“, dessen Inhalt und Veröffentlichungszeitpunkt ganz wesentlich von den in dieser Woche stattfindenden Bischofsweihen bei der FSSPX bestimmt ist.
Zur Einführung in die aktuelle Diskussion zur Erlaubtheit und dem angeblich schismatischen Charakter dieser Weihen greifen wir hier vor einer geplanten ausführlicheren Vorstellung auf den speziell diesem Thema gewidmeten Anhang des Buches zurück, aus dem wir den Abschnitt S. 261-267 zitieren.
Einfach nur katholisch —
Das „Glaubensbekenntnis“ der FSSPX
zur hl. Messe
27. Juni 2026
Am 24. Juni veröffentlichte die FSSPX ein „Katholisches Glaubensbekenntnis“, das den Gläubigen in aller Welt und damit auch den Amtsträgern in Rom authentische Auskunft darüber gibt, was die Bruderschaft als die Essenz des katholischen Glaubens betrachtet – und was sie als Entstellung ablehnt.
Das Dokument der Bruderschaft umfasst insgesamt 153 kurz und präzise formulierte Einzelpunkte; Wir haben uns zunächst das 14. Kapitel zum Thema Eucharistie und Liturgie näher angeschaut. Den bringen den Text dieses Kapitels, dem wir eine kurze kommentierende Einführung vorangestellt haben.
Ephraims 8. Hymnus auf das Paradies
26. Juni 2026
Die theologische Methode von Ephraim dem Syrer, den wir hier in der letzten Woche vorgestellt haben, läßt sich wohl am besten mit einem Ausdruck wie „schriftfundiert-poetisch-spekulativ“ beschreiben. Zur Verdeutlichung des damit Gemeinten bieten wir hier den 8. Hymnus auf das Paradies nach der englischen Übersetzung von Sebastian Brock.
Die nebenstehende Abbildung zeigt den Anfang des 1. Paradies-Hymnus - den 8. haben wir nicht in der Originalversion verfügbar. Und wenn, könnten wir sie auch nicht lesen.
Ein Paukenschlag aus Econe: Katholisches Glaubensbekenntnis ohne Wenn und Aber
25. Juni 2026
Die Piusbruderschaft hatte am 14. Mai eine „Katholische Glaubenserklärung“ und wenige Tage später eine Botschaft an die Gläubigen veröffentlicht, um ihre Haltung in der Auseinandersetzung um die geplanten Bischofsweihen zu erläutern und ihre Übereinstimmung mit der überlieferten Lehre der Kirche zu bekräftigen. Beide Texte wurden von Rom weder offiziell noch inoffiziell zur Kenntnis genommen. Auch In der „papsttreuen“ Publizistik gab es keine nennenswerte Reaktion. Wer nicht pariert, ist Schismatiker, basta! – so die eindeutige Botschaft.
Nun hat die Bruderschaft nachgelegt und ein „Katholisches Glaubensbekenntnis“ veröffentlicht, in dem sie klar zum Ausdruck bringt, was die seit apostolischen Zeiten überlieferte und nur zurückhaltend vertiefte Lehre der Kirche ausmacht - und was von dieser Lehre abweicht.
Gute Nachrichten aus der Tradition
24. Juni 2026
Bei all den besorgniserregenden Entwicklungen und kirchenpolitischen Katatrophen, über die hier ständig zu berichten ist, wollen wir die wenigen guten Nachrichten nicht übersehen. Als erste hier zu nennen ist die von der Priesterweihe bei der Petrusbruderschaft am vergangenen Samstag in Lindenberg, bei der Bischof Marc Aillet von Bayonne 13 Diakonen des Seminars St. Petrus die Hände auflegen konnte. Bereits im Mai waren für den Nordamerikanischen Distrikt 12 Priester geweiht worden – die Summe von 25 Neupriestern macht den Jahrgang 2026 zum bisher stärksten Weihejahrgang der FSSP überhaupt.
Und in den USA hat es ein traditionsfreundlicher Bischof geschafft, einen neuen Messort für die alte Messe einzurichten.
Absturz aus transalpinen Höhen oder: Warum Sedisvakantismus keine gute Idee ist
23. Juni 2026
Ende letzter Woche haben die „Söhne des allerheiligsten Erlösers“, bekannter als die „Transalpinen Redemptoristen“ von Papa Stronsay, erklärt, daß ihr Oberer P. Michael Mary am 25. Juni zum Bischof geweiht werden soll. Als weihender Bischof werden der kanadische Sedisvakantist Pierre Roy und als Ko-Konsekratoren die ebenfalls dem römischen Papst die Anerkennung verweigernden Bischöfe Rodrigo Ribeiro da Silva (Brasilien) und Fernando Altamira (Argentinien) angegeben. Alle drei waren ursprünglich Mitglieder der Piusbruderschaft, die sie dann später wegen deren angeblich inkonsequenten und zu unentschiedenen Verhaltens gegenüber Rom verlassen haben. Alle drei sind gültig, aber ohne römisches Mandat, geweihte Bischöfe aus der Weihelinie des vietnamesischen Erzbischofs Martin Ngô Ðình Thục (1897 – 1984).
Ein echter Nachkomme des Leviathan: Der Modernismus verschlingt Welt und Kirche
20. Juni 2026
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts kämpfte die Kirche – die Päpste an der vordersten Front – gegen das Phänomen des „Modernismus“. Was das ist, wird bei Wikipedia ganz zutreffend so zusammengefasst: „Unter dem Schlagwort Modernismus fasste man in der römisch-katholischen Kirche bis in die Zeit vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil innerkirchliche Strömungen und wissenschaftliche Meinungen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts zusammen, die theologische Lehren mit dem jeweiligen Erkenntnisstand der modernen Wissenschaften und Philosophie in einer Weise zu verbinden suchten, die Widersprüche zwischen katholischem Glauben und modernem Weltbild aufheben und der kirchlichen Lehre den Anschluss an die Moderne ermöglichen sollte.“ Diese Beschreibung ist sehr präzise und läßt das Grundproblem aller Spielarten des Modernismus deutlich hervortreten: Sie alle zielen darauf ab, eine Art von Harmonie zwischen dem christlichen Glauben und modernen Weltbildern für möglich zu halten und anzustreben. Die Quadratur des Kreises.
Ephraim der Syrer - ein im Westen wenig bekannter Kirchenlehrer aus dem Osten
18. Juni 2026
Nach dem Martyrologium Romanum aus den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts ist heute der Feiertag des hl. Ephraim des Syrers; Kirchenlehrers und Dichters aus dem 4. Jahrhundert (306 – 373). Andere Kalendarien gedenken seiner am 9. Juni oder am 9. Juli, die Kirchen des Ostens feiern ihn am 28. Januar. Im Osten tritt er im Rang zwar hinter dem Dreigestirn seiner Zeitgenossen Basilius der Große, Gregor von Nazianz und Johannes Chrysostomus zurück, ist im liturgischen und theologischen Bewußtsein aber seit Alters her sehr präsent – auch beim frommen Volk. Für die Westkirche wurde er von Benedikt XV. 1920 zum Kirchenlehrer erhoben, doch ist sein Bild im Westen ziemlich blaß geblieben.
„Wir müssen voranschreiten“ — ohne Rücksicht auf Verluste.
17. Juni 2026
Papst Leo nutzt des öfteren das etwas außerhalb der Großstadt gelegene Castel Gandolfo für Erholungspausen - das steht ihm zu. Bei der Rückfahrt nach Rom gibt er vor dem Besteigen seines Wagens stets eine improvisierte Pressekonferenz für die Journalisten, die erwartungsvoll den Eingang zur Villa belagern. Meistens mit Gewinn, denn der Papst nutzt diese informelle Gelegenheit gerne für Mitteilungen, die er – oder seine Berater – zwar platzieren, aber „nicht allzu hoch hängen“ wollen. Am vergangenen Dienstag (16. Juni) fragte nun einer der Journalisten nach den Aussichten für die weitere Entwicklung des Verhältnisses zur Priesterbruderschaft Pius X., und die darauf erteilte Antwort hat uns doch einigermaßen die Sprache verschlagen.
Was von der 24. Woche übrigblieb: Das Rad dreht sich immer schneller.
15. Juni 2026
Die Dinge entwickeln sich derzeit schneller und heftiger, als unsereins das nachverfolgen kann. Deshalb sollen hier einige Nachrichten aus der vergangenen Woche wenigstens kurz mitgeteilt werden, auch wenn jede davon eine eingehende eigene Behandlung verdient hätte. Themen dieser Woche sind gerüchteweise verlautbarte Pläne zur Änderung oder Relativierung nicht nur von Humanae Vitae, sondern auch der Bulle Apostolicae curae.
Gleichzeitig werden auch Zeichen des Widerstandes gegen die Reformdiktatur sichtbar, über die wir ebenfalls berichten.
Papst Benedikt zum Fest des heiligsten Herzens Jesu und seiner besonderen Verbindung zum Priestertum
13. Juni 2026
Am Freitag, den 19. Juni 2009, hielt Papst Benedikt zur zweiten Vesper am Hochfest des Heiligsten Herzen Jesu in Verbindung mit der Eröffnung des Priesterjahres eine Predigt, aus der wir hier einige Abschnitte dokumentieren. Der vollständige Text findet sich auf der Website des hl. Stuhles
Das nebenstehend abgebildete Andachtsbildchen des 19. Jahrhunderts versucht, den Zusammenhang zwischen Priesteramt und dem Herzen Jesu mit den Mitteln und nach dem Geschmack seiner Zeit darzustellen. Heute würde man das wohl „Inkulturation“ nennen.
Bischof Schneider zum Versuch, das II. Vatikanum zum Dogma zu erklären
11. Juni 2026
Wenige Tage nach der Veröffentlichung seiner „Kernfragen zum Verhältnis der Piusbruderschaft zum 2. Vatikanum“ (hier unsere Zusammenfassung) hat Bischof Athanasius Schneider dem amerikanischen Video-Blogger Matt Gaspers ein Interview gegeben, in dem er einige grundsätzliche Aussagen weiter präzisiert und für ein allgemeines Verständnis erläutert. Wir haben die erste Hälfte des fast 50-minütigen Gesprächs übersetzt und geben den Text hier in sprachlich geglätteter Form wieder.
Die Grenzen der päpstlichen Macht liegen in der Tradition
10. Juni 2026
Der hier nachveröffentlichte Beitrag von Martin Grichting erschien bereits im Mai auf kath.net, fand aber erst jetzt unsere Aufmerksamkeit. Dabei behandelt er eine der brennendsten Fragestellungen in der aktuellen Situation überhaupt: Das Spannungsfeld zwischen der von interessierter oder auch desorientierter Seite maßlos übersteigert dargestellten päpstlichen Autorität und der Bindung und Begrenzung dieser Autorität durch die von Christus seinen Aposteln und deren Nachfolgern übergebene Lehre und Wahrheit.
Damit kann dieser Kommentar vielen, die derzeit um ihre eigene Position in diesem Spannungsfeld ringen, wertvolle Orientierungshilfen geben.
Was von der 23. Woche übrigblieb: Weiß der Präsident der päpstlichen Akademie für Theologie eigentlich, wovon er redet?
09. Juni 2026
Themen sind unter anderem die Ernennung der Chefmanagerin von EWTN zur Präfektin des Presse-Dikasteriums, die Streichung des Themas „Liturgie“ von der Tagesordnung des nächsten Konsistoriums, eine scharfe Kritik von Renzo Pucetti an Verfahren und Zielen des Synodenformats der runden Tische und schließlich der theologische Offenbarungseid des Präsidenten der päpstlichen Akademie für Theologie, der anscheinend John Lennon für den Vollender der Offenbarung hält.
Bischof Schneider: Diagnose und Lösungsvorschlag für die Krise um die FSSPX
06. Juni 2026
Weihbischof Athanasius Schneider hat am 4. Juni eine Erklärung veröffentlicht, die geeignet ist, die gesamte Debatte über die von der Piusbruderschaft angekündigten Bischofsweihen auf eine neue Grundlage zu stellen. Sie könnte darüber hinaus, wenn sie denn in Rom gehört und ernst genommen würde, das „heiße Stadium“ der Krise abschließen und den Weg zu einer produktiven Gestaltung des Verhältnisses von „Reformlager“ und der „Traditionsgebundenen“ in der Kirche öffnen – wenn und soweit es den „Reformern“ denn tatsächlich um Reformen und nicht um Revolution ginge.
Bischof Schneider faßt seine Ausführungen in „Fünf Kernfragen zur Priesterbruderschaft des hl. Pius X.“ zusammen, die wir hier in geraffter Form wiedergeben. Den vollständigen Text (auf Englisch) bietet Diane Montagna auf ihrem Substack.
Thomas von Aquins eucharistischer
Hymnus „Adoro te devote“
04. Juni 2026
Die Hymnen der lateinischen Kirche sind oft nicht nur erlesen Werke der Sprach- und Dichtkunst, sondern auch Perlen theologischer Einsicht – und für die Hymnen des Thomas von Aquin zu Fronleichnam, die wir hier im vergangenen Jahr eher kursorisch vorgestellt haben, gilt das in ganz besonderem Maße. Treffender als jeder Katechismus und gerade auch im poetischen Ausdruck präziser, jedenfalls für den Nicht-Theologen, als die manchmal umständlich erscheinenden Ausführungen Thomas’ zur Eucharistie in seiner Summa Theologiae III, 73 – 80) machen sie das erkennbar, was der Autor vermitteln will. Wobei „erkennbar“ nicht gleichbedeutend ist mit „verständlich“, wie Thomas gleich in der ersten Strophe seines hier näher vorzustellen Hymnus „Adoro te devote“ verdeutlich.
Von der „Weiterentwicklung der Theologie“ zur Zerstörung der Lehre — Wie Franziskus&Co den Glauben ruinier(t)en
02. Juni 2026
Erzbischof Vincenzo Paglia – bis letztes Jahr Präsident der von Papst Franziskus vollständig umgekrempelten „Päpstlichen Akademie für das Leben“ – gab letzten Monat der italienischen Zeitung Settimana News einen ausführlichen Bericht über die Reformen, die er an dem seinerzeit von Johannes Paul II. gegründeten für Ehe- und Familienwissenschaften durchgeführt hatte.
Man kann dieses Interview auch als eine Art „Selbstanzeige“ lesen: Selten zuvor war zu beobachten, mit welcher Übeheblichkeit und Leichtfertigkeit sich die Spitzen eines Pontifikats über die traditionelle Lehre hinwegsetzen, um ihre durchaus zeitbedingten und höchst mittelmäßigen Gedanken an deren Stelle zu setzen.
Einen Monat vor den Bischofsweihen: kirchenrechtliche und ekklesiologische Überlegungen von Clemens Victor Oldendorf
01. Juni 2026
Die von der FSSPX angekündigten Bischofsweihen könnten zum alles andere überschattendenden Ereignis des Pontifikats werden: Die angedrohten weitreichenden Exkommunikationen würden einen weiteren Schritt an das bereits von Franziskus in Aussicht gestellte Schisma zwischen „nachkonziliaren Revolutionären“ und „vorkonziliaren Bewahrern“ heranführen. Wir wollen die damit verbundenen Probleme in den Wochen bis zur Weihe in einigen Beiträgen von Sachkennern näher beleuchten.